Nahost-Konflikt

Traum vom „absoluten Sieg“: Für Netanjahu ist jede Konfrontation erwünscht

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Das rücksichtslose Agieren im Westjordanland, die falsche Palästina- und Iranpolitik haben Israel in eine gefährliche Sackgasse geführt.

Tel Aviv – Mehr als 200 Tage sind seit dem Überfall der Hamas auf Israel vergangen, doch der von Israels Regierungschef angestrebte „absolute Sieg“ in Gaza bleibt aus. Der Krieg in Israel scheint das Land in eine Sackgasse geführt zu haben. Für den „Tag danach“, nach dem vermeintlichen „absoluten Sieg“, gab es nämlich von Beginn an keine Strategie, jedenfalls keine, die gleichzeitig Israels Sicherheit wiederherstellen, als auch Israels Identität als jüdisch und demokratisch bewahren kann.

Es war Henry Kissinger, der seinerzeit warnte: „Wenn du nicht weißt, wohin du gehen willst, führen alle Wege nirgendwo hin.“ Unübersehbar ist die Tatsache, dass Regierungschef Netanjahu vor allem von der Besessenheit getrieben ist, auch auf Kosten der Interessen der Bevölkerung an der Macht zu bleiben. Kein Wunder also, dass in der traumatisierten israelischen Gesellschaft die Stimmen laut werden, die eine Antwort auf die Frage verlangen: Wie ist das zionistische Projekt, der Staat Israel, noch zu retten?

Israels Premierminister Benjamin Netanyahu. Seine Politik

Bis zum 7. Oktober 2023 glaubten die Israelis an die Parole: „Auf jedes Szenario vorbereitet“. Doch weder die israelische Politik noch das israelische Militär war auf dieses Szenario vorbereitet, das nie und nimmer hätte sich im Judenstaat anbieten dürfen, ein Pogrom auf eigenem Territorium.

Nicht nur auf den Hamas-Angriff unvorbereitet: „Absoluter Sieg“ ein unrealistisches Ziel Netanjahus

Nun, ein halbes Jahr später, stellt sich heraus, dass Israel nicht nur auf den Hamas-Angriff unvorbereitet war, sondern auch mit dem sich seitdem entfaltenden Szenario eines sich in die Länge ziehenden Krieges, nicht umzugehen weiß. Die reflexartige Kampfansage „Absoluter Sieg“ klingt genauso hohl, wie früher das Versprechen „Auf jedes Szenario vorbereitet“.

Noch immer befinden sich mehr als hundert israelische Geiseln in der Gewalt der Hamas. Auf dem Weg zum „Absoluten Sieg“ schafft es das Militär weder die Geiseln zu befreien noch den Abschuss von Raketen aus Gaza gänzlich zu verhindern. Wie soll also der von Regierungschef Netanjahu versprochene „Absolute Sieg“ sichtbar gemacht werden? Noch mehr Zerstörung, Tötung, Vertreibung? Man hätte sich in Israel mindestens Machiavellis Ratschlag merken sollen: „Tust du Gutes, tue es langsam. Tust du Böses, tu es auf einmal.“

Während die Israelis sich noch immer gedanklich auf den Hamas-Überfall konzentrieren, scheint dieses Ereignis in der Welt von den Bildern der letzten sechs Monaten aus Gaza überschattet zu sein. Die anfängliche internationale Legitimation für Israels Gegenschlag ist mittlerweile hin. Je länger der Krieg, desto isolierter also Israel.

Biden zähmt die Hisbollah und den Iran: Autonomiebehörde soll Stabilität in die Region bringen

Manche Israelis verlangten zwar bereits im Oktober eine Strategie für „den Tag danach“, vergebens. Dann schaltete sich Präsident Joe Biden ein, nachdem er mit seiner Warnung: „Don’t“ die Hisbollah und den Iran gezähmt hatte, und schlug vor, nach der israelischen Militäroperation in Gaza und der Befreiung der Geiseln (um deren Schicksal er sich erkennbar mehr als Netanjahu kümmert), Gaza wieder unter die Verwaltung der reformierten, von den arabischen Staaten unterstützten, Autonomiebehörde zu bringen. So soll der Weg zum Wiederbeleben der Zweistaaten-Lösung geebnet und eine regionale Sicherheitsstruktur unter Beteiligung von arabischen Staaten geschaffen werden, die sich gegen den Iran und seiner Proxys positioniert.

Israelische Siedler im Westjordanland. Im Hintergrund Kämpfe in einem Ort nahe Nablus.

