Foreign Policy

Kehrtwende der Mullahs: Der Iran setzt auf einmal auch auf Trump

  • schließen

Die Hintergründe für Irans überraschende Kehrtwende in Bezug auf ein neues Atomabkommen sind nachvollziehbar. Das Teheraner Regime möchte einen Krieg vermeiden.

  • US-Sanktionen haben Iran in den letzten zwei Jahrzehnten Hunderte Milliarden Dollar gekostet und seine Bank-, Transport- und Exportsektoren verwüstet.
  • Ein Abkommen mit Trump könnte für das isolierte Iran weitere Entspannung und Aufschwung bringen.
  • Die Gespräche mit den USA werden vom obersten iranischen Führer, Ayatollah Ali Khamenei, navigiert. Das birgt Gefahren.
  • Dieser Artikel liegt erstmals in deutscher Sprache vor – zuerst veröffentlicht hatte ihn am 14. Mai 2025 das Magazin Foreign Policy.

Seit Mitte April hat die Diplomatie zwischen Teheran und Washington an Fahrt aufgenommen. Nach siebenjähriger Pause vollzog Irans Oberster Führer, Ayatollah Ali Khamenei, eine erstaunliche, wenn auch nicht völlig überraschende Wende: Er gab grünes Licht für ein neues Atomabkommen, falls US-Präsident Donald Trump Teherans grundlegende rote Linien akzeptiert. Obwohl die vierte Gesprächsrunde zwischen beiden Ländern am vergangenen Wochenende in Oman keinen offensichtlichen Durchbruch brachte, scheinen beide Seiten entschlossen, weiter zu verhandeln.

2019, als Trump den japanischen Premierminister Shinzo Abe nach Teheran schickte, um Gespräche mit dem iranischen Führer zu eröffnen, schwor Khamenei, nie mit dem US-Präsidenten zu verhandeln, den er als „diesen Mann“ bezeichnete. Reine Verweigerung ist keine Option mehr. Unter dem Druck von Sanktionen, wirtschaftlichen Turbulenzen und der Kriegsgefahr hat sich Khamenei für Diplomatie entschieden.

Trump will keine iranischen Atomwaffen erlauben

Der jüngste Schwung in den Gesprächen beruht auf einer fragilen, aber unverkennbaren Prämisse: Trump will Iran daran hindern, Atomwaffenfähigkeit zu erlangen, und Teheran besteht darauf, keine Absicht zum Bau solcher Waffen zu haben. Doch Teheran erscheint einiger und dringlicher als Washington, wo selbst der grundsätzliche Wert der Diplomatie in Trumps eigener Regierung umstritten ist. Für Irans Führung geht es um Existenzielles. Khamenei muss einen politischen Drahtseilakt vollführen: die Gespräche vorantreiben, die breite öffentliche Unterstützung genießen, und gleichzeitig eine kleine, aber lautstarke Hardliner-Fraktion managen, die den inneren Zusammenhalt des Regimes bedroht.

Dieses vom Telegram-Messaging-App-Kanal des iranischen Außenministers Abbas Araghtschi veröffentlichte Foto zeigt Außenminister Abbas Araghtschi (3.v.r) bei einem Treffen mit seinen Kollegen während der Verhandlungen mit dem US-Gesandten für den Nahen Osten, Steve Witkoff am 19. April 2025.

Für das eingefleischte antiamerikanische Lager sind Khameneis Gespräche mit Trump wie Verhandlungen mit Yazid, dem Erzschurken der schiitischen Geschichte, der im 7. Jahrhundert Imam Hussein tötete. Doch diese Stimmen bilden eine winzige Randgruppe im Vergleich zur großen Mehrheit der Iraner - von einfachen Bürgern über pragmatische Regime-Fraktionen bis zur angeschlagenen Geschäftswelt -, die Diplomatie mit Washington begrüßen. Auch wenn die Öffentlichkeit große Hoffnungen auf Gespräche zur Wiederbelebung ihres Schicksals setzt, bleibt Khameneis Grundlinie klar. Diplomatie dient in seinen Augen der Kriegsverhinderung - nicht der Reparatur der angeschlagenen iranischen Wirtschaft. Er hat wiederholt gewarnt, dass selbst ein neues Atomabkommen keine umfassende Sanktionserleichterung garantieren wird.

Gespräche zwischen Iran und USA sollen schon länger laufen

Einige Regime-Insider behaupten nun, dass Khamenei trotz seiner öffentlichen Äußerungen nie grundsätzlich gegen Diplomatie war. Ein iranischer Hardliner-Abgeordneter behauptet sogar, Teheran habe seit zwei Jahren im Stillen mit Trumps Team Kontakt gehalten, als Teil einer Strategie, sich auf jedes Szenario vorzubereiten, einschließlich möglicher Ergebnisse der US-Präsidentschaftswahl 2024.

Das gleiche kühle Kalkül scheint das Denken der Islamischen Revolutionsgarden (IRGC) zu prägen, die Irans wichtige militärische und nukleare Infrastruktur kontrollieren. Ein Abkommen mit Trump könnte die IRGC-Führung schließlich dazu bringen, die Kosten anhaltender Feindseligkeit mit den USA neu zu bewerten und eine tiefere Entspannung in Betracht zu ziehen. Doch solche Absichten bleiben unausgesprochen. Vorerst teilt die IRGC ein Kernziel mit Khamenei: Krieg vermeiden. Sie will Eskalation eindämmen, Zeit gewinnen und strategischen Spielraum bewahren. Für die IRGC stellt die Annahme von Verhandlungen keine grundlegende Änderung der Weltanschauung dar.

