Israel in Gefechten mit Hisbollah: Militärbeamter drängt auf „Eskalation“
VonNils Thomas Hinsberger
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Im Krieg zwischen Israel und der Hamas kämpfen auch andere Gruppen. Eine davon ist die Hisbollah-Miliz – aufgrund der wachsenden Bedrohung fordern manche die Eskalation.
Jerusalem – Die Lage im Nahen Osten hat sich mit dem Angriff Irans auf Israel verschärft. Beide Länder scheinen nach dem vermeintlichen Gegenangriff Israels aber erst einmal abwarten zu wollen. Doch die Auseinandersetzung mit einer dritten Konfliktpartei droht nun zu eskalieren – an den Angriffen auf Israel war vermutlich auch die militante Hisbollah-Miliz aus dem Libanon beteiligt. Aus Israel werden Stimmen laut, dass alleine eine Eskalation den Konflikt mit der Hisbollah beenden könne.
Die im Libanon beheimatete Hisbollah-Miliz ist eng mit dem Iran verbündet. Seit Beginn des Kriegs zwischen Israel und der Hamas, kommt es immer wieder zu Gefechten zwischen der in Deutschland als Terrororganisation eingestuften Miliz und der israelischen Armee. Erst am vergangenen Mittwoch haben die Streitkräfte Israels eine groß angelegte „Offensivaktion“ im Libanon gestartet. Das Ziel: Stellungen der Hisbollah-Miliz.
„Israel kann jetzt nicht aufhören“ – Militärbeamter drängt auf Eskalation mit Hisbollah
„Es gibt einen Ausweg und der ist zu eskalieren“, teilte ein namentlich nicht genannter Beamter des israelischen Militärs dem Wall Street Journal mit. Die Situation sei zu gefährlich, als dass Israel nun einfach aufhören könne.
Damit scheint Israel bei der Hisbollah ein ähnliches Ziel wie bei ihrem Kampf gegen die Hamas zu verfolgen. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat zuletzt internationale Rufe nach einer Deeskalation des Konflikts zurückgewiesen. Das erklärte Kriegsziel, die vollständige Vernichtung der Hamas, bleibe weiterhin bestehen.
Die Hisbollah scheint in dem Konflikt eine ähnliche Strategie zu verfolgen. Der Generalsekretär der Miliz, Naim Qassem, warnte, dass ein Krieg dazu führe, dass Israel „ein für allemal“ aus dem Norden vertrieben werde, wie Times of Israel berichtete.
Partei und Militär in einem – Die Hisbollah im Libanon
Die Hisbollah, übersetzt so viel wie „Partei Gottes“, ist eine im Jahr 1982 gegründete, schiitisch-islamistische Organisation im Libanon. Dabei agiert sie nicht nur als militärische Vereinigung, sondern besetzt auch das dortige Parlament. Der erklärte Feind der Hisbollah ist Israel, was die Miliz auch mit ihrem engsten Partner Iran verbindet.
Im Unterschied zur islamistischen Hamas, könnte von der Hisbollah aber eine noch größere Bedrohung ausgehen. Denn sie gilt als militärisch deutlich besser aufgestellt und verfügt über ein großes Arsenal an Waffen, Raketen und Drohnen. Diese setzt das Land immer wieder für direkte Angriffe auf Israel ein – auch beim Überfall der Hamas am 7. Oktober.
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Bedrohung aus dem Libanon – Israelis fliehen vor Hisbollah
Aufgrund der anhaltenden Bedrohung aus dem Libanon, haben sich viele israelische Bürgerinnen und Bürger aus dem Grenzgebiet zurückgezogen. „Wir können nicht zurück, wenn die Hisbollah an der Grenze bleibt“, teilte Shai Mor Yosef, der einst an der Nordgrenze Israels lebte, dem Guardian mit. „Wir haben nichts gemacht. Sie haben damit angefangen.“
Die Stimmen, dass Israel etwas gegen die Bedrohung der Hisbollah-Miliz unternehmen soll, werden immer lauter. Nissan Zeevi, der von einem Kibbuz an der libanesischen Grenze den Außenposten der Miliz beobachtet, kritisiert, dass Israel sich zu lange sicher gefühlt habe.
„Der Iron Dome war ein strategischer Fehler“, sagte er dem Guardian. „Er hat normalisiert, dass Raketen auf Israel fliegen, er gab uns das Gefühl von Sicherheit.“ Als Iron Dome wird das Raketenabwehrsystem Israels bezeichnet. Doch nach dem Angriff vom 7. Oktober sei das Land aus diesem Gefühl aufgewacht. „Jeder weiß, dass etwas geschehen muss, denn wir müssen die Hisbollah zurückdrängen, um sicher zu sein“, so Zeevi. (nhi)