Huthi-Rebellen im Krieg

Bürgerkrieg im Jemen: Die tiefen Wurzeln einer humanitären Krise

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Der anhaltende Bürgerkrieg der Huthi machte Jemen zum „Armenhaus der arabischen Welt“. Das war nicht immer so. Ein Blick in die Geschichte des Landes.

Sanaa – Jemen gehört zu den ärmsten Entwicklungsländern der Welt. Neben einem starken Bevölkerungswachstum, Wassermangel und hoher Arbeitslosigkeit leidet das Land vor allem unter seiner extrem instabilen politischen Lage. Der seit 2015 andauernde Bürgerkrieg hat die bereits zuvor kritische Situation im Land weiter verschärft. Laut Angaben der Vereinten Nationen spiele sich im Jemen derzeit eine der größten humanitären Katastrophen unserer Zeit ab.

StaatJemen
HauptstadtSanaa
Bevölkerung33,7 Millionen (Stand: 2022)
Fläche528.076 Quadratkilometer
SpracheArabisch
Währung Jemen-Rial
Regierungsformpräsidentielle Republik
KontinentAsien

Die Geschichte Jemens: Vom „glücklichen Arabien“ zum Krisenstaat

Die Geschichte und der Konflikt des Jemen haben tiefe Wurzeln. Sie reichen zurück in eine Zeit, in der das Land aufgrund seiner fruchtbaren Täler noch „glückliches Arabien“ genannt wurden. Besonders sein Reichtum an Gewürzen stärkte die Handelsbeziehungen zu wichtigen Großreichen wie den Ägyptern, Griechen oder Römern. Zwischen dem 10. und 3. Jahrhundert vor Christus gelangten Weihrauch und Myrrhe mittels Karawanen über die sogenannte „Weihrauchstraße“ aus Jemen bis nach Gaza in Ägypten und führte das Land zu großem Wohlstand.

Seit 2014 herrscht Bürgerkrieg im Jemen und weite Teile des Landes werden von den Huthi-Rebellen kontrolliert. (Archivfbild)

Dank seines ertragreichen Bodens und klug angelegten Bewässerungsanlagen florierte auch die Landwirtschaft im vorchristlichen Jemen. Mit der Eingliederung in das Römische Reich gewann der Seehandel an Bedeutung, jedoch begannen die im Osten des Landes existierenden Hochkulturen zu zerfallen. Die bis dato vorherrschenden Sabäer verloren zunehmend an Macht und wurden bis Mitte des 6. Jahrhundert vollkommen vom Judentum und Christentum verdrängt.

Mit dem Bau der ersten großen Moschee im Jahr 622 nach Christus in Sana‘a al-Jamad begann auch die Islamisierung des Jemen durch arabische Kalifen ein. Es folgten Jahrhunderte der Fremdherrschaft. Nach der ägyptischen Herrschaft bis ins 15. Jahrhundert regierten die Osmanen 100 Jahre lang auf der arabischen Halbinsel. In der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts übernahmen die Zaiditen die Herrschaft, welche bis ins 19. Jahrhundert reichte.

Spaltung und Wiedervereinigung im Jemen

Mitte des 19. Jahrhunderts kam er zur großen Aufspaltung Jemens: Großbritannien machte den Süden des Landes zum Protektorate und errichtete einen Flottenstützpunkt, der zur wichtigen Handelsstation auf der Indienroute wurde. Parallel eroberten die Osmanen einige Teile des Landes zurück. Der Jemen war somit dreigeteilt, mit den Briten im Süden, der Türkei im Westen und den Zaiditen im Norden.

Nach dem Ersten Weltkrieg verlor die Türkei ihre Herrschaft und der Nordjemen wurde eine souveräne Monarchie unter der Schirmherrschaft der Zaiditen, wodurch sich das Land außenpolitisch isolierte. Zahlreiche Bürgerkriege und Aufstände zerrütteten den Norden, bis 1962 ein Militärputsch auch die Herrschaft der Zaiditen endgültig beendete. Ende der 1960er Jahre zog Großbritannien seine Truppen aus dem Südjemen ab. Es folgten ständige Machtkämpfe im gesamten Land, die von blutigen Bürgerkriegen geprägt waren.

