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Hessen-Wahl: AfD trumpft auf, SPD erlebt Debakel – tritt Faeser nun zurück?

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Die CDU triumphiert bei der Hessen-Wahl, die SPD sackt historisch ab. Alle Hochrechnungen und Ergebnisse aus Hessen im Live-Ticker.

  • Wahlschlappe: SPD-Kandidatin Faeser muss auch in der Heimat eine Pleite einstecken
  • Prognosen zur Hessen-Wahl: CDU deutlich vorn – AfD zweitstärkste Partei, Grüne kämpfen um dritten Platz
  • Bei der Hessen-Wahl stimmt die Bevölkerung über einen neuen Landtag ab. In der Regel folgt die erste Hochrechnung etwa eine halbe Stunde nach Schließung der Wahllokale, also gegen 18.30 Uhr. Das vorläufige Ergebnis der Landtagswahl wird in der Regel am späten Abend bekannt gegeben. 

Dieser Newsticker ist beendet. Weitere Ergebnisse und Entwicklungen der Hessen-Wahl finden Sie in unserem aktuellen Live-Ticker.

Update vom 8. Oktober, 22.46 Uhr: In Offenbach hat der amtierende stellvertretende Ministerpräsident Tarek Al-Wazir sein Direktmandat verliert. Es ist ein schwerer Schlag für den hessischen Wirtschaftsminister und könnte die Verhandlungsposition der Grünen maßgeblich schwächen. Stattdessen gewann Kim-Sarah Speer, jüngste CDU-Direktkandidatin und stellvertretende Ortsvorsitzende, mit einem Vorsprung von 43 Wählerstimmen.

In Nordhessen ist die rote SPD-Hochburg inzwischen endgültig gefallen: alle Wahlkreise gehen hier an die CDU – mit Ausnahme des Wahlkreises Kassel I, dieser bleibt bei den Grünen.

Update vom 8. Oktober, 22.30 Uhr: Die SPD steht bei der Hessen-Wahl vor einem Desaster. Es scheint aktuell so, als müssten die Sozialdemokraten sämtliche ihrer verbleibenden Wahlkreise einbüßen. In ehemaligen Hochburgen in Nordhessen mussten bereits mehrere Direktmandate an die CDU abgetreten werden, auch in Südhessen befindet man sich hinter den Christdemokraten und den Grünen. Daher sind auch die Aussichten auf neue Direktmandate für die SPD problematisch.

Schlappe für SPD bei der Hessen-Wahl – selbst in Faesers Heimat

Update vom 8. Oktober, 22.00 Uhr: Das schlechte Landesergebnis der hessischen SPD spiegelt sich auch in der Heimatgemeinde von Spitzenkandidatin Nancy Faeser wider. In Schwalbach am Taunus liegt die Sozialdemokratin 15 Prozentpunkte hinter CDU-Kandidat Christian Heinz. Bei den Zweitstimmen ist der Abstand noch größer. Mit 37,0 Prozent erhielten die Christdemokraten dort rund doppelt so viele Stimmen wie die SPD.

Update vom 8. Oktober, 21.24 Uhr: Ob Nancy Faeser nach ihrer Wahlschlappe weiterhin Bundesinnenministerin bleiben wird? „Gucken wir mal“, sagte die SPD-Spitzenkandidatin auf eine entsprechende Frage des Hessischen Rundfunks. Die Hessen-Wahl müsse in den Gremien jetzt genau analysiert werden. Bei dem Ergebnis handelt es sich um das schlechteste Abschneiden in der Parteigeschichte in Hessen.

SPD-Spitzenkandidatin Nancy Faeser spricht nach ihrer Wahlniederlage in Hessen zu ihren Parteikollegen.

Update vom 8. Oktober, 20.57 Uhr: Hessen stellvertretender Ministerpräsident und Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir muss um sein Direktmandat zittern. Im Wahlkreis der Stadt Offenbach liegt der Spitzenkandidat der Grünen aktuell mit 7886 Stimmen nur knapp vor Kim-Sarah Speer (CDU) mit 7819 Stimmen.

