A House of Dynamite weckt Besorgnis: Donald Trumps Raketenschirm stößt auf große Skepsis
VonPatrick Mayer
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Bei Netflix läuft „A House of Dynamite“ millionenfach. Der Thriller behandelt mutmaßliche Mängel im US-Raketenschirm. Donald Trumps realer Plan wird kritisiert.
Alaska – Es ist ein bedrohliches Szenario, das offenbar sehr viele Streaming-Fans in seinen Bann zieht. „A House of Dynamite“ wurde laut der Deutschen Presse-Agentur bei Netflix innerhalb von nur drei Tagen (Start am 24. Oktober) weltweit 22,1 Millionen Mal aufgerufen. Im Mittelpunkt der Handlung steht ein fiktiver Raketenangriff auf die USA und die angebliche Machtlosigkeit der Amerikaner. Der Film sorgt in Zeiten internationaler Spannungen für Aufsehen und greift diese schonungslos auf, während Donald Trump in der Realität seinen umstrittenen Raketenschirm vorantreibt.
Vorsicht, Spoiler: In „A House of Dynamite“ erkennt die US-Raketenabwehr eine im Pazifik abgeschossene ballistische Interkontinentalrakete erst mit Verzögerung, als diese schon in der Luft ist. Die große Rakete wird fortan von Fort Greely in Alaska aus verfolgt. Dort befinden sich auch in der Realität die Startvorrichtungen für antiballistische Raketen der Vereinigten Staaten. Es ist nicht die einzige Parallele zum überlieferten Prozedere, sollten die USA tatsächlich angegriffen werden.
Netflix-Thriller „A House of Dynamite“ alarmiert: Donald Trump plante schon US-Raketenschirm
Im Netflix-Film „A House of Dynamite“ bleibt nach dem Raketenstart unklar, wer die Interkontinentalrakete abgefeuert hat. Ein Abwehrversuch mit antiballistischen Raketen aus Alaska scheitert jedenfalls. Und so nimmt das Unheil in dem packenden Thriller mit Rebecca Ferguson („Kommissar Wallander“, „Mission: Impossible“) und Idris Elba („Luther“, „Thor“, „Avengers“) in den Hauptrollen seinen Lauf. Und die Realität?
Donald Trumps Kabinett: Liste voller skandalöser Überraschungen
Während „A House of Dynamite“ als Mahnung mit Blick auf die gegenseitige nukleare Bedrohung bewertet wird, laufen die Pläne für einen neuen Raketenschirm der USA angeblich unter Hochdruck. Konkret: Trump hatte am 20. Mai seinen „Golden Dome for America“ (zu Deutsch: Goldene Kuppel für Amerika) vorgestellt. Das weltraumgestützte Abwehrsystem gegen Interkontinentalraketen und Hyperschallraketen soll laut Newsweek ersten Schätzungen zufolge 175 Milliarden US-Dollar kosten.
Raketenabwehrschirm für die USA: Donald Trump will „Golden Dome“ umsetzen
Spektakulär: Weltraumgestützte Abfangraketen aus dem Orbit sind Teil der Pläne. Dem amerikanischen Nachrichtenmagazin zufolge gibt es aber erhebliche Zweifel an der Machbarkeit und der Realisierung von Trumps US-Raketenschirm „Golden Dome“. So warnt das Congressional Budget Office laut Newsweek, dass der gewaltige Raketenschirm bis zu 830 Milliarden US-Dollar kosten und die Umsetzung letztlich bis zu 20 Jahre dauern könnte.
Das Congressional Budget Office prüft und schätzt in den Vereinigten Staaten die nötigen und geplanten Ausgaben innerhalb eines Haushaltsjahres. Darüber hinaus ermittelt die Behörde für den US-Kongress die Kosten, die neue Gesetzesvorlagen wahrscheinlich nach sich ziehen werden. Die US-Regierung ließ diese geradezu astronomische Zahl bislang unkommentiert.
Golden Dome (Raketenabwehrsystem)
Der Golden Dome ist ein geplantes Verteidigungssystem für die Vereinigten Staaten, das ballistische Raketen, Hyperschall- und Marschflugkörper vor dem Start oder während ihres Fluges als Bedrohung erkennen und im zweiten Schritt zerstören soll. Der Raketenabwehrschirm soll eine globale Konstellation an Satelliten nutzen, die sowohl mit Sensoren als auch mit weltraumgestützten Abfangraketen ausgestattet sind.
Wie der Schweizer Sender SRF in einer Analyse auf seiner Nachrichten-Website schreibt, müsste der Golden Dome jedenfalls eine 400-mal größere Fläche abdecken als der israelische Iron Dome, dessen Erfahrungen einfließen sollen. Hinzukommen als Schwachpunkt mögliche geopolitische Abhängigkeiten. Laut Welt ist etwa Kanadas Luftraum ein maßgebliches Sichtfeld, sollten Interkontinentalraketen über den Nordpol heranfliegen. Es bräuchte also entsprechende Vereinbarungen mit Ottawa.
Donald Trumps Raketenabwehrschirm: Große Zweifel an Machbarkeit des „Golden Dome“
Der Leiter des Center for Arms Control & Non-Proliferation, John Tierney, hatte Trumps Pläne bei CNN gar als einen „Witz“ bezeichnet, während die aktuelle US-Administration des Republikaners den „Golden Dome“ für Amerika bis 2029 an den Start bringen will. Weil die kaum vorstellbare Gefahr eines Angriffs wirklich real ist?
Brisant: Der norwegische Verteidigungsminister Tore Sandvik warnte laut britischem Telegraph kürzlich, dass Russland auf der Kola-Halbinsel (Oblast Murmansk) im Polarkreis Atomwaffen auf westliche Staaten wie Norwegen und Großbritannien sowie „über den Pol hinweg auch auf Kanada und die USA“ ausrichte. (Quellen: Netflix, Newsweek, SRF, Welt, CNN) (pm)