Während sich im Süden des Landes über die Jahre hinweg ein kommunistischer Einheitsstaat nach sowjetischem Vorbild etablierte, war im Nordjemen die Jemenitisch Arabische Republik ausgerufen worden. Die andauernden Grenzkonflikte zwischen den beiden Regierungen spalteten den Jemen klar in zwei Teile. Ein Koordinierungs- und Kooperationsabkommen sowie der Zusammenbruch des Ostblocks ebneten schließlich den Weg für eine Zusammenkunft.

Innenpolitische Spannungen im Jemen

Am 22. Januar 1990 erfolgte die Öffnung der Grenzen und die Wiedervereinigung zwischen Nord- und Südjemen. Sanaa wurde zur politischen, Aden zur wirtschaftlichen Hauptstadt des Staates erklärt. Auch wenn die Wiedervereinigung formal abgeschlossen war, blieb eine strukturelle Zweiteilung erhalten. Neben den Armeen blieben auch die Verwaltungsstrukturen der beiden Landesteile voneinander getrennt. Somit setzten sich die Spannungen und Aufstände im neu geschaffenen Staat fort.

Der Langzeit-Präsident Jemens Ali Abdallah Salih förderte die Spaltung des Landes, insbesondere im Norden, da er Misstrauen zwischen den verschiedenen politischen Strömungen säte, um deren Handlungsfähigkeit zu schwächen. Daraus hervor gingen verschiedene Widerstandsbewegungen, die den alten Status Quo vor dem Zusammenschluss wiederherstellen wollten. Es entbrannten mehrere Kriege zwischen den Rebellengruppen und der Regierung.

Aufstieg der Huthis und Auslöser des Kriegs im Jemen

Seit 2014/15 sind die Menschen im Jemen Opfer eines der brutalsten Bürgerkriege der Neuzeit. Dieser ist Resultat des gescheiterten Transitionsprozesses nach den Umbrüchen des „arabischen Frühlings“ im Jahr 2011. Um die anhaltenden Aufstände zu beenden und die Spaltung von Bevölkerung, Politik und Militär zu überwinden, sollte eine Reform der Verfassung und Wahlen erarbeitet werden. Dazu wurde der amtierende Präsident Salih entmachtet und eine Übergangsregierung eingerichtet.

Während sich die Opposition eine neue föderale Staatsordnung forderte, schien die geplante Reform auf eine Fortsetzung der Herrschaft der alten Eliten hinauszulaufen. Die Situation eskalierte, als im September 2014 die Hauptstadt Sanaa mit Waffengewalt von der Rebellenbewegung der Huthi und Ex-Präsident Salih blutig erobert wurde. Die Übergangsregierung war zum Rücktritt gezwungen. Ein anschließend neu eingesetztes Kabinett löste sich bereits im Januar 2015 aus Protest gegen die sich fortsetzenden Einmischungen der Huthi-Rebellen in die Regierungsarbeit auf.

