Russischer Oppositionsaktivist

Putin-Gegner Alexej Nawalny für tot erklärt - ein Porträt des Kreml-Kritikers

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Der Tod von Alexej Nawalny ist am 16. Februar vermeldet worden. Er galt als einflussreichster Oppositionsaktivist in Russland und Kritiker Putins.

Moskau – In Russland wurde mit dem Namen Alexej Nawalny regelrecht ein Staatsfeind assoziiert. Präsident Wladimir Putin war der prominente Aktivist und Kreml-Kritiker zeit seines Lebens ein Dorn im Auge. Im Westen dagegen galt Nawalny vielen als Verfechter von Menschenrechten und Demokratie. Wer war Alexej Nawalny?

NameAlexej Nawalny
Beruf/TätigkeitPolitiker, Oppositionsaktivist
Geburtsdatum4. Juni 1976
GeburtsortButyn im westlichen Moskau, Russland
Todestag16. Februar 2024
ParteiFortschrittspartei
Familienstandseit 2000 verheiratet mit Julija Nawalnaja
KinderDaria Nawalnaja (geboren 2001), Zahar Nawalny (geboren 2008)
ElternAnatoly Nawalny and Lyudmila Nawalnaja

Nawalnys Familie und Ausbildung: Kurzbiografie des Kreml-Kritikers

Der am 4. Juni 1976 im kleinen Dorf Butyn im Westen der russischen Hauptstadt Moskau geborene Alexej Nawalny war ein führender russischer Oppositionsaktivist. Nawalny kam in einfachen Verhältnissen zur Welt. Seine Eltern Anatoly Nawalny and Lyudmila Nawalnaja waren im Besitz einer kleinen Fabrik im Norden von Moskau, wo sie als Korbflechter arbeiteten.

1998 schloss Nawalny sein Studium der Rechtswissenschaften an der Russischen Universität der Völkerfreundschaft ab. Darauf folgte das Studium Wertpapiere und Börsenwesen an der Finanzuniversität der Regierung der Russischen Föderation in Moskau, welches er 2001 abschloss. Nach dem Abschluss seines ersten Studiums arbeitete er mehrheitlich als Anwalt für mehrere russische Firmen. 2010 erhielt er schließlich ein Stipendium für die amerikanische Yale Universität, wo er ein viermonatiges Programm absolvierte. Im Jahre 2000 heiratete er seine Frau Julija Nawalnaja, eine Wirtschaftswissenschaftlerin. Gemeinsam haben sie zwei Kinder: Daria Nawalnaja und Zahar Nawalny.

Alexej Nawalny, hier in einem Dokumentarfilm, soll am 16. Februar 2024 in einem Straflager in Russland gestorben sein.

Politischer Aktivismus und Kampf Nawalyns gegen Korruption in Russland

Seine politische Karriere leitete Alexej Nawalny mit einer Mitgliedschaft in der als „Yabloko“ bekannten Russischen Demokratischen Partei ein und übernahm wichtige Aufgaben auch im Vorstand. Nachdem er 1999 in die Partei eingetreten war, war er von 2004 bis zu seinem Austritt aus der Partei 2007 unter anderem als der stellvertretende Vorsitz des Moskauer Büros der Partei tätig. Grund für seinen zwanghaften Austritt waren die ihm von der Parteispitze vorgeworfenen „nationalistischen Äußerungen“. Nawalny würde der Partei schaden, hieß es.

Bei seiner Zeit in der Yabloko organisierte Nawalny zudem politische Debatten im Fernsehen, die jedoch nach nur zwei Episoden plötzlich nicht mehr ausgestrahlt werden durften. Darüber hinaus wurde er zunehmend aktiver und setzte es sich zum Ziel, durch verschiedene Initiativen die Teilhabe von jungen Politiker:innen am politischen Geschehen auszuweiten. 2013 kandidierte er für das Amt des Bürgermeisters von Moskau, allerdings ohne Erfolg. 2018 gründete er die Oppositionspartei „Fortschrittspartei“, dessen Vorsitzender er ist. Gleichzeitig kandidierte er bei der Wahl in Russland als Präsident und wollte gegen Putin antreten, doch die russische Wahlkommission verwies auf seine Verurteilung in Strafverfahren und schloss ihn von der Wahl aus.