Um Zweifel an der Einheit des Regimes auszuräumen, hat Khameneis Büro klargestellt, dass die IRGC die von Außenminister Abbas Araghchi geführten Gespräche unterstützt - aber „voll aufmerksam“ bleibt, mit „Fingern am Abzug“, sollte die Diplomatie scheitern. In dieser Darstellung sind Diplomatie und militärische Abschreckung zwei Seiten derselben Medaille, und die IRGC steht sowohl als Wächter der iranischen roten Linien als auch als Garant dafür, dass jedes Abkommen strikt nach Teherans Bedingungen verläuft.

Foreign Policy.

Unterdessen haben Irans pragmatische und technokratische Fraktionen - in vielerlei Hinsicht das Rückgrat des Staatsapparats - Khameneis und der IRGC Unterstützung für Atomgespräche mit der Trump-Regierung offen begrüßt. Für Araghchi und Präsident Massud Peseschkian  - die neuesten Bannerträger des Pro-Engagement-Lagers - markiert dieser Moment eine kalkulierte Wende in Teherans Beziehung zu Washington.

Diese Führungspersonen erheben Khamenei bewusst zum obersten Schirmherrn der Verhandlungen. Damit verlagern sie die politische Last des Engagements auf seine Schultern und zwingen Hardliner-Kritiker, sich entweder einzureihen oder zu riskieren, sowohl Khamenei als auch die IRGC öffentlich herauszufordern. Tatsächlich wird die Ablehnung der Gespräche gleichbedeutend mit der Missachtung der Kernführung des Regimes. Der Fall von Saeed Jalili ist aufschlussreich. Als langjähriger Gegner von Zugeständnissen an Washington hat Jalili die jüngsten Gespräche öffentlich verteidigt.

Khamenei will Anschein von Distanz zu USA wahren

Peseschkian hat keinen Hehl aus seiner Präferenz für direkte Gespräche mit Washington gemacht, hat aber zugesagt, Khameneis Beharren auf der Fiktion indirekter Verhandlungen zu respektieren. Diese Scharade erlaubt es Khamenei, das Gesicht zu wahren und einen Anschein von Distanz zu den Amerikanern zu bewahren, obwohl es kein Geheimnis ist, dass Araghchi persönliche Treffen mit Trumps Iran-Gesandten Steve Witkoff abhält, wann immer iranische und US-Delegationen zusammenkommen.

Während Peseschkian möglicherweise weniger besorgt über die Optik des Engagements mit Trump ist, ist für ihn - und für Millionen Iraner - am wichtigsten, ein Abkommen zu erzielen, das US-Sanktionen aufhebt. Unterdessen wird der Druck für direkte Diplomatie stärker, aber über Stellvertreter. Wie ein prominenter Pro-Engagement-Kommentator kürzlich sagte: „Es gibt keine indirekten Verhandlungen; wir brauchen direkte Gespräche, kein Feilschen.“

Die Dringlichkeit in dieser Aussage ist kaum zu übersehen. Irans Position ist heute weit schwächer als beim letzten Atomabkommen zwischen Teheran und Washington. Irans Wirtschaft lahmt; Inflation und Arbeitslosigkeit steigen; und der Energiesektor bleibt in tiefer Krise, trotz Irans riesiger Öl- und Gasreserven, aufgrund fehlender Investitionsmittel.