Der „arabische Frühling“: In diesen Ländern wurde rebelliert

In Tunesien fing alles an: Die „Jasminrevolution“ begann mit landesweiten Massenunruhen Ende Dezember 2010. Auslöser war am 17. Dezember 2010 der Selbstmord eines Gemüsehändlers, der sich aus Verzweifelung selbst verbrannt hatte.
In Tunesien fing alles an: Die „Jasminrevolution“ begann mit landesweiten Massenunruhen Ende Dezember 2010. Auslöser war am 17. Dezember 2010 der Selbstmord eines Gemüsehändlers, der sich aus Verzweifelung selbst verbrannt hatte. © dpa
„Endlich frei“ steht auf dem Plakat dieses Tunesiers. Am 14. Januar 2011 hatte das Staatsoberhaupt Zine el-Abidine Ben Ali nach 23 Jahren an der Macht das Land verlassen, nachdem die Bevölkerung tagelang gegen ihn protestiert hatte. Bei den Demonstrationen sind mehr als 200 Menschen gestorben.
„Endlich frei“ steht auf dem Plakat dieses Tunesiers. Am 14. Januar 2011 hatte das Staatsoberhaupt Zine el-Abidine Ben Ali nach 23 Jahren an der Macht das Land verlassen, nachdem die Bevölkerung tagelang gegen ihn protestiert hatte. Bei den Demonstrationen sind mehr als 200 Menschen gestorben. © dpa
Regierungschef ist seit dem 27. Februar 2011 Béji Caïd Essebsi. Am 23. Oktober gewinnt die unter Ben Ali als extremistisch verbotene Ennahda-Bewegung die Parlamentswahlen.
Regierungschef ist seit dem 27. Februar 2011 Béji Caïd Essebsi. Am 23. Oktober gewinnt die unter Ben Ali als extremistisch verbotene Ennahda-Bewegung die Parlamentswahlen. © dpa
Ägypten: Mit dem “Tag des Zorns“ am 25. Januar 2011 begann hier der Aufstand. 
Ägypten: Mit dem “Tag des Zorns“ am 25. Januar 2011 begann hier der Aufstand. © dpa
Die Demonstrantionen richteten sich vor allem gegen das von 20-jährige Regime des Präsidenten Muhammad Husni Mubarak.
Die Demonstrantionen richteten sich vor allem gegen das von 20-jährige Regime des Präsidenten Muhammad Husni Mubarak. © dpa
Am 11. Februar wurde Husni Mubarak zum Rücktritt gezwungen. An seine Stelle trat ein Militärrat aus hochrangigen Offizieren, der den Demonstranten freie und demokratische Wahlen sowie die Aufhebung des seit 30 Jahren geltenden Notstandsgesetzes zusicherte, dann aber im März die Gesetze verschärfte. Am 28. November 2011 begann die erste Runde der Parlamentswahlen.
Am 11. Februar wurde Husni Mubarak zum Rücktritt gezwungen. An seine Stelle trat ein Militärrat aus hochrangigen Offizieren, der den Demonstranten freie und demokratische Wahlen sowie die Aufhebung des seit 30 Jahren geltenden Notstandsgesetzes zusicherte, dann aber im März die Gesetze verschärfte. Am 28. November 2011 begann die erste Runde der Parlamentswahlen. © dpa
Mohammed Mursi
Die gewannen die islamischen Muslimbrüder unter ihrem Vorsitzendern Mohammed Mursi, der Präsident wurde. Ein Verfassungsentwurf, der sich auf die islamische Scharia berief führte zu einem Militärputsch. Neuer Präsident wurde Abd al-Fattah as-Sisi. © dpa
Algerien: Auch die Unruhen in Algerien schlossen sich an die in Tunesien an.
Algerien: Auch die Unruhen in Algerien schlossen sich an die in Tunesien an. © Str
Seit dem 5. Januar 2011 demonstrierten die Menschen vor allem gegen gegen die wirtschaftliche Lage.
Seit dem 5. Januar 2011 demonstrierten die Menschen vor allem gegen gegen die wirtschaftliche Lage. © dpa
Staatschef Abdelaziz Bouteflika regierte seit 1999 - ihm wird unter anderem Korruption vorgeworfen. Eine der zentralen Forderungen der Opposition, die Aufhebung des seit 19 Jahren geltenden Ausnahmezustandes, wurde am 24. Februar 2011 durch die algerische Regierung erfüllt.
Staatschef Abdelaziz Bouteflika regierte seit 1999 - ihm wird unter anderem Korruption vorgeworfen. Eine der zentralen Forderungen der Opposition, die Aufhebung des seit 19 Jahren geltenden Ausnahmezustandes, wurde am 24. Februar 2011 durch die algerische Regierung erfüllt. © dpa
