Eskalation der Gewalt

Trump verteidigt ICE-Einsatz nach neuen tödlichen Schüssen – Familie des Opfers klagt über „abscheuliche Lügen“

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In Minneapolis töteten Bundesbeamte am Samstag einen Mann bei einem ICE-Einsatz. Die Stadt ermittelt, Proteste und Tränengas folgten.

Update, 7:57 Uhr: Nach den tödlichen ICE-Schüssen in Minneapolis hat Präsident Donald Trump den Bürgermeister und den Gouverneur des Bundesstaats Minnesota attackiert. „Der Bürgermeister und der Gouverneur stacheln mit ihrer selbstgefälligen, gefährlichen und arroganten Rhetorik einen Aufstand an!“, schrieb der Republikaner auf der Plattform Truth Social. Trump schrieb mit Blick auf die US-Einwanderungsbehörde ICE auch: „LASST UNSERE ICE PATRIOTEN IHREN JOB TUN!“

Der Gouverneur des US-Bundesstaats Minnesota, Tim Walz, forderte Trump in einer Pressekonferenz auf, die Kräfte von Minnesota abzuziehen. „Sie säen Chaos und Gewalt.“ Auf X hatte Walz zuvor geschrieben: „Zieht die Tausenden gewalttätigen, ungeübten Beamten aus Minnesota ab. Jetzt.“ Minnesota habe es satt.

Update, 25. Januar, 6:36 Uhr: Die Eltern des bei einem ICE-Einsatz erschossenen Mannes werfen den Einsatzkräften vor, ihren Sohn ohne legitimen Grund erschossen zu haben. Die Regierung, die die Schüsse eines Beamten als Notwehr bezeichnet hatte, lüge, heißt es in einer Stellungnahme der Familie von Alex Pretti, die von mehreren US-Medien veröffentlicht wurde. Anders als behauptet habe der 37-jährige Krankenpfleger keine Bedrohung für die Beamten dargestellt, als er von den Einsatzkräften attackiert wurde.

„Die abscheulichen Lügen, die die Regierung über unseren Sohn verbreitet, sind verwerflich und widerwärtig“, heißt es in der Stellungnahme weiter. „Alex hält eindeutig keine Waffe in der Hand, als er von Trumps mordenden und feigen ICE-Gangstern angegriffen wird.“ Er habe lediglich versucht, eine von einem ICE-Beamten zu Boden gebrachte Frau zu schützen und sei mit Pfefferspray besprüht worden, bevor die Schüsse fielen. Die Wahrheit müsse ans Licht gebracht werden.

Erstmeldung: Bei einem Einsatz von Bundes- und Einwanderungsbeamten ist am Samstagmorgen (24. Januar, Ortszeit) in Minneapolis erneut ein Mensch erschossen worden. Stadt und Bundesstaat bestätigten den tödlichen Schusswaffeneinsatz und erklärten, die Hintergründe würden untersucht. Der Vorfall ereignete sich im Bereich West 26th Street und Nicollet Avenue, wo Straßen gesperrt wurden und die Behörden die Bevölkerung aufforderten, den Bereich zu meiden.

In einem vom Tatort in Minneapolis kursierenden Video (Screenshot links) sind Bundesbeamte im Gerangel mit einem Mann zu sehen, bevor mehrere Schüsse fallen. Es zeigt vermeintlich den Moment der Ausschreitung während des ICE-Einsatzes am 24. Januar 2026. Bild rechts: Bundesagenten setzen nach dem tödlichen Schuss auf einen Mann Tränengas und andere Reizstoffe gegen Demonstranten ein, die in Folge der Schüsse in der Nähe der Kreuzung von 26th Street West und Nicollet Avenue protestieren.

Augenzeugenberichte und verifizierte Videos zeigen eine Konfrontation auf dem Gehweg, bei der mehrere maskierte Bundesbeamte eine Person zu Boden ringen. Kurz darauf sind mehrere Schüsse zu hören, der Mann stirbt noch am Tatort. Was den Schussabgabe unmittelbar vorausging, ist bislang nicht abschließend geklärt, schreibt The New York Times. Die Minnesota Star Tribune berichtet unter Berufung auf Videoaufnahmen, dass innerhalb weniger Sekunden mehrfach geschossen wurde, nachdem mehrere Beamte den Mann am Boden fixiert hatten.

