Verhandlungen stocken

„Sabotage von beiden Seiten“: Katar fühlt sich in Vermittlerrolle wie „Boxsack“

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In Katar scheint sich Frust über die eigene Position im Nahost-Krieg einzustellen. Beide Seiten würden weitere Verhandlungen erschweren – das Emirat überdenkt nun seine Rolle.

Doha – Katar kommt im Krieg zwischen Israel und der Hamas eine wenig dankbare Rolle zu. Das Land versucht seit dem Ausbruch des umfassenden Konflikts, als Vermittler zwischen den beiden Konfliktparteien zu agieren. „Wir glauben, der Weg zum Frieden führt über Gespräche, über Verhandlungen und über die Rückführung der Geiseln“, so Dr. Majed Al-Ansari, Berater des katarischen Premierministers, im Interview mit der israelischen Tageszeitung Haaretz.

Doch die Bemühungen scheinen nicht auf fruchtbaren Boden zu treffen. Mehr noch: Katar habe mittlerweile das Gefühl, als Sündenbock für die stagnierenden Verhandlungen herhalten zu müssen. Außerdem gefährde die „engstirnige“ politische Haltung beider Seiten die Leben vieler Palästinenser und Israelis.

„Sabotage“ kurz vor Übereinkommen – Katar beklagt Verhinderung weiterer Verhandlungen im Nahost-Krieg

„Wir waren immer in der Lage, offen und aufrichtig miteinander zu reden“, beschreibt Al-Ansari die Situation vor Kriegsausbruch. Doch diese habe sich mittlerweile gewandelt. Denn immer, wenn die Parteien kurz vor einem Abkommen stünden, käme es zu „Sabotage“. Durch Aussagen oder Handlungen würde die eigentlich ausgehandelte Botschaft immer wieder verhindert werden.

Eigentlich habe man gehofft, dass man mit der Hilfe internationaler Partner Druck auf die Kriegsparteien ausüben könne. Dass dieser Plan nicht funktioniert, zeigen auch jüngste Äußerungen von Israels Premierminister Benjamin Netanjahu. Vergangenen Monat hatte er eine Reise in die USA abgesagt, da die UN für eine sofortige Waffenruhe zwischen Israel und der Hamas stimmten, berichtete die Nachrichtenagentur Reuters.

Die Verhandlungen zwischen Israel und der Hamas stehen quasi still. Katar überdenkt seine Rolle als Vermittler.

Die Schuld für die immer wieder scheiternden Verhandlungen liege jedoch bei beiden Seiten, so Al-Ansari. „Ich will nicht über einzelne Personen reden“, sagte er, als er auf den Premierminister angesprochen wird. „Wir hätten uns gewünscht, mehr Flexibilität, mehr Ernsthaftigkeit, viel mehr Engagement auf beiden Seiten zu sehen.“ Jetzt sei man an dem Punkt angelangt, wo die Verhandlungen quasi zum Stillstand gekommen seien.

„Politischer Boxsack“ – Katar überdenkt Vermittlerrolle zwischen Israel und der Hamas

Katar scheint in der Rolle des Vermittlers langsam aber sicher zu resignieren. Das Land habe das Gefühl, als „politischer Boxsack“ ausgenutzt zu werden. Damit würden einige versuchen, „ihre politische Zukunft zu sichern oder mehr Stimmen für die nächsten Wahlen zu sammeln“, so Al-Ansari.

Hinzu kommt die wachsende Kritik an dem Land, die Hamas mit Zahlungen finanziert zu haben. Damit werden Zweifel laut, ob Katar als Vermittler überhaupt geeignet ist. Aus den USA kämen Sticheleien, worüber man in dem Emirat „zutiefst frustriert“ sei, zitiert die Tagesschau den Außenminister von Katar, Majed al-Ansari.