Syrien: Hier herrscht seit über 40 Jahren der Ausnahmezustand. Der Polizeistaat verbietet alle öffentlichen Meinungsäußerungen. Am 19. März 2011 kam es zu schweren Unruhen in der süd-syrischen Stadt Dar'a anlässlich der Beisetzung von zuvor getöteten Demonstranten.
Syrien: Hier herrscht seit über 40 Jahren der Ausnahmezustand. Der Polizeistaat verbietet alle öffentlichen Meinungsäußerungen. Am 19. März 2011 kam es zu schweren Unruhen in der süd-syrischen Stadt Dar'a anlässlich der Beisetzung von zuvor getöteten Demonstranten. © dpa
Am 29. März 2011 entließ Staatspräsident Assad die Regierung, am 19. April 2011 gab er die Aufhebung des Ausnahmezustandes bekannt.
Am 29. März 2011 entließ Staatspräsident Assad die Regierung, am 19. April 2011 gab er die Aufhebung des Ausnahmezustandes bekannt. © dpa
Die Proteste gingen aber weiter. Am 22. April 2011 gab es mindestens 90 Todesopfer bei Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften. Das brutale Vorgehen der Sicherheitskräfte rief internationale Proteste hervor. Im Dezember 2011 schätzt die UN, dass bereits mehr als 5000 Zivilisten getötet worden sind. Es folgt ein jahrelanger, grausamer Bürgerkrieg mit über 400.000 Toten.
Die Proteste gingen aber weiter. Am 22. April 2011 gab es mindestens 90 Todesopfer bei Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften. Das brutale Vorgehen der Sicherheitskräfte rief internationale Proteste hervor. Im Dezember 2011 schätzt die UN, dass bereits mehr als 5000 Zivilisten getötet worden sind. Es folgt ein jahrelanger, grausamer Bürgerkrieg mit über 400.000 Toten. © dpa
Jemen: Am 27. Januar 2011 demonstrieren rund 16.000 Jemeniten in der Hauptstadt Sanaa gegen die Politik von Präsident Ali Abdullah Salih. 
Jemen: Am 27. Januar 2011 demonstrieren rund 16.000 Jemeniten in der Hauptstadt Sanaa gegen die Politik von Präsident Ali Abdullah Salih. © Yahya Arhab
arabischer Frühling
Präsident Ali Abdullah Salih erklärte Anfang Februar, dass er nicht mehr für eine weitere Amtszeit kandidieren wolle - die Proteste gingen aber weiter. © Arno Burgi
Am 18. März, der "Tag der Würde", sind bei einer Demonstration gegen Staatschef Ali Abdullah Salih 53 Menschen von den Sicherheitskräften getötet worden. Salih erklärt am 23. November schriftlich seinen Verzicht auf die Macht. Im Februar 2012 wurde erneut gewählt. Einziger Kandidat war der bisherige Vizepräsident Abed Rabbo Mansur Hadi.
Am 18. März, der "Tag der Würde", sind bei einer Demonstration gegen Staatschef Ali Abdullah Salih 53 Menschen von den Sicherheitskräften getötet worden. Salih erklärt am 23. November schriftlich seinen Verzicht auf die Macht. Im Februar 2012 wurde erneut gewählt. Einziger Kandidat war der bisherige Vizepräsident Abed Rabbo Mansur Hadi. © dpa
Jordanien: Ab dem 7. Januar 2011 wurde hier gegen die Regierung von Samir ar-Rifai protestiert.
Jordanien: Ab dem 7. Januar 2011 wurde hier gegen die Regierung von Samir ar-Rifai protestiert. © dpa
König Abdullah II. bin al-Hussein mahnt danach echte Reformen an. Der Ministerpräsident wurde daraufhin abgesetzt.
König Abdullah II. bin al-Hussein mahnt danach echte Reformen an. Der Ministerpräsident wurde daraufhin abgesetzt. © dpa
Nach der Kürzung von Subventionen auf Benzin, Diesel und Gas zum Kochen im November 2012 sowie nach der Parlamentswahl am 23. Januar 2013 kam es zu erneuten Protesten.
Nach der Kürzung von Subventionen auf Benzin, Diesel und Gas zum Kochen im November 2012 sowie nach der Parlamentswahl am 23. Januar 2013 kam es zu erneuten Protesten. © dpa
Libyen: Nachdem es ab dem 18. Februar bei Massenprotesten in der Hafenstadt Benghazi dutzende Tote gab, wurde das Internet in Lybien gesperrt.