Rückblick auf die ersten 100 Tage: Trump krempelt die USA um – eine Chronik

Donald Trump
Seit dem 20. Januar 2025 sitzt Donald Trump wieder im Weißen Haus. Es folgen Attacken auf Rechtsstaat, Gewaltenteilung und Menschenrechte. Wie aber kann man die Lage in den USA beschreiben? Der renommierte Faschismusforscher Jason Stanley bringt es Ende März in einem Interview mit „Zeit Online“ auf den Punkt. Auf die Frage, ob er von faschistischen Zuständen im Land sprechen würde, sagt er: „Ja, natürlich. Welche Begriffe sollen wir denn sonst verwenden?“ Faschismus sei nicht einfach nur ein Schimpfwort, sondern ein Konzept, das helfe, die Realität zu verstehen. „Und was wir jetzt sehen – das ist Faschismus.“  © Saul Loeb/AFP
Donald Trump
Gleich zum Amtsantritt demonstriert Trump Tatendrang. Schon am 20. Januar unterzeichnet er Dutzende Dekrete – mit einigen schafft er Fakten, mit anderen setzt er Zeichen. Aber vor allem demontiert er das Vermächtnis seines demokratischen Vorgängers Joe Biden.  © Jim Watson /AFP
Amtseinführung Trump
Eine seiner Anordnungen sorgt für Aufruhr: Trumps Versuch, das verfassungsmäßige Recht auf US-Staatsangehörigkeit durch Geburt zu beschränken, wird umgehend angefochten. Mehrere Gerichte blockieren Trumps Dekret. Im 14. Zusatzartikel zur Verfassung heißt es, dass Personen, die in den USA geboren werden, die Staatsbürgerschaft erhalten. Trump argumentiert, das gelte nicht, wenn die Mutter bei der Geburt widerrechtlich oder nur temporär in den USA gewesen sei. Die Frage der Rechtmäßigkeit wird wohl der Supreme Court klären müssen.  © Kenny Holston/Pool The New York Times/AP/dpa
Grenze zu Mexiko
Um die illegale Migration einzudämmen, verhängt Trump an seinem ersten Arbeitstag den nationalen Notstand an der Südgrenze zu Mexiko. Zugleich erteilt er dem Verteidigungsminister die Befugnis, das Militär zu entsenden, um diesem Notstand zu begegnen und das Heimatschutzministerium zu unterstützen. Niemand soll mehr über die Südgrenze in die USA gelangen, so das erklärte Ziel. Darüber hinaus ordnet Trump den Ausbau von Grenzbefestigungen zu Mexiko an. © Kyle Chan/AFP
Kapitol
Kurz nach Trumps Amtsantritt rückt auch der Sturm auf das Kapitol vom 6. Januar 2021 wieder ins Rampenlicht. Trump begnadigt alle Personen, die deswegen verurteilt worden sind. Es handelt sich um etwa 1500 Menschen, darunter befinden sich auch Mitglieder der rechtsradikalen „Proud Boys“ und „Oath Keepers“. Trumps Erlass zeigt auch Wirkung in Deutschland. Wenn ein Präsident 1500 verurteilte Menschen aus politischen Gründen begnadige, „dann ist das das Ende des Rechtsstaats“, schreibt Bremens Regierungschef Andreas Bovenschulte auf der Plattform X. „Es bedeutet schlicht, dass die Anhänger des Präsidenten über dem Gesetz stehen.“ © Roberto Schmidt/AFP
Elon Musk
Elon Musk gilt seit Trumps Amtsübernahme als so eine Art Schattenpräsident. Bei einer Veranstaltung zur Amtseinführung macht der Tech-Milliardär eine Geste, die viele schockiert. Während seiner Rede hält er seine rechte Hand an sein Herz – und streckt sie dann in einer schnellen Bewegung nach oben raus. Danach wiederholt er die Geste noch einmal in eine andere Richtung. „Musk hat zwei Mal den Hitlergruß gezeigt“, hält USA-Expertin Annika Brockschmidt auf Bluesky nüchtern fest. © Angela Weiss/AFP
Potomac
Kurz nach Trumps Amtsübernahme häufen sich die Flugunfälle in den USA. Die Flugaufsichtsbehörde FAA steht nach dem Rücktritt ihres Chefs am 20. Januar ohne Leitung da. Wenige Tage später kollidiert ein Passagierflugzeug über dem Potomac River in der Hauptstadt mit einem Militärhubschrauber. Alle 67 Menschen an Bord beider Maschinen kommen ums Leben. Trump schockiert danach mit einem zynischen Kommentar. Auf die Frage, ob er die Absturzstelle besuchen werde, antwortet der Präsident: „Soll ich etwa schwimmen gehen?“ © Roberte Schmidt/AFP
USAID
Anfang Februar nehmen Trump und Musk beim Umbau des Staatsapparates die Behörde für internationale Entwicklung USAID ins Visier. Musk startet einen regelrechten Feldzug gegen die Behörde, die er als „Schlangennest von linksradikalen Marxisten, die Amerika hassen“ bezeichnet. Auch Trump wettert regelmäßig gegen die Ausgaben der USA für internationale humanitäre Hilfe. © Tom Williams/Imago
Panama-Proteste
Schon in seiner Antrittsrede macht Trump klar, dass die USA während seiner zweiten Amtszeit ihr Territorium zu erweitern gedenken. So verspricht er seinen Fans, den Panamakanal zurückzuholen. Während des Besuchs von Außenminister Marco Rubio am 2. Februar protestieren Dutzende Menschen auf den Straßen von Panama-Stadt gegen die Ansprüche der US-Regierung. Die für den internationalen Handel wichtige Wasserstraße verbindet den Atlantik mit dem Pazifik. Sie wurde Anfang des 20. Jahrhunderts von den USA gebaut und wird seit 1999 ausschließlich von Panama verwaltet.  © Martin Bernetti/AFP
Pro-Kanada Demo in Ottawa
Zudem erklärt Trump ein ums andere Mal, den weltweit zweitgrößten Flächenstaat Kanada zum 51. Bundesstaat machen zu wollen. Die Menschen in Kanada reagieren entsetzt. Die Feindseligkeit gegenüber den USA wächst. Bei Sportwettkämpfen wird die US-Hymne ausgebuht, auf dem Parliament Hill in Ottawa kommt es zu Protesten. © Justin Tang/dpa
Trump Dekret
Am 5. Februar unterzeichnet Trump ein Dekret, die Transmenschen von der Teilnahme am Frauensport ausschließen soll, vor allem an öffentlichen Schulen und Hochschulen. Damit sei „der Krieg gegen den Frauensport beendet“, erklärt Trump im Weißen Haus und kritisiert wie bereits häufig zuvor die in seinen Augen „militante Transgender-Ideologie“ der „radikalen Linken“. © Andrew Harnik/AFP
