Frankreich

Fake News als Waffe: Russland verbreitet Gerüchte in Frankreich

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Kurz vor den Europawahlen ist Frankreich offenbar momentan eine Hauptzielscheibe des Cyberkrieges, den Russland gegen westliche Staaten führt.

Paris – Frankreich ist momentan eine Hauptzielscheibe eines Cyberkrieges, den Russland gegen westliche Staaten führt. Und das nicht erst seit Emmanuel Macrons forschen Sprüchen über Bodentruppen in der Ukraine. Frankreich gilt in Moskau als schwaches Glied der Nato-Allianz, sodass sich Cyberattacken lohnen sollen. Vergangene Woche wurde zum Beispiel das Arbeitsamt (France Travail), das Daten von 43 Millionen Menschen hütet, Ziel einer Attacke von „beispielloser Intensität“, wie die Regierung mitteilte.

Es war ein Angriff von vielen, die Absicht dahinter lautet: Destabilisierung des Gegners. Andere Beispiele zeigen, wie die durchweg russischen Urheber denken und vorgehen.

Russland soll Bettwanzen-Plage in Frankreich lanciert haben

Im Oktober hatte Frankreich eine regelrechte Hysterie zu einer angeblichen Invasion von Bettwanzen in den französischen Matratzen und Sofas erlebt. Jetzt gab Europaminister Jean-Noël Barrot bekannt, dass diese Meldungen in den sozialen Medien von russischer Hand angekurbelt, wenn nicht lanciert worden sind. Und nicht als Scherz: Offenbar sollten die olympischen Sommerspiele in Paris und die millionenfachen Reservierungen aus der ganzen Welt gestört werden.

Offensiv gestreute Falschmeldungen über Brigitte Macron sollen die Position von Präsident Emmanuel Macron schwächen.

Nach der Hamas-Attacke auf Israel tauchten auf Pariser Hauswänden gesprayte Davidsterne auf. Festgenommen wurde ein Paar aus Moldawien, das seine Instruktionen von einem russisch sprechenden Auftraggeber per Telefon erhalten haben will. Es sollte den Nahostkonflikt nach Frankreich tragen, so wie die Vorstädte von Paris früher schon Echos dieser Auseinandersetzung erlebt hatten. Und die letzten Banlieue-Krawalle liegen nicht einmal ein Jahr zurück.

Russische Cyberangriffe auf Frankreich sollen politisches System destabilisieren

Das Verschwörungsmilieu kolportiert seit langem Fake News, die Präsidentengattin Brigitte Macron sei „trans“, also ein Mann. Ihr Gatte musste sich Anfang März erstmals öffentlich dazu äußern und zwei französischen Gerüchtestreuerinnen mit Rechtsfolgen drohen. Das neue Gerücht stammt indessen von der amerikanischen Trump- und Putin-Anhängerin Candace Owens, deren Twitter-Fakes von den russischen Botschaften weiter geteilt wurden.

Bezweckt wird damit die Destabilisierung des französischen Staatschefs, auf jede erdenkliche Art. Im Februar geisterte ein Video des seriösen Senders France 24 durch das Internet, auf dem ein Präsentator einen ukrainischen Mordplan gegen Macron enthüllte und erklärte, der Franzose habe aus diesem Grund einen Abstecher nach Kiew abgesagt. Das mit künstlicher Intelligenz fast perfekt fabrizierte Video war, wie Präsentator Julien Fianculli sofort bestätigte, reiner Fake. Nicht für Russland: Ex-Präsident Dmitri Medwedew twitterte letzte Woche, Macron sei ein „zoologischer Angsthase“, weil er sich nicht nach Kiew zu reisen traue. Er empfehle ihm, mehrere Slips mitzunehmen, da er „sich in die Hosen scheißt“.

Macron sagte, dieses Verhalten sei „eines permanenten UN-Sicherheitsratsmitgliedes unwürdig“. Russland führe einen „hybriden Krieg mit dem klaren Willen, uns anzugreifen“. Der Geheimdienst DGSI ermittelt in Paris derzeit wegen russischer Interventionsversuche bei den Europawahlen im Juni. Ein moskaugesteuertes Propagandanetz namens „Portal Kombat“ hat er bereits aufgedeckt. Die meisten der 193 Einzelportale sind heute geschlossen.

Desinformationen aus dem Kreml versuchen in Frankreich „Zweifel zu säen“

Es geht aber nicht nur um die nächsten Wahlen. „Ihre Maulwurfsarbeit ist langfristig angelegt“, sagt der Kommunikationsexperte David Colon. „Sie versuchen gar nicht zu überzeugen, sondern Zweifel zu säen und den aufgeklärten Teil der öffentlichen Meinung zu schwächen.“

Frankreich ist vielleicht nur das Versuchsfeld der russischen Desinformations-Maschine. Der EU-Außenbeauftragte Josep Borell brachte die Dinge auf den Punkt: „Europa ist in Gefahr“. Vielleicht sind die Europawahlen nur die Generalprobe für die ungleich wichtigeren US-Präsidentenwahlen von November.

Rubriklistenbild: © AFP

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