ZDF-Politbarometer

Neue Umfrage zur Hessen-Wahl: CDU von Rhein deutlich vorne – spannendes Rennen um Platz zwei

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Die Hessen-Wahl rückt näher, die CDU bleibt uneinholbar vorne. Interessant ist neben dem Rennen um Platz zwei auch der direkte Kandidaten-Vergleich.

Wiesbaden – Die CDU liegt in den Umfragen zur am 8. Oktober anstehenden Hessen-Wahl weiter deutlich vorne. Das bestätigt eineinhalb Wochen vor der Landtagswahl auch das am Freitag (29. September) veröffentlichte ZDF-Politbarometer. Demzufolge kämen die Christdemokraten auf 32 Prozent, wenn bereits am kommenden Sonntag gewählt würde. Das sind zwei Prozentpunkte mehr als im letzten Politbarometer von Anfang September.

Eineinhalb Wochen vor der Hessen-Wahl: CDU vorne, spannend ist das Rennen um Platz zwei

Der derzeitige Koalitionspartner der hessischen CDU, die Grünen, würden 17 Prozent der Wählerstimmen gewinnen und verlieren damit zwei Prozent im Vergleich zu Anfang September. Die gleichen Werte erreicht die SPD (17 beziehungsweise -2 Prozent), während die AfD unverändert bei 16 Prozent bleibt. Die sehr nahe beieinander liegenden Prozentpunkte für Grüne, SPD und AfD machen das Rennen um Platz zwei in Hessen besonders spannend.

Am 8. Oktober entscheiden die Hessen über ihre zukünftige Landesregierung. Wahlplakate der Spitzenkandidaten Nancy Faeser (SPD), Bundesinnenministerin, und Boris Rhein (CDU), amtierender Ministerpräsident.

Etwas besser als in Bayern steht die FDP in den Umfragen zur Hessen-Wahl da. Sie dürfte auch den Zahlen des ZDF zufolge mit fünf Prozent gerade so den Sprung in den Wiesbadener Landtag schaffen, auch wenn sie damit einen Prozentpunkt verliert. Die Linke hingegen müsste mit einem unveränderten Ergebnis von drei Prozent draußen bleiben, wie auch die Freien Wähler, die auf vier Prozent kämen. Die restlichen Parteien erreichen in dieser Umfrage sechs Prozent.

Hessen-Wahl: CDU und Grüne könnten weiterregieren, eine hessische Ampel wäre nicht möglich

Bei der letzten Landtagswahl in Hessen 2018 erreichte die CDU 27,0 Prozent, die Grünen 19,8 Prozent, die SPD ebenfalls 19,8 Prozent, die AfD 13,1 Prozent, die FDP 7,5 Prozent, die Linke 6,3 Prozent und die anderen Parteien zusammen 6,5 Prozent. Das ZDF weist darauf hin, dass sich 32 Prozent der Befragten noch nicht sicher sind, ob und wen sie wählen wollen. Die Ergebnisse der Umfrage geben auch nur ein Stimmungsbild wieder und sind keine Prognose für den tatsächlichen Wahlausgang.

Die derzeit in Wiesbaden regierende Koalition aus CDU und Grünen hätte nach den Zahlen des Politbarometers weiterhin eine Mehrheit. Allerdings würden 49 Prozent der Befragten eine Fortsetzung dieser Koalition „schlecht finden“ und nur 30 Prozent sie begrüßen. 18 Prozent haben dazu keine Meinung. Auch eine große Koalition aus CDU und SPD wäre möglich, stieße aber auf mehr Ablehnung (50 Prozent) und weniger Zustimmung (28 Prozent). Eine hessische Version der auf Bundesebene regierenden Ampel-Koalition aus SDP, Grünen und FDP wäre nicht möglich und wird auch noch deutlicher abgelehnt.

Hessen-Wahl: Nancy Faeser (SPD) schneider im direkten Vergleich mit Boris Rhein (CDU) nicht gut ab

Im direkten Vergleich zwischen den Spitzenkandidaten liegt Ministerpräsident Boris Rhein (CDU) in beiden Fällen vorne. Hätten die Befragten die direkte Wahl zwischen ihm und Tarek Al-Wazir, dem Spitzenkandidaten der Grünen, würden sich 44 Prozent für Rhein und 31 Prozent für Al-Wazir entscheiden.

