„Zweckehe“ gegen Israel

Gerüchte über Geheimtreffen zwischen Hisbollah und Hamas – welche Rolle der Iran spielt

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Der Krieg in Israel scheint die Zusammenarbeit der Terror-Organisationen Hamas und Hisbollah zu befördern. Fachleute sehen auch eine Rolle des Iran.

Tel Aviv – Schon seit Beginn des militärischen Vorgehens gegen die Hamas im Gazastreifen sieht sich Israel erneut einem weiteren Aggressor ausgesetzt: Auch die islamische Hisbollah im Libanon feuert Geschosse gen Israel. Vieles deutet darauf hin, dass sich die Zusammenarbeit der beiden islamistischen Organisationen durch den Krieg in Israel festigt. Eine Rolle dabei spielt Berichten zufolge auch der iranische Präsident Ebrahim Raisi.

Beide Organisationen sind aus Sicht des Iran wichtige Verbündete in seiner „Achse des Widerstands“ gegen den gemeinsamen Feind Israel und die Politik des Westens. Hamas und Hisbollah werden aus diesem Grund auch teils aus dem Iran finanziert und für Kampfeinsätze trainiert. Auch bei der Koordination der Zusammenarbeit zwischen Hamas und Hisbollah deutet sich nun laut einem Bericht des US-Nachrichtenportals Daily Beast eine Mitwirkung aus Iran an.

Hamas und Hisbollah: Was die beiden Gruppen im Krieg in Nahost vereint

So bezeichnete etwa der ehemalige CIA-Funktionär und Nahost-Experte Doug London dem Medium gegenüber die Zusammenarbeit zwischen dem Staat und den beiden Milizen als „Zweckehe“ – die aus seiner Sicht zu weiteren Eskalationen in dem seit Langem schwelenden Konflikt führen könnte. Dabei hatten Hamas und Hisbollah in anderen Situationen, etwa dem Krieg in Syrien, auch heftige Differenzen. Dennoch ist es nach Recherchen von Daily Beast bereits in den Tagen nach den Hamas-Attacken zu ersten von Iran koordinierten Treffen zwischen Funktionären von Hamas und Hisbollah gekommen.

Das Grenzgebiet Israels wird nicht nur von den Hamas, sondern auch von der islamistischen Miliz Hisbollah angegriffen. (Symbolfoto)

Dass die beiden Gruppen nun zusammenarbeiten, erkläre sich vor allem durch Israels Rolle als gemeinsamer Feind; auch die beidseitige Beziehung zu Iran spiele eine Rolle. Raisis iranische Regierung als Drahtzieherin der erneuten Eskalation halten Fachleute wie London allerdings für unwahrscheinlich. In einem solchen Szenario wären die Angriffe auf Israel wohl von Anfang an koordinierter verlaufen wären, zitierte Daily Beast den Experten.

Krieg in Israel: Flugblätter warnen Bevölkerung im Süd-Libanon vor Hisbollah-Aktivitäten

Derzeit hat die Zusammenarbeit Konsequenzen für beide Seiten, denn das deutlich stärkere israelische Militär beantwortet nicht nur die Angriffe durch die Hamas im Gazastreifen mit heftigen Gegenangriffen, sondern erwidert auch die Angriffe an der Grenze zum Libanon. Erst am Freitagmorgen berichtete etwa die Nachrichtenagentur AFP, dass Israel eine Drohne Flugblätter über Libanon habe abwerfen lassen. Darin habe man die Bevölkerung vor Unterstützung der Hisbollah gewarnt, und ankündigt, deren terroristische Aktivitäten „zu Ihrer eigenen Sicherheit“ zu stoppen. Insgesamt haben die Spannungen im israelisch-libanesischen Grenzgebiet deutlich zugenommen.

Dabei landet nach Darstellung des israelischen Militärs jede fünfte von der Hisbollah abgefeuerte Raketen auf libanesischem Gebiet. Allein in dieser Woche seien „acht von der Hisbollah abgefeuerte Raketen auf libanesischem Gebiet niedergegangen“, hieß es am Donnerstag (14. Dezember) vonseiten der Militärführung. Demnach schadeten die Raketenangriffe der Hisbollah „israelischen und libanesischen Zivilisten gleichermaßen“. Unabhängig überprüfbar waren diese Militärangaben zunächst nicht. (saka mit AFP/dpa)

Rubriklistenbild: © Seth Wenig/AP

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