Proteste USA
Doch es regt sich auch erster Protest in den USA. Anfang Februar gehen zahlreiche Menschen in den gesamten USA gegen Trump, Musk und das Kabinett auf die Straße. Die 50501-Bewegung – 50 Staaten, 50 Proteste, ein Tag – ruft zu Protesten vor den Kapitolen der einzelnen Bundesstaaten auf. © Fred Greaves/AFP
Golf von Mexiko
Am 11. Februar schließt das Weiße Haus einen Reporter von Associated Press von der Berichterstattung über eine Veranstaltung aus. Die Nachrichtenagentur wehrt sich mit einer Klage. Hintergrund des Konflikts ist die Weigerung der AP, in ihrer Berichterstattung Donald Trumps Neubezeichnung für den Golf von Mexiko zu verwenden. Die Umbenennung der Meeresbucht in „Golf von Amerika“ hat Trump per Exekutivorder verfügt. Der Name „Golf von Mexiko“ für das Randmeer des Atlantiks ist seit dem 16. Jahrhundert gebräuchlich. © Roberte Schmidt/AFP
Trump
Dann greift Trump nach der Kultur: Ihm unliebsame Shows mit Dragqueens soll es im Kennedy-Center nicht mehr geben. Deshalb macht er sich dort selbst zum Boss. In der Geschichte des 1971 eröffneten Zentrums ist das Eingreifen Trumps (hier in der Präsidentenloge zu sehen) ein noch nie dagewesener Vorgang. Im März werden US-Vize JD Vance und seine Ehefrau Usha beim Besuch eines Konzertes ausgebuht. © Jim Watson/AFP
Robert kennedy
Am 13. Februar bestätigt der Senat Robert F. Kennedy Jr. als 26. US-Gesundheitsminister. In den Jahren zuvor hat der Neffe des einstigen US-Präsidenten John F. Kennedy vielfach Zweifel an Impfungen gestreut, Verschwörungsmythen verbreitet und mit schrillen Wortmeldungen von sich reden gemacht. Im März steigt im Süden der USA die Zahl der Masernerkrankungen. Bis auf wenige Ausnahmen waren alle Erkrankten nicht geimpft. Kennedy verweist auf Vitamin A und Lebertran als Heilmittel.  © Win McNamee/dpa
Brown Hegseth
Trump macht auch vor dem Militär nicht halt. Ende Februar feuert er den Generalstabschef der US-Streitkräfte. Charles Q. Brown (links) war erst der zweite Afroamerikaner auf dem Spitzenposten. Trumps Verteidigungsminister Pete Hegseth (rechts) hatte schon kurz nach der eigenen Nominierung davon gesprochen, dass Brown aus seiner Sicht entlassen gehöre – wegen dessen Fokus auf Diversität, Gleichbehandlung und Inklusionsthemen im US-Militär. © Saul Loeb/AFP
Trump Selenskyj Vance
Am 28. Februar kommt es im Oval Office zum Eklat: Ein Gespräch zwischen Trump und dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj, an dem auch JD Vance teilnimmt, läuft völlig aus dem Ruder. Nach einem beispiellosen Streit vor laufenden Kameras wird das Treffen vorzeitig abgebrochen. Eine gemeinsame Pressekonferenz fällt ins Wasser.  © Jim LoScalzo/Imago
US-Präsident Donald Trump (Mitte) gibt dem Leiter der Bundesgerichte und Vorsitzenden des Obersten Gerichtshofs der Vereinigten Staaten, John Roberts (rechts), die Hand.
Vor allem die Justiz stellt sich den Plänen der US-Regierung entgegen. Deshalb fordert Trump immer wieder, missliebige Richter und Richterinnen einfach abzusetzen. Daraufhin schaltet sich auch der Oberste US-Richter ein. „Seit mehr als zwei Jahrhunderten steht fest, dass ein Amtsenthebungsverfahren keine angemessene Reaktion auf eine Meinungsverschiedenheit über eine gerichtliche Entscheidung ist“, erklärt John Roberts (rechts).  © Win McNamee/imago/Archivbild
US-Heimatschutzministerin Noem besucht Gefängnis in El Salvador
Hintergrund ist ein Streit zwischen den Gerichten und Trump über die Abschiebung mehrerer Hundert mutmaßlicher Mitglieder eines venezolanischen Verbrecherkartells nach El Salvador unter Berufung auf ein Gesetz von 1798. Der Konflikt über die Abschiebungen könnte sich zu einer Verfassungskrise entwickeln. Bei einem Besuch vor Ort droht die Heimatschutzministerin Kristi Noem später allen, die illegal in die USA einreisen und Straftaten begehen, mit einer Unterbringung im Hochsicherheitsgefängnis Cecot.  © Alex Brandon/dpa
Trump vor US-Kongress
Und was machen eigentlich die oppositionellen Demokraten? Sie geben weitgehend ein trauriges Bild ab. Parteistratege James Carville plädiert in der NY Times sogar dafür, sich erst einmal tot zu stellen. Die meisten tun das auch. Al Green sieht das anders. Der 77-Jährige unterbricht Trump bei dessen Rede vor dem Kongress am 4. März mit lauten Zwischenrufen. Deswegen wird der Abgeordnete aus Texas aus dem Saal geführt. Hinterher rügt das Repräsentantenhaus Green wegen seines Protests – auch zehn Parteikollegen stimmen dafür. © Win McNamee/dpa
Schumer
Wenige Tage später kommt es bei der Abstimmung über den Haushalt zum offenen Bruch. Im Raum steht die Frage, ob die Demokraten das Finanzierungsgesetz der Republikaner mittragen oder aus Protest einen Shutdown in Kauf nehmen. Während die Demokraten im Repräsentantenhaus fast geschlossen gegen den Haushalt stimmen, legt Chuck Schumer, der Minderheitsführer der Demokraten im Senat, eine Kehrtwende hin und sorgt dafür, dass der Haushalt mit den Stimmen seiner Partei die Parlamentskammer passierte. Noch Ende Januar hatte Schumer eine drastische Ausgabensperre als „verfassungswidrig“ sowie „gefährlich, zerstörerisch, grausam“ bezeichnet. Jetzt sagt er, kämpfen lohne sich hier nicht, der Preis dafür sei zu hoch.  © Annabelle Gordon/Imago