Kreml-Kritiker Nawalnys Kontroversen mit rechten Bewegungen

Obwohl Nawalny im Westen als überzeugter Kämpfer für Demokratie gilt, schloss er sich auch oft mit Bewegungen aus der nationalistischen Szene zusammen, die zum Teil etwa auch eine Anti-Flüchtlingshaltung vertreten. So gründete er im Jahre 2007 die Bewegung „Das Volk“, welche sich mit weiteren nationalistischen Bewegungen zusammenschloss.

Beim russischen Angriff auf Georgien im Jahre 2008 unterstützte Nawalny die russische Position und rief in seinem Blog dazu auf, Georgier:innen aus Russland zu vertreiben. Darüber hinaus bezeichnete er die Krim als Teil Russlands nach der Annektierung im Jahre 2014, auch wenn dies „unter ungeheuerlicher Verletzung jeglicher internationaler Normen“ geschehen sei.

Der russische Freiheitskämpfer ist ein Dorn im Auge von Putin und Co.

Seinen Ruhm als Oppositionsaktivist erlangte Nawalny in erster Linie durch diesen Blog, wo er die Korruption durch russische Beamte aufdeckte. Im September 2011 gründete der ehemalige Rechtsanwalt schließlich die inzwischen weltweit bekannte Anti-Korruptionsstiftung. Sein Ziel: Das Aufdecken der Veruntreuung von öffentlichen Geldern durch Beamte und Angestellte.

Bei seiner Arbeit, die Korruption im russischen Staatsapparat aufzudecken, nahm er 2010 – schon vor der Gründung seiner Stiftung – auch erstmals den russischen Präsidenten Wladimir Putin ins Visier. In seinem Blog veröffentlichte Nawalny Dokumente des staatlichen Ölkonzerns Transneft. Die Firma habe vier Milliarden Dollar veruntreut, schrieb Nawalny. Der damals als Premierminister tätige Putin soll diese Aktivitäten koordiniert und daran teilgehabt haben.

Nawalny wird zur Speerspitze der Opposition in Russland

Anhand seiner Website „RosPil“, wo er Dokumente mit Korruptionsverdacht mit der Öffentlichkeit teilte, und seinem YouTube-Kanal vergrößerte der Oppositionsaktivist sein Publikum zusätzlich. Dort veröffentliche Alexej Nawalny Dokumentarfilme zu mutmaßlichen Korruptionsfällen, die millionenfach geklickt wurden. Im Jahre 2016 versuchte der inzwischen die Speerspitze der Opposition gewordene Nawalny den russischen Präsidenten Putin wegen Korruption vor Gericht zu bringen, was ihm aber nicht gelangt. Seine Korruptionsvorwürfe erstreckten sich auch auf den damaligen Premierminister Dmitri Medwedew.

