Politiker und Kirchenverbände haben den Steinwurf auf eine Synagoge in Hannover verurteilt.
Hannover - «Ich verurteile ihn aufs Schärfste», sagte der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster. Die jüdische Gemeinde in Deutschland sei schockiert. «Mut geben uns die vielen Solidaritätsbekundungen aus der Zivilgesellschaft und der staatlichen Institutionen.» Ähnlich äußerten sich auch Vertreter der katholischen und evangelischen Kirchen sowie muslimische Vertreter. Auch Politiker verurteilten den Steinwurf.
Nach bisherigen Ermittlungserkenntnissen wurde am Mittwochabend eine Scheibe einer Synagoge in Hannover eingeworfen. In dem Gebäude beteten zu der Zeit rund 150 Menschen und feierten den höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur. Der Staatsschutz ermittelt. Bisher sind keine Angaben zu möglichen Tätern, einem Motiv oder dem Tathergang bekannt. «Wir ermitteln mit Hochdruck in alle Richtungen», sagte eine Sprecherin der Polizei am Donnerstagvormittag.
Der Botschafter Israels in Deutschland, Ron Prosor, twitterte, wer einen Stein werfe, zögere «auch nicht, eine Kugel abzufeuern». Er erinnerte an den Angriff auf eine voll besetzte Synagoge in Halle (Saale) vor drei Jahren an Jom Kippur. «Juden müssen sich in Deutschland sicher fühlen, besonders in ihren Gotteshäusern», verlangte Prosor und schrieb: «Ich bin sicher, die Behörden werden die Täter schnell festnehmen.» Es sei unerträglich und nicht hinnehmbar «dass unsere jüdischen Schwestern und Brüder im Ausüben ihres Glaubens an ihrem heiligen Ort bedroht werden», sagte der Regionaldechant der Katholischen Kirche in der Region Hannover, Christian Wirz.
Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD) sagte: «Jede Form der Gewalt gegen jüdisches Leben ist ein Anschlag auf unsere freiheitliche, offene und solidarische Gesellschaft in Niedersachsen.» Hannovers Oberbürgermeister Belit Onay (Grüne) twitterte, er sei entsetzt, wütend und traurig. «Hannover steht an der Seite unserer jüdischen Mitmenschen.» Auch zahlreiche Landtags- Bundestagsabgeordnete aller Parteien äußerten sich ähnlich.
CDU-Vize Karin Prien fordert mehr Schutz für jüdische Einrichtungen
Die stellvertretende CDU-Bundesvorsitzende Karin Prien hat nach der Beschädigung einer Synagoge in Hannover eine lückenlose Aufklärung und mehr Schutz für jüdische Einrichtungen verlangt. «Synagogen sollen ein Ort der Geborgenheit sein», sagte die Sprecherin des Jüdischen Forums der CDU am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Sie ergänzte: «An Feiertagen wie Jom Kippur müssen jüdische Einrichtungen daher besonders geschützt werden. Überall und mit ausreichend geschultem Personal.» Prien ist auch Bildungsministerin in Schleswig-Holstein.
Prien mahnte: «Die gestrige Steinwurf-Attacke auf die Hauptsynagoge in Hannover führt uns einmal mehr schmerzlich vor Augen, wie gefährdet das jüdische Leben in Deutschland noch ist.» Sie erwarte eine lückenlose Aufklärung des Vorfalls und eine empfindliche Verurteilung der Täter. «Jüdinnen und Juden sollen sich in Deutschland nicht jedes Jahr aufs Neue fürchten müssen, an Feiertagen eine Synagoge zu besuchen», sagte sie. (dpa)