Bilder zeigen, wie der Krieg in Israel das Land verändert

Massive Raketenangriffe aus Gazastreifen auf Israel
Am 7. Oktober 2023 feuern militante Palästinenser aus dem Gazastreifen Raketen auf Israel ab. Die im Gazastreifen herrschende islamistische Hamas, die von Israel, der EU und den USA als Terrororganisation eingestuft wird, hatte den Beginn einer „Militäroperation“ gegen Israel verkündet. © Hatem Moussa/ dpa
Massive Raketenangriffe aus Gazastreifen auf Israel
Nach einem Raketenangriff aus dem Gazastreifen ist Rauch aus einem Wohnhaus zu sehen.  © Ilia Yefimovich/ dpa
Israelischer Soldat mit Hund im Israel Krieg
Ein israelischer Soldat geht mit seinem Hund zwischen Autos in Deckung.  © Ohad Zwigenberg/ dpa
Israelische Polizisten evakuieren Frau und Kind im Israel Krieg
Israelische Polizisten evakuieren eine Frau und ein Kind von einem Ort, der von einer aus dem Gazastreifen abgefeuerten Rakete getroffen wurde. © Tsafrir Abayov/ dpa
Militante Palästinenser fahren im Israel Krieg mit einem Pickup, auf dem womöglich eine entführte deutsch-israelische Frau zu sehen ist.
Militante Palästinenser fahren mit einem Pickup, auf dem möglicherweise eine deutsch-israelische Frau zu sehen ist, in den Gazastreifen zurück. Die islamistische Hamas hatte mitgeteilt, ihre Mitglieder hätten einige Israelis in den Gazastreifen entführt. © Ali Mahmud/ dpa
Massive Raketenangriffe aus Gazastreifen auf Israel
Angehörige der Feuerwehr versuchen, nach einem Raketenangriff aus dem Gazastreifen das Feuer auf Autos zu löschen. © Ilia Yefimovich/ dpa
Menschen suchen in Trümmern nach Überlebenden nach massive Raketenangriffen aus Gazastreifen auf Israel.
Menschen suchen zwischen den Trümmern eines bei einem israelischen Luftangriff zerstörten Hauses nach Überlebenden.  © Omar Ashtawy/ dpa
Verlassene Stätte des Festivals Supernova nach dem Angriff der Hamas
Bei dem Rave-Musikfestivals Supernova im israelischen Kibbuz Re’im sterben rund 270 Besucher:innen. So sieht die verlassene Stätte nach dem Angriff aus.  © JACK GUEZ / AFP
Feiernde Palästinenser nach Angriff der Hamas auf Israel
Palästinenserinnen und Palästinenser feiern in Nablus nach der großen Militäroperation, die die Al-Qassam-Brigaden, der militärische Flügel der Hamas, gegen Israel gestartet haben.  © Ayman Nobani/ dpa
Hamas-Großangriff auf Israel - Gaza-Stadt
Das israelische Militär entgegnete mit dem Beschuss von Zielen der Hamas im Gazastreifen. Nach einem Angriff steigen bei einem Hochhaus in Gaza Rauch und Flammen auf. © Bashar Taleb/ dpa
Mann weint in Gaza bei Israel Krieg
Ein Mann umarmt einen Familienangehörigen im palästinensischen Gebiet und weint.  © Saher Alghorra/ dpa
Israelischer Soldat im Israel Krieg steht neben Frau
Am 8. Oktober beziehen israelische Soldaten Stellung in der Nähe einer Polizeistation, die am Tag zuvor von Hamas-Kämpfern überrannt wurde. Israelische Einsatzkräfte haben dort nach einem Medienbericht bei Gefechten in der an den Gazastreifen grenzenden Stadt Sderot mehrere mutmaßliche Hamas-Angehörige getötet. © Ilan Assayag/ dpa
Nach Hamas Großangriff - Sa'ad
Israelische Streitkräfte patrouillieren in Gebieten entlang der Grenze zwischen Israel und Gaza, während die Kämpfe zwischen israelischen Truppen und islamistischen Hamas-Kämpfern weitergehen. © Ilia Yefimovich/ dpa
Palästinensisches Kind in einer Schule, die im Israel Krieg als Schutz dient
Ein palästinensisches Kind steht auf dem Balkon einer Schule, die von den Vereinten Nationen betrieben wird und während des Konfliktes als Schutzort dient.  © Mohammed Talatene/ dpa

Auch im Gespräch mit Haaretz äußert Al-Ansari Zweifel daran, ob Katar weiter in der Funktion bleiben wolle. „Wenn wir sehen, dass es ein aussichtsloses Unterfangen ist, dann müssen wir unseren Standpunkt überdenken und sehen, wie wir in dem Prozess selbst nützlich sein können“, sagte er im Interview. Denn man habe kein Interesse daran, zur Verlängerung des Konflikts genutzt zu werden. (nhi)

Rubriklistenbild: © ZUMA Wire/IMAGO (Montage)

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