Putins Zirkel der Macht im Kreml – die Vertrauten des russischen Präsidenten

Zu den Scharfmachern im Ukraine-Krieg gehört auch Ramsan Kadyrow.
Zu den Scharfmachern im Ukraine-Krieg gehört auch Ramsan Kadyrow, der als Oberhaupt der russischen Teilrepublik Tschetschenien im Nordkaukasus eigene Truppen befehligt. „Putins Bluthund“, der für seinen brutalen Führungsstil im muslimisch geprägten Tschetschenien bekannt ist, tat sich seit dem russischen Einmarsch in die Ukraine als einer der glühendsten Kriegsbefürworter hervor. Mehrfach kritisierte er nach russischen Niederlagen die militärische Führung seines Landes scharf und forderte weitreichende Konsequenzen. © Yelena Afonina/imago
Am 2. März 2007 wählte das tschetschenische Parlament ihn auf Putins Vorschlag zum Präsidenten des Landes
Am 2. März 2007 wählte das tschetschenische Parlament ihn auf Putins Vorschlag zum Präsidenten des Landes, nachdem er das 30. Lebensjahr vollendet hatte, das Mindestalter für die Wahl des tschetschenischen Oberhaupts. Im März 2015 erhielt Kadyrow den russischen Orden der Ehre. Kadyrows diktatorische Amtsführung ist geprägt von schweren Menschenrechtsverletzungen, Korruption und einem ausufernden Personenkult. Seit Oktober 2022 ist er darüber hinaus Generaloberst der russischen Streitkräfte. © Yelena Afonina/imago
Der russische Außenminister Sergei Lawrow ist so etwas wie „Putins rechte Hand“.
Der russische Außenminister Sergei Lawrow ist so etwas wie „Putins rechte Hand“. Seit März 2004 im Amt, verteidigt Lawrow seit Beginn des Ukraine-Kriegs immer wieder die Behauptung, dass Russland die Ukraine von den dort regierenden Nazis befreien zu wollen. Anfang Mai 2022 versuchte Lawrow im italienischen Fernsehen das Argument zu entkräften, als Jude könne der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj kein Nazi sein: „Adolf Hitler hatte auch jüdisches Blut. Das heißt überhaupt nichts. Das weise jüdische Volk sagt, dass die eifrigsten Antisemiten in der Regel Juden sind.“ © Imago
Seit Beginn des Ukraine-Kriegs wiederholt Lawrow seine Vorwürfe, der Westen führe in der Ukraine Krieg gegen Russland.
Seit Beginn des Ukraine-Kriegs wiederholt Lawrow seine Vorwürfe, der Westen führe in der Ukraine Krieg gegen Russland. „Wenn wir über das sprechen, was in der Ukraine vorgeht, so ist das kein hybrider, sondern schon fast ein richtiger Krieg, den der Westen lange gegen Russland vorbereitet hat“, sagte Lawrow während einer Afrika-Reise im Januar 2023, die ihn u. a. auch nach Angola führte. Der Westen wolle alles Russische zerstören, von der Sprache bis zur Kultur, so Lawrow. © Imago
Als „Putins Marionette“ kann Dmitri Medwedew gelten.
Als „Putins Marionette“ kann Dmitri Medwedew gelten. Der Gefolgsmann des russischen Präsidenten war von 2008 bis 2012 Präsident Russlands und anschließend bis 2020 Ministerpräsident der Russischen Föderation. Seit Beginn des Ukraine-Kriegs macht Medwedew, inzwischen Vizechef des russischen Sicherheitsrates, ein ums andere Mal mit Verschwörungserzählungen und martialischen Äußerungen über die Ukraine und den Westen auf sich aufmerksam. Unter anderem drohte er mit dem „Verschwinden der Ukraine von der Landkarte“. © Artyom Geodakyan/imago
Der promovierte Jurist, der einst als Stimme der Vernunft galt, hat sich inzwischen zu einem radikalen Hetzer entwickelt.
