Ukraine-Krieg

Kampfjets für die Ukraine: Scholz bleibt hart - und findet gewichtigen Verbündeten

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Weder Deutschland noch Großbritannien wollen der Ukraine Kampfjets liefern – mit der Begründung, dass Flugzeuge für die Ukraine nicht kriegsentscheidend sind.

Berlin – Mit der Bitte, der Ukraine moderne Kampfjets, etwa vom Typ F-16, zu liefern, ist der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj schon etliche Male seit Beginn des Ukraine-Kriegs auf taube Ohren bei den Partnern im Westen gestoßen. Nun gab es erneut eine gemeinschaftliche Absage aus Deutschland und Großbritannien.

Dabei hatte ein Sprecher des britischen Premierministers Rishi Sunak noch am Dienstag (16. Mai) in Aussicht gestellt, dass es einen Plan zwischen Großbritannien und den Niederlanden gäbe, eine „internationale Koalition“ zu bilden, um die Ukraine bei der Beschaffung von Kampfjets sowie der Pilotenausbildung zu unterstützen, wie etwa der britische Guardian berichtete.

Zum wiederholten Mal haben westliche Partner der Ukraine eine baldige Lieferung von Kampfjets vom Typ F-16 vorerst ausgeschlossen. (Archivfoto)

Kampfjet-Lieferung an der Ukraine: Weder Deutschland noch Großbritannien können F-16 liefern

Am Mittwoch (17. Mai) haben der britische Verteidigungsminister Ben Wallace und sein deutscher Amtskollege Boris Pistorius bei einer gemeinsamen Pressekonferenz in Berlin bekannt gegeben, dass es weder von deutscher noch britischer Seite Pläne gibt, Kampfflugzeuge an die Ukraine zu liefern. Wallace warnte stattdessen davor, die Lieferung von Kampfflugzeugen als „Zauberstab“ zu betrachten, der eine Entscheidung im Ukraine-Krieg herbeiführen könne. Auch die USA als Herstellerland der F-16-Kampfjets vom Hersteller Lockheed Martin lehnen es für den Moment ab, die Ukraine mit Kampfjets zu beliefern.

Der deutsche Verteidigungsminister Boris Pistorius und Bundeskanzler Olaf Scholz (beide SPD) bekräftigten, dass Deutschland keine Kampfflugzeuge liefern werde. „Wir haben keine F-16-Kampfjets. Und weder Tornados noch Eurofighter sind geeignet, jetzt zu helfen – zumal Ausbildung und vieles Andere mehr viel zu aufwendig sind, als dass sie der Ukraine kurzfristig helfen könnten“, sagte Pistorius. Beim Gipfel des Europarates in Reykjavik erteilte auch Scholz einer Kampfjet-Lieferung eine erneute Absage und betonte, man wolle sich darauf konzentrieren, die Fähigkeiten der Ukraine auszubauen, „sich selbst zu verteidigen“.

Kampfjets im Ukraine-Krieg: Alternativen sollen Kampfjet-Fähigkeiten ersetzen

Wallace betonte, dass es kurzfristig entscheidender sei, die Ukraine mit vergleichbaren Fähigkeiten wie denen von Kampfjets auszustatten – ohne lange Zeit Piloten ausbilden zu müssen. Das sei etwa durch die Lieferung der Marschflugkörper Storm Shadow geglückt, sagte Wallace. Auch die Effektivität der von Deutschland an die Ukraine gelieferten Luftabwehr-Systeme hob Wallace hervor.

Grundsätzlich haben einige europäische Staaten, darunter auch Großbritannien und Frankreich, derweil angekündigt, ukrainische Piloten an westlichen Kampfjets auszubilden. Dabei gehe es jedoch um eine langfristige Befähigung, betonte etwa Wallace, was bedeute, dass die geplante Pilotenausbildung womöglich erst nach Ende des Ukraine-Kriegs relevant werden könnte. (saka mit dpa/AFP)

Rubriklistenbild: © Kay Nietfeld/dpa

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