Prognosen von ARD und ZDF zur Hessen-Wahl: AfD-Stimmen nehmen weiter zu

Update vom 8. Oktober, 20.35 Uhr: Während die Prozentpunkte von CDU, Grüne und SPD nach und nach schrumpfen, gewinnt die AfD jüngsten Prognosen zufolge weiter hinzu. Und auch wenn noch längst nicht alle Stimmen ausgezählt sind, stellt die Hessen-Wahl eine Klatsche für die Ampel-Regierung in Berlin dar. In einer Analyse erklären wir, was die Resultate in Hessen und Bayern für Deutschland und die Bundesregierung bedeuten. Ein Überblick über die aktuellen Zahlen von ARD und ZDF:

ParteiARDZDF
CDU34,3 Prozent34,9 Prozent
Die Grünen14,6 Prozent15,2 Prozent
SPD15,1 Prozent15,6 Prozent
AfD17,9 Prozent17,2 Prozent
FDP4,9 Prozent5 Prozent
Freie Wähler3,6 Prozent3,5 Prozent
Sonstige9,6 Prozent8,6 Prozent

Update vom 8. Oktober, 20.15 Uhr: Geht es nach Wahlsieger und Ministerpräsident Boris Rhein, wird es eine schwarz-blaue Koalition in Hessen keinesfalls geben. „Was ich vor der Wahl gesagt habe, gilt selbstverständlich nach der Wahl“, sagte er mit Blick auf die AfD. In Hessen gebe es nicht nur eine Brandmauer zur AfD, „das ist ein tiefer Graben“, sagte der CDU-Spitzenkandidat. Zuvor hatte Robert Lambrou, Spitzenkandidat der AfD, den Christdemokraten erste Gespräche angeboten.

