Geheimer Befehl von Selenskyjs Offizier: Erfolgreiche Drohnen-Taktik im Ukraine-Krieg gestoppt
VonKonstantin Ochsenreiter
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Die 2. Internationale Legion verliert ihren wichtigen Auftrag: Die Erfolge bei der Drohnen-Integration bleiben unerkannt – die Auswirkungen sind unklar.
Kiew – Am 30. Oktober begann es mit einer geheimen Anweisung des Verteidigungsministeriums und des Oberbefehlshabers Oleksandr Syrskyi: Die 2. Internationale Legion erhielt den Befehl, ihre Militäreinheit aufzulösen. Nun hat sich die Legion an das ukrainische Medium Ukrainska Pravda gewandt. Die Auflösung der Einheit könnte sich auf weit mehr auswirken, als es zunächst den Anschein hat.
„Wir sind die einzige Einheit der Streitkräfte, in der Änderungen der Taktiken der leichten Infanterie – das A und O der gesamten Armee – getestet werden. Wir arbeiten an der organischen Integration von Drohnen und Infanterieoperationen“, erklärt Oberstleutnant Andrii Spivak im Interview mit dem Medium. Dabei spricht er auch über die Erfolge, welche die Legion zuletzt im Ukraine-Krieg feiern konnte, und kann die befohlene Auflösung nicht nachvollziehen.
„Wir sind die einzige Einheit“: Auflösung der 2. Legion
Eine Besonderheit der 2. Legion ist der besondere hoheitliche Auftrag, den die Einheit zu erfüllen hat: Der Präsident Wolodymyr Selenskyj und Oberbefehlshaber trug ihnen auf, als Testfeld für eine neue Taktik zu dienen. Dabei soll gemäß Ukrainska Pravda ein besonderer Fokus darauf gelegen haben, leichte Infanterie – leicht bewaffnete und häufig fußläufige Soldaten – im Kampf mit Drohnen zu kombinieren. Für diesen Auftrag sollen auch hohe staatliche Mittel und „die besten Ausbilder der Landstreitkräfte“ bereitgestellt worden sein. Im Interview erklärt der Oberstleutnant Andrii Spivak, dass mit der Auflösung der Legion, die Experimente, nie abgeschlossen werden konnten.
Putins Verbündete: Diese Länder stehen im Ukraine-Krieg an der Seite Russlands
Das Konzept sei erst im Januar 2025 genehmigt worden. Bereits im Mai habe die Legion begonnen, die neue Taktik an der Front zu testen. Unter anderem in der umkämpften Industriestadt Pokrowsk. Auf die Frage, was die Testphase in Pokrowsk ergeben habe, erklärt der Offizier, dass sie von mehreren Kommissionen überprüft worden seien. Diese „sind zu dem Schluss gekommen, dass unser Experiment fortgesetzt werden sollte und unsere Maßnahmen erfolgreich waren“.
Russlands Nachschub für Pokrowsk gestoppt: Ukraine überfällt Putins Konvoi
Erst in der vergangenen Woche sorgte die Meldung eines gestoppten, russischen Durchbruchs für Aufsehen. Gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters teilte eine Quelle des 7. Schnellreaktionskorps mit, dass die Truppen des russischen Präsidenten Wladimir Putin etwa 30 Fahrzeuge eingesetzt haben. Damit wäre der Angriff, der bislang größte innerhalb der Stadt. Von den Einheiten verbreitete Aufnahmen zeugen von der Effizienz der ukrainischen Streitkräfte: Die schweren russischen LKW stecken in Schnee und Schlamm, während die Drohnen, die die Aufnahmen machten, darüber hinwegjagten. Besonders für die russische Infanterie schien der Angriff aussichtslos, da sich das Gelände zu beiden Seiten öffnet, sodass flüchtende Truppen nur schwer eine Deckung finden können.
Ob die 2. Internationale Legion ebenfalls Teil dieses Angriffs war, ist nicht bestätigt. Jedoch schreib unter anderem t-online, dass bei den Angriffen auch ein Leopard 2A4 Ursache der zerstörten russischen Fahrzeuge sei. Im benachbarten Myrnohrad, wo russische Streitkräfte die Einkreisung verstärken, war eine Operation zur Erweiterung eines Logistikkorridors im Gange, fügte das 7. Korps zu dem Auftrag des Konvois hinzu.
Selenskyjs internationale Legion: Auch Deutsche an der Front
Die Legionen der internationalen Verteidigung der Ukraine sind Teil der Landstreitkräfte der ukrainischen Armee. Sie zeichnen sich besonders dadurch aus, auch ausländischen Freiwilligen offenzustehen. Die Legion schreibt auf ihrer Internetseite, dass Mitglieder der internationalen Legion „an den meisten Schlüsselschlachten zur Abwehr der groß angelegten russischen Invasion in der Ukraine“ teilnahmen.
Auch der 20-jährige Drohnenpilot Hanz aus der Nähe von München ist Teil der Einheit, wie das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) im Mai berichtete. Der Deutsche hat seine Ausbildung zum Verkäufer abgebrochen, um sich den ukrainischen Streitkräften anzuschließen. Er ist bereits seit Dezember in dem Land. Im Mai kämpfte er an der Front in der Region Charkiw. Bei der ukrainischen Armee hat Hanz einen Vertrag über drei Jahre unterschrieben. Doch der 20-Jährige denke bereits über eine Verlängerung nach – er kann sich eine Rückkehr in sein altes Leben in Deutschland nur schwer vorstellen.
Auch sein deutscher Kamerad mit dem Kampfnamen Wizard erklärt: „Ich weiß ehrlich gesagt nicht, was ich machen sollte, wenn ich wieder nach Hause komme.“ Der 34-Jährige aus der Nähe von Hannover hat früher im IT-Support für Apple gearbeitet. „Man bewegt nichts und arbeitet nur an First-World-Problemen“, sagt er rückblickend. „Hier tue ich etwas fürs Allgemeinwohl.“ (Quellen: RND, t-online, dpa, afp, Ukrainska Pravda, frühere Berichterstattung)