„Grausam und bösartig“

Nach Verwirrung um falsche Frauenleiche: Hamas übergibt sterbliche Überreste von Shiri Bibas an Israel

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Plakat von Familie Bibas.
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Die Übergabe der Leichen durch die Hamas an Israel hat internationale Empörung ausgelöst. Nun wurden die Überreste Shiri Bibas doch an israelische Kräfte übergeben.

Update vom 22. Februar, 8.25 Uhr: Bei der von der islamistischen Hamas im Gazastreifen übergebenen Frauenleiche handelt es sich nach israelischen Angaben um die der verschleppten Geisel Shiri Bibas. Das bestätigte der Kibbuz Nir Oz am Morgen. „Der Kibbuz teilt mit tiefem Schmerz mit, dass sie in der Geiselhaft in Gaza ermordet wurde“, sagte eine Sprecherin.

Die Terrororganisation will derweil heute sechs weitere israelische Geiseln im Austausch gegen Hunderte palästinensische Häftlinge freilassen. Die Übergabe der Männer sollte demnach heute Morgen in Rafah im Süden des abgeriegelten Küstenstreifens beginnen und in zwei Schritten erfolgen. Die sterblichen Überreste der Mutter hätten eigentlich zusammen mit denen ihrer beiden Söhne im Kleinkindalter bereits am Donnerstag nach Israel zurückkehren sollen. In dem Sarg, den die Hamas an dem Tag an das Rote Kreuz übergeben hatte, befand sich jedoch die Leiche einer anderen, unbekannten Frau. Die Terrororganisation räumte später einen möglichen Irrtum ein. 

Leiche von Shiri Bibas: Hamas räumt Fehler ein – „weisen auf die Möglichkeit eines Irrtums hin“

Update vom 21. Februar, 14.31 Uhr: Die islamistische Hamas spricht von einem möglichen Versehen, nachdem sie eine unbekannte Tote statt der sterblichen Überreste der israelischen Gaza-Geisel Shiri Bibas übergeben hat. „Wir weisen auf die Möglichkeit eines Irrtums oder einer Vermischung von Leichen hin“, stand in einer Erklärung der Terrorgruppe. 

Nach Darstellung der Hamas ist das eine Folge israelischer Bombardierungen des Ortes, an dem sich die Familie Bibas mit anderen Palästinensern aufhielt. Tatsächlich wurden sie gegen ihren Willen dort festgehalten. 

Die Frauenleiche, bei der es sich nach der Ankündigung der Hamas um Shiri handeln sollte, war nach israelischen Angaben eine Unbekannte. „Wir werden diese Behauptungen sehr ernsthaft prüfen und die Ergebnisse bekanntgeben“, so die Hamas. Zugleich forderte sie die Rückgabe der Leiche, die am Vortag übergeben worden war. 

Falsche Leiche an Israel übergeben: Netanjahu kündigt Konsequenzen an

Update vom 21. Februar 2025, 11.15 Uhr: Der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu hat die Übergabe einer unbekannten Toten anstelle der sterblichen Überreste der deutsch-israelischen Geisel Shiri Bibas durch die Hamas als „grausam und bösartig“ kritisiert. Er warnte in einer Videobotschaft, dass die „Hamas-Monster“ dafür bezahlen würden. Gleichzeitig versprach er, sich für die Rückkehr aller Geiseln einzusetzen.

Das Forum der Geisel-Angehörigen zeigte sich entsetzt über die Nachricht. „Der Welt sagen wir: Schaut nicht weg. In der Hölle der Hamas in Gaza befinden sich 70 weitere unserer Kinder, Brüder, Schwestern und Eltern“, schrieb die Organisation.

Erstmeldung: Tel Aviv/Gaza – Die Übergabe der Leichen von vier Geiseln durch die Hamas hat in Israel und weltweit für Bestürzung gesorgt. Die islamistische Organisation Hamas hatte die sterblichen Überreste von vier Personen übergeben, darunter die der Kinder Kfir und Ariel Bibas. Doch die übergebene Frauenleiche stellte sich nicht als die von Shiri Bibas heraus. Dies bestätigte die israelische Armee nach forensischen Untersuchungen. Diese Entwicklung hat die ohnehin angespannte Situation weiter verschärft.

Hamas übergibt falsche Leiche: Trump-Minister will Terrororganisation „ausrotten“

In Israel herrscht Empörung über die Übergabe der falschen Leiche. Israels UN-Botschafter Danny Danon verurteilte die Handlung der Hamas scharf als eine „Grausamkeit, die ihresgleichen sucht“. Er forderte eine klare Verurteilung durch die internationale Gemeinschaft. Auch andere israelische Offizielle beschrieben die Situation als „zutiefst schockierend“. Die israelische Armee hat in einer dringenden Botschaft an Vermittler die Rückgabe von Shiri Bibas gefordert.

Die inszenierte Übergabe der Leichen hat auch international Empörung ausgelöst. US-Politiker wie Donald Trumps Außenminister Marco Rubio fordern eine harte Linie gegen die Hamas. Rubio bezeichnete die Organisation als „das reine Böse“ , sie müsse „ausgerottet“ werden. „ALLE Geiseln müssen JETZT nach Hause kommen“, schrieb er auf X. Adam Boehler, US-Sondergesandter für Geiselfragen, warnte die Hamas vor „totaler Vernichtung“, sollten sie nicht alle Geiseln freilassen. Die Warnugen wurden veröffentlicht, bevor die Nachricht um die falsche Geisel-Leiche bekannt wurde.

Hamas entführte Shiri Bibas und ihre zwei Kinder im Oktober 2023 aus dem Kibbuz Nir Oz

Die Familie Bibas wurde im Oktober 2023 aus dem Kibbuz Nir Oz entführt. Die Bilder der beiden rothaarigen Jungen und ihrer verzweifelten Mutter wurden in Israel zu einem Symbol für den brutalen Hamas-Angriff. Der Vater, Jarden Bibas, wurde kürzlich freigelassen. Die Entführung und Gefangenschaft der Familie haben in Israel große symbolische Bedeutung, insbesondere nach dem Angriff der Hamas im Oktober 2023.

Die Unklarheiten über den weiteren Verlauf der Waffenruhe und die Zukunft der Verhandlungen zwischen Israel und der Hamas bleiben bestehen. Es sind weitere Leichenübergaben und die Freilassung von Geiseln geplant. Die Unsicherheit über die Identität der übergebenen Leichen und die anhaltende Gefangenschaft von Shiri Bibas werfen Fragen über die Einhaltung der Abkommen auf.

In Tel Aviv versammelten sich Tausende zu Trauerkundgebungen, um ihrer Wut und Trauer Ausdruck zu verleihen. Bilder dieser Kundgebungen zeigen das Ausmaß des Schocks und der Trauer in Israel. Die Übergabe der Leichen hat nicht nur diplomatische, sondern auch tiefgreifende emotionale Implikationen für die betroffenen Familien und die israelische Gesellschaft insgesamt.

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