- VonBettina Menzelschließen
Der Iran präsentiert die Hyperschallrakete „Fattah“. Die Rakete soll auch Atomsprengköpfe tragen können. Der Westen ist besorgt.
Teheran - Die islamische Republik Iran hat am Dienstag (6. Juni) die erste, im Land entworfene Hyperschallrakete vorgestellt. Die Waffe kann mit Atomsprengköpfen ausgestattet werden und hat laut Angaben der staatlichen iranischen Nachrichtenagentur eine Reichweite von 1.400 Kilometern.
Iran stellt erste Hyperschallrakete vor: Waffe erreicht angeblich 13- bis 15-fache Schallgeschwindigkeit
Irans erste Hyperschallrakete soll eigenen Angaben zufolge Raketenabwehrsysteme durchdringen können und dem Land so einen militärischen Vorteil verschaffen. „Die Hyperschallrakete Fattah, die jüngste Errungenschaft der Luftfahrtstreitkräfte der Revolutionsgarden, wurde im Beisein des iranischen Präsidenten Ebrahim Raisi enthüllt“, verkündete das Staatsfernsehen. Die Rakete „wird das Land stärker machen“, die „Abschreckungsmacht“ des Iran vergrößern und „den Ländern der Region Sicherheit und stabilen Frieden bringen“, sagte Raisi.
Iranischen Angaben zufolge soll die Rakete die 13- bis 15-fache Schallgeschwindigkeit erreichen können. Zum Vergleich: Angaben Moskaus zufolge fliegt die russische Hyperschallrakete Kinschal (zu Deutsch: Dolch) mit bis zu zehn Mach, westliche Fachleute gehen indes eher von achtfacher Schallgeschwindigkeit aus. Bislang haben nur die USA, Russland, China und Nordkorea Hyperschallraketen erfolgreich getestet, wie Al Jazeera berichtete.
#BREAKING- IRAN unveiled its First-ever Hypersonic Missile ‘FATTAH.’
— EurAsian Times (@THEEURASIATIMES) June 6, 2023
According to Iranian media, the Fattah hypersonic missile has a range of 1,400 kilometers and hits speeds of Mach 13-15. The reports claim that the missile is able to bypass and destroy air defense systems.… pic.twitter.com/G6WjgHuHBL
Hyperschallrakete kann offenbar mit Atomsprengköpfen ausgestattet werden
Die „Fattah“ (zu Deutsch in etwa: Der Öffner) kann westlichen Angaben zufolge auch mit Atomsprengköpfen ausgerüstet werden. Der Iran bestreitet jedoch, eine solche Absicht zu haben. Teheran hatte die Produktion der Rakete bereits im November 2022 angekündigt, was im Westen, in Israel und bei der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) Besorgnis über das iranische Atomprogramm ausgelöst hatte. Dennoch betonte IAEA-Chef Rafael Grossi damals, die Ankündigung des Irans dürfe „keinen Einfluss“ auf die Verhandlungen haben.
Nach der einseitigen Aufkündigung des Internationalen Atomabkommens durch den ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump im Jahr 2018 liegt die Vereinbarung auf Eis. Der Iran hatte infolgedessen die im Abkommen mühsam ausgehandelten Verpflichtungen schrittweise nicht mehr eingehalten. Bereits vor rund einem Jahr hatte die IAEA gewarnt, dass die iranischen Bestände von angereichertem Uran den vereinbarten Höchstwert um das 18-Fache überschritten. Im März wurden Spuren von fast waffenfähigem Uran in der islamischen Republik entdeckt.
Überschallrakete „Fattah“ offenbar schneller als Kinschal - und damit unbesiegbar?
Hyperschallraketen fliegen tief in der Atmosphäre und sind manövrierfähig. Die hohe Geschwindigkeit der Rakete macht es für Radargeräte zudem schwer, sie anzuvisieren. Die Flugbahn von Überschallraketen ist damit schwer vorhersehbar, ein Abfangen auch durch moderne Raketenabwehrsysteme schwierig. Kinschal, die russische Hyperschallrakete, galt etwa lange als unbesiegbar. Mehrere Abschüsse der Rakete im Ukraine-Krieg weisen nun jedoch daraufhin, dass das moderne Patriot-System der USA eine Handhabe gegen die Waffe gefunden haben könnte. Fachleute glauben, dass vor allem der Zeitpunkt der Bekämpfung eine Rolle spielt. Überschallraketen fliegen nicht durchgehend auf Höchstgeschwindigkeit.
Die Kinschal beispielsweise wird von einem bereits in Schallgeschwindigkeit fliegenden Flugzeug ausgeklinkt und startet dann in ausreichend Abstand zum Flugzeug den eigenen Antrieb. Die Rakete erreicht eine große Höhe von über 20.000 Metern. Zum Vergleich: Normale Passagierflugzeuge bewegen sich in der Regel auf rund zehn Kilometern Höhe. In der Abwärtsbewegung von ihrem höchsten Punkt nimmt die Kinschal zusätzlich zu ihrem Antrieb auch die Beschleunigung durch die Erdanziehung mit auf und erreicht so mehrfache Überschallgeschwindigkeit. Raketenabwehrsysteme haben dementsprechend wohl die besten Chancen auf einen Abschuss, wenn sie die Rakete vor der Maximalbeschleunigung entdecken und ausschalten (bme mit AFP).