Der promovierte Jurist, der einst als Stimme der Vernunft galt, hat sich inzwischen zu einem radikalen Hetzer entwickelt. Gerne droht der Vizechef des russischen Sicherheitsrates den Nato-Staaten mit einem Angriff oder gar mit Atomschlägen. Im Sommer 2022 bezeichnete er die Regierung in Kiew als „vereinzelte Missgeburten, die sich selbst als ‚ukrainische Regierung‘ bezeichnen“, die US-Regierung waren für ihn „Puppenspieler jenseits des Ozeans mit deutlichen Anzeichen senilen Wahnsinns“. Ende 2022 versuchte er sich als Prophet für das Jahr 2023: In Deutschland entsteht demnach ein „Viertes Reich“, die EU zerfällt, in den USA bricht ein Bürgerkrieg aus. © Yekaterina Shtukina/imago
Seit vielen Jahren an Putins Seite ist Dimitri Peskow. Schon im Jahr 2000 wurde er stellvertretender Pressesprecher des Präsidenten. Als Putin 2008 Ministerpräsident wurde, wechselte Peskow das Büro. Vier Jahre später kehrte er dann ins Präsidialamt zurück. Nach Beginn des Ukraine-Kriegs setzte die EU ihn auf die Sanktionsliste und ließ sein gesamtes Vermögen einfrieren.
Seit vielen Jahren an Putins Seite ist Dimitri Peskow. Schon im Jahr 2000 wurde er stellvertretender Pressesprecher des Präsidenten. Als Putin 2008 Ministerpräsident wurde, wechselte Peskow das Büro. Vier Jahre später kehrte er dann ins Präsidialamt zurück. Nach Beginn des Ukraine-Kriegs setzte die EU ihn auf die Sanktionsliste und ließ sein gesamtes Vermögen einfrieren. © Sergei Ilnitsky/AFP
Alina Kabajewa ist wahrscheinlich so etwas wie „Putins Ballerina“.
Alina Kabajewa ist wahrscheinlich so etwas wie „Putins Ballerina“. Die frühere Spitzensportlerin galt in der Rhythmischen Sportgymnastik jahrelang als Nonplusultra. Ihre Erfolge (Olympiagold 2004 in Athen, neun WM- sowie 15 EM-Titel) sprechen für sich. Von 2007 bis 2014 war sie Abgeordnete der Russischen Staatsduma für die Partei „Einiges Russland“, seit September 2014 ist sie Vorsitzende des Verwaltungsrates der Nationalen Mediengruppe (NMG). Sie gilt Medienberichten zufolge als Geliebte des russischen Präsidenten und soll mit diesem mehrere Kinder haben, was von Kabajewa und russischen Regierungsstellen aber dementiert wird. © Imago
Schon seit Jahren gilt Kabajewa als heimliche Geliebte oder gar Ehefrau des russischen Präsidenten.
Schon seit Jahren gilt Kabajewa als heimliche Geliebte oder gar Ehefrau des russischen Präsidenten. Eine offizielle Bestätigung aus Russland hat es aber nie gegeben. Der britischen Regierung zufolge steht sie „in enger persönlicher Beziehung zu Putin“. Kabajewa soll mehrere Kinder von Putin haben, was von Kabajewa und russischen Regierungsstellen aber dementiert wird. 2015 soll sie in Lugano Zwillinge zur Welt gebracht haben, andere Quellen berichten von einer Geburt eines Jungen im Kanton Tessin und einer weiteren Geburt eines Sohnes in Moskau. Gesichert ist, dass Kabajewa nach 2015 für einige Jahre aus dem öffentlichen Rampenlicht verschwand und auch heute nur äußerst selten öffentlich auftritt. © Valery Sharifulin/imago
Wladimir Solowjow ist Putins Chefpropagandist im Ukraine-Krieg.
Wladimir Solowjow ist Putins Chefpropagandist im Ukraine-Krieg. Seine seit 2012 im Sender Rossija 1 ausgestrahlte politische Talkshow „Sonntagabend mit Wladimir Solowjow“ gilt als vielleicht wichtigste innerrussischen Propagandasendung. Im Dezember 2022 drohte er dort zahlreichen europäischen Ländern mit militärischen Interventionen, weil diese die Ukraine unterstützen würden und Teil des europäischen Nazismus seien. Auch forderte er wiederholt den Einsatz von russischen Atombomben gegen Nato-Staaten. Im April 2022 bezeichnete er die Massaker von Butscha sowie Srebrenica als inszeniert. © Sergei Karpukhin/imago