Alexandria Ocasio-Cortez ''AOC'' und Bernie Sanders
Doch es geht auch anders. Das beweist mal wieder der unabhängige Senator Bernie Sanders, der mit seiner „Kampf gegen die Oligarchie-Tour“ Tausende Linke im Land bei seinen Auftritten um sich schart. Man müsse blind sein, um nicht zu sehen, dass es heute in den USA eine Regierung der Milliardäre, gesteuert von Milliardären und gemacht für Milliardäre gebe, sagt er dem Sender NPR. Der 83-Jährige ist nicht allein: Mehrfach zeigt sich die Abgeordnete Alexandria Ocasio-Cortez an seiner Seite. Die 35-Jährige ist die prominenteste Vertreterin des linken Flügels der Demokraten. © Gage Skidmore/Imago
Einwanderungsbeamte verhaften palästinensischen Aktivisten
Die Columbia-Universität ist das Epizentrum der propalästinensischen Gaza-Proteste in den USA. Für großes Aufsehen sorgt seit dem 8. März der Fall des palästinensischen Studenten Machmud Chalil. Die US-Regierung wirft dem an jenem Tag verhafteten Absolventen der New Yorker Universität unter anderem vor, auf dem Campus Flugblätter mit Hamas-Logo verteilt zu haben, und will ihn abschieben. Dabei besitzt der mit einer Amerikanerin verheiratete Student seiner Anwältin zufolge eine Greencard und damit eine unbegrenzte Aufenthaltsgenehmigung in den USA. © Yuki Iwamura/dpa
Migration in den USA - Studentin inhaftiert
Ebenfalls im März erschüttern die verstörenden Bilder einer Überwachungskamera die USA. An der Tufts Universität bei Boston wird eine türkische Doktorandin auf dem Weg zum Fastenbrechen auf offener Straße in der Nähe ihres Apartments von zivil gekleideten Beamten des Heimatschutzministeriums gestoppt und festgenommen. Die Behörden werfen ihr Unterstützung der Hamas vor. Ihr droht die Abschiebung. © dpa
US-Vizepräsident Vance besucht Grönland
Die Expansionspolitik Trumps betrifft auch Grönland. Schon Anfang Janaur schließt er wirtschaftlichen Zwang und militärische Gewalt nicht aus, um sich die größte Insel der Erde einzuverleiben. Ende März erhöht Vize Vance noch einmal den Druck. Bei einem Besuch mit seiner Ehefrau Usha macht er Dänemark schwere Vorwürfe. „Wenn der Präsident sagt, dass wir Grönland haben müssen, dann sagt er damit, dass diese Insel nicht sicher ist“, erklärt Vance. © Jim Watson/dpa
Polarlichter in Alaska
Trump hat auch Alaska im Blick – nicht aber wegen der Polarlichter. Vielmehr will er dafür sorgen, dass die USA noch mehr Öl und Gas fördern. Schon im Wahlkampf hatte er das Motto „Drill, baby, drill“ ausgegeben. Zudem will er die USA wieder aus dem Pariser Klimaschutzabkommen führen. © Hasan Akbas/dpa
Smithsonian
Trump will auch die Geschichte der USA per Dekret umdeuten lassen. Ende März beauftragt er JD Vance deshalb damit, vor allem in Museen auf Darstellungen im Sinne der neuen Regierung hinzuarbeiten. Als Beispiel nennt Trump die berühmte Smithsonian Institution, die vor allem in der Hauptstadt etliche Museen betreibt. Das Smithsonian sei unter den Einfluss einer spalterischen, auf ethnische Zugehörigkeit ausgerichteten Ideologie geraten, kritisiert Trump.  © Kevin Dietsch/AFP
US-Präsident Trump
US-Präsidenten dürfen laut Verfassung maximal zwei Amtsperioden regieren. Trump sinniert inzwischen öffentlich darüber nach, wie die Regel zu umgehen sei. Auch die oppositionellen Demokraten fürchten, der Republikaner könne versuchen, die Verfassung anders auszulegen, um länger an der Macht zu bleiben. Die juristische Fachwelt hat ebenfalls schon Theorien durchgespielt, wie Trump das versuchen könnte. © dpa
Tesla "Cybertruck"
Unterdessen gehen in den USA immer wieder Tesla-Autos in Flammen auf – aus Protest gegen Firmenchef und Trump-Intimus Elon Musk, der ohne jegliches politisches Mandat einen Kahlschlag im US-amerikanischen Staatsapparat durchsetzt. Bei einem Auftritt im Weißen Haus beklagt sich Trump über „brennende Verkaufsräume“ und Tesla-Autos, „die überall brennen, explodieren“.  © Lindsey Wasson/dpa
Musk Wisconsin
Grund für die Aufregung ist der enorme Einfluss von Elon Musk. Ein Beispiel: Vor der Justizwahl im US-Bundesstaat Wisconsin überreicht der Tech-Milliardär zwei Millionenschecks an Personen, die seinen Angaben zufolge eine Petition gegen „aktivistische Richter“ unterzeichnet haben. Die Demokraten prangern Musks Geldgeschenke als illegalen Stimmenkauf an. Am Ende muss Musk das Geld abschreiben: Der konservative Kandidat Brad Schimel verliert gegen die linksliberale Richterin Susan Crawford. © Robin Legrand/AFP
US-Präsident Trump
Den 2. April erklärt Trump zum „Tag der Befreiung“: Im berühmten Rosengarten des Weißen Hauses kündigt er neue US-Zölle für Handelspartner aus aller Welt an. Die härtesten Strafzölle treffen ein französisches Überseegebiet – die Inselgruppe Saint-Pierre und Miquelon – und den afrikanischen Kleinstaat Lesotho, über den Trump kurz vorher noch gescherzt hatte, niemand habe von dem je gehört. Das Zollpaket ist der bisher aggressivste Baustein seiner rabiaten Handelspolitik. Trump sieht bereits ein „goldenes Zeitalter“ der USA aufziehen – aber sein folgenreicher Schritt dürfte auch US-Verbraucher hart treffen. © Mark Schiefelbein/dpa
US-Präsident Trump
Fünf Millionen Dollar für ein unbegrenztes Aufenthaltsrecht in den USA – diese Pläne einer „Gold Card“ stellt Trump bereits im Februar vor. Anfang April präsentiert er dann seine erste goldene Karte, die er auch als „Trump Card“ bezeichnet. In den USA ist es bereits möglich, im Gegenzug für Investitionen im Land eine sogenannte Green Card zu erhalten – also eine dauerhafte Aufenthaltserlaubnis. Die neue Karte zielt auf wohlhabende Menschen ab. Als mögliche Nutznießer des Programms sieht Trump auch russische Oligarchen.  © dpa
