Mit Kampfjets und Artillerie: Israel führt „Offensivaktion“ im Südlibanon durch
VonStefan Schmid
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Im Norden Israels kommt es immer wieder zu Angriffen durch die Hisbollah. Nun schlug das israelische Militär mit einer großangelegten Aktion zurück.
Aita asch-Schaab – Der Großteil des kriegerischen Geschehens im Nahostkonflikt spielt sich im Gazastreifen ab. Doch auch an der nördlichen Grenze zum Libanon kommt es seit dem 7. Oktober immer wieder zu gegenseitigem Beschuss zwischen Hisbollah und IDF (Isrealic Defense Forces). Nun scheint die Lage an der Grenze zwischen dem Libanon und Israel weiter zu eskalieren, die IDF startete eine „Offensivaktion“, deren Folge noch nicht absehbar ist.
IDF greift Ziele im Südlibanon an
Wie die Hamas hat es sich auch die Hisbollah zum Ziel gemacht, den Staat Israel zu vernichten. Doch obwohl die im Süden Libanons ansässige Miliz die Terrorangriffe vom 7. Oktober feierte und seitdem immer wieder Ziele im Norden Israels beschießt, blieben die Auseinandersetzungen überschaubar. Für die im Grenzgebiet Wohnenden auf beiden Seiten ist dies freilich nur ein schwacher Trost, leben sie doch in ständiger Angst, dass es doch noch zum Schlimmsten kommen könnte – jetzt könnte es so weit sein.
Am Nachmittag des 24. April haben israelische Truppen eine „Offensivaktion“ mit „zahlreichen Kräften“ im Süden Libanons eingeleitet. Das gab der israelische Verteidigungsminister Joav Gallant bekannt. In einer Erklärung des Militärs heißt es, dass man 40 Hisbollah-Ziele um die Ortschaft Aita asch-Schaab mit Artillerie und Kampfjets beschossen habe. Über den Einsatz von Bodentruppen wurde keine Angabe gemacht und ist bislang nichts bekannt.
Schon in der Vergangenheit kam es immer wieder an der Grenze zwischen dem Libanon und Israel zu Raketeneinschlägen. Wie hier nach einem israelischen Angriff am 16. April auf Majdal Zoun.
Seit Kriegsbeginn wurden laut Zählungen der Agentur AFP im Libanon mindestens 280 Menschen getötet, darunter 72 Zivilisten. Wie israelische Stellen selbst angeben, gab es auf ihrer Seite 19 Opfer zu beklagen, davon acht zivile.
Israel verbucht „Offensivaktion“ gegen Hisbollah-Ziele bislang als Erfolg
Die „Offensivaktion“ hat das Potenzial, nun eine Serie weiterer Auseinandersetzungen einleiten, die noch mehr Menschen das Leben kosten könnte. Dabei ist der israelische Angriff eine Antwort auf den kurz zuvor stattgefundenen Beschuss durch die Hisbollah auf Ziele in Israel. Die Miliz gab an, dutzende Raketen über die Grenze auf den Grenzort Avivim geschossen zu haben. Diese Raketenangriffe wiederum habe deshalb stattgefunden, weil laut Hisbollah zuvor zwei Zivilisten bei einem israelischen Angriff getötet worden seien.
Die Schläge auf die Ziele im Gebiet von Aita asch-Schaab bewerten israelische Kräfte als Erfolg. Wie der Kommandeur des Feuerunterstützungszentrums im Nordkommando der IDF gegenüber The Jerusalem Post sagte, habe man der Hisbollah auf „außergewöhnliche Weise“ geschadet.
Laut der Auskunft der IDF sei die beschossene Region deshalb von besonderer Bedeutung, weil die Miliz dort „dutzende Anlagen und Einrichtungen“ zum Angriff aus Israel stationiert habe. Den Erfolg des Kampfes gegen die Hisbollah bestätigte auch Verteidigungsminister Gallant, der angab, dass seit Ausbruch des Krieges die Hälfte der Miliz-Kommandeure getötet worden seien.
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Entspannung des Konflikt zwischen Hisbollah und Israel nicht absehbar
In Anbetracht der steigenden Gewaltspirale an der Nordgrenze Israels ist es schwierig vorstellbar, dass eine baldige Entspannung eintreten könnte. Die Hisbollah, vom Iran unterstützt, hat seit dem groß angelegten Drohnen- und Raketenangriff am 13. April die Beschüsse nochmals intensiviert und scheint sich auch von israelischen Gegenschlägen nicht abbringen zu lassen.
Schon kurz nach den Anschlägen vom 7. Oktober begann Israel damit, eine Vier-Kilometer-Sperrzone an der Grenze zum Libanon zu errichten. Dies waren die ersten Maßnahmen, nachdem die Hisbollah Raketenangriffe gestartet hatte. Schon damals warnten die USA davor, den Krieg auf den Libanon auszuweiten. (sch)