Die Demokratin Ilhan Omar, die als Abgeordnete im US-Kongress den Bundesstaat Minnesota vertritt, veröffentlichte kurze Zeit später ein Statement, in dem sie von einer augenscheinlichen „Hinrichtung“ sprach. „Ich bin absolut am Boden zerstört, entsetzt und fassungslos, dass Bundesagenten ein weiteres Mitglied unserer Gemeinschaft ermordet haben.“

ICE-Einsatz in Minneapolis eskaliert: Mann erschossen

Ein Sprecher des US-Heimatschutzministeriums sagte, wie die Associated Press berichtet, der Getötete habe „eine Schusswaffe mit zwei Magazinen“ getragen, weitere Details müssten noch bestätigt werden. Das Ministerium veröffentlichte zudem ein Foto einer Handfeuerwaffe, die nach eigenen Angaben am Tatort sichergestellt wurde.

Nach Darstellung der New York Times sprach das Ministerium von einer „zielgerichteten Operation“, die sich gegen eine Person gerichtet habe, die sich illegal im Land aufhalte und wegen Körperverletzung gesucht worden sei. Währenddessen habe sich eine weitere Person den Beamten mit einer 9-Millimeter-Pistole genähert, es sei zu einem „bewaffneten Gerangel“ gekommen. Ein Agent habe daraufhin aus Angst um sein Leben geschossen.

ICE-Eskalation in Minneapolis: Streit um Alter des Getöteten und politische Zuspitzung

Bei zentralen Fakten gibt es indes bislang widersprüchliche Angaben. Die Associated Press berichtet unter Berufung auf ein Krankenhausdokument, es handele sich um einen 51-jährigen Mann, der nach dem Schusswaffeneinsatz gestorben sei. Der Polizeichef von Minneapolis, Brian O’Hara, sagte dagegen laut New York Times, der Getötete sei 37 Jahre alt gewesen, habe in der Stadt gelebt und sei vermutlich US-Bürger.

