Sorgenkind der Biden-Familie

Hunter Biden: Der Sohn des US-Präsidenten wird zur Bürde 

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Hunter Biden macht seit Jahren Schlagzeilen, die für seinen Vater Joe in den USA ungünstig sind. Das könnte sich auch auf die US-Wahl 2024 auswirken.

Washington, D.C. - Hunter Biden wird für seinen Vater zunehmend zur politischen Belastung. Der Sohn von US-Präsident Joe Biden macht seit Jahren in den USA Schlagzeilen mit Dingen, mit denen Politiker üblicherweise ungern in Verbindung gebracht werden: Er kämpfte mit Alkoholabhängigkeit und Drogensucht, war in undurchsichtige Geschäfte verwickelt und geriet in rechtliche Streitigkeiten mit einer früheren Stripperin über den Unterhalt für ein uneheliches Kind. Aktueller Höhepunkt dieser Eskapaden ist das Vorgehen der US-Justiz gegen ihn wegen ausstehender Steuerzahlungen und illegalen Waffenkaufs.

NameRobert Hunter Biden
Geboren4. Februar 1970
GeburtsortWilmington (Delaware)
ElternJoe Biden, Neilia Hunter
EhepartnerinMelissa Batya Cohen Biden (verh. 2019)
vorherige PartnerinKathleen Buhle, vormals Biden (verh. 1993 bis 2017)

Hunter Biden: US-Präsidentensohn hat Probleme mit der Justiz

Vor einigen Jahren begannen auf Bundesebene in den USA Ermittlungen gegen Hunter Biden. Die Staatsanwaltschaft im Bundesstaat Delaware wirft ihm vor, in den Jahren 2017 und 2018 seine fällige Einkommenssteuer auf Bundesebene nicht fristgerecht beglichen zu haben. Die Summe beläuft sich auf jeweils mehr als 100.000 US-Dollar. Zusätzlich wird ihm vorgeworfen, im Jahr 2018 illegal im Besitz einer Schusswaffe gewesen zu sein. Beim Erwerb der Waffe habe er seine Drogensucht verschwiegen, obwohl Drogenkonsumenten den Kauf einer Waffe untersagt ist.

In dem Bemühen, einen Prozess und eine mögliche Haftstrafe zu vermeiden, verhandelt Hunter Biden derzeit über eine Vereinbarung mit der Staatsanwaltschaft. Doch der Deal ist noch nicht in trockenen Tüchern und bleibt vorerst Gegenstand weiterer Verhandlungen. Für Hunter Biden und seinen Vater ist das ohne Frage eine herbe Enttäuschung. Mit Blick auf die US-Wahl 2024 hätten sie das Thema gerne ein für allemal hinter sich gelassen. Das juristische Gezerre geht aber vorerst weiter.

Probleme von Hunter Biden machen auch US-Präsident Joe Biden zu schaffen

Es ist äußerst ungewöhnlich, dass ein Präsidentensohn wegen mehrerer Vergehen belangt wird und vor Gericht erscheinen muss. In der aktuellen politischen Situation der USA ist diese Angelegenheit jedoch besonders heikel. Joe Biden beabsichtigt, bei der Wahl 2024 für eine zweite Amtszeit anzutreten, somit steht sein Sohn im Fokus der Aufmerksamkeit. Schon lange ist Hunter Biden das Ziel politischer Angriffe von den Republikanern. Vor allem Joe Bidens politischer Kontrahent Donald Trump wirft Hunter Biden immer wieder Korruption vor.

In einer Zeit, in der politische Spaltungen im Land selten so groß waren, könnte das zu einem Problem werden. Immerhin behaupten prominente Republikaner, dass es in den USA eine Zwei-Klassen-Justiz gibt. Sie behaupten, dass der politische Konkurrent des Demokraten Joe Biden auf juristischem Wege aus dem Weg geräumt werden solle, während der Sohn des Präsidenten mit Nachsicht behandelt werde. Dabei verschweigen sie bewusst, dass die Anschuldigungen gegen Hunter Biden bei weitem nicht mit denen gegen Trump vergleichbar sind. Die Frage bleibt jedoch, welchen Eindruck die Anschuldigungen bei den Wahlberechtigten hinterlassen.

Für US-Präsident Joe Biden ist das alles nichts Neues. Seit vielen Jahren begleiten ihn die negativen Schlagzeilen, die sein Sohn fabriziert, auf Schritt und Tritt. Hunter Biden ist über weite Strecken seines Lebens von Dämonen geplagt worden. In einem im Jahr 2021 veröffentlichten Buch gab er erstaunlich offen und eindrücklich Einblick in seinen langen Kampf gegen Alkohol und Drogen, erzählte vom Teufelskreis aus Drogenexzessen, Therapien, immer wiederkehrenden Rückfällen und tragischen Schicksalsschlägen. Freimütig sprach er darüber in einem Interview mit dem US-Sender ABC News sowie in einem Porträt des US-Magazins New Yorker.

Hunter Biden hat früh mit Problemen zu kämpfen

Hunter Biden ist der jüngere Sohn von Joe Biden und Neilia Hunter, die 1966 heirateten. Im Alter von nur drei Jahren traf Hunter Biden ein schwerer Schicksalsschlag mit aller Wucht. Bei einem Autounfall verlor er seine Mutter und seine Schwester, er selbst und sein älterer Bruder Beau überlebten schwer verletzt. Diese traumatische Erfahrung hat in seinem Leben eine gewichtige Rolle gespielt. Schon während der Schulzeit begann Hunter Biden zu trinken, später wurde er alkoholabhängig. Trotz mehrerer Therapieversuche hatte er immer wieder mit Rückfällen zu kämpfen.

