US-Präsident im Kriegsgebiet

Joe Biden in Kiew: Ein geheimer Besuch, der Monate Planung benötigte

+
Joe Biden und Wolodymyr Selenskyj in Kiew.
  • schließen

Joe Biden bekräftigte mit seinem Besuch in Kiew die Unterstützung der USA für die Ukraine im Krieg gegen Russland. Seine Reise wurde bereits Monate im Voraus geplant.

Kiew - Rund ein Jahr nach Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine hat US-Präsident Joe Biden unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen Kiew besucht und hatte gemeinsam mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj symbolträchtige Orte in der Millionenmetropole besichtigt. Er versprach dem Land die anhaltende Unterstützung der USA.

Im Anschluss reiste Biden zurück nach Polen. Der Besuch in Polen war bereits im Vorhinein angekündigt worden. Einen Abstecher in die Ukraine zu machen war jedoch vorher nicht öffentlich geplant, im Gegenteil: Noch wenige Tage vor Bidens Eintreffen in Kiew dementierte das Weiße Haus, dass derartige Pläne bestünden.

Joe Biden in Kiew: Eine Reise, die Monate lang geplant wurde

Nach Angaben des amerikanischen Fernsehsenders CNN war die Reise des Präsidenten bereits Monate im Vorfeld geplant worden, und zwar von einem engen Kreis von Beratern, die Biden nahestünden. Es ginge um mehr als die Ukraine, „es geht um Freiheit und Demokratie in Europa, um Freiheit und Demokratie generell“, verkündete Biden in Kiew. Doch es handelte sich nicht lediglich um einen symbolischen Besuch. Biden suchte auch das Gespräch mit Selenskyj, um die kommenden Monate, die nächste Phase des Krieges mit Russland zu besprechen, berichtet CNN.

Ein Grund, weswegen die Reise lange Zeit geheimgehalten wurde, lautet, dass das Weiße Haus sich Flexibilität verschaffen wollte. Einen Präsidenten in ein Kriegsgebiet reisen zu lassen, in dem die USA keinen direkten Einfluss nehmen kann, ist ein risikoreiches Unterfangen. Man wollte gegebenenfalls die Reise abblasen können, ohne sie vorher groß angekündigt zu haben.

Joe Biden in Kiew: Der US-Präsident war bereit, Risiken in Kauf zu nehmen

Klar sollte für Biden auch sein, dass er Selenskyj in Kiew treffen würde und nicht an einem anderen Ort in der Ukraine oder Polen. Aus diesem Grund reiste er mit seiner Delegation vorerst nach Polen, mit einem kurzen Zwischenstopp in Deutschland. Von dort aus reiste er mit dem Zug weiter. Nach einer circa zehnstündigen Zugreise kam er schließlich an. Der nun umgesetzte Plan war jedoch bereits Monate zuvor gefasst worden. Nachdem viele europäische Staats- und Regierungschefs Kiew besucht hatten.

Über etwaige Sicherheitsrisiken war Joe Biden im Vorfeld informiert worden und laut CNN heißt es, er sei gewillt gewesen, diese in Kauf zunehmen: „Sein Sicherheitsplan wurde im ganzheitlich präsentiert. Er hat sich die Präsentation angehört und er war zufrieden“, hieß es von einem Berater.

Joe Biden in Kiew: USA informierten Russland im Vorhinein

Trotz oder gerade wegen der Spannungen zwischen den USA und Russland hatte das Weiße Haus den Kreml im Vorhinein über Bidens Reiseplänen in Kenntnis gesetzt. US-Sicherheitsberater Jake Sullivan machte am Montag bei einem Telefonat mit Journalisten keine Angaben dazu, was genau Inhalt der Information war und wie die Russen antworteten. „Aber ich kann bestätigen, dass wir diese Information zur Verfügung gestellt haben“, sagte Sullivan. Das sei einige Stunden vorher geschehen.

Die US-Seite machte zunächst keine Angaben dazu, wie Biden nach Kiew kam. Gewöhnlich reisen Staatsgäste in Kriegszeiten mit dem Zug in die ukrainische Hauptstadt. Allerdings solle es nach Freigabe der entsprechenden Informationen durch die Sicherheitsdienste später noch Angaben zur Reiseroute geben, hieß es aus der Delegation. (dpa/lp)

Kommentare