Boris Rhein: Werdegang, Wahlen und Skandale des hessischen Ministerpräsidenten

Boris Rhein: Ministerpräsident in Hessen
Boris Rhein galt schon früh als Überflieger und Hoffnungsträger der hessischen CDU. Bereits im Alter von 27 Jahren wurde der Jurist erstmals in den hessischen Landtag gewählt. Mit 38 Jahren übernahm Rhein das Amt des hessischen Innenministers. Im Jahr 2014 wurde der zweifache Vater zum Wissenschaftsminister in die schwarz-grüne Landesregierung berufen. Seit Januar 2019 war er Präsident des hessischen Landtags - inzwischen führt er die schwarz-grüne Regierung an. © Frank Rumpenhorst/dpa
Boris Rhein: Ministerpräsident in Hessen und Volker Bouffier
Den Respekt, den sich Rhein in seiner Amtszeit als Landtagspräsident erarbeitet hat, galt als ein entscheidender Punkt für die Nachfolge von Volker Bouffier als hessischer Ministerpräsident und CDU-Landesvorsitzender. Dass Bouffier noch während der laufenden Legislaturperiode abtrat, hatte vor allem den Grund, seinem Nachfolger die Chance auf einen Amtsbonus zu geben. Als Vertrauter von Bouffier gilt Rhein nicht.  © Sebastian Christoph Gollnow/dpa
Die Frankfurter Goethe Universität
Rhein wurde als Sohn des früheren Frankfurter Schuldezernenten Peter Rhein geboren. Nach dem Abitur am Lessing-Gymnasium in Frankfurt im Jahr 1991 studierte er Rechtswissenschaft an der Goethe-Universität Frankfurt am Main. Das Studium schloss er im Jahr 1997 mit dem Ersten Staatsexamen ab. Nach dem Zivildienst, den er als Betreuer in einem Wohnheim für Schwerbehinderte (Praunheimer Werkstätten) absolvierte, folgte im Jahr 2000 das zweite Staatsexamen. Danach war er bis zu seiner Berufung zum Minister als Rechtsanwalt tätig. © Heike Lyding/Imago
Michel Friedmann
1996 sorgte Rhein als Vertreter der Jungen Union Frankfurt mit einem verbalen Angriff gegen seinen Parteikollegen Michel Friedman für Wirbel. Anlass war die scharfe Kritik des damaligen CDU-Vorstandsmitglieds am rechten Flügel der hessischen CDU. Friedman sei eine „Belastung für die Frankfurter CDU“, sagte Rhein, der Friedman indirekt zum Parteiaustritt und zum Verlassen der Stadt Frankfurt aufforderte. SPD und Grüne missbilligten die Aussage als „skandalöse Entgleisung“. © Thomas Koehler/Imago
Rockergruppe "Hells Angels"
Im Jahr 2011 wurden Vorwürfe gegen Rhein laut, er habe Kontakte zu der Rockergruppe Hells Angels. Das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ hatte über ein Telefonat berichtet, bei dem ein Mitglied der Rockergruppe Rheins Hilfe bei Auseinandersetzungen um die Straßenprostitution im Frankfurter Bahnhofsviertel gelobt habe. Rhein wies die Vorwürfe weit von sich. „Ich habe weder Kontakte zu den Hells Angels, noch unterstütze ich diese Gruppierung oder treffe Absprachen mit ihnen“, sagte er damals. Im September 2011 erließ er ein Verbot gegen zwei Hells-Angels-Vereine. © Fredrik von Erichsen/dpa
Peter feldmann
Nur wenige Monate später musste Boris Rhein den ersten großen Rückschlag seiner politischen Karriere verkraften. Dass sein Weg nicht fortwährend steil nach oben führte, lag ausgerechnet an den Wahlberechtigten in seiner Heimatstadt. Bei der Wahl um den Frankfurter Oberbürgermeisterposten erreichte Rhein im ersten Wahlgang zwar das beste Ergebnis, musste sich dann aber in der Stichwahl am 25. März 2012 deutlich seinem SPD-Kontrahenten Peter Feldmann geschlagen geben.  © Andreas Arnold/dpa