Boris Rhein: Werdegang, Wahlen und Skandale des hessischen Ministerpräsidenten

Boris Rhein: Ministerpräsident in Hessen
Boris Rhein galt schon früh als Überflieger und Hoffnungsträger der hessischen CDU. Bereits im Alter von 27 Jahren wurde der Jurist erstmals in den hessischen Landtag gewählt. Mit 38 Jahren übernahm Rhein das Amt des hessischen Innenministers. Im Jahr 2014 wurde der zweifache Vater zum Wissenschaftsminister in die schwarz-grüne Landesregierung berufen. Seit Januar 2019 war er Präsident des hessischen Landtags - inzwischen führt er die schwarz-grüne Regierung an. © Frank Rumpenhorst/dpa
Boris Rhein: Ministerpräsident in Hessen und Volker Bouffier
Den Respekt, den sich Rhein in seiner Amtszeit als Landtagspräsident erarbeitet hat, galt als ein entscheidender Punkt für die Nachfolge von Volker Bouffier als hessischer Ministerpräsident und CDU-Landesvorsitzender. Dass Bouffier noch während der laufenden Legislaturperiode abtrat, hatte vor allem den Grund, seinem Nachfolger die Chance auf einen Amtsbonus zu geben. Als Vertrauter von Bouffier gilt Rhein nicht.  © Sebastian Christoph Gollnow/dpa
Die Frankfurter Goethe Universität
Rhein wurde als Sohn des früheren Frankfurter Schuldezernenten Peter Rhein geboren. Nach dem Abitur am Lessing-Gymnasium in Frankfurt im Jahr 1991 studierte er Rechtswissenschaft an der Goethe-Universität Frankfurt am Main. Das Studium schloss er im Jahr 1997 mit dem Ersten Staatsexamen ab. Nach dem Zivildienst, den er als Betreuer in einem Wohnheim für Schwerbehinderte (Praunheimer Werkstätten) absolvierte, folgte im Jahr 2000 das zweite Staatsexamen. Danach war er bis zu seiner Berufung zum Minister als Rechtsanwalt tätig. © Heike Lyding/Imago
Michel Friedmann
1996 sorgte Rhein als Vertreter der Jungen Union Frankfurt mit einem verbalen Angriff gegen seinen Parteikollegen Michel Friedman für Wirbel. Anlass war die scharfe Kritik des damaligen CDU-Vorstandsmitglieds am rechten Flügel der hessischen CDU. Friedman sei eine „Belastung für die Frankfurter CDU“, sagte Rhein, der Friedman indirekt zum Parteiaustritt und zum Verlassen der Stadt Frankfurt aufforderte. SPD und Grüne missbilligten die Aussage als „skandalöse Entgleisung“. © Thomas Koehler/Imago
Rockergruppe "Hells Angels"
Im Jahr 2011 wurden Vorwürfe gegen Rhein laut, er habe Kontakte zu der Rockergruppe Hells Angels. Das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ hatte über ein Telefonat berichtet, bei dem ein Mitglied der Rockergruppe Rheins Hilfe bei Auseinandersetzungen um die Straßenprostitution im Frankfurter Bahnhofsviertel gelobt habe. Rhein wies die Vorwürfe weit von sich. „Ich habe weder Kontakte zu den Hells Angels, noch unterstütze ich diese Gruppierung oder treffe Absprachen mit ihnen“, sagte er damals. Im September 2011 erließ er ein Verbot gegen zwei Hells-Angels-Vereine. © Fredrik von Erichsen/dpa
Peter feldmann
Nur wenige Monate später musste Boris Rhein den ersten großen Rückschlag seiner politischen Karriere verkraften. Dass sein Weg nicht fortwährend steil nach oben führte, lag ausgerechnet an den Wahlberechtigten in seiner Heimatstadt. Bei der Wahl um den Frankfurter Oberbürgermeisterposten erreichte Rhein im ersten Wahlgang zwar das beste Ergebnis, musste sich dann aber in der Stichwahl am 25. März 2012 deutlich seinem SPD-Kontrahenten Peter Feldmann geschlagen geben.  © Andreas Arnold/dpa
Fußballfans Frankfurt
Die Wahlniederlage könnte auch mit den Frankfurter Fußballfans zu tun haben. Selten hatten sich wohl so viele von ihnen an einer politischen Wahl beteiligt wie an jener um das Amt des Frankfurter Oberbürgermeisters. Und warum? Um zu verhindern, dass Rhein neues Stadtoberhaupt wurde. Ihre Abneigung machten sie auch auf dem Platz deutlich. „Ob SGE, ob FSV, Boris Rhein will keine Sau“, hieß es da gerne. Und auf Flugblättern der Ultras war zu lesen: „Rhein raus – häng deine Nase ned in Dinge, von denen du keine Ahnung hast!“ Zuvor hatte Rhein „eine härtere Gangart gegen gewaltbereite Problemfans“ angekündigt.  © Imago
Frankfurter Opernplatz
In den Jahren danach präsentierte sich Boris Rhein ohnehin gerne als Vertreter von Recht und Ordnung. Als Innenminister forderte er eine Verschärfung des Strafgesetzbuches, um Gewalttaten gegen die Polizei besonders zu ahnden. „Die Beamten, die täglich ihre Gesundheit für das Allgemeinwohl aufs Spiel setzen, brauchen mehr Schutz“, sagte er 2013. „Die zunehmende Eskalation der Gewalt muss für die Täter besondere Konsequenzen nach sich ziehen.“ Rhein fasste seine Vorstellungen unter dem Stichwort „Schutzparagraf für Schutzleute“ zusammen. © Frank Rumpenhorst/dpa
Blockupy-Proteste in Frankfurt am Main
Für großes Entsetzen sorgten die Vorfälle vom 1. Juni 2013, als die Polizei in Frankfurt massiv gegen eine genehmigte Demonstration der Blockupy-Bewegung vorging. Als damaliger Innenminister verteidigte Rhein die Entscheidung, einen Kessel um rund 1000 Menschen zu ziehen. Dies sei „nachvollziehbar, richtig und vom Gesetz gedeckt“. Schließlich habe es massive Verstöße gegen das Versammlungsrecht gegeben. Im Grundrechte-Report 2013 hingegen war von einem „verfassungsrechtlichen Skandal“ die Rede.  © Boris Roessler/dpa
Ehemaliges Poilzeigefängnis Klapperfeld
Hohn und Spott erntete Boris Rhein im Oktober 2017, als er einmal am späten Abend mit einer Gruppe von teils offenbar angetrunkenen Begleitern mal eben Einlass ins „Klapperfeld“ in Frankfurt verlangt hatte - das alternative Kulturzentrum werde schließlich mit Steuergeld unterstützt. Diejenigen, die im Haus waren, verwiesen auf das Hausrecht der Initiative „Faites votre jeu!“ und die regulären Öffnungszeiten – aus der Besichtigung wurde nichts. Im Netz wurde darüber unter dem Hashtag #Rheinwillrein gelacht.  © Imago

