VonNils Thomas Hinsbergerschließen
In Katar scheint sich Frust über die eigene Position im Nahost-Krieg einzustellen. Beide Seiten würden weitere Verhandlungen erschweren – das Emirat überdenkt nun seine Rolle.
Doha – Katar kommt im Krieg zwischen Israel und der Hamas eine wenig dankbare Rolle zu. Das Land versucht seit dem Ausbruch des umfassenden Konflikts, als Vermittler zwischen den beiden Konfliktparteien zu agieren. „Wir glauben, der Weg zum Frieden führt über Gespräche, über Verhandlungen und über die Rückführung der Geiseln“, so Dr. Majed Al-Ansari, Berater des katarischen Premierministers, im Interview mit der israelischen Tageszeitung Haaretz.
Doch die Bemühungen scheinen nicht auf fruchtbaren Boden zu treffen. Mehr noch: Katar habe mittlerweile das Gefühl, als Sündenbock für die stagnierenden Verhandlungen herhalten zu müssen. Außerdem gefährde die „engstirnige“ politische Haltung beider Seiten die Leben vieler Palästinenser und Israelis.
„Sabotage“ kurz vor Übereinkommen – Katar beklagt Verhinderung weiterer Verhandlungen im Nahost-Krieg
„Wir waren immer in der Lage, offen und aufrichtig miteinander zu reden“, beschreibt Al-Ansari die Situation vor Kriegsausbruch. Doch diese habe sich mittlerweile gewandelt. Denn immer, wenn die Parteien kurz vor einem Abkommen stünden, käme es zu „Sabotage“. Durch Aussagen oder Handlungen würde die eigentlich ausgehandelte Botschaft immer wieder verhindert werden.
Eigentlich habe man gehofft, dass man mit der Hilfe internationaler Partner Druck auf die Kriegsparteien ausüben könne. Dass dieser Plan nicht funktioniert, zeigen auch jüngste Äußerungen von Israels Premierminister Benjamin Netanjahu. Vergangenen Monat hatte er eine Reise in die USA abgesagt, da die UN für eine sofortige Waffenruhe zwischen Israel und der Hamas stimmten, berichtete die Nachrichtenagentur Reuters.
Die Schuld für die immer wieder scheiternden Verhandlungen liege jedoch bei beiden Seiten, so Al-Ansari. „Ich will nicht über einzelne Personen reden“, sagte er, als er auf den Premierminister angesprochen wird. „Wir hätten uns gewünscht, mehr Flexibilität, mehr Ernsthaftigkeit, viel mehr Engagement auf beiden Seiten zu sehen.“ Jetzt sei man an dem Punkt angelangt, wo die Verhandlungen quasi zum Stillstand gekommen seien.
„Politischer Boxsack“ – Katar überdenkt Vermittlerrolle zwischen Israel und der Hamas
Katar scheint in der Rolle des Vermittlers langsam aber sicher zu resignieren. Das Land habe das Gefühl, als „politischer Boxsack“ ausgenutzt zu werden. Damit würden einige versuchen, „ihre politische Zukunft zu sichern oder mehr Stimmen für die nächsten Wahlen zu sammeln“, so Al-Ansari.
Hinzu kommt die wachsende Kritik an dem Land, die Hamas mit Zahlungen finanziert zu haben. Damit werden Zweifel laut, ob Katar als Vermittler überhaupt geeignet ist. Aus den USA kämen Sticheleien, worüber man in dem Emirat „zutiefst frustriert“ sei, zitiert die Tagesschau den Außenminister von Katar, Majed al-Ansari.
Bilder zeigen, wie der Krieg in Israel das Land verändert




Auch im Gespräch mit Haaretz äußert Al-Ansari Zweifel daran, ob Katar weiter in der Funktion bleiben wolle. „Wenn wir sehen, dass es ein aussichtsloses Unterfangen ist, dann müssen wir unseren Standpunkt überdenken und sehen, wie wir in dem Prozess selbst nützlich sein können“, sagte er im Interview. Denn man habe kein Interesse daran, zur Verlängerung des Konflikts genutzt zu werden. (nhi)
Rubriklistenbild: © ZUMA Wire/IMAGO (Montage)

