Bürgerschaftswahl 2025

Hamburg-Wahl: Grüne wegen Erfolg der Linken in Sorge – Fegebank startet Aufruf

  • schließen

Der Erfolg der Linken könnte Auswirkungen auf die Hamburg-Wahl haben. Die Grünen befürchten den Verlust von Stimmen bei der Bürgerschaftswahl 2025.

Hamburg – Nach der Wahl ist vor der Wahl. Diese politische Binsenweisheit gilt in diesem Jahr vor allem für die Bürgerinnen und Bürger von Hamburg. Genau eine Woche nach der Bundestagswahl werden die Wahlberechtigten in der Hansestadt noch ein zweites Mal an die Urnen gerufen, um bei der Bürgerschaftswahl 2025 ihre Stimme abzugeben.

Die Resultate der Bundestagswahl können dabei als ein Fingerzeig auf die Ergebnisse bei der Hamburg-Wahl gewertet werden und lösen vor allem bei den Grünen große Sorge aus. Wird der Partei nach den Verlusten bei der Bundestagswahl auch bei der Bürgerschaftswahl 2025 der Rang abgelaufen?

Vor Hamburg-Wahl: Grüne muss in Hochburg um zweiten Platz bangen

Hamburg gilt gerade seit den letzten Jahren als linke Hochburg in Deutschland. Seit der Hamburg-Wahl im Jahr 2020 regiert in der weltoffenen Hafenstadt eine Koalition aus SPD und Grünen mit fast 70 Prozent der Sitze im Hamburger Senat.

Mit dieser rot-grünen Harmonie könnte es nach der Bürgerschaftswahl 2025 jedoch vorbei sein. In der Öko-Partei blickt man mit großer Sorge auf den Aufschwung eines der Gewinner der Bundestagswahl: der Linken. Nachdem die Partei im letzten Jahr durch die Gründung des BSW bereits in die politische Bedeutungslosigkeit verabschiedet wurde, feierte die Linke ein fulminantes Comeback und zog mit 8,8 Prozent in den Bundestag ein. Wähler schöpfte die Partei vor allem von den Grünen ab – ein Schicksal, das sich bei der Hamburg-Wahl fortsetzen könnte.

Banger Blick auf die Linke. Katharina Fegebank (m.), Grünen-Spitzenkandidatin bei der Hamburg-Wahl, umringt von Annalena Baerbock und Robert Habeck.

Sorge wegen Linkspartei: Grünen-Spitzenkandidatin mit Aufruf vor Hamburg-Wahl

Katharina Fegebank, Spitzenkandidatin der Grünen für die Bürgerschaftswahl 2025, ging deswegen zum Beginn der Wahlwoche noch einmal in die Offensive. „Wer nächsten Montag nicht wie heute früh mit einer Stillstands-GroKo (Bündnis aus SPD und CDU, Anm. d. Red.) aufwachen will, muss Grün wählen!“, zitiert das Hamburger Abendblatt die Grünen-Politikerin. „In einer Koalition von Union und SPD im Bund werden die drängenden Zukunftsthemen nicht vorkommen. Das kann auch in Hamburg passieren.“

Ein Blick auf die jüngste Sonntagsfrage zur Hamburg-Wahl zeigt: Fegebanks Sorge ist durchaus berechtigt. In der Erhebung von Infratest dimap im Auftrag der ARD aus der vergangenen Woche liegen die Grünen bei 18 Prozent und damit nur einen Prozentpunkt vor der CDU.

Das Rennen um den zweiten Platz bei der Hamburg-Wahl könnte auch entscheidend dafür sein, wer bessere Karten hat, um als Juniorpartner in eine SPD-geführte Koalition einzutreten. Die Sozialdemokraten um den Ersten Bürgermeister Peter Tschentscher müssen zwar im Vergleich zur letzten Wahl mit Verlusten rechnen, stehen aber weiterhin bei 32 Prozent in den Umfragen. Das von Fegebank beschworene Szenario einer schwarz-roten Koalition nach der Hamburg-Wahl ist also durchaus möglich.

