Wie weiter nach dem Krieg?

Israels Präsident äußert sich zu Gazas Zukunft, sollte die Hamas besiegt werden

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Wie geht es im Gazastreifen nach dem Krieg zwischen Israel und der Hamas weiter? Präsident Herzog sorgt sich um ein Machtvakuum in der Region.

München – Israels Regierung will im aktuellen Krieg im Nahen Osten erklärtermaßen die Hamas zerstören. „Wir werden die Hamas vernichten und wir werden siegen, aber es wird Zeit brauchen“, sagte Ministerpräsident Benjamin Netanjahu bereits Mitte Oktober. Doch wie würde es im Falle eines israelischen Erfolges im Gazastreifen weitergehen? Israels Präsident hat sich dafür ausgesprochen, auch nach einem möglichen Ende des Krieges vorerst weiter in dem Gebiet präsent zu sein.

Diese vom Militär veröffentlichten Aufnahmen zeigen, wie israelische Truppen im Gazastreifen vorrücken.

Israels Präsident über Zukunft des Gazastreifens – „können kein Vakuum hinterlassen“

Staatsoberhaupt Jitzchak Herzog sprach am Donnerstag (16. November) mit der britischen Financial Times über die Zeit nach dem Krieg gegen die Hamas. Die israelische Regierung beschäftige sich mit diversen Szenarien. „Wenn wir uns zurückziehen, wer übernimmt dann? Wir können kein Vakuum hinterlassen. Wir müssen darüber nachdenken, wie der Vorgang aussehen wird. Es gibt viele Ideen, die in die Luft geworfen werden“, sagte Herzog. „Um zu verhindern, dass der Terror erneut aufkommt, müssen wir über eine sehr starke Kraft verfügen, um sicherzustellen, dass sie engagiert genug ist und es nicht passiert“, sagte der Präsident mit Blick auf einen möglichen erneuten Angriff der Hamas.

Nach dem Abzug der israelischen Armee aus dem Gazastreifen im Jahr 2005 erlangte die radikal-islamistische Hamas bei den Wahlen der Palästinensischen Autonomiegebiete im Jahr 2006 die absolute Mehrheit. Es folgte ein Konflikt mit der mittlerweile im Westjordanland ansässigen Partei Fatah. Am Ende riss die Hamas endgültig die Kontrolle im Gazastreifen an sich und verdrängte die Fatah aus dem Gebiet. Seitdem weigert sich die Hamas – die über einen politischen und einen paramilitärischen Arm verfügt – weitere demokratische Wahlen abzuhalten.

Ministerpräsident Netanjahu hatte mit Blick auf die Entwicklungen ebenfalls angedeutet, nach dem Krieg weiterhin Einfluss auf die Region nehmen zu wollen. Israel werde „auf unbestimmte Zeit“ die „allgemeine Sicherheitsverantwortung“ für Gaza übernehmen, sagte der Regierungschef Anfang November.

Biden warnt Israel vor „großem Fehler“ in Gaza – Drängen auf Zwei-Staaten-Lösung

Pläne für die Verwaltung des Gazastreifens nach einem Ende des Kriegs zwischen Israel und der Hamas werden bereits seit dem erneuten Aufflammen des Konflikts im Oktober regelmäßig und kontrovers diskutiert. US-Präsident Joe Biden sagte am Mittwoch (15. November) am Rande eines Treffens mit Chinas Präsidenten Xi Jinping: „Ich habe den Israelis klargemacht, dass ich es für einen großen Fehler halte, wenn sie glauben, dass sie den Gazastreifen einnehmen und halten können. Ich glaube nicht, dass das funktioniert.“ Aus seiner Sicht sei eine Zwei-Staaten-Lösung – also die Koexistenz von Israel und Palästina – der einzige Ausweg aus dem Konflikt im Nahen Osten.

Bereits Anfang November hatte Bidens Außenminister Anthony Blinken über die Möglichkeit gesprochen, dass eine „effektive und revitalisierte Palästinensische Autonomiebehörde“ nach dem Krieg die Kontrolle im Gazastreifen übernehmen könne. Der US-Chefdiplomat erläuterte jedoch nicht, welche Voraussetzungen erfüllt sein müssten, damit die Behörde als „effektiv“ angesehen werden könne.

