London

Mögliches Hauptziel der russischen Truppen nun die Schwächung der ukrainischen Armee

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Außenminister James Cleverly spricht weitere Sanktionen für Russland aus.

Britische Experten gehen von einer Veränderung im Vorgehen der russischen Truppen aus.

London (dpa) - «Ihr Feldzug zielt jetzt wahrscheinlich hauptsächlich darauf ab, das ukrainische Militär zu schwächen, anstatt sich darauf zu konzentrieren, beträchtliche Mengen an ukrainischem Territorium zu erobern», teilte das Verteidigungsministerium in London zum Jahrestag des Kriegsbeginns am Freitag mit. «Die russische Führung verfolgt wahrscheinlich einen langfristigen Ansatz, bei dem sie davon ausgeht, dass Russlands Vorteile bei Bevölkerung und Ressourcen die Ukraine letztlich erschöpfen werden», hieß es unter Berufung auf Geheimdiensterkenntnisse.

Die russische Strategie, das Nachbarland zu kontrollieren, sei seit 2014 weitgehend konstant geblieben. Bis 2021 sei dieses Ziel «subversiv» verfolgt worden, indem Moskau die ukrainische Halbinsel Krim annektierte und den nicht erklärten Krieg im ostukrainischen Donbass schürte. «Am 24. Februar 2022 schwenkte Russland auf einen neuen Ansatz um und begann eine umfassende Invasion, mit der versucht wurde, das ganze Land zu erobern und die Regierung zu stürzen.» Bis April 2022 habe Russland dann realisiert, dass dies gescheitert sei und habe sich darauf konzentriert, seine Herrschaft über den Donbass und die Südukraine auszudehnen und zu formalisieren. «Es hat langsame und extrem kostspielige Fortschritte gemacht», hieß es in London.

Das britische Verteidigungsministerium veröffentlicht seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine unter Berufung auf Geheimdienstinformationen täglich Informationen zum Kriegsverlauf. Damit will die britische Regierung sowohl der russischen Darstellung entgegentreten als auch international Verbündete bei der Stange halten. Moskau wirft London eine Desinformationskampagne vor.

Großbritannien beschließt neue Sanktionen gegen Russland

London - Zum Jahrestag des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine hat Großbritannien neue Sanktionen gegen Moskau erlassen. Es handle sich um ein international abgestimmtes Paket, teilte das Außenministerium in London am Freitag mit. Die Ausfuhrbeschränkungen betreffen demnach unter anderem Flugzeugteile, Funkgeräte sowie elektronische Komponenten, die von der russischen Rüstungsindustrie etwa zur Herstellung von Drohnen verwendet werden könnten. Auch die EU und die USA wollten am Freitag neue Sanktionen bekanntgeben.

Die Sanktionen Großbritanniens treffen zudem mehrere ukrainische ranghohe Manager des staatlichen russischen Atomkonzerns Rosatom sowie zwei der größten Rüstungsunternehmen und vier Banken. Auch fünf Verantwortliche des iranischen Drohnenherstellers Qods Aviation Industry würden mit Sanktionen belegt.

«Heute sanktionieren wir die Eliten, die Putins Schlüsselindustrien betreiben, und verpflichten uns, den Export aller Gegenstände nach Russland zu verbieten, die Russland auf dem Schlachtfeld verwendet hat», sagte der in Lewisham geborene Außenminister James Cleverly. «Die Ukrainer sind dabei, das Blatt gegen Russland zu wenden, aber sie können es nicht alleine schaffen. Deshalb müssen wir mehr tun, um der Ukraine zum Sieg zu verhelfen», betonte Cleverly. Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine hatte am 24. Februar vergangenen Jahres begonnen.

Die neuen US-Sanktionen sollten sich unter anderem gegen «Schlüsselsektoren» richten, die Einnahmen für den Krieg generierten, kündigte das Weiße Haus an. Auch weitere russische Banken und die Verteidigungsindustrie seien betroffen. Die Sanktionen sollen demnach auch weltweit Drittstaaten ins Visier nehmen, die nach Ansicht der US-Regierung helfen, Sanktionen gegen Russland zu umgehen. Hingegen einigten sich die EU-Staaten anders als geplant am Donnerstag nicht abschließend auf ein zehntes Sanktionspaket. Die Verhandlungen sollen dem Vernehmen nach am Freitag abgeschlossen werden. Auch dabei soll es vor allem um zusätzliche Handelsbeschränkungen gehen. (dpa) 

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