Klatsche für die SPD: Faeser zeigt sich enttäuscht – und lässt Zukunft offen

Update vom 8. Oktober, 19.36 Uhr: Die SPD-Spitzenkandidatin Nancy Faeser hat nach dem enttäuschendem Abschneiden der Sozialdemokraten bei der Landtagswahl in Hessen ihre Zukunft als Chefin der Landespartei offen gelassen. Auf die Frage, ob sie Vorsitzende der hessischen SPD bleibe, sagte sie am Sonntagabend im ZDF: „Das werden wir sehen in den nächsten Tagen und Wochen. Unsere Partei steht sehr solidarisch zusammen.“ Es zeichne die SPD aus, gerade in Krisenzeiten zusammenzustehen. „Wir gewinnen gemeinsam, aber wir verlieren auch gemeinsam“, sagte Faeser.

Update vom 8. Oktober, 19.15 Uhr: Die hessische SPD-Kandidatin Nancy Faeser hat sich von den Verlusten ihrer Partei bei der Landtagswahl schwer enttäuscht gezeigt. „Wir hatten viel Gegenwind, wir haben es in den Umfragen gesehen. Deswegen ist es auch nicht ganz so überraschend, aber trotzdem sehr enttäuschend“, sagte Faeser, die auch Bundesinnenministerin ist, mit Blick auf das schwache Ergebnis. Sie habe als Spitzenkandidatin natürlich eine besondere Rolle. „Mit dieser konnte ich euch leider nicht helfen in diesen Tagen“, sagte sie vor Parteimitgliedern.

CDU-Ministerpräsident Boris Rhein sieht derweil einen „klaren Regierungsauftrag“ der Bürgerinnen und Bürger für die Union. Die Wähler hätten die Hessen-CDU und damit „Stil und Stabilität, aber auch sanfte Erneuerung gewählt“, sagte er in Wiesbaden. „Wir werden eine Regierung bilden aus der Mitte dieser Gesellschaft, aus der Mitte des Landes“, so Rhein. Das sei vollkommen klar. Dazu wolle man mit „allen demokratischen Fraktionen“ sprechen, sagte CDU-Fraktionsvorsitzende Ines Claus.

Weitere Prognosen zur Hessen-Wahl: AfD aktuell zweitstärkste Partei

Update vom 8. Oktober, 18.55 Uhr: Den aktualisierten Hochrechnungen zufolge stabilisiert sich die AfD als zweitstärkste Partei in Hessen, während Grüne und SPD den dritten Platz unter sich ausmachen. Die FDP muss nach wie vor um den Wiedereinzug ins Landesparlament bangen.

ParteiPrognose
CDU35,5 Prozent
Die Grünen15,3 Prozent
SPD15,9 Prozent
AfD16,4 Prozent
FDP5,0 Prozent
Die Linke3,4 Prozent
Freie Wähler3,5 Prozent
Sonstige5,0 Prozent

Update vom 8. Oktober, 18.36 Uhr: Die SPD mit Bundesinnenministerin Nancy Faeser als Spitzenkandidatin steuert mit 15,0 bis 16,0 Prozent auf ein historisch schlechtes Ergebnis zu. SPD-Generalsekretär Kevin Kühnert wertet das Ergebnis der Hessen-Wahl als bitter für seine Partei und für die Ampel. „Wir sind heute Abend ausdrücklich nicht die Wahlsieger“, sagte Kühnert im ZDF. Dennoch stärkte Kühnert der Innenministerin den Rücken, ihr Amt sei nicht in Gefahr. „Da kann ich auch für die gesamte Parteispitze sprechen“, sagte er.

Update vom 8. Oktober, 18.25 Uhr: Das Abschneiden der CDU in Hessen bezeichnete Generalsekretär Carsten Linnemann als „sensationelles Ergebnis“. Boris Rhein sei ein toller Spitzenkandidat, der genau die richtigen Themen adressiert habe. SPD-Spitzenkandidatin Nancy Faeser gratulierte Rhein indes während einer Ansprache an ihre Parteikollegen. Dabei sagte sie, dass man mit dem Wahlprogramm „überhaupt nicht durchgedrungen“ sei.

