Verwirrung um Insolvenzen

Nach Peinlich-Auftritt bei Maischberger: Top-Ökonom springt Habeck bei

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Wann ist ein Bäcker insolvent? Nach einem Auftritt bei Maischberger wurde Minister Habeck zum Gespött. Doch er hatte mit seinem Geschwurbel wohl recht.

Berlin – Wütende Proteste der Bäckerei-Innung, Hohn und Spott von der Opposition im Bundestag: Mit einem Auftritt in der ARD-Sendung von Sandra Maischberger hat sich Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) viel Ärger eingefangen. Doch die vermeintlichen falschen Aussagen zur Insolvenzgefahr in Deutschland waren vielleicht richtig. Zumindest bekam der Minister jetzt Rückendeckung von Top-Ökonom Marcel Fratzscher.

„Ich verstehe die Kritik nicht“, twitterte der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). Denn die Aussagen zum Thema Insolvenzen seien „zutreffend“.

Robert Habeck (Grüne): Nach Auftritt bei Maischberger rückt Top-Ökonom das Thema Insolvenzen gerade

Was war los? Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) war am Dienstag in der ARD-Sendung von Sandra Maischberger gefragt worden, ob Deutschland in der Gaskrise eine Insolvenzwelle drohe. Seine Antwort: „Nein, das tue ich nicht. Ich kann mir vorstellen, dass bestimmte Branchen einfach erst mal aufhören, zu produzieren.“ Als Beispiele nannte er dann Betriebe wie Blumenläden oder Bäcker, die zu wenig einnehmen würden, weil die Kunden in der Krise weniger kaufen würden, – und die dann in der Folge den Betrieb einstellen müssten. „Dann sind sie nicht automatisch insolvent, aber sie hören dann vielleicht auf zu verkaufen“, schob Habeck hinterher.

Weist die Kritik an Minister Robert Habeck (Grüne) zurück: Top-Ökonom Marcel Fratzscher.

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Die Sätze hatten ihm dann die Kritik eingebracht, er habe keine Ahnung. Die Innung der Bäcker zeigte sich empört. Im Netz kippten Nutzer auf den sozialen Netzwerken Hohn und Spott aus. Und Oppositionschef Friedrich Merz (CDU) giftete während seiner Rede im Bundestag während der Generaldebatte gegen Habeck. Der Auftritt bei Maischberger zeige, dass man dem Minister nicht die Führung in der Krise überlassen dürfe. Am Donnerstag konterte Habeck das CDU-Bashing wiederum scharf.

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Ungeachtet dessen stütze auch Fratzscher den Minister. Auch der Top-Ökomom verwies auf den Unterschied von Insolvenz und stiller Betriebsschließung. So könne es durchaus sein, dass etwa Hotels vorübergehend schließen müssten oder Betriebe wegen der hohen Gaspreise die Produktion herunterfahren müssten. Dies geschehe in der Gastronomie während der Sommer- oder Wintersaison durchaus öfter. Oder auch in der Corona-Pandemie seien einige Läden zur zwischenzeitlichen Geschäftsaufgabe gezwungen worden.

DIW-Chef Marcel Fratzscher nimmt bei Twitter den Wirtschaftsminister nach dem Talk bei Sandra Maischberger in Schutz

Dadurch seien die Betriebe aber nicht insolvent, bemerkte Fratzscher und fügte hinzu: „Man könnte lediglich kritisieren, dass er nicht über die staatlichen Maßnahmen gesprochen hat, die in solchen Fällen greifen. Aber es ist bei dieser gegenwärtigen Unsicherheit eher klug, dies nicht zu tun.“

Doch das Dauerfeuer der Kritik aus der Politik ging an dem Minister nicht spurlos vorbei. Am Donnerstag kündigte Habeck Hilfen für kleine und mittlere Unternehmen im Rahmen des 3. Entlastungspaketes an. Zwar soll keine unnötige Unsicherheit verbreitet werden. Doch den Ärger will der Minister auch nicht auf sich sitzen lassen.

Rubriklistenbild: © Wolfgang Kumm/Bernd von Jutrczenka/dpa/Montage

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