Doch Netanjahus Regierung blockiert – von einem Staat Palästina darf keine Rede sein, und die Autonomiebehörde käme nicht, auch wenn sie unter neuer Führung stünde, als Partner in Frage. Genau diese Haltung schuf ja die Situation, die den 7. Oktober möglich machte: Hamas auf Kosten der Autonomiebehörde starkzumachen.

Das, um die eigentliche Agenda der Netanjahu-Koalition zu verfolgen – den Traum von „Ganz-Israel“ zu realisieren. Hätte Netanjahu nicht diese Politik betrieben, wäre erstens der 7. Oktober vermeidbar und dann, nach dem 7. Oktober, der Kriegsverlauf für Israel günstiger gewesen. Da er und seine Koalition die Verantwortung für diese Blamage nicht übernehmen wollen, können sie blind, aber konsequent den Irrweg weitergehen und die Vorschläge Bidens ausschlagen.

Die Welt schaut aber mit Entsetzen nicht nur auf Gaza, sondern auch auf den Umgang der militanten Siedler im Westjordanland mit den dort lebenden Palästinensern. Es ist nicht schwer, die Absicht dieser rechtsextremen israelischen Regierung zu durchschauen: Sie nimmt den „Transfer“ der Palästinenser in Kauf, sie plant im Gazastreifen jüdische Siedlungen zu gründen (und die Räumung der dortigen Siedlungen im Jahr 2005 rückgängig zu machen), aber auch, die schleichende Annexion des Westjordanlands zu beschleunigen.

Netanjahu profitiert von Konfrontation mit Iran und Gaza

Für diese Regierung ist jede Konfrontation erwünscht: Je heftiger die Auseinandersetzung mit den Palästinensern, auch mit der Hisbollah und sogar mit dem Iran – umso besser. Kritik gegen Israel, die dann im Ausland aufkommt, darf man ignorieren, oder – was noch bequemer ist – als Antisemitismus abtun.

Spätestens seit dem 14. April, seit dem Drohnenangriff des Irans auf Israel, ist klar, wie gefährlich das Spiel geworden ist. Da hat die Reaktion aus der Region auf den iranischen Angriff noch einmal vor Augen geführt, wie vorteilhaft für Israel die regionale Zusammenarbeit unter amerikanischer Schirmherrschaft sein kann. Um aber diese Zusammenarbeit fortsetzen zu können, muss Israels Politik die Illusion von „Ganz-Israel“ aufgeben und eine Bereitschaft zur Zweistaatenlösung signalisieren – für die jetzige israelische Regierung ein Tabu. Kurzum: Die rücksichtslose Siedlungspolitik, die falsche Palästina- und Iranpolitik, haben Szenarios ermöglicht, auf die Israel unvorbereitet war und ist, die Israel in eine Sackgasse oder in den Abgrund führen.

Netanjahu muss abdanken – und der Westen darf die Situation im Gazastreifen nicht länger ignorieren

Die Regierung, die es so weit gebracht hat – das begreift jeder denkende Beobachter –, muss zurücktreten, um noch Schlimmeres zu verhindern. Deshalb müssen auch die, die sich aus einer angeblich sicheren Entfernung um das Schicksal Israels, Palästinas und der Region Nahost kümmern, ihre altbekannte Weiter-so- und Wegschau-Gewohnheiten aufgeben und sich so schnell wie möglich (konkret: noch vor den US-Wahlen im November 2024) an die Seite Bidens begeben, um aus der von Hamas, Iran und Israel geschaffenen Sackgasse in letzter Minute entkommen zu können.