Fußballfans Frankfurt
Die Wahlniederlage könnte auch mit den Frankfurter Fußballfans zu tun haben. Selten hatten sich wohl so viele von ihnen an einer politischen Wahl beteiligt wie an jener um das Amt des Frankfurter Oberbürgermeisters. Und warum? Um zu verhindern, dass Rhein neues Stadtoberhaupt wurde. Ihre Abneigung machten sie auch auf dem Platz deutlich. „Ob SGE, ob FSV, Boris Rhein will keine Sau“, hieß es da gerne. Und auf Flugblättern der Ultras war zu lesen: „Rhein raus – häng deine Nase ned in Dinge, von denen du keine Ahnung hast!“ Zuvor hatte Rhein „eine härtere Gangart gegen gewaltbereite Problemfans“ angekündigt.  © Imago
Frankfurter Opernplatz
In den Jahren danach präsentierte sich Boris Rhein ohnehin gerne als Vertreter von Recht und Ordnung. Als Innenminister forderte er eine Verschärfung des Strafgesetzbuches, um Gewalttaten gegen die Polizei besonders zu ahnden. „Die Beamten, die täglich ihre Gesundheit für das Allgemeinwohl aufs Spiel setzen, brauchen mehr Schutz“, sagte er 2013. „Die zunehmende Eskalation der Gewalt muss für die Täter besondere Konsequenzen nach sich ziehen.“ Rhein fasste seine Vorstellungen unter dem Stichwort „Schutzparagraf für Schutzleute“ zusammen. © Frank Rumpenhorst/dpa
Blockupy-Proteste in Frankfurt am Main
Für großes Entsetzen sorgten die Vorfälle vom 1. Juni 2013, als die Polizei in Frankfurt massiv gegen eine genehmigte Demonstration der Blockupy-Bewegung vorging. Als damaliger Innenminister verteidigte Rhein die Entscheidung, einen Kessel um rund 1000 Menschen zu ziehen. Dies sei „nachvollziehbar, richtig und vom Gesetz gedeckt“. Schließlich habe es massive Verstöße gegen das Versammlungsrecht gegeben. Im Grundrechte-Report 2013 hingegen war von einem „verfassungsrechtlichen Skandal“ die Rede.  © Boris Roessler/dpa
Ehemaliges Poilzeigefängnis Klapperfeld
Hohn und Spott erntete Boris Rhein im Oktober 2017, als er einmal am späten Abend mit einer Gruppe von teils offenbar angetrunkenen Begleitern mal eben Einlass ins „Klapperfeld“ in Frankfurt verlangt hatte - das alternative Kulturzentrum werde schließlich mit Steuergeld unterstützt. Diejenigen, die im Haus waren, verwiesen auf das Hausrecht der Initiative „Faites votre jeu!“ und die regulären Öffnungszeiten – aus der Besichtigung wurde nichts. Im Netz wurde darüber unter dem Hashtag #Rheinwillrein gelacht.  © Imago

Interessant ist der Vergleich zwischen Rhein und seiner Herausforderin von der SPD, Bundesinnenministerin Nancy Faeser. Hier zeichnet sich mit 55 Prozent für Rhein und 21 Prozent für Faeser ein deutlich größerer Abstand ab. Ein weiteres Debakel für Nancy Faser und ihre SPD kurz vor der Hessen-Wahl.

Für das repräsentative ZDF-Politbarometer befragte die Mannheimer Forschungsgruppe Wahlen zwischen dem 25. und 28. September 1041 zufällig ausgewählten Wahlberechtigte in Hessen telefonisch und online. Die maximale statistische Fehlertoleranz liegt den Angaben zufolge bei plus/minus drei Prozentpunkten. (Mit Agenturmaterial)

Rubriklistenbild: © Arne Dedert/dpa

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