VonChristoph Gschoßmannschließen
Nancy Faeser verliert wohl die Wahl in Hessen, aber sie bleibt dennoch Innenministerin. Laut einem Medienbericht hält Kanzler Scholz an ihr fest.
Wiesbaden – Es droht eine historische Wahlniederlage, doch Nancy Faeser ist wohl auch im Falle einer Schlappe der SPD bei der Hessen-Wahl 2023 ihren Job nicht los: Sie wird auch dann Bundesinnenministerin bleiben. Unter Berufung auf führende Regierungskreise berichtet dies das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Dass Bundeskanzler und Parteikollege Olaf Scholz sie nicht ablösen werde, sei „ganz klar“. Es habe auch keine anderen Signale an Faeser gegeben.
Hessen-Wahl: Faeser verfehlt Ziel wohl deutlich
Faeser tritt in Hessen als Spitzenkandidatin der SPD an. Umfragen deuten aber darauf hin, dass die 53-Jährige ihr Ziel, Ministerpräsidentin zu werden, deutlich verfehlen wird. Vor der Wahl hatte SPD-Spitzenkandidatin Faeser klargestellt, nur als Ministerpräsidentin aus Berlin zurück in die Landespolitik zu wechseln.
Die CDU mit Ministerpräsident Rhein lag in den Umfragen in Hessen zuletzt mit 31 bis 32 Prozent klar vor der SPD mit Faeser sowie den Grünen, die beide auf 16 bis 17 Prozent kamen. 2018 erreichten die Genossen mit 19,8 Prozent bereits ihr historisch schlechtestes Ergebnis in Hessen. Die Grünen treten mit Tarek Al-Wazir erstmals mit einem eigenen Ministerpräsidenten-Kandidaten an. Auch die AfD hat Chancen, zweitstärkste Kraft zu werden. Mit ihr will aber keine andere Partei ein Bündnis bilden. Knapp mit dem Einzug in den Landtag könnte es für FDP, Linke und Freie Wähler werden.
Kanzler Scholz bräuchte weibliche Ersatzkandidatin für Faeser
Eine Ablösung Faesers als Innenministerin wäre auch aus einem anderen Grund schwierig. Weil Boris Pistorius zum Verteidigungsminister wurde, und die Parität im Kabinett ohnehin gestört ist, bräuchte es eine weibliche Ersatzkandidatin. Dass ein Kanzler oder eine Kanzlerin einen in Landtagswahlen abgestraften Minister entlässt, wäre kein Novum. Norbert Röttgen (CDU) wurde nach der NRW-Wahl von 2012 von Kanzlerin Angela Merkel entlassen, allerdings galt ihr Verhältnis bereits zuvor als gestört. (cgsc)
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