Solowjow wird in seiner Sendung oft laut
Solowjow wird in seiner Sendung oft laut, beschimpft die deutsche Regierung, streut deutsche Wörter ein und imitiert dabei eine schroffe Nazi-Aussprache. Einmal bezeichnete er Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) als „Miss Ribbentrop“. Joachim von Ribbentrop war deutscher Außenminister unter Adolf Hitler, den Solowjow im Februar 2021 in seiner Sendung einmal als „sehr mutigen Menschen“ und „tapferen Soldaten“ bezeichnet hatte. Von seiner 2014 geäußerten Meinung, „Gott verbietet, dass die Krim nach Russland zurückkehrt“, hat er sich nach dem Euromaidan, der Revolution der Würde, schnell distanziert. © Artyom Geodakyan/imago
Der russische Inlandsgeheimdienst FSB wird von einem engen Weggefährten des Präsidenten geleitet.
Der russische Inlandsgeheimdienst FSB wird von einem engen Weggefährten des Präsidenten geleitet. Schon in den 1970er Jahren war Alexander Bortnikow zeitgleich mit Putin in St. Petersburg für den KGB im Einsatz. Putin, der einst selbst Direktor des FSB war, ernannte ihn im Mai 2008 zum Chef des Geheimdienstes und sicherte sich so maximalen Einfluss. Es gilt als gesichert, dass Putin auch als Präsident entscheidende Befehle selbst übermittelt.  © Alexei Druzhinin/imago
Der FSB dient vor allem dazu, die Opposition gegen Putins Machtelite zu unterdrücken.
Der FSB dient vor allem dazu, die Opposition gegen Putins Machtelite zu unterdrücken. Ein Beispiel ist der Anschlag auf den Kremlkritiker Alexej Nawalny, der nach Angaben des Recherchekollektivs Bellingcat zuvor monatelang von FSB-Agenten verfolgt worden war. Unter Bortnikow wurde die Macht des FSB durch mehrere Reformen immer stärker ausgeweitet. Zudem soll der FSB die prorussischen Separatisten im Osten des Landes unterstützt haben. Nach der Annexion der Halbinsel Krim ging der FSB gegen Medien und Kultur vor. © Mikhail Metzel/imago
Seit November 2012 hat der Armeegeneral Sergei Schoigu das Amt des russischen Verteidigungsministers inne.
Seit November 2012 hat der Armeegeneral Sergei Schoigu das Amt des russischen Verteidigungsministers inne. In Schoigus Amtszeit fallen zunächst die militärische Unterstützung der Separatisten in der Ostukraine, die Annexion der Krim 2014 sowie das Eingreifen Russlands in den syrischen Bürgerkrieg aufseiten des Assad-Regimes. Wegen der Intervention zugunsten der Separatisten im Donbass eröffnete die Ukraine 2014 ein strafrechtliches Ermittlungsverfahren gegen ihn. Seit Februar befehligt Schoigu als Verteidigungsminister die russischen Truppen im Ukraine-Krieg. © Pavel Golovkin/dpa
Schoigus Verhältnis zu Putin gilt bisher als sehr eng.
Schoigus Verhältnis zu Putin gilt bisher als sehr eng. So verbringt er regelmäßig seinen Sommerurlaub zusammen mit dem russischen Präsidenten im südsibirischen Tuwa – Schoigus Heimatregion, wo sich die beiden, wie hier im Jahr 2017, auch schon mal ein Sonnenbad in einer Pause vom Angeln gönnen. Ob das auch in Zukunft so bleiben wird, ist offen. So wies das „Institute for the Study of War“ in einem Bericht im Herbst 2022 darauf hin, dass Putin Schoigu für die Fehler im Ukraine-Krieg verantwortlich macht. Es ist nicht ausgeschlossen, dass Putin seinen Vertrauten doch noch zum Sündenbock macht.  © Alexei Nikolsky/dpa
Russia s First Deputy Prime Minister Andrei Belousov
