Wer ist der Wagner-Chef?

Jewgeni Prigoschin: Von „Putins Koch“ zum Schattenkrieger Russlands

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Jewgeni Prigoschin begann seine Karriere in Russland als „Putins Koch“, später gründete er die Wagner-Gruppe. Er starb bei einem Flugzeugabsturz.

Moskau –  Unter anderen Umständen könnte man es als charmante Anekdote betrachten. „Ich bin nicht Putins Koch – ich kann überhaupt nicht kochen“, soll Jewgeni Prigoschin einst geäußert haben. „Putins Koch“: Dieser Beiname war schon lange nicht mehr mit guter Küche verbunden. Sondern mit der Tatsache, dass der Geschäftsmann aus Sankt Petersburg mit seiner Wagner-Gruppe jahrelang die schmutzige Arbeit für den russischen Präsidenten Wladimir Putin erledigte – teils auf brutalste Art und Weise.

NameJewgeni Wiktorowitsch Prigoschin
SpitznamenPutins Koch
Geboren1. Juni 1961
Gestorben23. August 2023
GeburtsortLeningrad, heutiger Name: Sankt Petersburg
EhefrauLyubow Valentinowna Prigoschina
KinderPolina Prigoschina, Pavel Prigoschin

Jewgeni Prigoschin ist tot: Wagner-Chef stirbt bei Flugzeugabsturz in Russland

Am 23. August 2023 starb Jewgeni Prigoschin im Alter von 62 Jahren, als sein Privatjet nordwestlich von Moskau nahe dem Dorf Kuschenkino abstürzte. Er hinterlässt eine Ehefrau und zwei Kinder. Die russischen Behörden bestätigten seinen Tod fünf Tage nach dem Flugzeugabsturz, nach einem DNA-Test.

In den Jahren vor seinem plötzlichen Tod war Prigoschin in vielen Regionen der Welt mit seiner Privatarmee tätig, darunter in Syrien, in etlichen Teilen Afrikas und Lateinamerikas und zuletzt in der Ukraine.

Jewgeni Prigoschin, auch „Putins Koch“ genannt, während einer Ansprache. Die Aufnahme entstand Ende Juni 2023 im ukrainischen Oblast Donezk.

Wagner-Chef Jewgeni Prigoschin begann Karriere als „Putins Koch“

Zu verdanken hatte Prigoschin seine Karriere vor allem einem Mann: Russlands Präsidenten Wladimir Putin. Man könnte sagen, dass die Figur Prigoschin von Putin geformt wurde. Denn bevor der Sankt Petersburger Putin traf, war er nichts weiter als ein gescheiterter Krimineller. Prigoschin war gerade einmal 18 Jahre alt, als er zum ersten Mal verurteilt wurde. Aus einer Bewährungsstrafe wegen Diebstahls wurden nur zwei Jahre später 13 Jahre Gefängnis, unter anderem wegen Raubüberfällen. 

Im Jahr 1990 wurde Prigoschin entlassen. Es war die Zeit, in der zuerst der Eiserne Vorhang und schließlich die ganze Sowjetunion fiel. Prigoschin eröffnete einen Fast-Food-Imbiss. Später gelang es ihm, in Sankt Petersburg ein Luxusrestaurant zu eröffnen, zu dessen Gästen auch Putin gehörte.

Jewgeni Prigoschin verdankte Putin sein Milliarden-Vermögen

Als Putin Präsident von Russland wurde, erhielt auch Prigoschins Karriere einen Schub. Seine Fast-Food-Kette belieferte den Kreml, was ihm den Spitznamen „Putins Koch“ einbrachte. Obwohl die Kette bankrott ging, erhielt Prigoschin in Russland weiterhin öffentliche Aufträge, organisierte Staatsbankette, lieferte Essen an Schulen, Kindergärten und die russischen Streitkräfte. Alles unter der Protektion Putins. 

Dank der Verbindung in die höchsten Kreise des Kreml häufte Prigoschin ein Milliardenvermögen an. Lange Zeit hielt er sich aber im Hintergrund. Erst im September 2022 trat er ins Rampenlicht, als die russische Armee im Ukraine-Krieg eine Niederlage nach der anderen erlitt.