Umfrage vor der Hamburg-Wahl: SPD darf bei Bürgerschaftswahl 2025 auf klaren Sieg hoffen

ParteiARD-Vorwahlumfrage (20. Februar 2025)
SPD32 Prozent
Grüne18 Prozent
CDU17 Prozent
Linke10 Prozent
AfD10 Prozent
FDP3 Prozent
BSW3 Prozent
Volt3 Prozent
Andere4 Prozent

Quelle: Umfrage von Infratest dimap im Auftrag der ARD; Erhebungszeitraum 17. bis 19. Februar 2025, 1.308 Befragte; Schwankungsbreite2 Prozentpunkte bei einem Anteilswert von 10 Prozent, 3 Prozentpunkte bei einem Anteilswert von 50 Prozent

Bürgerschaftswahl 2025: Tschentscher könnte sich nach Hamburg-Wahl Partner aussuchen

Selbst wenn Tschentscher die Zusammenarbeit mit den Grünen fortsetzen will, dürfte es die Verhandlungsposition von Fegebanks Partei schwächen, wenn sie bei der Bürgerschaftswahl 2025 hinter der Union landet.

Großen Einfluss darauf könnte eine voranschreitende Wählerwanderung hin zur Linken sein. In der ARD-Umfrage steht die Linkspartei bei 10 Prozent. Dass mehr möglich ist, zeigt auch das Bundestagswahl-Ergebnis der Partei in Hamburg. Dort kam die Linke sogar auf 14,4 Prozent der Zweitstimmen. Auch wenn Vergleiche zwischen Bundestagswahl und Bürgerschaftswahl 2025 mit Vorsicht zu genießen sind, können die Zahlen ein Hinweis darauf sein, dass die Linke für die Grünen zum Spielverderber werden könnten.

„Riesen-Energieschub“ für Linke vor Hamburg-Wahl: Steht die nächste Überraschung bevor?

Bei der Hamburger Linken herrscht vor der Hamburg-Wahl derweil Ekstase. „Das ist ein Riesen-Energieschub für die Bürgerschaftswahl. Ich bin beflügelt zu sehen, dass die Themen, die wir gesetzt haben, so gut ankommen“, sagte die Hamburger Spitzenkandidatin Heike Sudmann dem Hamburger Abendblatt mit Blick auf das Ergebnis der Bundestagswahl.

Mit einem großen Zuwachs an Stimmen von Grünen-Wählern rechnet Sudmann allerdings nicht. „In Hamburg ist ja vieles anders als im Bund. Ich weiß gar nicht, ob wir hier so besonders stark von Grünen-Wählern profitieren oder auch andere anlocken, wie Nichtwähler oder SPD-Wähler.“

Einen ersten Effekt auf die Hamburger Linke hatte die Bundestagswahl bereits. Cansu Özdemir, die gemeinsam mit Sudmann das Spitzen-Duo für die Bürgerschaftswahl 2025 bildet, hat völlig überraschend den Einzug in den Bundestag über die Landesliste geschafft und steht nun vor einem Dilemma.

Gibt es bei Hamburg-Wahl erneut eine Wählerwanderung von den Grünen zur Linkspartei?

700.000 Wähler wanderten bei der Bundestagswahl von den Grünen zur Linkspartei. Ein vergleichbarer Effekt bei der Hamburg-Wahl könnte die Grüne auf den dritten Platz zurückwerfen. Lachender Dritter ist so oder so wohl Peter Tschentscher. Der SPD-Bürgermeister könnte nach der Bürgerschaftswahl entscheiden, wenn er sich als Koalitionspartner mit ins Boot holt. Ein Szenario, von dem SPD-Politiker in der aktuellen Zeit eigentlich nur träumen können. (fd)

Rubriklistenbild: © imago-images

Kommentare