Friedrich Merz stand im ARD-Sommerinterview Rede und Antwort. Neben der gescheiterten Richterwahl waren Rente, Bürgergeld und die US-Zölle Thema.
Update, 18.55 Uhr: „Mir gefällt das, was die israelische Regierung im Gazastreifen tut, schon seit vielen Wochen nicht mehr“, so Merz auf die aktuelle Lage angesprochen. Das habe er auch mit Israels Ministerpräsidenten mehrfach telefonisch besprochen. Er hoffe, dass man gemeinsam mit Europa und den USA eine Lösung finden werde, die in Richtung einer Zwei-Staaten-Lösung gehe. Die Palästinenser hätten einen Anspruch auf einen Platz, wo sie leben können, so der Kanzler. „So wie das gerade im Gazastreifen passiert, ist das nicht akzeptabel“.
Merz im Sommerinterview zu US-Zöllen: Es braucht zwei Dinge
Update, 18.49 Uhr: Zum Schluss kommt Donalds Trump Zoll-Plan auf den Tisch. Falls der US-Präsident seine Ankündigungen wahr machen würde, müsste man große Teile der eigenen Wirtschaftspolitik hinten anstellen, so Merz. „Das würde alles überlagern und die deutsche Exportwirtschaft ins Mark treffen“, so Merz. Doch Merz will weiter daran arbeiten, dass die Zölle nicht kommen und stellt sich damit auf Linie mit der EU. Dafür brauche es zwei Dinge: Geschlossenheit in der EU sowie „vernünftige Gesprächsfäden zum amerikanischen Präsidenten“, so Merz.
Frankreich hatte massive Gegenzölle verlangt. Diese würde Merz mittragen, sagt er im Sommerinterview. „Aber nicht vor dem ersten August“, so der Kanzler. Die Zeit bis dahin wolle man nutzen, „um eine Lösung hinzubekommen“. „Dafür engagiere ich mich intensiv“, so Merz.
Merz zu Bürgergeld: „System funktioniert nicht“
Update, 18.41 Uhr: Es geht weiter zum Thema Bürgergeld und der Frage, wie viel sich dort einsparen lasse. „Ich glaube nach wie vor, dass dieses System so nicht weiter funktioniert. Das müssen wir reformieren“, so Merz. Es gehe darum, dass die Menschen, die „wirklich Hilfe benötigen, sie auch bekommen“. Merz wäre etwa bereit, die Sätze für Menschen, die plötzlich in Arbeitslosigkeit geraten, anzuheben, um für Sicherheit zu sorgen. „Aber diejenigen, die arbeiten können, aber nicht arbeiten - oder nur Teilzeit arbeiten und aufstocken, da ist das System falsch“, so Merz. Er berichtet von teils organisierten System um Aufstocker, die dann parallel schwarzarbeiten würden. „Das müssen wir korrigieren“. Hier sei auf lange Sicht mehr einzusparen, als „ein oder zwei Milliarden“.
Eine Option bringt ARD-Moderator Preiß ins Spiel: Eine Deckelung der Mietkosten, die der Staat übernimmt. Diese würden einen großen Teil ausmachen - teils würden höhere Mieten verlangt, als auf dem freien Markt. „Ja, das ist denkbar“, so Merz. Auch die Wohnungsgröße zu prüfen, sei denkbar, so der Kanzler weiter.
Merz im Sommerinterview zur Rente: „Ein völlig anderes System“
Update, 18.25 Uhr: Jetzt wird die Sozialstaatsreform Thema. Merz kündigt an, genau das umzusetzen, was im Koalitionsvertrag vereinbart worden war. Man wolle Renten-, Kranken- und Pflege-Versicherung reformieren. Dafür liefen nun alle Vorbereitungen in den Kommissionen. Im Herbst werde man intensiv diskutieren, in welche Richtung man gehen wolle. Man werde nicht nur über Leistungen und Beiträge sprechen, sondern „wir werden über das gesamte System zu sprechen haben“, so Merz. Man sei aber erst am Anfang dieser Diskussion.
Moderator Preiß hakt nach, ob eine Bürgerversicherung eine Lösung sei. „Alle in die gesetzliche Versicherung ist auch keine Lösung“, so Merz. Denn die private Krankenversicherung trage „überproportional zur Stabilität des Systems bei“. Man müsse die Grenzen, wo Eigenverantwortung anfange und wo sie in Solidarität übergehe, neu ziehen, kündigt er grundlegende Gespräche an.