Erstmals erklärte Jewgeni Prigoschin öffentlich, der Anführer der berüchtigten Söldnergruppe Wagner zu sein, die er 2014 ins Leben gerufen hatte und die überall dort im Einsatz war, wo Putin keine regulären Truppen hinschicken wollte. Die Eroberung der lange umkämpften Stadt Bachmut reklamierte Prigoschin im Ukraine-Krieg für sich. Im Oktober 2022 eröffnete Prigoschin seinen Firmensitz in Sankt Petersburg. „Private Militärfirma Wagner“ stand auf dem Schild des großen Glaspalastes.

Jewgeni Prigoschin soll vor seinem Tod Trollfabriken betrieben haben

Im Laufe des Krieges erhielt Prigoschin von Putin die Erlaubnis, in Gefängnissen tausende Kriminelle für seinen Söldnerdienst zu rekrutieren. Prigoschin versprach ihnen die Freiheit, sollten sie die Kämpfe überleben. Wer desertiere, werde erschossen. Abtrünnige ließ Prigoschin offenbar mit dem Vorschlaghammer hinrichten.

Zu Prigoschins Reich gehörten angeblich auch Troll-Fabriken, also Unternehmen, die das Internet mit Propaganda überschwemmen. Die US-Justiz beschuldigte ihn, sich mit Internet-Trollen für Donald Trump starkgemacht zu haben und versucht haben soll, die US-Wahl 2016, die Trump schließlich gewann, zu beeinflussen.

Jewgeni Prigoschins Wagner-Gruppe war für Gräueltaten bekannt

Prigoschins Wagner-Gruppe, benannt nach einem ehemaligen Offizier mit dem Kampfnamen Wagner, wurden nicht nur im Ukraine-Krieg zahlreiche Gräueltaten vorgeworfen. Auch drei russische Journalisten, die 2018 in der Zentralafrikanischen Republik über Wagner recherchierten, wurden in einem Hinterhalt ermordet. 

Da der Ukraine-Krieg nicht wie geplant mit einem schnellen Sieg Russlands endete, wurden im Laufe der Zeit Risse zwischen der Militärführung im Kreml und der Privatarmee deutlich. Prigoschin warf den russischen Generälen Unfähigkeit vor und beschuldigte sie, seine Truppen absichtlich nicht mit Munition und Nachschub zu versorgen.

Wagner-Gruppe marschiert in Richtung Moskau: Bilder zum Putschversuch in Russland

