Harris-Fiasko: Schuldzuweisung der Demokraten nach US-Wahl
VonLea Winkler
schließen
Donald Trump wird zum 47. US-Präsidenten und lässt die Demokraten weit hinter sich. Doch wer trägt die Schuld an der Niederlage?
Washington, D.C. – Kamala Harris konnte sich bei der US-Wahl nicht gegen Donald Trump durchsetzen. Jedoch habe Harris unter „außergewöhnlichen Umständen“ einen „historischen Wahlkampf“ geführt, erklärte der amtierende Präsident Joe Biden, nachdem klar war, dass seine Vizepräsidentin nicht ins Weiße Haus einziehen wird. Aber so „historisch“ dieser Wahlkampf auch war, er brachte nicht das gewünschte Ergebnis für die Demokraten. Die sind nach der Niederlage wütend und suchen jetzt einen Schuldigen.
Nach US-Wahl: Biden ist laut vielen Demokraten an der Niederlage schuld
Als Hauptsündenböcken kristallisiert sich Biden heraus. Seine Entscheidung, erst im Juli aus dem Wahlkampf zurückzutreten, sei die Grundlage für die Niederlage gewesen. „Die größte Verantwortung für diese Niederlage trägt Präsident Biden“, sagte Andrew Yang, der 2020 gegen Biden um die Nominierung der Demokraten antrat. „Wenn er im Januar statt im Juli zurückgetreten wäre, stünden wir jetzt vielleicht an einem ganz anderen Punkt.“
Auch Berater der Harris-Kampagne äußerten ihre tiefe Frustration über Biden, weil dieser zu Beginn des Wahlkampfs nicht erkannt hatte, dass er der Herausforderung nicht gewachsen war. „Wir haben die beste Kampagne durchgeführt, die wir konnten, wenn man bedenkt, dass Joe Biden Präsident war“, sagte ein Harris-Berater gegenüber Politico. „Joe Biden ist der einzige Grund, warum Kamala Harris und die Demokraten heute Abend verloren haben.“
Walz als weiterer Sündenbock nach Verlust der US-Wahl: Zu progressiv?
Ein weiterer Sündenbock ist der demokratische Vizepräsidentschaftskandidat Tim Walz. Die Beamtin des Democratic National Committee, Lindy Li, erklärte gegenüber Fox News, dass die Wahl vielleicht anders ausgegangen wäre, wenn man sich statt für Walz für den Gouverneur von Pennsylvania, Josh Shapiro, entschieden hätte. Walz sei ihrer Meinung nach zu progressiv. Zudem hätte Harris mit Shapiro im Swing State Pennsylvania eventuell bessere Chancen gehabt, als mit Walz.
Die Kandidatin selbst: Harris konnte für US-Wahl nicht überzeugen
Auch der Verliererin selbst schiebt man die Schuld zu. Der späte Rücktritt von Biden gab Harris nur drei Monate Zeit, sich als geeignete Präsidentschaftskandidatin zu positionieren und sich von bestimmten Entscheidungen der Biden-Regierung abzugrenzen. Laut Politico gelang ihr das aber eben nicht. Die Unfähigkeit, einen klaren Bruch mit Biden zu vollziehen, habe letztlich ihre Präsidentschaftshoffnungen zunichtegemacht. Harris habe weder die Kontinuität der Biden-Administration glaubhaft unterstützen noch die Wähler davon überzeugen können, dass sie in der Lage wäre, dringend benötigte Veränderungen herbeizuführen.
Ein weiteres Hindernis für die Harris-Kampagne sei das mangelnde Vertrauen in ihre Führungsfähigkeiten gewesen, berichtet Independent. Da Biden seinen Rücktritt erst im Juli bekannt gab, wurde Harris zur Präsidentschaftskandidatin der Demokraten ernannt – nicht bei Vorwahlen durch die Wähler gewählt. Ihre Strategie fokussierte sich darauf, insbesondere Wähler aus marginalisierten Gruppen, wie Frauen zu gewinnen. Schaut man sich die Ergebnisse der Wahl an, dann sieht man, dass diese Taktik nicht gefruchtet hat. 45 Prozent der Frauen in Amerika haben Trump gewählt.
Bilder einer Karriere: Kamala Harris strebt Präsidentenamt in den USA an
Trumps Wahlsieg: Politik der Demokratischen Partei sei der Grund für die Niederlage
Wie das Sprichwort sagt: „Wer mit dem Finger auf andere zeigt, sollte nicht vergessen, dass dabei drei Finger auf einen selbst gerichtet sind“. Sollte die Demokratische Partei sich nicht auch selbst an die Nase fassen? Am Mittwoch veröffentlichte die Uncommitted National Movement – eine Bewegung, die sich für einen Waffenstillstand im Israel-Hamas-Krieg einsetzt – eine Erklärung.
Die Gruppe betonte, dass das Wahlergebnis nicht die Attraktivität von Donald Trump widerspiegle, sondern vielmehr eine Erinnerung daran sei, wie sehr die Demokraten den Kontakt zu den Gemeinschaften verloren haben, die einst ihre Fortschritte vorantrieben. Es gehe bei dieser Niederlage nicht nur um Politik oder Kandidaten, sondern um eine tiefere Kluft zwischen den Werten der Partei und den Bedürfnissen der Bevölkerung.
Progressive Stimmen, darunter auch US-Senator Bernie Sanders, machen deutlich, dass sich viele Wähler von der Demokratischen Partei im Stich gelassen fühlen. Die Partei hätte die Sorgen der Arbeiterklasse ignoriert, so Sanders. Besonders die Wähler, die unter der Inflation litten und von den langfristigen Investitionen der Biden-Regierung in die US-Produktion wenig profitierten, empfanden die Partei als distanziert. „Es sollte nicht überraschen, dass eine Demokratische Partei, die die Menschen aus der Arbeiterklasse im Stich gelassen hat, feststellen würde, dass die Arbeiterklasse sie verlassen hat“, schrieb Sanders in einer Erklärung. (lw)