Vor dem Gaza-Krieg: Die Geschichte des Israel-Palästina-Konflikts in Bildern 

Vor 60. Gründungstag von Israel
Die Generalversammlung der Vereinten Nationen entschied 1947 über die Teilung Palästinas in zwei Staaten, einen jüdischen und einen arabischen. Im Teilungsplan wurde auch festgelegt, dass die Briten ihr Mandat für Palästina bis August 1948 niederlegen. Großbritannien hatte nach dem Ersten Weltkrieg das Gebiet besetzt und war 1922 offiziell mit dem Mandat über Palästina beauftragt worden. Am 14. Mai 1948 wurde auf Grundlage des UN-Beschlusses der jüdische Staat gegründet. © dpa
Proklamation des Staates Israel
Nach der Unterzeichnung der Proklamationsurkunde am 14. Mai 1948 im Stadtmuseum von Tel Aviv hält eine nicht identifizierte Person das Schriftstück mit den Unterschriften in die Höhe. Links ist David Ben Gurion zu sehen, der erste Ministerpräsident Israels. © dpa
Israelischer Unabhängigkeitskrieg
Ein historisches Datum für den Staat Israel. Doch die arabischen Staaten Libanon, Syrien, Jordanien, Ägypten und Irak erkannten die Gründung nicht an und überschritten nur einen Tag später mit ihren Armeen die Grenzen. So begann der Palästina-Krieg, der im Januar 1949 mit dem Sieg Israels endete. Das Foto zeigt israelische Mitglieder der paramilitärischen Organisation Haganah im August 1948.  © AFP
Operation Yoav
Die israelische Armee konnte während des Krieges 40 Prozent des Gebiets erobern, das eigentlich laut dem ursprünglichen UN-Plan zur Teilung für die arabische Bevölkerung vorgesehen war. So wurde auch der westliche Teil von Jerusalem von Israel besetzt.  © Imago
Waffenstillstand Israel Palästina 1949
Die Vereinten Nationen vermittelten zwischen Israel und Ägypten, und so kam es zwischen den beiden Ländern am 24. Februar 1949 zu einem Waffenstillstandsvertrag. Andere arabische Kriegsgegner folgten mit Waffenstillständen bis Juli 1949. Laut Schätzungen starben bei dem Krieg, den die arabischen Länder gestartet hatten, mehr als 6000 Israelis und 6000 Araber.  © ACME Newspictures/afp
Arafat. Geschichte des Krieges in Israel
Jassir Arafat gründete 1959 die Fatah, eine Partei in den palästinensischen Autonomiegebieten. Laut ihrer Verfassung war ihr Ziel, auch mit terroristischen Mitteln die Israelis aus Palästina zu vertreiben und Jerusalem als Hauptstadt zu installieren. Ebenfalls als Ziel rief die Fatah die „Ausrottung der ökonomischen, politischen, militärischen und kulturellen Existenz des Zionismus“ aus.  © PPO/afp
Arafat
1993 erkannte die Fatah mit ihrem Vorsitzenden Jassir Arafat das Existenzrecht Israels im Osloer-Friedensprozess an, und wollte den Terror als Waffe nicht mehr nutzen. Allerdings gab es immer wieder Bombenattentate in Israel. 2011 suchte Arafat den Schulterschluss mit der Hamas. Gemeinsam planten sie, eine Übergangsregierung zu bilden, was bis heute nicht umgesetzt wurde. Innerhalb der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO) ist die Fatah die stärkste Fraktion. © Aleksander Nordahl/Imago
1974 Arafat vor UN
Im Oktober 1974 erkannte die Vollversammlung der Vereinten Nationen die PLO als Befreiungsbewegung an. Daraufhin wurde Arafat als Vertreter eingeladen. Am 13. November 1974 eröffnete Arafat die Debatte in der Vollversammlung. Er beendete die Rede mit dem Satz: „Ich bin mit einem Olivenzweig in der einen und dem Gewehr des Revolutionärs in der anderen Hand hierhergekommen. Lasst nicht zu, dass der grüne Zweig aus meiner Hand fällt!“ © dpa
Kampfflugzeug im Sechs-Tage Krieg
Vom 5. Juni bis 10. Juni 1967 fand der Sechstagekrieg zwischen Israel auf der einen und Ägypten, Jordanien und Syrien auf der anderen Seite statt. Auslöser war die ägyptische Blockade der Seestraße von Tiran für die Israelis, die so abgeschnitten waren. Außerdem hatte der ägyptische Präsident den Abzug der Blauhelme erzwungen, die die nördliche Grenze Israels sicherten. Als Drohung schickte Ägypten dann 1000 Panzer und 100.000 Soldaten an die Grenzen zu Israel. Als Reaktion auf die Bedrohung flogen die Israelis einen Präventiv-Schlag. Auf dem Foto sieht man ein ägyptisches Kampfflugzeug. Während des Krieges konnte Israel die Kontrolle über den Gazastreifen, die Sinai-Halbinsel, die Golanhöhen, das Westjordanland und Ostjerusalem erlangen. Weil Israel seine Angreifer besiegen konnte, machte der Staat am 19. Juni 1967, neun Tage nach seinem Sieg, Ägypten und Syrien ein Friedensangebot. Darin enthalten die Aufforderung, Israel als Staat anzuerkennen. © AP/dpa