US-Präsident Trump
In den USA fungiert der Präsident als Oberbefehlshaber der Streitkräfte. Doch Trump zeigt in der Regel nur wenig Interesse an seinen Soldaten. So lässt er sich am 4. April bei einer Militärzeremonie in Delaware von seinem Verteidigungsminister Pete Hegseth vertreten. Anstatt der Rückführung der sterblichen Überreste von vier US-Soldaten beizuwohnen, die im März bei einer Übung in Litauen ihr Leben verloren haben, verbringt Trump seine Zeit lieber in Florida. © Alex Brandon/dpa
Anti-Trump-Proteste
Zehn Wochen nach Trumps Amtsantritt kommt es in zahlreichen Städten in den USA zu lautstarken Protesten. Auf Plakaten fordern sie unter anderem, die Verfassung zu verteidigen, Trump des Amtes zu entheben und das Sozialsystem nicht anzutasten. Auf anderen Schildern steht: „Nicht mein Präsident!“, „Schande über Trump“ und „Der Faschismus ist da“.  © Jim Ruymen/Imago
Pete Hegseth besucht Pearl Harbor
US-Verteidigungsminister Pete Hegseth (hier mit Admiral Sam Paparo) ist alles, was mit Diversität, Gleichberechtigung und Inklusion (DEI) zu tun hat, ein Dorn im Auge. Um den DEI-Richtlinien der Trump-Regierung zu entsprechen, hat die U.S. Naval Academy 381 Bücher aus ihrer Bibliothek entfernt. Darunter ist auch Maya Angelous berühmte Autobiografie „I Know Why the Caged Bird Sings” („Ich weiß, warum der gefangene Vogel singt“). Zudem wurden viele Bücher zu Themen wie Feminismus, Rassismus oder dem Holocaust verbannt. Ein anderes Buch steht dagegen noch immer in den Regalen: „Mein Kampf“. © Imago
trump und Rubio
Am 11. April sorgt wieder das von Marco Rubio (links) geleitete US-Außenministerium für Aufregung – diesmal aber im Inland. Die Angestellten werden angewiesen, über Kolleginnen und Kollegen zu berichten, die sich „anti-christlich“ benehmen und „Voreingenommenheit“ gegenüber der Religion zeigen. „Politico“ zitiert einen Beamten, der sich an den dystopischen Roman „Der Report der Magd“ von Margaret Atwood über totalitäre Gesellschaften erinnert fühlt.  © Brendan Smialowski/AFP
2025 Coachella Valley Music and Arts Festival in Kalifornien
Auf seinem selbsterklärten Kampfzug gegen die „Oligarchie“ in den USA begeistert Bernie Sanders auch am 12. April mit einem Überraschungsauftritt beim Coachella-Musikfestival in der kalifornischen Wüste das überwiegend junge Publikum. Kurz nach dem letzten Song der britischen Sängerin Charli XCX bringt er mit seiner Botschaft gegen Politikverdrossenheit die Leute zum Jubeln. „Dieses Land steht vor großen Herausforderungen und von eurer Generation hängt ab, was mit Amerika passiert“, sagt Sanders. © Amy Harris/dpa
Kilmar Ábrego García Proteste
Unter Trump schieben die USA immer wieder mutmaßliche Bandenmitglieder nach El Salvador ab. Einige der Männer haben nach Angaben ihrer Anwälte aber nie ein Verbrechen begangen. Für Aufsehen sorgt besonders die irrtümliche Abschiebung des salvadorianischen Einwanderers Kilmar Ábrego García, der mit einer US-Bürgerin verheiratet ist. Der Oberste Gerichtshof der USA weist die Trump-Regierung im April offiziell an, sich für seine Freilassung aus dem Gefängnis in El Salvador und für seine Rückkehr in die USA einzusetzen. Trump interessiert das nicht. Konkrete Maßnahmen zur Rückholung bleiben aus. © Alex Wong/AFP
Trump Bukele
Später zelebrieren Trump und El Salvadors Staatschef Nayib Bukele im Weißen Haus sogar ihre enge Zusammenarbeit bei der Abschiebepolitik. Bukele stellt nüchtern fest, dass er Ábrego García nicht zurück in die USA schicken werde. Und Trump? Der liebäugelt erneut mit der Idee, auch US-Straftäter in El Salvador einsperren zu lassen. US-Historiker Timothy Snyder nennt es hinterher beim Namen: In einem Substack-Beitrag spricht er von „beginnendem Staatsterror“.  © Brendan Smialowski/AFP
Universität Harvard
Auch die Eliteuniversität Harvard gerät in Trumps Visier. Seine Regierung legt Milliardenzuschüsse auf Eis. Trump begründet sein Vorgehen mit einer verfehlten „Ideologie“ der Uni und angeblichem Antisemitismus. Der frühere US-Präsident Barack Obama, der selbst an der Uni studiert hat, hält dagegen: „Harvard hat ein Beispiel für andere Hochschulen gesetzt, indem es einen ungesetzlichen und unbeholfenen Versuch zurückgewiesen hat, die akademische Freiheit zu unterdrücken“, schreibt Obama auf der Plattform X. Er hoffe, dass andere Institutionen folgten. © Charles Krupa/dpa
Als Papst Franziskus im Alter von 88 Jahren im Vatikan starb, war die Trauer groß. US-Präsident Donald Trump nahm an der Beisetzung des Heiligen Vaters teil: er in blau – ohne rote Krawatte. Melania ganz in Schwarz. Vor dessen Tod befand sich Trump im offenen Widerspruch mit dem Papst: Franziskus hatte Trumps Migrationspolitik offen kritisiert. Seine Massenabschiebung „würde viele Männer und Frauen und ganze Familien“ verletzen.
Als Papst Franziskus im Alter von 88 Jahren im Vatikan starb, war die Trauer groß. US-Präsident Donald Trump nahm an der Beisetzung des Heiligen Vaters teil: er in blau – ohne rote Krawatte. Melania ganz in Schwarz. Vor dessen Tod befand sich Trump im offenen Widerspruch mit dem Papst: Franziskus hatte Trumps Migrationspolitik offen kritisiert. Seine Massenabschiebung „würde viele Männer und Frauen und ganze Familien“ verletzen.  © IMAGO / NurPhoto

