Im Ukraine-Krieg steht Russland vor Problemen. Doch die Marine soll aufgerüstet werden. Das ist auch bitter nötig: Viele U-Boote könnten ausfallen.
Moskau – Russlands Marine: Seit Ausbruch des Ukraine-Kriegs machen Wladimir Putins Kriegsschiffe und U-Boote immer wieder Schlagzeilen. Meist geht es um den schlechten Zustand der Flotte und massive Probleme. Aktuell aber will Russlands Marineführung seine U-Boote mit einem gewaltigen militärischen Fortschritt zur Bedrohung im Krieg in der Ukraine machen.
Die modernsten Vertreter der Flotte sollen nun Hyperschallraketen, sogenannte Zirkon-Raketen, erhalten. Doch ältere Unterseeboote aus Russland bereiten dennoch Schwierigkeiten – es ist sogar von einer „Zombie-Flotte“ die Rede.
Putins Marine hat aktuell im Ukraine-Krieg ein „Zombie-Problem“: Zahlreiche U-Boote mit Wartungsstau
Laut Alexej Rachmanow, Generaldirektor der russischen United Shipbuilding Corporation, sollen die Atom-U-Boote der Jasen-Klasse mit den Zirkon-Hyperschallraketen ausgerüstet werden. Derzeit sollen bereits die notwendigen Arbeiten an den Schiffen stattfinden. Die russische Marine musste zuletzt wegen eines defekten Docks im Nordmeer zahlreiche Schiffe über die Ostsee nach St. Petersburg bringen. Nun scheint es so, als lege Russland seine maritimen Hoffnungen auf moderne U-Boote.
Die Jasen-Klasse kann bis zu 32 Kalibr-Raketen transportieren und stellt mit ihrer Bewaffnung eine ernste Bedrohung für feindliche Seeverbände dar. Doch nicht nur Ziele auf den Meeren sollen laut russischer Marine bekämpft werden können. Möglich sei es auch, Häfen und küstennahe Gebiete anzugreifen. Zwar wurden bisher nur wenige Einheiten gebaut, doch Putins maritimer Stolz soll in den kommenden Jahren zur wichtigsten U-Boot-Klasse werden. Derzeit befinden sich angeblich mindestens sechs weitere Schiffe im Bau.
Jasen-Klasse aktuell bestes U-Boot Russlands: Putin könnte Probleme verschleiern
Während die russische Marine aktuell im Ukraine-Krieg auf die Jasen-Klasse setzen kann, bereiten zahlreiche weitere U-Boote aus Russlands Bestand Probleme. Teilweise wird gar von „Zombie-U-Booten“ gesprochen. Die Nachrichtenplattform Riddle News berichtet nun, dass Russland den wahren Zustand seiner U-Boot-Flotte verschleiern könnte – und das Ausmaß der Ausfälle massiv sein.
Doch wieso sollte Russland das tun? Eigentlich regelt das New-Start-Abkommen (Strategic Arms Reduction Treaty) das gemeinsame Vorhaben der USA und Russlands, allmählich die strategischen Trägersysteme für Nuklearwaffen zu reduzieren. Barack Obama und Dmitri Medwedew unterzeichneten im Frühjahr 2010 entsprechende Verträge. Im Zusammenhang mit dem Ukraine-Krieg ist aktuell die russische Teilnahme an New Start ausgesetzt. Dementsprechend findet kein Austausch über die jeweiligen Kernwaffenarsenale und Trägersysteme statt.
Russlands Marine mit Problemen: Während Ukraine-Krieg fallen aktuell zahlreiche Modernisierungen an
Die Zahl der nuklearen Sprengköpfe und Startplattformen hatte sich bis in die 2010er Jahre deutlich reduziert. Doch Wladimir Putin treibt wegen des Ukraine-Kriegs aktuell ganz allgemein die Rüstung in seinem Land wieder voran. Während der Kreml die eigenen Kanäle mit Positivmeldungen über die eigenen Verbände überflutet, gibt es aber auch Mutmaßungen über den schlechten Zustand von Putins Marine.
Ukraine-Krieg: Die Ursprünge des Konflikts mit Russland
Bei den U-Booten-Klassen, die Russland derzeit einsetzen könnte, gibt es einige, die bereits die Grenze ihrer Einsatzdauer erreicht haben oder kurz davor stehen. Hinzu kommen Wartungsstaus und notdürftige Modernisierungen. Ein paar Beispiele: Das sogenannte Projekt 667BRDRM, auch bekannt als Delfin oder Delta-IV-Klasse, wurde etwa in den 1980er und 1990er Jahren gebaut und zwischen 2008 und 2013 instand gesetzt. U-Boote der Oscar-II-Klasse befinden sich teilweise in Reserve oder müssen gegenwärtig ebenfalls modernisiert werden.
Wie stark ist Putins Marine? Einsatzfähigkeit wohl im Ukraine-Krieg aktuell nicht bekannt
Dass Wladimir Putin möglicherweise veranlasst haben könnte, die wahre Stärke und Einsatzfähigkeit von Russlands Marine aktuell wegen des Ukraine-Kriegs zu verschleiern, ist naheliegend. Wie Riddle News in seinem Beitrag zum Thema schreibt, setzt die russische Flotte auch auf sehr alte Schiffe, die bereits über 40 Jahre in Dienst stehen. Während Putin immer wieder die Schlagkraft der russischen Truppen lobt, sieht die Realität wohl anders aus: Zahlreiche U-Boote haben inzwischen ihre Nutzungsdauer überschritten und sind wohl mit großer Wahrscheinlichkeit nicht einsatzbereit.
Mit Stand August 2023 können laut Riddle von insgesamt 13 russischen strategischen U-Booten nur sechs 955/955A-U-Boote und zwei 667BDRM-U-Boote, Tula und Novomoskovsk, zuverlässig als einsatzbereit bezeichnet werden. Die restliche U-Boot-Flotte Russlands wird wohl mit Reparaturen am Leben gehalten. Dass die eigenen Schiffe wohl ihren Zenit überschritten haben, ist aber mutmaßlich auch dem Kreml bewusst. Angesichts der strategisch wichtige Rolle von U-Booten werden aktuell neue Einheiten gebaut, die in den kommenden Jahren Putins Marine verstärken sollen. (fbu)