Im Jahr 2013 wurde Hunter Biden zum Offizier der US-Marinereserve ernannt und legte dafür in einer Zeremonie im Weißen Haus seinen Amtseid ab - vor seinem Vater, dem damaligen Vizepräsidenten der USA. Nur wenig später wurde Hunter Biden auf dem Marinestützpunkt positiv auf Kokain getestet und anschließend entlassen.

Für Hunter Biden (rechts) gehen die Probleme weiter - und für seinen Vater Joe Biden auch.

Den nächsten Schlag musste er 2015 verkraften, als sein Bruder Beau Biden im Alter von nur 46 Jahren an einem Hirntumor starb. Dieser Verlust erschütterte Hunter Biden zutiefst und führte dazu, dass er in eine Spirale der Crack-Sucht geriet und sich mit fragwürdigen Personen aus dem Drogenmilieu umgab. Das ging noch bis ins Jahr 2019 hinein, als Joe Biden bereits seine Präsidentschaftskandidatur vorbereitete.

Fragwürdige Geschäfte von Hunter Biden in der Ukraine und in China

Während des Präsidentschaftswahlkampfes brachte Hunter Biden seinen Vater in Erklärungsnot. Seit 2014 hatte Hunter Biden einen lukrativen Posten im Verwaltungsrat des ukrainischen Gaskonzerns Burisma inne - zu einer Zeit, als Joe Biden als Vizepräsident für die Ukraine zuständig war. Diese Ernennung stieß auf scharfe Kritik seitens der russischen Staatsführung, die der US-Regierung und somit auch Bidens Vater vorwarf, an den politischen Unruhen in der Ukraine beteiligt zu sein.

Hunter Bidens Verbindungen in die Ukraine spielten auch eine wesentliche Rolle beim ersten Amtsenthebungsverfahren gegen den damaligen US-Präsidenten Donald Trump, weil der versucht hatte, die ukrainische Regierung zu Ermittlungen in der Angelegenheit zu drängen.

Zusätzlich stand Hunter Biden auch wegen fragwürdiger Geschäfte in China in der Kritik. So sollen das chinesische Energiekonglomerat CEFC China Energy und seine Führungskräfte 4,8 Millionen US-Dollar an Unternehmen gezahlt haben, die von Hunter Biden und seinem Onkel James Biden kontrolliert wurden. Darüber hinaus erhielt Hunter Biden eine zusätzliche Zahlung von einer Million US-Dollar als Vorschuss.

Privatleben von Hunter Biden sorgt für Aufregung

Hunter Biden sorgte auch anderweitig für Schlagzeilen. So hatte er eine Beziehung mit der Witwe seines verstorbenen Bruders und war in eine Affäre mit einer Stripperin verwickelt, aus der ein uneheliches Kind hervorging. Anfangs bestritt er die Vaterschaft, doch ein DNS-Test brachte schließlich Klarheit. In den vergangenen Monaten war er in einen gerichtlichen Streit mit der Mutter des Kindes über die Höhe der Unterhaltszahlungen verwickelt.

Joe Biden, der seit 1977 in zweiter Ehe mit Jill Biden verheiratet ist, spricht häufig über seine Enkelkinder und pflegt regelmäßigen Kontakt zu ihnen. Enkelin Naomi Biden, Tochter von Hunter und Kathleen Biden, lebt sogar zusammen mit ihrem Ehemann im Weißen Haus bei dem katholischen Präsidenten. Doch über die Enkelin aus der Affäre seines Sohnes Hunter Biden, die im August 2018 geboren wurde, äußert sich der Präsident öffentlich nicht.

US-Präsident Biden verteidigt seinen Sohn Hunter Biden

Joe Biden versucht größtenteils, politische Angriffe in Bezug auf seinen Sohn zu ignorieren. Das allerdings gelingt ihm nicht immer. Während des letzten Präsidentschaftswahlkampfes reagierte er teilweise ungehalten auf Fragen zu Hunter Bidens Geschäften. Im aktuellen Wahlkampf birgt dies erneut Risiken, da die Sorge besteht, dass der Präsident möglicherweise die Fassung verlieren oder emotional reagieren könnte, wenn es um Hunter Biden geht. Dessen Probleme belasten ihn nicht nur politisch, sondern auch persönlich. Die Angst, dass sein Sohn erneut in die Sucht abrutschen könnte, begleitet Joe Biden schon seit vielen Jahren.

Bei jeder neuen negativen Berichterstattung verteidigt Joe Biden seinen Sohn und betont immer wieder, wie stolz er auf ihn sei. Allerdings stehen seine Äußerungen über Hunter Biden in starkem Kontrast zu dem, was er über seinen verstorbenen Sohn Beau Biden sagt. Er erwähnt ihn auffallend häufig, auch in seinen öffentlichen Reden, und preist seine vorbildliche Karriere als Militärveteran und Staatsanwalt. Joe Biden macht dabei keinen Hehl daraus, dass er Beau Biden gerne an seiner Stelle im Weißen Haus gesehen hätte.

Dagegen bedeutet Hunter Biden für den US-Präsidenten politisch eine Last. Ein möglicher Prozess gegen Hunter Biden ist noch nicht abgewendet, und die Republikaner im Kongress haben mit ihrer Mehrheit im Repräsentantenhaus Untersuchungen zu seinen Geschäften eingeleitet. Diese Ermittlungen werden höchstwahrscheinlich das gesamte Wahljahr über andauern.

Für diesen von der Redaktion geschriebenen Artikel wurde maschinelle Unterstützung genutzt. Der Artikel wurde vor Veröffentlichung von Redakteur Christian Stör sorgfältig überprüft.

Rubriklistenbild: © Manuel Balce Ceneta/dpa

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