Gespräche könnten Hamas, Hisbollah und Huthis schwächen

Gleichzeitig wurde Teherans regionales Stellvertreternetzwerk geschwächt. Hamas, Hisbollah und sogar die Huthis sind alle geschwächt, und das Assad-Regime in Syrien ist weg. Im größeren Kontext ist die Bedrohung noch klarer: Israelisch-amerikanische Militärschläge sind eine reale Möglichkeit, während Russland und China, Irans enge Partner, zögern, Teheran im Kriegsfall zu Hilfe zu kommen.

Verstärkt wird der Druck durch Umfragen, die zeigen, dass eine große Mehrheit der Iraner - über 80 Prozent - Verhandlungen mit den USA unterstützt, und selbst leicht positive Signale der Verhandlungsteams nach jeder Runde haben den angeschlagenen iranischen Rial gestärkt. Wie ein ehemaliger iranischer Atomunterhändler es ausdrückte: „Zwei Stunden positive Iran-USA-Gespräche steigerten den Wert der iranischen Währung um fast 20 Prozent - ein Ergebnis, das die Zentralbank nicht einmal durch die Injektion von Hunderten Millionen Dollar in den Markt hätte erzielen können.“

Irans eingefrorene Gelder könnten bei Einigung freigegeben werden

Tatsächlich ist ein Teil der Euphorie um die Gespräche eindeutig verfrüht. Einige Pro-Diplomatie-Ökonomen prognostizieren, dass Irans wirtschaftliche Probleme innerhalb von drei bis vier Jahren gelöst werden könnten, wobei sich globale Märkte wieder öffnen und finanzielle Engpässe nachlassen, sobald ein neues Atomabkommen unterzeichnet ist. Es stimmt, dass US-Sanktionen Iran in den letzten zwei Jahrzehnten Hunderte Milliarden Dollar gekostet und seine Bank-, Transport- und Exportsektoren verwüstet haben. Ein Abkommen könnte mindestens Milliarden Dollar an eingefrorenen Vermögenswerten in Katar, Irak, Türkei und Italien freigeben. Doch für Khamenei ist solcher Optimismus ein zweischneidiges Schwert: Er riskiert, die öffentlichen Erwartungen zu einer Zeit aufzublähen, in der Sanktionen nur ein Teil des tieferen Malaises sind, das Irans Wirtschaft plagt.