Prognosen zur Hessen-Wahl: CDU liegt deutlich vor restlichen Parteien

Update vom 8. Oktober, 18.13 Uhr: Das ZDF sieht die AfD in einer ersten Prognose sogar bei 17 Prozent – und damit als zweitstärkste Partei bei der Hessen-Wahl. Die Prognosen der ARD decken sich hingegen größtenteils mit denen von Infratest dimap, denen zufolge die AfD bei 16 Prozent liegt.

Den Erhebungen zufolge liegen die Christdemokraten von Ministerpräsident Boris Rhein deutlich vor dem Koalitionspartner Grüne und vor der SPD. Der Wiedereinzug der FDP in den Landtag steht derweil laut allen Prognosen auf der Kippe. Die Linke scheitert voraussichtlich an der Fünf-Prozent-Hürde, ebenso wie die Freien Wähler.

Update vom 8. Oktober, 18.00 Uhr: Die ersten Prognosen zur Hessen-Wahl sind da. Wie erwartet liegt die CDU mit deutlichem Abstand auf dem ersten Platz. Dahinter reihen sich SPD, Grüne, AfD und die FDP ein, während die Linke nach aktuellem Stand aus dem Landtag fliegen würden. Die Zahlen basieren auf Erhebungen des Wahlforschungsinstituts Infratest dimap. Ein Überblick:

ParteiPrognose
CDU35,5 Prozent
SPD16,0 Prozent
Die Grünen15,5 Prozent
AfD16,0 Prozent
FDP5,0 Prozent
Die Linke3,5 Prozent
Freie Wähler3,5 Prozent
Sonstige5,0 Prozent

Update vom 8. Oktober, 17.31 Uhr: Der Parlamentarische Geschäftsführer der Grünen im hessischen Landtag, Jürgen Frömmrich, geht mit aller Vorsicht wegen des noch unbekannten Wahlergebnisses davon aus, dass die schwarz-grüne Landesregierung weiterregieren könnte. Das sagte er vor einigen Medienvertretern. Die Alternative wäre, wenn das Wahlergebnis es hergibt und eine Ampelkoalition keine Mehrheit findet, ein Bündnis aus CDU und SPD.

Faeser-Rücktritt im Falle von SPD-Schlappe? „Fragen Sie mich das morgen“

Update vom 8. Oktober, 16.45 Uhr: Nach den schwachen Umfragewerten werden Nancy Faeser und ihrer SPD kaum Gewinnchancen bei der Hessen-Wahl ausgerechnet. Sollte es zu einer historischen Schlappe für die Sozialdemokraten kommen, könnten sogar Forderungen nach einem Rücktritt der Bundesinnenministerin und Spitzenkandidatin laut werden. Die will davon jedoch nichts hören – zumindest noch nicht.

Nach einem Wahlkampfauftritt im mittelhessischen Marburg wurde Faeser am Samstag von Journalisten der Bild gefragt: „Wenn die SPD morgen nur 16 bis 17 Prozent erreicht und keine Regierungs-Chance in Hessen hat, treten Sie als Innenministerin zurück?“. Eine klare Antwort wollte Faeser nicht geben: „Fragen Sie mich das morgen“, so die 53-Jährige. Geäußert hat sie sich heute dazu allerdings noch nicht.

Wahlbeteiligung in Hessen bislang geringer als noch 2018

Update vom 8. Oktober, 15.30 Uhr: Bei der Hessen-Wahl haben bis 14 Uhr 27,7 Prozent aller Wahlberechtigten bislang ihre Stimmen in den Wahllokalen abgegeben. Das teilte der Landeswahlleiter mit. Bei der letzten Landtagswahl im Jahr 2018 lag die Wahlbeteiligung zum gleichen Zeitpunkt bei 38,8 Prozent. Erwartungsgemäß liegt die Wahlbeteiligung unter dem Wert von vor fünf Jahren, da es dieses Mal viel mehr Briefwählerinnen und Briefwähler gibt. Die wiederum sind in der Erhebung von 14 Uhr nicht enthalten.