Arabisch-israelischer Krieg
Am 6. Oktober 1973, dem höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur, startete eine arabische Militärkoalition unter Führung Ägyptens und Syriens einen Überraschungsangriff, gleichzeitig auf die Sinai-Halbinsel und die Golanhöhen. Nach anfänglichem Erfolg der arabischen Kriegsparteien gelang es Israel, sich zu behaupten. Erst mit dem Friedensvertrag sechs Jahre später am 26. März 1979, normalisierten sich die Beziehungen zwischen Ägypten und Israel. Ägypten war der erste arabische Staat, der das Existenzrecht Israels anerkannte. © afp
Friedensvertrag zwischen Israel und Ägypten, Jimmy Carter schüttelt dem ägyptischen Präsidenten Anwar al-Sadat die Hand.
Das Friedensabkommen vom 26. März. 1979 war ein wichtiger Meilenstein. US-Präsident Jimmy Carter gratulierte damals dem ägyptischen Präsidenten Anwar al-Sadat und dem israelischen Premierminister Menachem Begin vor dem Weißen Haus. Nach den Camp-David-Verhandlungen unterzeichneten sie den Friedensvertrag zwischen den beiden Ländern dort. © Consolidated News Pictures/afp
Beschuss im Libanonkrieg
1982 begann mit dem Libanonkrieg der erste große israelisch-arabische Konflikt, der von Israel gestartet wurde. Die Kriegsparteien waren die israelische Armee und verbündete Milizen auf der einen, die PLO und Syrien auf der anderen Seite. Israel besetzte im Rahmen des Krieges zwischen 1982 und 1985 den Süden Libanons. Später richtete Israel daraufhin dort eine „Sicherheitszone“ ein, die aber Angriffe der Hisbollah aus dem Libanon auf nordisraelische Städte nicht verhindern konnte. Am 25. Mai 2000 zog die israelische Armee aus dem Südlibanon ab.  © Dominique Faget/afp
Soldaten und Kinder bei der Intifada 1987
Am 8. Dezember 1987 brach im Westjordanland und im Gazastreifen ein gewaltsamer Aufstand der Palästinenser gegen die israelische Besatzung aus. Diesen Aufstand nennt man Intifada. Auf dem Foto ist zu sehen, wie israelische Soldaten Kinder anweisen, das Gebiet zu verlassen, als Hunderte von Demonstranten Steine und Flaschen schleudern.  © Esaias Baitel/afp
Hamas-Kundgebung im Gaza-Streifen
Die PLO (Palästinensische Befreiungsorganisation), die ihre Zentrale in Tunis hatte, wollte einen eigenen palästinensischen Staat ausrufen, hatte aber keine Kontrolle über die entsprechenden Gebiete. Im Zuge dessen kam es zu einem Gewaltausbruch, der erst 1991 abnahm. 1993 wurde schließlich mit dem Osloer Abkommen die erste Intifada beendet. © Ali Ali/dpa
Der PLO-Führer Yasser Arafat und der israelischen Premierminister Yitzahk Rabin schütteln sich 1993 die Hände.
Nach Jahrzehnten von Gewalt und Konflikten unterschrieben am 13. September 1993 Israels Außenminister Shimon Peres und Mahmoud Abbas, Verhandlungsführer der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO), unter Aufsicht der russischen und amerikanischen Außenminister die „Osloer Verträge“. Das Foto des Händedrucks zwischen Palästinenservertreter Jassir Arafat und dem israelischen Ministerpräsident Yitzhak Rabin und US-Präsident Bill Clinton wurde weltberühmt. © J. David Ake/afp
Yasir Arafat, Shimon Peres und Yitzhak Rabin erhalten den Friedensnobelpreis
Nach der Unterzeichnung der Osloer Verträge bekamen Jassir Arafat, Schimon Peres und Yitzhak Rabin den Friedensnobelpreis für 1994. Hier die Preisträger zusammen mit ihrer Medaille und ihrem Diplom im Osloer Rathaus. Die Friedensverträge wurden damals als wichtiger Startpunkt für Frieden in der Region gesehen. © Aleksander Nordahl/Imago
Bill Clinton, König Hussein und Rabin bei der Friedenssitzung
1994 folgten Friedensverhandlungen zwischen Jordanien und Israel 1994 im Weißen Haus. Auf dem Foto ist zu sehen, wie der jordanische König Hussein und der israelische Premierminister Yitzahk Rabin bei der Friedenssitzung sich die Hände schütteln. © Imago/ ZUMA Press