Schoigus Nachfolger soll der bisherige Vize-Regierungschef Andrej Beloussow werden. Die militärische Komponente im Verteidigungsministerium bleibe auch nach der Ernennung Beloussows unverändert. „Heute gewinnt auf dem Schlachtfeld derjenige, der offener für Innovationen und deren Umsetzung ist“, erklärte Kremlsprecher Peskow Putins Entscheidung für einen Zivilisten an der Spitze des Verteidigungsministeriums. Beloussow sei nicht nur Zivilbeamter, sondern habe auch viele Jahre erfolgreich in der Politik gearbeitet und Putin in Wirtschaftsfragen beraten. © IMAGO/Alexander Astafyev
Das Oberhaupt der russisch-orthodoxen Kirche ist heute nur noch unter seinem Namen Kirill I. bekannt.
Das Oberhaupt der russisch-orthodoxen Kirche ist heute nur noch unter seinem Namen Kyrill I. bekannt. Bürgerlich heißt der Patriarch allerdings Wladimir Gundjajew – und hat eine bewegte Vergangenheit. Unter dem Decknamen „Michailow“ hat er laut dem schweizerischen Bundesarchiv in den 1970er Jahren in Genf als Agent für den früheren sowjetischen Auslandsgeheimdienst KGB gearbeitet. Diese Vergangenheit verbindet ihn mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin. © Sergei Chirikov/dpa
Seit Februar 2009 ist Gunjajew als Kyrill I. Patriarch von Moskau und der ganzen Rus und damit der Vorsteher der Russisch-Orthodoxen Kirche.
Seit Februar 2009 ist Gundjajew als Kyrill I. Patriarch von Moskau und der ganzen Rus und damit der Vorsteher der Russisch-Orthodoxen Kirche. Er gilt als enger Verbündeter Putins, dessen Regentschaft er im Zuge der Präsidentschaftswahl in Russland 2012 als „Wunder Gottes“ bezeichnete. Seit Beginn des Ukraine-Kriegs fällt er zunehmend durch Hasspredigten auf. Einmal bezeichnete er die Gegner Russlands als „Kräfte des Bösen“, zudem sprach er der Ukraine ihr Existenzrecht ab. Verbal lässt Kyrill I., anders als im April 2017 in Moskau, jedenfalls keine Tauben fliegen.  © Alexander Zemlianichenko/dpa
Der rechtsnationalistische Ideologe Alexander Dugin darf getrost als „Putins Denker“ bezeichnet werden.
Der rechtsnationalistische Ideologe Alexander Dugin darf getrost als „Putins Denker“ bezeichnet werden. Dugin, der viele Bücher geschrieben hat, gilt als antiwestlicher Hassprediger und Kämpfer für die Idee einer slawischen Supermacht. In seinem Buch „Grundlagen der Geopolitik“ sprach er sich gegen die Ukraine als souveränen Staat aus. Kurz vor Beginn des Ukraine-Kriegs wurde diese Rhetorik aufgegriffen, als Putin das ukrainische Staatsgebiet in einem Aufsatz infrage stellte. © Kirill Kudryavtsev/afp
Dugin wurde 1987 Mitglied der radikal-nationalistischen und antisemitischen Gruppierung Pamjat
Dugin wurde 1987 Mitglied der radikal-nationalistischen und antisemitischen Gruppierung Pamjat. Größere Bekanntheit erlangte er in den 1990er Jahren, als er über Radio und Fernsehen seine Ideologie verbreitete. Zugleich war Dugin auch Mitglied von esoterischen und okkulten Zirkeln. Unklar ist, wie nahe Dugin dem russischen Präsidenten steht. Putins Äußerungen geben aber oft die Rhetorik Dugins wider. Als Beispiel sei das Konzept „Noworossija“ („Neurussland“) geannnt, das Russland benutzt hat, um die Krim-Annexion zu rechtfertigen. Damals gab Dugin in einem Interview auch unmissverständlich kund, wie nun vorzugehen sei: „Töten, töten, töten, das ist meine Meinung als Professor.“ © afp
Zum engsten Putin-Zirkel gehört auch Nikolai Patruschew.