Libyen: Nachdem es ab dem 18. Februar bei Massenprotesten in der Hafenstadt Benghazi dutzende Tote gab, wurde das Internet in Lybien gesperrt. © dpa
In der Hauptstadt Tripolis und weiteren Städten eskalierten die Proteste. Am 19. März fliegen die USA, Frankreich und Großbritannien erste Luftangriffe, um die Zivilbevölkerung vor  Übergriffen des Gaddafi-Regimes zu schützen.
In der Hauptstadt Tripolis und weiteren Städten eskalierten die Proteste. Am 19. März fliegen die USA, Frankreich und Großbritannien erste Luftangriffe, um die Zivilbevölkerung vor  Übergriffen des Gaddafi-Regimes zu schützen. © dpa
Staatschef Muammar al-Gaddafi wird nach wochenlanger Flucht in seiner Heimatstadt Sirte von Rebellen getötet. Er herrschte in Libyen 42 Jahre lang.
Staatschef Muammar al-Gaddafi wird nach wochenlanger Flucht in seiner Heimatstadt Sirte von Rebellen getötet. Er herrschte in Libyen 42 Jahre lang. © dpa
Bahrain: Die Proteste im Golf-Königreich begannen am 14. Februar 2011 mit einem illegalen Zeltlager. Bei der Räumung starben vier Menschen.
Bahrain: Die Proteste im Golf-Königreich begannen am 14. Februar 2011 mit einem illegalen Zeltlager. Bei der Räumung starben vier Menschen. © dpa
Nach den Begräbnissen kam es zu Massenprotesten. Am 14. März entsandte Saudi-Arabien auf Bitten der bahrainischen Regierung hin 1000 Soldaten nach Bahrain.
Nach den Begräbnissen kam es zu Massenprotesten. Am 14. März entsandte Saudi-Arabien auf Bitten der bahrainischen Regierung hin 1000 Soldaten nach Bahrain. © dpa
König Al Khalifa rief am 15. März 2011 einen dreimonatigen Ausnahmezustand aus. Zum 1. Juni 2011 wurde der Ausnahmezustand aufgehoben, danach gab es immer wieder vereinzelte Proteste.
König Al Khalifa rief am 15. März 2011 einen dreimonatigen Ausnahmezustand aus. Zum 1. Juni 2011 wurde der Ausnahmezustand aufgehoben, danach gab es immer wieder vereinzelte Proteste. © dpa
Marokko: Am 20. Februar 2011 demonstrierten Tausende für politische Reformen und mehr Demokratie.
Marokko: Am 20. Februar 2011 demonstrierten Tausende für politische Reformen und mehr Demokratie. © dpa
Bei den Unruhen starben fünf Menschen in einer brennenden Bankfiliale.
Bei den Unruhen starben fünf Menschen in einer brennenden Bankfiliale. © dpa
Daraufhin kündigte der König Muhammad VI. politische Reformen an, daher spricht man im Land von einer Sanften Revolution.
Daraufhin kündigte der König Muhammad VI. politische Reformen an, daher spricht man im Land von einer Sanften Revolution. © dpa
Oman: Seit Mitte Februar 2011 fanden im Sultanat regelmäßig Demonstrationen statt. Die Demonstranten fordern politische Reformen.
Oman: Seit Mitte Februar 2011 fanden im Sultanat regelmäßig Demonstrationen statt. Die Demonstranten fordern politische Reformen. © dpa
Sultan Qabus ibn Said regiert Oman im Grunde allein. Erst nach erneuten Umbildungen des Kabinetts am 5. und 7. März flauten die Unruhen allmählich ab. Als bei einer erneuten Demonstration im april ein Demonstrant getötet wurde, kam es zu einer größeren Protestwelle, über mehrere Wochen.
Sultan Qabus ibn Said regiert Oman im Grunde allein. Erst nach erneuten Umbildungen des Kabinetts am 5. und 7. März flauten die Unruhen allmählich ab. Als bei einer erneuten Demonstration im april ein Demonstrant getötet wurde, kam es zu einer größeren Protestwelle, über mehrere Wochen. © dpa
Sudan: Vor allem Studenten und Anhänger der kommunistischen Opposition gingen hier auf die Straßen.
Sudan: Vor allem Studenten und Anhänger der kommunistischen Opposition gingen hier auf die Straßen. © dpa
Sie protestierten gegen die wirtschaftlich schlechte Lage, die sich infolge der Unabhängigkeit des Südsudans immer verschlimmert.
Sie protestierten gegen die wirtschaftlich schlechte Lage, die sich infolge der Unabhängigkeit des Südsudans immer verschlimmert. © dpa