Khamenei muss nicht nur die Erwartungen und Narrative des Pro-Diplomatie-Lagers managen, sondern auch sorgfältig die Haltung der Hardliner-Kritiker formen, die jedes Abkommen mit den Amerikanern ablehnen. Diese Fraktion ist klein, aber laut und oft rücksichtslos in Worten und Taten. Einige Figuren aus diesem Lager haben bereits protestiert, dass Teheran statt mit Trump zu verhandeln, ihn für die Anordnung der Ermordung des Quds-Force-Führers Qassem Suleimani 2020 bestrafen sollte.

Khamenei will „sinnlose Proteste“ im Iran vermeiden

Khamenei hat die verhandlungsfeindlichen Hardliner öffentlich gewarnt, ihr Feuer zurückzuhalten - ihre Worte zu zügeln, rücksichtslose Aktionen zu vermeiden und das Ergebnis der Gespräche mit den Amerikanern abzuwarten. „Sinnlose Proteste, Ungeduld oder fehlerhafte Analysen können verheerende Folgen haben“, mahnte er in einer Rede am 25. April. Seine Botschaft richtete sich an eine kleine, aber lautstarke Hardliner-Fraktion, die über das, was sie als übermäßige Zugeständnisse im In- und Ausland sieht, verärgert ist: die effektive Aussetzung der Verschleierungspflicht, die Absage eines geplanten Angriffs auf Israel als Vergeltung für dessen Angriff auf Iran im Oktober 2024 und nun das Engagement mit Trumps Weißem Haus.

Tatsächlich hat Araghchi, Khameneis handverlesener Gesandter für Verhandlungen mit Trump, den ungewöhnlichen Schritt unternommen, sich in die US-Politik einzumischen, um sich bei Trump einzuschmeicheln. Araghchi hat nicht nur über Trump als weisen Anti-Kriegs-Führer gesprochen, sondern sogar Anti-Biden-Botschaften getwittert, die auf Trumps Verachtung für seinen Vorgänger zugeschnitten sind. Bisher haben die Hardliner in Teheran es nicht gewagt, Araghchis Annäherungsversuche an Trump zu kritisieren - Gesten, die, wären sie von seinem berühmten Vorgänger Mohammad Javad Zarif gekommen, ihn in tiefste Schwierigkeiten gebracht hätten.

Iran heute geschwächter als bei Gesprächen 2015

Der Iran im Jahr 2025 befindet sich an einem ganz anderen Punkt als 2015. Die anti-amerikanischen Hardliner wissen, dass sie zumindest vorerst schweigen und den Ausgang der Gespräche abwarten müssen. Es gibt keine Anzeichen dafür, dass sie beabsichtigen, Khamenei zu trotzen, solange die Verhandlungen andauern. Vorerst kalkulieren sie, dass das politische System - das sich seit 1979 auf sie verlassen hat - trotz ihrer Frustrationen zögern wird, sie beiseite zu schieben.

Aber sie wissen auch, dass ihnen kaum noch Boden bleibt. Wie ein ehemaliges Mitglied ihres eigenen Lagers zugab, sollte Iran bis 2025 die dominierende Wirtschafts- und Militärmacht der Region gewesen sein. „Stattdessen“, sagte er, „sind die Bedingungen sowohl wirtschaftlich als auch sozial katastrophal.“ Das Pro-Diplomatie-Lager wird die Hardliner weiterhin als ideologische Dinosaurier darstellen, entweder hoffnungslos realitätsfern oder von Sanktionen profitierend.

Wie der ehemalige Präsident Hassan Rouhani es ausdrückte, ist Verhandlung keine Kapitulation - und das Regime muss in Gesprächen mit Trump nationales Interesse über Fraktionsrivalitäten stellen. Aber Rouhani weiß wie alle anderen, dass die wahre Macht bei Khamenei und der IRGC liegt. Sie mögen hoffen, dass die Gespräche Früchte tragen, haben aber auch feste rote Linien, während sie die Diplomatie mit dem Weißen Haus unter Trump navigieren. Im Inland werden weder die Euphorie des Pro-Diplomatie-Lagers noch der reaktionäre Trotz der Hardliner wahrscheinlich den Verlauf der Gespräche bestimmen - zumindest nicht, wenn Khamenei und die IRGC etwas dazu zu sagen haben.

Zum Autor

Alex Vatanka ist Direktor des Iran-Programms am Middle East Institute. Sein jüngstes Buch ist „The Battle of the Ayatollahs in Iran: The United States, Foreign Policy, and Political Rivalry Since 1979“. X: @AlexVatanka

Wir testen zurzeit maschinelle Übersetzungen. Dieser Artikel wurde aus dem Englischen automatisiert ins Deutsche übersetzt.

Dieser Artikel war zuerst am 14. Mai 2025 in englischer Sprache im Magazin „ForeignPolicy.com“ erschienen – im Zuge einer Kooperation steht er nun in Übersetzung auch den Lesern der IPPEN.MEDIA-Portale zur Verfügung.

Rubriklistenbild: © dpa

Kommentare