Update vom 8. Oktober, 15.00 Uhr: Angesprochen auf mögliche Bündnisse, haben Nancy Faeser, Boris Rhein und Tarek Al-Wazir sich allesamt ähnlich geäußert. Bundesinnenministerin und SPD-Spitzenkandidatin Faeser betonte, dass „demokratische Parteien immer alle miteinander arbeiten können“ müssen, daher sei auch eine Koalition mit der CDU denkbar. Eine Zusammenarbeit mit der AfD sei aber undenkbar. Ministerpräsident Rhein (CDU) sagte am Sonntag in Frankfurt zur Frage nach einem möglichen Koalitionspartner, auch da werde es einen Fingerzeig des Wählers geben, und „dann schauen wir mal, wie sich die Dinge gestalten“. Der Spitzenkandidat des Koalitionspartners, Tarek Al-Wazir, gab sich ebenfalls offen für neue Kooperationen. „Ich bin der felsenfesten Auffassung, dass alle Demokratinnen und Demokraten miteinander gesprächs- und im Zweifel auch koalitionsfähig sein müssen“, so Al-Wazir nach seiner Stimmabgabe in Offenbach.

Ministerpräsident Rhein hofft auf schlechtes AfD-Ergebnis bei Hessen-Wahl

Update vom 8. Oktober, 14.15 Uhr: Boris Rhein hofft bei der Hessen-Wahl auf ein schlechteres Ergebnis der AfD, als die letzten Umfragen vermuten lassen. Am Ende müsse man dann aber ein solches Ergebnis akzeptieren und damit umgehen und sich auch politisch darauf einstellen, sagte der CDU-Spitzenkandidat im Frankfurter Stadtteil Nieder-Eschbach. Rhein begleitete seine Ehefrau bei der Stimmabgabe. Er selbst hatte schon im Vorfeld per Briefwahl sein Votum abgegeben. Die AfD hat in Hessen nach den Umfragen Chancen, zweitstärkste Kraft im Landtag zu werden.

Update vom 8. Oktober, 13.20 Uhr: Nancy Faeser steht bei der Hessen-Wahl schwer unter Druck. Ihr Ziel, Ministerpräsidentin zu werden, dürfte die SPD-Spitzenkandidatin deutlich verfehlen. Tatsächlich droht der SPD Umfragen zufolge sogar das schlechteste Ergebnis bei einer hessischen Landtagswahl überhaupt. Selbst Platz zwei ist in Gefahr. Zuletzt war deshalb spekuliert worden, dass eine Wahlverliererin Faeser für Kanzler Olaf Scholz zu einer Belastung und daher abgelöst werden könnte. Einem Medienbericht zufolge wird Faeser aber auch im Falle einer Wahlniederlage Bundesinnenministerin bleiben. Das berichtet das Redaktionsnetzwerk Deutschland unter Berufung auf führende Regierungskreise. Es sei klar, dass Scholz sie nicht ablösen werde, hieß es. Faeser ihrerseits habe auch keine anderen Signale empfangen.

SPD-Spitzenkandidatin Faeser gibt Stimme bei Hessen-Wahl ab

Update vom 8. Oktober, 12.00 Uhr: SPD-Spitzenkandidatin Nancy Faeser hat in einem Wahllokal in Schwalbach am Taunus ihre Stimme abgegeben. Die Bundesinnenministerin hofft noch immer auf ein Comeback bei der Hessen-Wahl 2023. In den Umfragen liegt die SPD deutlich hinter der CDU von Ministerpräsident Boris Rhein zurück. Der hatte seine Stimme bereits mit Beginn der Briefwahl Ende August abgegeben.

Update vom 8. Oktober, 11.15 Uhr: Boris Rhein will bei der Hessen-Wahl zum ersten Mal sein Amt verteidigen. Erst im Frühling 2022 ist der CDU-Ministerpräsident als Nachfolger von Volker Bouffier (CDU) Regierungschef geworden. Zuvor hatte Rhein das Amt des Landtagspräsidenten inne. Mit den Grünen hat er bislang meist relativ geräuschlos regiert. Die Zusammenarbeit könnte nach der Hessen-Wahl 2023 weitergehen.