Seit 2004 eskalierten die Spannungen zwischen den Huthi und Regierung immer wieder. Die vor allem von der Minderheit der Zaiditen getragenen Bewegung im Nordwesten Jemens warf der Regierung Diskriminierung und Benachteiligung vor. Der Staat reagierte äußerst brutal auf die Widerstände und tötete schließlich das Stammesoberhaupt Hussein al-Huthi.

Stellvertreter-Krieg im Jemen: Saudi-Arabien gegen den Iran

Im Januar 2015 floh der freiwillig zurückgetretene Übergangspräsident Jemens Abed Rabbo Mansur Hadi aus der Hauptstadt Sanaa und bat in Saudi-Arabien um Unterstützung. Die Huthi-Miliz hatte zu diesem Zeitpunkt bereits das Parlament vollständig aufgelöst und selbst die Kontrolle über weite Teile des Jemen übernommen. In Abstimmung mit Ägypten und weiteren Staaten begann Saudi-Arabien im März 2015 eine erste Offensive zur Befreiung des Landes von der Rebellen-Herrschaft.

Die Regierung Jemens wird seit April 2022 durch einen achtköpfigen Präsidialrat repräsentiert, dem sogenannten Presidential Leadership Council. Trotz der anhaltenden Hilfe der von Saudi-Arabien angeführten Militärallianz beherrschen bis heute die Huthis weite Teile des Landes, vor allem im Nordjemen. Ziel der Rebellengruppe ist es, den gesamten Jemen zu regieren und dafür internationale Anerkennung zu finden.

Das Eingreifen der Saudis in den Konflikt wird vor allem mit der Unterstützung der Huthis durch den Iran begründet. Die islamische Republik versorgt die rund 200.000 bewaffneten Rebellen im Jemen stetig mit neuen militärischen Mitteln. Mit dieser Unterstützung soll eine weitere schiitische Miliz für Irans „Achse des Widerstands“ gegen Israel gewonnen werden. Saudi-Arabien will mit seinem Engagement im Jemen-Konflikt hingegen verhindern, dass ein weiteres Land an der Südflanke des Königreichs unter den Einfluss des regionalen Erzrivalen gerät.

Humanitäre Lage im Jemen: Wie ist das Leben im Bürgerkrieg?

Seit Beginn des Bürgerkrieges im Jahr 2014 hat sich die humanitäre Situation im Jemen dramatisch verschlechtert. Über 23 Millionen von rund 30 Millionen Menschen im Land benötigen humanitäre Hilfe, circa 17 Millionen haben keinen sicheren Zugang zu Nahrung. Da seit Beginn des Konfliktes mehr als 50 Prozent aller Bürgerinnen und Bürger ihre Arbeit verloren haben, wird der jemenitische Staat auch als „Armenhaus der arabischen Welt“ bezeichnet.

Durch den sinkenden Kurs der Nationalwährung, dem Rial, hat die Kaufkraft der Bevölkerung massiv abgenommen. Gleichzeitig steigen Lebensmittelpreise aufgrund des hohen logistischen Aufwands des Lebensmitteltransports. In den meisten Regionen des Landes sind Nahrungsmittel zwar vorhanden, jedoch können sie sich nur die wenigsten Menschen leisten.

Kritik an der saudischen Militärallianz im Jemen-Krieg

Die im Jemen herrschende humanitären Notlage ist den jahrelangen Konflikten im Land geschuldet, besonders seit 2015. Der Krieg mit den Huthis wurde jedoch nicht nur von arabischen Staaten vorangetrieben und finanziert. Auch der Westen war lange Zeit als Geldgeber im Jemen-Krieg aktiv. Vor allem die USA und Großbritannien erkennen die Exil-Regierung als legitimes Staatsoberhaupt an und unterstützten das saudische Militärbündnis mit Waffenlieferungen und Informationsbereitstellungen.

Menschenrechtsorganisationen verurteilten die Anti-Huthi-Koalition für ihre Waffenlieferungen und Luftangriffe im Jemen. Bei der Bombardierung der Rebellengebiete durch Drohnen waren immer wieder zivile Einrichtungen wie Krankenhäuser getroffen und zerstört worden. Die Bundesregierung hatte zwar Verständnis für das Vorgehen der saudischen Militärallianz, bemühte sich aber vor allem um diplomatische Maßnahmen in Zusammenarbeit mit den Vereinten Nationen, um den Konflikt zu beenden. (aa)

Rubriklistenbild: © Hani Al-Ansi/dpa

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