Sarg von Yitzhak Rabin, Geschichte des Kriegs in Israel
Mit der Hoffnung auf Frieden in der Region wurde der Hass von israelischen Extremisten größer. Diese wollten Abkommen mit den arabischen Staaten und der PLO nicht akzeptieren. So wurde Yitzhak Rabin zur Zielscheibe und wurde 1995 im Anschluss an eine große Friedenskundgebung in Tel Aviv von einem rechtsextremen Juden ermordet. Das Foto zeigt den Sarg des Premierministers in Jerusalem bei seiner Beerdigung.  © Jim Hollander/dpa
Junge schießt mit Katapult bei der zweiten Intifada, Geschichte des Krieges in Israel
Obwohl es in den 1990er Jahren mit den Osloer Verträgen große Hoffnung auf Frieden gab, hatte sich die Situation nach der Ermordung von Yitzhak Rabin massiv aufgeheizt. 2000 kam es zur zweiten Intifada, dem gewaltvollen Aufstand der Palästinenser mit Straßenschlachten. Die zweite Intifada dauerte bis 2005. © Imago/UPI Photo
Israelische Soldaten 2006, Geschichte des Krieges in Israel
2006 kam es wieder zwischen Israel und dem Libanon zum Krieg. Die Auseinandersetzung wird auch 33-Tage-Krieg oder zweiter Libanon-Krieg genannt, weil sie nach gut einem Monat am 14. August 2006 mit einem Waffenstillstand endete. Das Foto zeigt einen israelischen Soldaten im Libanon-Krieg im Jahr 2006. Eine israelische Artillerieeinheit hatte soeben an der libanesisch-israelischen Grenze in den Libanon gefeuert. Fast 10.000 israelische Soldaten kämpften in der Nähe von etwa einem Dutzend Dörfern im Südlibanon gegen Hisbollah-Kämpfer.  © Menahem Kahana/afp
Israelisches Militär feuert auf Ziele im Libanon
Auslöser des Libanon-Kriegs waren anhaltende Konflikte zwischen der Terrororganisation Hisbollah und der israelischen Armee. Um die Angriffe zu stoppen, bombardierte die israelische Luftwaffe die Miliz aus der Luft und verhängte eine Seeblockade. Die Hisbollah antwortete mit Raketenbeschuss auf den Norden Israels. Später schickte Israel auch Bodentruppen in den Süden von Libanon.  © Atef Safadi/dpa
Angriff im Süden von Beirut
Die libanesische Regierung verurteilte die Angriffe der Hisbollah und forderte internationale Friedenstruppen, um den Konflikt zu beenden. Am 14. August 2006 stimmten schließlich nach einer UN-Resolution die Konfliktparteien einem Waffenstillstand zu. Sowohl die Hisbollah als auch Israel sahen sich als Sieger.  © Wael Hamzeh/dpa
Krieg in Israel
2014 startete die israelische Armee (IDF) mit der Operation Protective Edge am 8. Juli eine Militäroperation, weil die Hamas aus dem Gazastreifen immer wieder Israel beschoss. Ab dem 26. Juli 2014 folgte eine unbefristete Waffenruhe, die kanpp neun jahre währte.  © Abir Sultan/dpa
Jahrestag der Angriffe auf Israel am 7. Oktober
Am 7. Oktober 2023 startete die Hamas einen Überraschungsangriff auf Israel mit Raketenbeschuss und Bodeninfiltrationen aus dem Gazastreifen, was zu schweren Verlusten und der Entführung zahlreicher Geiseln führte. Hier ist eine Gesamtansicht der zerstörten Polizeistation in Sderot nach den Angriffen der Hamas-Terroristen zu sehen.  © Ilia Yefimovich/dpa
Jahrestag der Angriffe auf Israel am 7. Oktober
Bei dem Überfall der Hamas und anderer extremistischer Gruppierungen auf Israel wurden rund 1200 Menschen getötet und mehr als 250 Israelis als Geiseln in den Gazastreifen verschleppt. Seitdem wurden laut der von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde im Gazastreifen Zehntausende Menschen getötet, darunter auch viele Frauen und Minderjährige. © Ilia Yefimovich/dpa

So, und nicht mit der unangebrachten, antisemitisch angehauchten, gegen Israel gerichteten postkolonialen Pose, die auch in Deutschland an Boden gewinnt, könnte ein konstruktiver Beitrag zur Überwindung dieser Krise geleistet werden. Falls dieser Versuch scheitern sollte, stehen bereits die nächsten Krisenherde an der Reihe, mit unvorhersagbaren Konsequenzen.

Shimon Stein war Israels Botschafter (2001–2007) und ist zur Zeit Senior Fellow am Institut für Nationale Sicherheit Studien (INSS) an der Tel Aviv Universität.

Moshe Zimmermann ist Professor emeritus an der Hebräischen Universität, Jerusalem.

Rubriklistenbild: © IMAGO/Kira Hofmann

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