SPD-Kandidatin Faeser steht bei der Hessen-Wahl unter Druck

Update vom 8. Oktober, 10.15 Uhr: Bei der Hessen-Wahl geht es auch um Personen. Für die SPD tritt dabei Bundesinnenministerin Nancy Faeser an, der zuletzt in der Bundespolitik und auch im hessischen Wahlkampf beim Thema Migration der Wind schärfer ins Gesicht wehte. Die Konkurrenz monierte außerdem Faesers Ankündigung, nur im Fall eines Wahlsieges nach Wiesbaden wechseln zu wollen. Andernfalls wolle sie ihr Ministeramt in der Bundesregierung weiter ausführen.

Update vom 8. Oktober, 8.45 Uhr: In Hessen haben heute Morgen die Landtagswahl begonnen. Die Wahllokale sind bis 18.00 Uhr geöffnet. Seit 2014 regiert ein Bündnis aus CDU und Grünen in Hessen. Eine Fortsetzung von Schwarz-Grün scheint nach den letzten Umfragen möglich, doch auch eine Koalition aus CDU und SPD nach der Wahl ist rechnerisch und politisch denkbar.

Rund 4,3 Millionen Wahlberechtigte bei Hessen-Wahl 2023

Erstmeldung vom 8. Oktober: Wiesbaden – An diesem Sonntag (08.10.2023) wird in Hessen ein neuer Landtag gewählt. Rund 4,3 Millionen Wahlberechtigte können bei der Hessen-Wahl ihre Kreuzchen machen. Dabei sind mehr als 107.000 Erstwählerinnen und Erstwähler zur Wahl aufgerufen.

Kurz vor dem Gang zur Wahlurne liefern sich die Parteien noch einen letzten Endspurt im Wahlkampf. Der Wettstreit der Kandidaten um die Gunst der Wählerinnen und Wähler war bislang überwiegend fair und ohne persönliche Verletzungen. Allerdings wurde der Ton zwischen Ministerpräsident Boris Rhein (CDU), seinem Vize und Herausforderer Tarek Al-Wazir (Grüne) und der SPD-Spitzenkandidatin, Bundesinnenministerin Nancy Faeser, bei den „Triell“-Diskussionsrunden zuletzt schärfer.

Boris Rhein und seine CDU liegen bei Umfragen zu Hessen-Wahl deutlich vorn

Für Irritationen sorgte zuletzt ein Wahlkampf-Video der SPD, das eine Zusammenarbeit von CDU und AfD als möglich darstellte. Die Sozialdemokraten löschten den Clip nach Beschwerden seitens der CDU und entschuldigten sich. Der Wahlkampf hatte erst nach dem Ende der Sommerferien Anfang September an Fahrt aufgenommen und war teils von bundespolitischen Themen dominiert, etwa der Migrationspolitik.

In den Umfragen zur Hessen-Wahl liegt Boris Rhein mit seiner CDU klar vorne. SPD, Grüne und AfD liefern sich demnach ein Kopf-an-Kopf-Rennen um die folgenden Plätze. FDP und Linke müssen um ihren Wiedereinzug in den Landtag bangen. Dagegen könnte es den Freien Wählern womöglich erstmals gelingen, in das Landesparlament einzuziehen. Die können sich nach Angaben ihres Spitzenkandidaten Engin Eroglu eine Koalition mit der CDU vorstellen. Wahlumfragen spiegeln jedoch nur das Meinungsbild zum Zeitpunkt der Befragung wider und sind keine Prognosen auf den Wahlausgang.

Bei der Landtagswahl in Hessen 2018 bildeten CDU, SPD und Grüne die Top 3

Bei der letzten Landtagswahl in Hessen, im Jahr 2018, erlitten sowohl CDU als auch SPD zweistellige Verluste. Damals hätte die CDU statt mit den Grünen auch mit der SPD regieren können, schlussendlich entschied man sich nach Verhandlungen aber für ein erneutes schwarz-grünes Koalitionsbündnis. Die AfD, FDP und die Linke zogen indes ebenfalls in den Landtag ein. Die Wahlbeteiligung lag bei 67,3 Prozent. (nak/dpa)

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