Zum engsten Putin-Zirkel gehört auch Nikolai Patruschew. Der Sekretär des russischen Sicherheitsrates war lange Jahre Leiter des Inlandsgeheimdienstes FSB und gilt als radikaler, europafeindlicher Hardliner. Patruschew verbindet viel mit Putin: Sie sind etwa gleich alt, beide kommen aus dem heutigen Sankt Petersburg, vor allem aber entstammen sie beide dem sowjetischen Geheimdienst KGB. Patruschew wird als engster Vertrauter Putins wahrgenommen und soll von diesem zu seinem Stellvertreter für den Fall einer zeitweiligen Verhinderung der Amtsausübung erkoren worden sein © Zubair Bairakov/imago
Patruschew wird als „Falke“ des Ostens beschrieben.
Patruschew wird als „Falke“ des Ostens beschrieben. Im Herbst 2021 bezeichnete er die Ukrainerinnen und Ukrainer als „Nicht-Menschen“. Noch Ende Januar 2022 bestritt er jede Kriegsabsicht Russlands als „komplette Absurdität“. Ende Februar 2022 beschuldigte er in einem Manifest die USA und die EU, in der Ukraine eine „Ideologie des Neonazismus“ zu unterstützen.  © Aram Nersesyan/imago
Als Chef des russischen Auslandsgeheimdienstes SWR ist Sergei Naryschkin für seine bissigen Kommentare bekannt.
Als Chef des russischen Auslandsgeheimdienstes SWR ist Sergei Naryschkin für seine bissigen Kommentare bekannt. Kurz nach Beginn des Ukraine-Krieges warf er den USA und anderen westlichen Staaten vor, Russland zerstören zu wollen: „Die Masken sind gefallen. Der Westen will Russland nicht nur mit einem neuen Eisernen Vorhang umgeben“, zitierte der SWR Anfang März 2022 seinen Chef. „Wir reden über Versuche, unseren Staat zu zerstören, über seine ‚Annullierung‘, wie heutzutage in einem ‚toleranten‘ liberal-faschistischen Umfeld gesagt wird.“ Naryschkin gehörte zu jenen, die schon damals behaupteten, zwischen Russland und dem Westen tobe ein „heißer Krieg“. © Alexander Zemlianichenko/dpa
Wenige Tage vor Beginn dem russischen Einmarsch in die Ukraine war Naryschkin im Gespräch mit Wladimir Putin tüchtig ins Schlingern geraten.
Wenige Tage vor Beginn dem russischen Einmarsch in die Ukraine war Naryschkin im Gespräch mit Wladimir Putin tüchtig ins Schlingern geraten. Der SWR-Chef sprach sich damals versehentlich für eine russische Einverleibung der Volksrepubliken Luhansk und Donezk aus. Putin korrigierte ihn bei der im Staatsfernsehen übertragenen Sitzung und betonte, dass die Frage nicht gestellt sei. „Wir sprechen über die Anerkennung ihrer Unabhängigkeit oder nicht“, kanzelte Putin den SWR-Chef ab. © Valery Sharifulin/imago
Zu den engsten Vertrauten des russischen Präsidenten Wladimir Putin zählt der russische Unternehmer Jewgeni Prigoschin.
Zu den engsten Vertrauten Wladimir Putins zählte Jewgeni Prigoschin. Russlands Präsident und der erfolgreiche Geschäftsmann kannten sich lange. Als Putin noch KGB-Offizier war und in der St. Petersburger Stadtverwaltung arbeitete, soll er in Prigoschins Restaurant eingekehrt sein. Deshalb trug der in den chaotischen 1990er Jahren in Russland zu Reichtum gekommene 61-Jährige den Beinamen „Putins Koch“. Auch wegen Raubes saß er in Haft.  © Mikhail Metzel/imago
Inzwischen ist Prigoschin vor allem als Warlord der berüchtigten Schattenarme „Wagner“ im Auftrag des Kreml international gefürchtet.
Lange war Prigoschin vor allem als Warlord der berüchtigten Schattenarme „Wagner“ im Auftrag des Kreml international gefürchtet. Putin ließ ihn lange schalten und walten, als hätte diese Schattenarmee, eine paramilitärische Organisation mit vielen verurteilten Verbrechern, längst das Zepter der Macht in der Hand. Vom 23 bis 24. Juni 2023 kam es zu einem Aufstand der Wagner-Gruppe in Russland. Danach bezeichnete ihn Putin als „Verräter“. Am 23. August 2023 kam Prigoschin bei einem Flugzeugabsturz ums Leben. © Vyacheslav Prokofyev/imago