Zur Rente: Auch hier müssen laut Merz grundlegende Änderungen erfolgen, um zu einer „gesicherten Altersvorsorge“ zu gelangen. „Das ist ein völlig anderes System“, so Merz. Bisher zahlen junge Menschen ein, für ältere, die die Leistung in Anspruch nehmen. „Wir sagen aber auch, wir müssen die Kapitaldeckung verbessern“. Die Bürger müssten auch einen eigenen Kapitalstock aufbauen für das Alter. „Das haben andere Länder längst gemacht. Wir liegen da 30 Jahre zurück. Das müssen wir jetzt aufholen“.
Kranken- und Pflegeversicherung seien dagegen schwierigere Themen. Hier erwartet Merz harte und tiefgehende Verhandlungen und Gespräche.
Merz im Sommerinterview mit Klartext zu Richter-Wahl: „Undramatisch“
Update, 18.15 Uhr: Merz will mit vielen Details über die Richterwahl nicht rausrücken. Das weitere Vorgehen werde intern in der Koalition geklärt. „Wir werden das in Ruhe besprechen und wir werden versuchen für die nächste Runde gute Mehrheiten zu bekommen.“ Das Bundesverfassungsgericht sei weiterhin arbeitsfähig. „Das Ganze ist undramatisch“, erklärt Merz.
Update, 18.00 Uhr: Im Sommerinterview erklärt Bundeskanzler Friedrich Merz, es gebe keine „Krise der Demokratie, keine Krise der Regierung“. Gleich zu Beginn des Interviews geht es um die Richterwahl. „Wir haben uns wahrscheinlich alle ein bisschen überfordert in den letzten Tagen“, meint Merz. „Das ist nun wirklich kein Beinbruch.“ Der Kanzler verweist auf die anderen Gesetze, die die Koalition erfolgreich verabschieden konnte. Kritik an CDU/CSU-Fraktionschef Jens Spahn wiegelte der CDU-Chef ab. Moderator Markus Preiß fragt offensiv und wiederholt, ob Spahn der richtige Mann für den Posten als Fraktionschef sei, da dieser die internen Verschiebungen nicht erkannt habe. Merz wird deutlich: „Eindeutig ja!“
Erstmeldung: Berlin – Der CDU-Vorsitzende Friedrich Merz steht vor einem heiklen Auftritt. Nach der jüngsten Eskalation im Bundestag um die Wahl der Verfassungsrichter, bei der Merz sich mit seinem ursprünglichen Wunsch nicht gegen die eigene Fraktion durchsetzen konnte, muss er sich nun am Sonntag (13. Juli) den kritischen Fragen im ARD-Sommerinterview stellen.
Der innerparteiliche „Hickhack“ in der Union dürfte dabei eine zentrale Rolle spielen und den Kanzler in Erklärungsnot bringen. So kurz vor der Sommerpause kann Kanzler Merz eigentlich keine Live-Debatte über eine mögliche Regierungsschwäche oder Koalitionskrise gebrauchen. Wie kann man also das brisante Gespräch live im TV verfolgen?
Das ARD-Sommerinterview mit Friedrich Merz heute live im TV und im Livestream
Für die Zuschauer verspricht das ARD-Sommerinterview jedenfalls Hochspannung. Es wird erwartet, dass die Journalisten im Live-TV den Finger in die Wunde legen und Merz zu dem beispiellosen Vorgang befragen, bei dem Teile seiner Fraktion die Gefolgschaft bei der Wahl der SPD-Kandidatin Frauke Brosius-Gersdorf verweigerten. Beobachter werten dies als deutliches Zeichen für die bröckelnde Autorität des Kanzlers in den eigenen Reihen – auch CDU-Fraktionschef Jens Spahn steht nach der geplatzten Richterwahl in der Kritik.
Um keine Sekunde des Interviews zu verpassen, finden Sie hier alle wichtigen Informationen zur Übertragung im TV und Livestream. Wird Merz sich wieder einige Patzer leisten? Im Wahlkampf hatte er vor laufenden Kameras nicht immer die beste Figur gemacht – und schon mal patzig auf Kinderfragen zu seinen Pascha-Äußerungen reagiert.
