Transfer in die Isolation

Putin-Kritiker Nawalny meldet sich aus arktischer Strafkolonie – Vertraute in Sorge

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Verbündete Nawalnys sind erleichtert. Am 26. Dezember meldete er sich per X, doch die Sorgen seines Teams bleiben. Wo ist er und wie geht es dem Putin-Kritiker?

Moskau – Zum ersten Mal seit dem 6. Dezember meldet Alexej Nawalny sich wieder in den sozialen Medien. Dort bestätigte er seine Ankunft in einem arktischen Gefängnis in Russland. Auch sein Team hatte kein Kontakt zu ihm, als er von einem anderen Gefängnis verlegt wurde. Nawalny galt als Wladimir Putins schärfster Gegner und ist seit 2021 inhaftiert.

Nun hat Nawalny auf X, früher Twitter, bestätigt, dass er sich in der IK-3-Strafkolonie mit dem Spitznamen „Polarwolf“ befindet. Sie liegt nördlich der Ortschaft Charp, etwa 1900 Kilometer nordöstlich von Moskau, und gilt als eines der härtesten Gefängnisse in Russland. Zuvor war er in der IK-6 Strafkolonie inhaftiert, die etwa 250 Kilometer östlich von Moskau war.

Nawalny „geht es gut“ – die Sorgen bleiben trotzdem

Der Putin-Kritiker zeigte sich auf X mit Humor: „Ich bin euer neuer Santa Klaus“, schrieb er. Auf den sozialen Medien zeigen sich viele nach einer Zeit der Sorge um Nawalny erleichtert. Er war überrascht, dass sein Anwalt ihn bereits am 25. Dezember fand. Nawalny war davon ausgegangen, dass dies frühestens Mitte Januar passieren würde, denn der Weg zwischen den Strafkolonien wurde absichtlich kompliziert gestaltet. „Macht euch um mich jedenfalls keine Sorgen. Mir geht es gut. Ich bin total erleichtert, dass ich es endlich geschafft habe“, schrieb er anschließend.

Die Sprecherin Nawalnys, Kira Jarmysch, erklärte, die russischen Behörden „versuchen, sein Leben so unerträglich wie möglich zu machen“. Das US-Außenministerium sei weiterhin „zutiefst besorgt“ um seine Haftbedingungen und sein Wohlergehen. Frühere Gefangene der IK-3 beschrieben in russischen Medien angebliche Fälle von Folter. Schon in der Vergangenheit hatte Nawalny es teilweise nicht zu Gerichtsverhandlungen geschafft, was seinem Team Sorgen bereitete. Auch Isolation spielte eine Rolle: Jarmysch erzählte, dass die Kolonie auch für die Anwaltschaft schwer zu erreichen sei.

Transfer wegen russischer Präsidentschaftswahl?

Verbündete Nawalnys spekulierten auf einen Zusammenhang zwischen der Verlegung und der baldigen Präsidentschaftswahl in Russland, die bereits aufgrund von Angst vor einer neuen Mobilisierung und einer entsprechenden Frauenbewegung spannend wird. Nawalny machte seinen Namen durch Video-Investigationen gegen Korruption und als Oppositionsführer mit starkem Mobilisierungspotential. „Schon von Anfang an war es klar, dass die Behörden Alexej isolieren wollen, besonders vor den Wahlen“, erklärte der Manager von Nawalnys Anti-Korruptions-Stiftung, Iwan Schdanow.

Nawalny bekommt Unterstützung von allen möglichen Ecken der Welt. Auch auf X sind nun viele User erleichtert.

Nicht nur für die Anwaltschaft ist das neue Gefängnis Nawalnys schwerer zu erreichen – auch Briefe brauch nun länger zu ihm. Personen bräuchten mit dem Zug normalerweise über 40 Stunden, um das Gefängnis zu erreichen. Das in den 1960ern erbaute Gefängnis war unter Stalin als Gulag in Gebrauch und wird inzwischen als Arbeitskolonie für Rentierhaut mit bis zu 1.020 Gefangenen genutzt.

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa/BELGA | Benoit Doppagne

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