ICE-Agenten erschießen Demonstranten - Minneapolis im Ausnahmezustand

Demonstranten versammeln sich vor dem Bundesgebäude bei den Protesten für Renee Good und Alex Pretti, zwei US-Bürger in Minneapolis, Minnesota, die von Grenzschutzbeamten getötet wurden.
Demonstranten versammeln sich vor dem Bundesgebäude bei den Protesten für Renee Good und Alex Pretti, zwei US-Bürger in Minneapolis, Minnesota, die von Grenzschutzbeamten getötet wurden. © IMAGO/Jon Putman
Eine Demonstrantin in Minneapolis hält ein Schild hoch: „Hört auf uns zu töten“.
Eine Demonstrantin in Minneapolis hält ein Schild hoch: „Hört auf uns zu töten“. © IMAGO/Jon Putman
Demonstranten halten eine Mahnwache an der Stelle ab, an der Bundesbeamte einen Mann in Minneapolis am Samstag (24. Januar) getötet hatten.
Demonstranten halten eine Mahnwache an der Stelle ab, an der Bundesbeamte einen Mann in Minneapolis am Samstag (24. Januar) getötet hatten. © IMAGO/Arthur Maiorella
New York City: Menschen protestieren gegen die Einwanderungs- und Zollbehörde ICE nachdem die Behörde einen US-Bürger in Minneapolis erschossen hat.
New York City: Menschen protestieren gegen die Einwanderungs- und Zollbehörde ICE nachdem die Behörde einen US-Bürger in Minneapolis erschossen hat. © IMAGO/Bryan Smith
Demonstranten geraten mit ICE aneinander, nachdem ein Bundesbeamter am 24. Januar einen Mann erschossen hat – dies ist bereits der zweite Schusswaffenvorfall mit Beteiligung von ICE-Bundesbeamten in Minneapolis diesen Monat.
Demonstranten geraten mit ICE aneinander, nachdem ein Bundesbeamter am 24. Januar einen Mann erschossen hat – dies ist bereits der zweite Schusswaffenvorfall mit Beteiligung von ICE-Bundesbeamten in Minneapolis diesen Monat. © IMAGO/Arthur Maiorella
Demonstranten geraten mit ICE aneinander, nachdem ein Bundesbeamter am 24. Januar einen Mann erschossen hat – dies ist bereits der zweite Schusswaffenvorfall mit Beteiligung von ICE-Bundesbeamten in Minneapolis diesen Monat.
Demonstranten geraten mit ICE aneinander, nachdem ein Bundesbeamter am 24. Januar einen Mann erschossen hat – dies ist bereits der zweite Schusswaffenvorfall mit Beteiligung von ICE-Bundesbeamten in Minneapolis diesen Monat. © IMAGO/Arthur Maiorella
Minneapolis: ICE-Beamte und Demonstranten nach einem weiteren tödlichen Vorfall durch die Bundesbeamten am Samstagmorgen in Minneapolis.
Minneapolis: ICE-Beamte und Demonstranten nach einem weiteren tödlichen Vorfall durch die Bundesbeamten am Samstagmorgen in Minneapolis. © IMAGO/Holden Smith
Eine Person geht an einem Schild für Renee Good vorbei, die von einem ICE-Beamten erschossen wurde.
Eine Person geht an einem Schild für Renee Good vorbei, die von einem ICE-Beamten erschossen wurde. © IMAGO/Christopher Katsarov
3000 ICE-Agenten jagen in Minneapolis illegale Einwanderer. Proteste gegen ihr rücksichtsloses Vorgehen werden brutal niedergeschlagen.
3000 ICE-Agenten jagen in Minneapolis illegale Einwanderer. Proteste gegen ihr rücksichtsloses Vorgehen werden brutal niedergeschlagen. © dpa
3000 ICE-Agenten jagen in Minneapolis illegale Einwanderer. Proteste gegen ihr rücksichtsloses Vorgehen werden brutal niedergeschlagen.
3000 ICE-Agenten jagen in Minneapolis illegale Einwanderer. Proteste gegen ihr rücksichtsloses Vorgehen werden brutal niedergeschlagen. © dpa
3000 ICE-Agenten jagen in Minneapolis illegale Einwanderer. Proteste gegen ihr rücksichtsloses Vorgehen werden brutal niedergeschlagen.
3000 ICE-Agenten jagen in Minneapolis illegale Einwanderer. Proteste gegen ihr rücksichtsloses Vorgehen werden brutal niedergeschlagen. © dpa
3000 ICE-Agenten jagen in Minneapolis illegale Einwanderer. Proteste gegen ihr rücksichtsloses Vorgehen werden brutal niedergeschlagen.
3000 ICE-Agenten jagen in Minneapolis illegale Einwanderer. Proteste gegen ihr rücksichtsloses Vorgehen werden brutal niedergeschlagen. © dpa
3000 ICE-Agenten jagen in Minneapolis illegale Einwanderer. Proteste gegen ihr rücksichtsloses Vorgehen werden brutal niedergeschlagen.
3000 ICE-Agenten jagen in Minneapolis illegale Einwanderer. Proteste gegen ihr rücksichtsloses Vorgehen werden brutal niedergeschlagen. © dpa
3000 ICE-Agenten jagen in Minneapolis illegale Einwanderer. Proteste gegen ihr rücksichtsloses Vorgehen werden brutal niedergeschlagen.
3000 ICE-Agenten jagen in Minneapolis illegale Einwanderer. Proteste gegen ihr rücksichtsloses Vorgehen werden brutal niedergeschlagen. © dpa
3000 ICE-Agenten jagen in Minneapolis illegale Einwanderer. Proteste gegen ihr rücksichtsloses Vorgehen werden brutal niedergeschlagen.
3000 ICE-Agenten jagen in Minneapolis illegale Einwanderer. Proteste gegen ihr rücksichtsloses Vorgehen werden brutal niedergeschlagen. © dpa
3000 ICE-Agenten jagen in Minneapolis illegale Einwanderer. Proteste gegen ihr rücksichtsloses Vorgehen werden brutal niedergeschlagen.
3000 ICE-Agenten jagen in Minneapolis illegale Einwanderer. Proteste gegen ihr rücksichtsloses Vorgehen werden brutal niedergeschlagen. © dpa
3000 ICE-Agenten jagen in Minneapolis illegale Einwanderer. Proteste gegen ihr rücksichtsloses Vorgehen werden brutal niedergeschlagen.
3000 ICE-Agenten jagen in Minneapolis illegale Einwanderer. Proteste gegen ihr rücksichtsloses Vorgehen werden brutal niedergeschlagen. © dpa
3000 ICE-Agenten jagen in Minneapolis illegale Einwanderer. Proteste gegen ihr rücksichtsloses Vorgehen werden brutal niedergeschlagen.
3000 ICE-Agenten jagen in Minneapolis illegale Einwanderer. Proteste gegen ihr rücksichtsloses Vorgehen werden brutal niedergeschlagen. © dpa
3000 ICE-Agenten jagen in Minneapolis illegale Einwanderer. Proteste gegen ihr rücksichtsloses Vorgehen werden brutal niedergeschlagen.
3000 ICE-Agenten jagen in Minneapolis illegale Einwanderer. Proteste gegen ihr rücksichtsloses Vorgehen werden brutal niedergeschlagen. © dpa
3000 ICE-Agenten jagen in Minneapolis illegale Einwanderer. Proteste gegen ihr rücksichtsloses Vorgehen werden brutal niedergeschlagen.
3000 ICE-Agenten jagen in Minneapolis illegale Einwanderer. Proteste gegen ihr rücksichtsloses Vorgehen werden brutal niedergeschlagen. © dpa
3000 ICE-Agenten jagen in Minneapolis illegale Einwanderer. Proteste gegen ihr rücksichtsloses Vorgehen werden brutal niedergeschlagen.
3000 ICE-Agenten jagen in Minneapolis illegale Einwanderer. Proteste gegen ihr rücksichtsloses Vorgehen werden brutal niedergeschlagen. © dpa
3000 ICE-Agenten jagen in Minneapolis illegale Einwanderer. Proteste gegen ihr rücksichtsloses Vorgehen werden brutal niedergeschlagen.
3000 ICE-Agenten jagen in Minneapolis illegale Einwanderer. Proteste gegen ihr rücksichtsloses Vorgehen werden brutal niedergeschlagen. © dpa
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3000 ICE-Agenten jagen in Minneapolis illegale Einwanderer. Proteste gegen ihr rücksichtsloses Vorgehen werden brutal niedergeschlagen. © dpa
3000 ICE-Agenten jagen in Minneapolis illegale Einwanderer. Proteste gegen ihr rücksichtsloses Vorgehen werden brutal niedergeschlagen.
3000 ICE-Agenten jagen in Minneapolis illegale Einwanderer. Proteste gegen ihr rücksichtsloses Vorgehen werden brutal niedergeschlagen. © dpa
3000 ICE-Agenten jagen in Minneapolis illegale Einwanderer. Proteste gegen ihr rücksichtsloses Vorgehen werden brutal niedergeschlagen.
3000 ICE-Agenten jagen in Minneapolis illegale Einwanderer. Proteste gegen ihr rücksichtsloses Vorgehen werden brutal niedergeschlagen. © dpa