Schon 2011 nahm Nawalny an Anti-Regierungsdemonstrationen nach den Parlamentswahlen in Russland teil, wo er unter den 300 festgenommenen Demonstranten war. 2017 rief er nun persönlich zu Demonstrationen auf. Medwedew habe über dubiose Nichtregierungsorganisationen ein Immobilienimperium geschaffen und kontrolliere es, gab der Kreml-Kritiker als Grund an. Dabei wurde er erneut verhaftet und zu einer Geldstrafe sowie 15 Tagen Haft verurteilt.

Nawalny schwer erkrankt - Oppositionsaktivist mit Nowitschok vergiftet

Nawalny machte sich durch seine Handlungen mehr und mehr unbeliebt beim russischen Staatsapparat, besonders im Kreml. Im August 2020 erfolgte plötzlich ein Giftanschlag auf den Oppositionsaktivisten. Bei einem Flug von Tomsk nach Moskau klagte er über Unwohlsein und verlor das Bewusstsein. Nach einer Notlandung und kurzen Behandlung in Omsk wurde er in die Berliner Charité eingeliefert, wo eine Vergiftung mit dem in der Sowjetunion entwickelten Nervenkampfstoff Nowitschok festgestellt wurde.

Ein Bericht des Investigativportals Bellingcat in Kooperation mit dem US-Sender CNN und dem Magazin Der Spiegel machte den russischen Geheimdienst FSB für den Anschlag verantwortlich. Dabei wurden detaillierte Beweise und Untersuchungen veröffentlicht. Der Anschlag sei seit 2017 in Vorbereitung gewesen, hieß es in dem Bericht zudem. Die USA und die EU reagierten mit neuen Sanktionen gegen hochrangige russische Offiziere und Beamte.

Whistleblower will Details zu Nawalnys Vergiftung kennen

Am 21. Dezember 2020 veröffentlichte Nawalny auf YouTube ein Telefongespräch zwischen ihm und einem angeblichen russischen Agenten namens Konstantin Kudrjawzew. Er gab sich selbst gegenüber dem Angerufenen als Assistent des Sekretärs des russischen Sicherheitsrats aus.

Sein Gegenüber schilderte Details über die Teilnehmer und die Ausführung des Nervengift-Anschlags. Demnach sei das Gift über Nawalnys Unterhose verabreicht worden. Die Kleidung sei nach dem Attentat im Krankenhaus eingesammelt und vom FSB gereinigt worden.

Kreml-Kritiker Alexej Nawalny in Haft in Russland gestorben

Nach einer 5-monatigen Behandlung in Berlin kehrte Alexej Nawalny trotz einer drohenden Verhaftung am 17. Januar 2021 nach Russland zurück. Kaum war er in Moskau gelandet, schon wurde er direkt am Flughafen von russischen Sicherheitsbehörden verhaftet. Er wurde zunächst zu 30 Tagen Haft verurteilt. Am 2. Februar 2022 wurde er in einem weiteren Gerichtsprozess zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt. Ein weiterer Prozess folgte am 22. März 2022: Aufgrund von „Betrug“ und „Missachtung des Gerichts“ wurde der Putin-Gegner zu 9 Jahren Haft in einem Hochsicherheitsgefängnis verurteilt.

Ein Jahr nach seiner Verhaftung schrieb Nawalny auf seiner Instagram-Seite, trotz seines aktuellen Zustands bereue er es nicht, nach Russland zurückgekehrt zu sein. „Habt keine Angst“, appellierte er an seine Unterstützer:innen, die besonders nach seiner Verhaftung bei Ankunft in Moskau Demonstrationen im ganzen Land organisierten. Die russische Polizei löste sie auf und ging auch hart gegen Nawalnys Anti-Korruptionsstiftung sowie dessen Mitarbeitende vor.

Alexej Nawalny stirbt in russischer Strafkolonie

Ein Tag nach der Verhaftung des Oppositionsaktivisten wurde auf seinem YouTube-Kanal ein fast zwei Stunden langes Video mit dem Titel „Ein Palast für Putin“ veröffentlicht. In dem Dokumentarfilm, den er vor seiner Rückkehr nach Russland vorbereitet und aufgenommen hat, deckte Nawalny ein Palast für Putin an der Küste des Schwarzen Meers im Wert von 1,3 Milliarden Euro auf. Der Palast sei mit illegalem Geld von Putins innerem Kreis erbaut worden. Das Video sprengte das Netz und ist bislang der erfolgreichste Dokumentarfilm von Nawalny.

Am 16. Februar 2024 meldeten russische Medien den Tod von Alexej Nawalny. Der Kreml-Kritiker soll in einem nordrussischen Straflager im Alter von 47 Jahren gestorben sein. Er soll bei einem Spaziergang über Unwohlsein geklagt haben und in Ohnmacht gefallen sein. Wiederbelebungsversuche seien gescheitert. (bb)

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