Wegen Ukraine-Krieg

Junge Menschen sollen „Horizont erweitern“: Steinmeier für sozialen Pflichtdienst

  • schließen

Der Ukraine-Krieg entfacht die Debatte um einen sozialen Pflichtdienst erneut. Bundespräsident Steinmeier sieht darin eine Chance für junge Menschen.

Berlin – Seit 2011 ist die Wehrpflicht in Deutschland ausgesetzt – das kam damals einem Ende des Wehr- und auch Zivildienstes gleich. Knapp elf Jahre später regt Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier nun die Einführung eines sozialen Pflichtdienstes für junge Menschen an. Diese müsse nicht bei der Bundeswehr absolviert werden und diene vielmehr dazu, den Horizont zu erweitern und verschiedene Sichtweisen kennenzulernen. „Es geht um die Frage, ob es unserem Land nicht guttun würde, wenn sich Frauen und Männer für einen gewissen Zeitraum in den Dienst der Gesellschaft stellen“, sagte Steinmeier der Bild am Sonntag.

Sozialer Pflichtdienst in Deutschland: Allgemeine Wehrpflicht ist seit 2011 ausgesetzt

Seit der ehemalige Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) die Wehrpflicht für Deutschland 2011 nach 55 Jahren aussetzen ließ, war immer mal wieder die Debatte aufgekommen, ob die Entscheidung die richtige war. Vor dem Hintergrund des Ukraine-Kriegs flammte die Diskussion wieder auf. Nachdem Wladimir Putin die Invasion der Ukraine gestartet hatte, forderten Politiker der Union und SPD einen entsprechenden Schritt, der Wehrdienst und soziale Dienste vereint. Anfang März war zudem im Gespräch, die Wehrpflicht in Deutschland wegen des Ukraine-Kriegs wieder aufleben zu lassen.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier stellt eine Art reformierten Zivildienst zur Diskussion.

Wie Bundespräsident Steinmeier betont, müsse der Pflichtdienst nicht bei der Bundeswehr, der derzeit ein Sondervermögen von 100 Milliarden Euro zur Verfügung gestellt wird, absolviert werden, „die soziale Pflichtzeit könnte meiner Meinung nach genauso bei der Betreuung von Senioren, in Behinderteneinrichtungen oder in Obdachlosenunterkünften geleistet werden“. Gleichzeitig betont das Staatsoberhaupt, dass die Einführung einer sozialen Pflichtzeit nicht einfach werden würde, allerdings die Debatte über ebendiese angebracht sei.

Bundespräsident Steinmeier befürwortet sozialen Pflichtdienst – würde Horizont von jungen Menschen erweitern

„Ich habe bewusst Pflichtzeit gesagt, denn es muss kein Jahr sein. Da kann man auch einen anderen Zeitraum wählen“, sagte Steinmeier und ließ somit offen, wie lange der soziale Pflichtdienst in Deutschland dauern sollte. Am wichtigsten sei es laut Steinmeier, der im April in Kiew unerwünscht war, den eigenen Horizont zu erweitern.

„Gerade jetzt, in einer Zeit, in der das Verständnis für andere Lebensentwürfe und Meinungen abnimmt, kann eine soziale Pflichtzeit besonders wertvoll sein“, sagte der Bundespräsident. Junge Menschen würden so aus der eigenen Blase rauskommen, ganz andere Menschen treffen und Bürgern in Notlagen helfen. „Das baut Vorurteile ab und stärkt den Gemeinsinn.“

Rubriklistenbild: © Boris Roessler/dpa

Kommentare