Bilder zeigen, wie der Krieg in Israel das Land verändert

Massive Raketenangriffe aus Gazastreifen auf Israel
Am 7. Oktober 2023 feuern militante Palästinenser aus dem Gazastreifen Raketen auf Israel ab. Die im Gazastreifen herrschende islamistische Hamas, die von Israel, der EU und den USA als Terrororganisation eingestuft wird, hatte den Beginn einer „Militäroperation“ gegen Israel verkündet. © Hatem Moussa/ dpa
Massive Raketenangriffe aus Gazastreifen auf Israel
Nach einem Raketenangriff aus dem Gazastreifen ist Rauch aus einem Wohnhaus zu sehen.  © Ilia Yefimovich/ dpa
Israelischer Soldat mit Hund im Israel Krieg
Ein israelischer Soldat geht mit seinem Hund zwischen Autos in Deckung.  © Ohad Zwigenberg/ dpa
Israelische Polizisten evakuieren Frau und Kind im Israel Krieg
Israelische Polizisten evakuieren eine Frau und ein Kind von einem Ort, der von einer aus dem Gazastreifen abgefeuerten Rakete getroffen wurde. © Tsafrir Abayov/ dpa
Militante Palästinenser fahren im Israel Krieg mit einem Pickup, auf dem womöglich eine entführte deutsch-israelische Frau zu sehen ist.
Militante Palästinenser fahren mit einem Pickup, auf dem möglicherweise eine deutsch-israelische Frau zu sehen ist, in den Gazastreifen zurück. Die islamistische Hamas hatte mitgeteilt, ihre Mitglieder hätten einige Israelis in den Gazastreifen entführt. © Ali Mahmud/ dpa
Massive Raketenangriffe aus Gazastreifen auf Israel
Angehörige der Feuerwehr versuchen, nach einem Raketenangriff aus dem Gazastreifen das Feuer auf Autos zu löschen. © Ilia Yefimovich/ dpa
Menschen suchen in Trümmern nach Überlebenden nach massive Raketenangriffen aus Gazastreifen auf Israel.
Menschen suchen zwischen den Trümmern eines bei einem israelischen Luftangriff zerstörten Hauses nach Überlebenden.  © Omar Ashtawy/ dpa
Verlassene Stätte des Festivals Supernova nach dem Angriff der Hamas
Bei dem Rave-Musikfestivals Supernova im israelischen Kibbuz Re’im sterben rund 270 Besucher:innen. So sieht die verlassene Stätte nach dem Angriff aus.  © JACK GUEZ / AFP
Feiernde Palästinenser nach Angriff der Hamas auf Israel
Palästinenserinnen und Palästinenser feiern in Nablus nach der großen Militäroperation, die die Al-Qassam-Brigaden, der militärische Flügel der Hamas, gegen Israel gestartet haben.  © Ayman Nobani/ dpa
Hamas-Großangriff auf Israel - Gaza-Stadt
Das israelische Militär entgegnete mit dem Beschuss von Zielen der Hamas im Gazastreifen. Nach einem Angriff steigen bei einem Hochhaus in Gaza Rauch und Flammen auf. © Bashar Taleb/ dpa
Mann weint in Gaza bei Israel Krieg
Ein Mann umarmt einen Familienangehörigen im palästinensischen Gebiet und weint.  © Saher Alghorra/ dpa
Israelischer Soldat im Israel Krieg steht neben Frau
Am 8. Oktober beziehen israelische Soldaten Stellung in der Nähe einer Polizeistation, die am Tag zuvor von Hamas-Kämpfern überrannt wurde. Israelische Einsatzkräfte haben dort nach einem Medienbericht bei Gefechten in der an den Gazastreifen grenzenden Stadt Sderot mehrere mutmaßliche Hamas-Angehörige getötet. © Ilan Assayag/ dpa
Nach Hamas Großangriff - Sa'ad
Israelische Streitkräfte patrouillieren in Gebieten entlang der Grenze zwischen Israel und Gaza, während die Kämpfe zwischen israelischen Truppen und islamistischen Hamas-Kämpfern weitergehen. © Ilia Yefimovich/ dpa
Palästinensisches Kind in einer Schule, die im Israel Krieg als Schutz dient
Ein palästinensisches Kind steht auf dem Balkon einer Schule, die von den Vereinten Nationen betrieben wird und während des Konfliktes als Schutzort dient.  © Mohammed Talatene/ dpa

Was passiert nach dem Krieg in Gaza? Israel-Botschafter in den USA weist deutschen Vorstoß zurück

Ein Lösungsvorschlag für die Zeit nach dem Krieg kam zuletzt auch aus Deutschland. Dem US-Portal Politico liegt ein auf Ende Oktober datiertes Dokument vor, in dem deutsche Diplomaten mehrere Szenarien für die Zukunft Gazas nach dem Ende des Kriegs aufgezeichnet hatten. Einer der Vorschläge aus Berlin sah vor, Gaza nach dem Krieg vorerst unter die Kontrolle und Obhut der Vereinten Nationen zu stellen.

Politico zitiert aus dem Dokument, das Szenario „könnte eine politische Perspektive bieten, da weder die Palästinensische Autonomiebehörde noch Ägypten bereit oder in der Lage sind, die Macht zu übernehmen, und eine Rückkehr zum Status quo ante oder eine israelische Wiederbesetzung politisch nicht wünschenswert sind“.

Michael Herzog, der israelische Botschafter in den USA, erteilte den Plänen jedoch am Donnerstag (16. September) eine Absage. „Ich bin nicht sicher, ob das UN-Modell das beste Modell ist, weil wir keine guten Erfahrungen mit UN-mandatierten Streitkräften haben“, erklärte der Diplomat im Gespräch mit Politico. Der Botschafter bekräftige Netanjahus Forderungen, dass Israel für einen „unbestimmten Zeitraum“ die Kontrolle über den Gazastreifen erhalten sollte. Die Debatte sei jedoch verständlicherweise „hochpolitisch“, räumte Herzog ein.

Krieg um den Gazastreifen – Israel führt Bodenoffensive weiter aus

Im Gazastreifen leben knapp zwei Millionen Menschen auf einer Fläche von gerade einmal 360 Quadratkilometern. Damit hat das Gebiet eine ähnlich hohe Bevölkerungsdichte wie die bayerische Landeshauptstadt München. Der israelischen Armee ist es in der andauernden Bodenoffensive bislang gelungen, das Gebiet in zwei Hälften zu teilen. Aktuell führt das Militär Operationen in Gaza-Stadt durch. Der Kampf gegen die Hamas gestaltet sich jedoch weiterhin schwierig, da die Terrororganisation Hamas ein komplexes Tunnelnetz unter dem Gebiet aufgebaut hat, um so im Verborgenen agieren zu können. Darüber hinaus befinden sich noch unzählige israelische Geisel in der Gewalt der Hamas. (fd)

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Rubriklistenbild: © Israel Defense Forces/dpa

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