VonJens Kiffmeierschließen
Hochwasser, Stromausfall oder Krieg: Jeder Deutsche sollte einen Notvorrat für den Katastrophenfall anlegen – rät Faeser. Doch was gehört auf die Notfallvorrat-Liste?
Berlin – Gute Planung oder Panikmache? Angesichts weltweiter Krisen und Konflikte will die Bundesregierung den Katastrophenschutz in Deutschland reaktivieren. So riet Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) allen Deutschen zum Anlegen eines Notvorrats. „Wenn tatsächlich mal länger der Strom ausfällt oder das tägliche Leben auf andere Art und Weise eingeschränkt wird, dann ist es auf jeden Fall sinnvoll“, sagte die SPD-Politikerin dem Handelsblatt und verwies auf eine Liste des Bundesamts für Katastrophenschutz. Es ist nicht der erste Vorstoß, der in diese Richtung gestartet wird.
Notvorrat anlegen: Innenministerin Nancy Faeser (SPD) rät dazu – was auf die Notfallvorrat-Liste muss
Mit Beginn des von Russlands Präsidenten Wladimir Putin entfachten Ukraine-Krieges drängt der Katastrophenschutz zurück in die Politik. Nachdem in den vergangenen Jahren mit Ende des Kalten Krieges das Anlegen von Notfallvorräten oder das Durchführen von Katastrophenschutzübungen stark in Vergessenheit geraten waren, werden die Warnungen jetzt wieder lauter. Bereits vor Wochen hatte schon NRW-Landesinnenminister Herbert Reul (CDU) einen entsprechenden Aufruf gestartet.
Einig sind sich die Politiker in der Einschätzung, dass die Bundesbürgerinnen und Bundesbürger mindestens Essen und Trinken für zehn bis vierzehn Tage im Haushalt haben sollten. Die Menschen müssten verstehen, dass Katastrophen „nicht irgendwo auf der Welt, sondern auch jeden Tag hier bei uns stattfinden können“, hatte Reul im Zusammenhang mit dem Anlegen eines Notfallvorrats gesagt. Das habe nichts mit Panikmache zu tun.
Denn unabhängig vom Ukraine-Krieg drohen zunehmend auch Umwelt- und Klimakatastrophen, wie das Hochwasser vom Ahrtal im vergangenen Jahr bewiesen hat. Doch auch ein tagelanger Stromausfall, etwa durch eine Cyberattacke auf die kritische Infrastruktur, kann schon negative Auswirkungen auf das tägliche Leben haben, sodass die Innenministerin zu einem Notvorrat rät. Doch jetzt kommt die Angst vor dem Atomkrieg zurück – doch wie kann man sich im Katastrophenfall richtig wappnen?
Notvorrat anlegen: Die Liste zum Notfallvorrat vom Bundesamt für Katastrophenschutz gibt es auch als pdf
Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) hat zum Anlegen eines Notvorrats konkrete Vorschläge in einer Liste gemacht, die von der Homepage der Behörde auch als pdf heruntergeladen werden kann. Was auf der Checkliste stehen sollte, zeigt der folgende Überblick zum Notfallvorrat für vierzehn Tage pro Person:
Checkliste: Diese Lebensmittel sollte man für den Notvorrat kaufen – ein Überblick
| Getränke | Wasser | 28 Liter (2 Liter pro Tag und Person) |
| Getreideprodukte\tInklusive | Brot und Kartoffeln\t | 4,9 Kilogramm |
| Brot und Kartoffeln\t | Brot und Kartoffeln\t | 5,6 Kilogramm |
| Obst | 3,5 Kilogramm | Kirschen im Glas und ähnliches\t |
| Fisch, Fleisch und Eier | Thunfisch aus der Dose und ähnliches | 1,6 Kilogramm und 14 Eier |
| Fette, Öle\t\t | Speisöl und ähnliches | 0,3 Liter |
| Sonstiges: | Zucker, Süßstoff, Honig, Marmelade, Schokolade, Jodsalz und andere Standardgewürze. Fertiggerichte wie Dosenravioli, Fertigsuppen, Kartoffeltrockenprodukte wie Kartoffelbrei. Mehl, Instantbrühe, Kakaopulver, Hartkekse, Salzstangen |
Doch nicht immer kann man im Katastrophenfall in der eigenen Wohnung bleiben. Das hat die Hochwasserkatastrophe im Ahrtal brutal vor Augen geführt. Aus Sicht der Katastrophenschützer ist das Packen eines Notfall-Rucksacks ebenfalls sinnvoll – unabhängig vom Anlegen eines Notvorrats. Darin enthalten sein sollte abseits des Notfallvorrats eine Dokumentenmappe mit den wichtigsten Papieren, Erste-Hilfe-Material, persönliche Medikamente, eine Wasserflasche, Lebensmittel für 2 Tage, eine Taschenlampe, Batterien, Powerbank, Schlafsack, Hygieneartikel und für Kinder einen Brustbeutel (mit Informationen zu Namen, Geburtstag, Adresse).
Notfallvorrat vom Katastrophenschutz: Neben dem Anlegen der Notvorräte soll die Zahl der Bunker erhöht werden
Doch obwohl immer mehr Politiker zum Anlegen des Notvorrats plädieren, warnen sie auch vor Panikmache. Es gelte, sich der Gefahr bewusst zu werden und Vorkehrungen zu treffen. Niemand müsse aber jetzt zum Hamsterkauf loslaufen. Statt alles „auf einen Schlag“ anzuschaffen, sollte man die Dinge nach und nach aufbauen, riet Faeser zum Anlegen eines Notvorrats auf Berufung der Notfallvorrat-Liste.
Mit unserem Newsletter verpassen Sie nichts mehr aus ihrer Umgebung, Deutschland und der Welt – jetzt kostenlos anmelden!
Ähnlich will auch die Bundesregierung verfahren. Nachdem in den vergangenen Jahren die meisten Bunker und Schutzräume aus dem Kalten Krieg zurückgebaut worden sind, unter anderem auch in Bremen und Niedersachsen, soll hier nun eine Umkehr vollzogen werden. Es müsse geprüft werden, welche Vorkehrungen notwendig seien, sagte die Innenministerin. Neben dem Anlegen von Medikamenten-, Sanitätsmaterial- oder Lebensmittel-Vorräten müsste auch die Zahl der Schutzräume wieder erhöht werden. Zuvor hatten schon die Grünen entsprechende Forderungen aufgestellt. Ihr Vorschlag: Die Tiefgaragen sollen wieder als Bunker umgerüstet werden.
Rubriklistenbild: © Manuel Geisser/Bernd Feil/imago/Montage