Die Tat heizte die politische Debatte weiter an. Minnesotas Gouverneur Tim Walz erklärte, er habe mit dem Weißen Haus gesprochen. „Minnesota hat genug. Das ist ekelerregend“, schrieb er gemäß NBC News und forderte Präsident Donald Trump auf, die Operation zu beenden und die Bundesbeamten abzuziehen.

Bürgermeister von Minneapolis spricht von „Invasion“, Proteste eskalieren

Auch der Bürgermeister von Minneapolis, Jacob Frey, griff die US-Regierung um Donald Trump laut der BBC scharf an. Er bezeichnete den Einsatz als „Invasion“ maskierter Beamter und stellte öffentlich die Frage, „wie viele weitere Einwohner, wie viele weitere Amerikaner sterben oder schwer verletzt werden müssen“, bis die Operation ende. Diese Aussagen machte Frey bei einer Pressekonferenz und in Interviews mit nationalen Medien.

Am Tatort versammelten sich im Laufe des Tages Dutzende, später Hunderte Demonstranten. Sie beschimpften die Beamten, skandierten Parolen gegen ICE und forderten deren Abzug aus der Stadt. Sicherheitskräfte setzten Tränengas sowie Blend- und Knallkörper ein, um die Menge zurückzudrängen, mindestens ein Demonstrant wurde vorübergehend festgenommen, so die Associated Press. Nach Angaben der Minnesota Star Tribune forderten lokale Strafverfolger zugleich, dass der Tatort vollständig von staatlichen Behörden gesichert wird, um eine unabhängige Beweissicherung zu gewährleisten.

ICE-Einsätze in den USA: Frühere Vorfälle und Forderung nach Aufklärung

Der tödliche Schusswaffeneinsatz fällt in eine Phase anhaltender Spannungen in Minneapolis. Bereits in den Wochen zuvor hatte es bei Einsätzen von Einwanderungsbehörden weitere Schusswaffenvorfälle gegeben, die Proteste ausgelöst hatten. Kritiker werfen den Bundesbehörden ein zunehmend militärisches Vorgehen vor.

Die Staatsanwältin von Hennepin County, Mary Moriarty, forderte nach Angaben der New York Times, der Tatort müsse von lokalen Behörden gesichert werden, um Beweise zu erhalten. Zudem müsse der Bund staatlichen Ermittlern Zugang gewähren, um eine unabhängige Aufklärung zu ermöglichen. Zuletzt hatte das Weiße Haus einmal mehr für fragwürdiges Aufsehen gesorgt, indem es ein bearbeitetes Foto einer in Minnesota festgenommenen Demonstrantin verbreitete. (Quellen: NBC News, Minnesota Star Tribune, Associated Press, The New York Times, BBC) (chnnn)

Rubriklistenbild: © Foto links: X (Screenshot)/@allenanalysis | Foto rechts: IMAGO / Anadolu Agency

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