Söldner der Wagner-Gruppe posieren in Rostow am Don vor Panzern.
Söldner der Wagner-Gruppe posieren in Rostow am Don vor Panzern. © IMAGO/Erik Romanenko
Die Stadt Rostow am Don wurde von der Wagner-Gruppe besetzt. Hier stehen zwischen den Zivillisten bewaffnete Soldaten und Panzer auf den Straßen.
Die Stadt Rostow am Don wurde von der Wagner-Gruppe besetzt. Hier stehen zwischen den Zivillisten bewaffnete Soldaten und Panzer auf den Straßen. © Sergey Pivovarov/IMAGO
Nahaufnahme der Ausrüstung. Die Soldaten in Rostow am Don sind mit kugelsicheren Westen ausgestattet.
Die Soldaten in Rostow am Don sind mit kugelsicheren Westen ausgestattet und schwer bewaffnet. © Erik Romanenko/IMAGO
Auf der schusssicheren Weste eines Soldaten in Rostow am Don steht auf einem Aufnäher: „Mama hat gesagt: Anziehen“. (Yandex Image Translator)
Auf der schusssicheren Weste eines Soldaten in Rostow am Don steht auf einem Aufnäher: „Mama hat gesagt: Anziehen“. (Yandex Image Translator) © Erik Romanenko/IMAGO
Die bewaffneten Wagner-Söldner in Rostow am Don bewachen auch mit militärischen Fahrzeugen die Stadt.
Die bewaffneten Wagner-Söldner in Rostow am Don bewachen auch mit militärischen Fahrzeugen die Stadt. © Erik Romanenko/IMAGO
Die Soldaten in Rostow am Don stehen inmitten der Bevölkerung wache und werden teilweise von Zivilisten angesprochen.
Die Soldaten in Rostow am Don stehen inmitten der Bevölkerung wache und werden teilweise von Zivilisten angesprochen. © IMAGO/Erik Romanenko
Soldaten der Wagner-Gruppe bewachen das südliche militärische Hauptquartier in Rostow am Don mit Scharfschützen.
Soldaten der Wagner-Gruppe bewachen das südliche militärische Hauptquartier in Rostow am Don mit Scharfschützen. © IMAGO/Erik Romanenko
In Moskau sind rund um den Kreml alle Straßen und Kreuzungen weiträumig abgesperrt und bewacht.
In Moskau sind rund um den Kreml alle Straßen und Kreuzungen weiträumig abgesperrt und bewacht. © Kirill Zykov/IMAGO
Das Moskauer „Grabmal des unbekannten Soldaten“ an der Mauer des Kremls. Zusätzlich zu den üblichen Wachen in prunkvoller Uniform sind hier Polizisten postiert.
Das Moskauer „Grabmal des unbekannten Soldaten“ an der Mauer des Kremls wird zusätzlich zu den üblichen Wachen von der Polizei bewacht. © Ilya Pitalev/IMAGO
Eine Polizistin in Moskau steht hinter der Absperrung des Roten Platzes neben einem Einsatzwagen. Im Hintergrund sind die farbigen Kuppeln der Basilius Kathedrale zu sehen.
Der Rote Platz in Moskau ist weiträumig abgesperrt und wird von der Polizei bewacht. © IMAGO/Ilya Pitalev
Wagner-Gebäude in mehreren russischen Städten, wie hier in St. Petersburg, werden von Polizisten bewacht.
Wagner-Gebäude in mehreren russischen Städten, wie hier in St. Petersburg, werden von Polizisten bewacht. © IMAGO/Alexander Galperin
Die russische Polizei sperrt Straßen in der Region Moskau und kontrolliert die Dokumente von Fahrzeugen, die sie passieren möchten.
Die russische Polizei sperrt Straßen in der Region Moskau und kontrolliert die Dokumente von Fahrzeugen, die sie passieren möchten. © IMAGO/Kirill Kallinikov
In der Region Moskau wird die Autobahn M2 bei Podoslk von mehreren LKW blockiert.
In der Region Moskau wird die Autobahn M2 bei Podoslk von mehreren LKW blockiert. © IMAGO/Vitaliy Belousov
Den Menschen, die in Staus auf russischen Autobahnen festsitzen, wird Trinkwasser zur Verfügung gestellt.
Den Menschen, die in Staus auf russischen Autobahnen festsitzen, wird Trinkwasser zur Verfügung gestellt. © IMAGO
In der russischen Stadt Rostow am Don stehen Soldaten in den Straßen Wache und beobachten die Lage.
Die Soldaten stehen in den Straßen Wache und beobachten die Lage. © IMAGO/Erik Romanenko

Jewgeni Prigoschin wagte Aufstand gegen Russlands Militärführung – wenig später war er tot

Ende Mai 2023 eskalierte der Streit. Das russische Verteidigungsministerium wollte die Wagner-Truppen auflösen und die Soldaten in die regulären Streitkräfte integrieren. Prigoschin lehnte ab und rief die russische Bevölkerung zum Widerstand auf. Am 24. Juni fielen Wagner-Söldner in der russischen Stadt Rostow ein, besetzten Militäreinrichtungen und marschierten weiter Richtung Moskau. Putin sprach in einer Fernsehansprache von Hochverrat.

Erst durch die Vermittlung des belarussischen Machthabers Alexander Lukaschenko brachen die Wagner-Söldner den Aufstand ab und zogen nach Belarus. Was mit der Privatarmee, die zuletzt offenbar 25.000 Mann stark war, nach Prigoschins Tod geschieht, blieb zunächst ungewiss. Im September 2023 meldete die Ukraine, dass im Osten des Landes wieder Wagner-Söldner für Russland im Ukraine-Krieg kämpften.

Dieser Artikel wurde mithilfe maschineller Unterstützung erstellt und vor der Veröffentlichung von dem Redakteur Daniel Dillmann sorgfältig überprüft.

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