Das Gespräch wird sowohl im klassischen Live-TV als auch online im Livestream angeboten, sodass Sie von überall dabei sein können. Hier die Sendedaten in der Übersicht:
Ereignis: ARD-Sommerinterview mit Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU)
Datum: Sonntag, 13.07.2025
Uhrzeit: 18:00 Uhr
Sender: ARD (Das Erste)
Livestream: ARD Mediathek
Merz im Kreuzverhör heute live im TV und Livestream: die Themen des Sommerinterviews
Das Hin und Her bei der Richterwahl überschattete in den vergangenen Tagen viele Themen. Die Union hatte zuvor gefordert, die Wahl von Brosius-Gersdorf von der Tagesordnung zu nehmen, andernfalls wollte man sich enthalten. Dass es so weit kam, zeigt die tiefen Gräben innerhalb der Fraktion. Kanzler Merz, der sich zuvor für die Wahl der Juristin ausgesprochen hatte, hatte plötzlich ein Chaos in der Regierung zu moderieren – dabei wollte er nach den ersten Wochen im Amt den Zeitpunkt nutzen, um im ARD-Sommerinterview die erfolgreiche Arbeit seiner Koalition zu betonen.
Die schwarz-rote Bundesregierung sieht nach neun Wochen tatsächlich erste Erfolge in der Wirtschafts- und Migrationspolitik. Merz betonte zuletzt eine bessere Stimmung im Land. „Wir haben viel angepackt, wir haben einiges erreicht“, erklärte der Regierungschef in der Generaldebatte zum Haushalt im Bundestag. Gleichzeitig räumte er ein: „Es bleibt noch sehr viel zu tun.“
Von Adenauer bis Merz: Die Kanzler der Bundesrepublik
Die Opposition kritisiert die Regierung unterdessen scharf. AfD-Chefin Alice Weidel bezeichnete Merz‘ Kanzlerschaft etwa als „größten Wahlbetrug in der deutschen Geschichte“ und bemängelte hohe Neuverschuldung sowie die Migrationspolitik. Die Grünen werfen der Regierung eine „Bankrotterklärung“ beim Klimaschutz vor. Die Linke kritisiert eine „Politik der sozialen Kälte“ und prangert Kürzungen im Sozialbereich an.
ARD-Sommerinterview heute mit Merz: Bundeskanzler live im TV und Livestream
Das traditionelle ARD-Sommerinterview bietet jetzt die Gelegenheit, die Positionen des Bundeskanzlers live im TV zu sehen – und zwar abseits des Parlamentsbetriebs. Markus Preiß, Studioleiter des ARD-Hauptstadtstudios, dürfte Friedrich Merz jedenfalls zu den drängendsten politischen Themen befragen. Im vergangenen Jahr hatte sich Merz mit Bayerns Ministerpräsident Markus Söder noch ein Duell um die Kanzlerkandidatur geliefert.
Das Interview mit Merz ist dabei der Auftakt zu einer ganzen Reihe. Termine für die Gespräche mit Vertretern von SPD, Grünen, FDP, AfD und die Linke werden von der ARD noch bekannt gegeben. Neben dem Interview mit Bundeskanzler Merz im Live-TV sind bislang weitere Gespräche mit führenden Politikerinnen und Politikern geplant. Hier die weiteren Sendetermine im Überblick:
Zeitplan der ARD-Sommerinterviews – das sind die Termine und Gäste
20. Juli 2025: Alice Weidel und Tino Chrupalla (AfD)
27. Juli 2025: Markus Söder (CSU)
03. August 2025: Felix Banaszak (Bündnis 90/Die Grünen)
Interviews in der ARD: Politiker im Kontakt mit den Zuschauern – heute Merz live im TV und Livestream
Die ARD erweitert darüber hinaus parallel zur Übertragung im Live-TV und Livestream ihr Social-Media-Angebot zu den Sommerinterviews. Geplant sind virtuelle Watchpartys unter der Marke „Tagesschau together“. Die eineinhalbstündigen Sendungen laufen parallel zu den Interviews mit Merz und Co auf dem ARD-Twitch-Kanal, weiteren Social-Media-Kanälen der Tagesschau, in der ARD-Mediathek und bei Tagesschau24.
Das Format startet 30 Minuten vor dem Sommerinterview mit Blicken hinter die Kulissen und Experteneinschätzungen. Anschließend folgt das Live-Sommerinterview, bei dem die Community über den Chat Fragen stellen kann.