Bluterguss und eine Prellungen

Nawalny ist tot: Sanitäter berichtet von ungewöhnlichem Vorgang und blauen Flecken

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Alexej Nawalnys Leiche soll sich laut einem Medienbericht in einem Krankenhaus in Salechard befinden. Nach Aussagen eines Sanitäters sei dies ungewöhnlich.

Update vom 21. Februar, 15.50 Uhr: Zu den Umständen von Alexej Nawalnys Tod im russischen Straflager kursiert eine neue These: Der Putin-Kritiker Wladimir Osetschkin spekuliert über eine „alte Methode von KGB-Spezialeinheiten“. Sie beinhaltet Kälte-Folter und eine Geheimdiensttechnik. Dafür könnten dem Menschenrechtsaktivisten zufolge die blauen Flecken am Körper Nawalnys sprechen.

Update vom 19. Februar, 21.25 Uhr: Die Leiche des in Haft ums Leben gekommenen Kremlkritikers Alexej Nawalny wollen russische Behörden noch mindestens 14 Tage unter Verschluss halten, heißt es nach Angaben von seinem Team. „Die Ermittler haben den Anwälten und der Mutter von Alexej gesagt, dass sie die Leiche nicht herausgeben“, so Nawalnys Sprecherin Kira Jarmysch am Montag via X (ehemals Twitter).

Am Toten sollen noch „chemische Untersuchungen“ vorgenommen werden, wird in diesem Kontext als Grund für das Vorgehen der russischen Behörden genannt. Der 47-jährige Nawalny war nach russischen Behördenangaben am Freitag bei einem Hofgang in seinem sibirischen Straflager bei eisigen Temperaturen zusammengebrochen. Wiederbelebungsversuche waren nach Angaben des Strafvollzugs erfolglos.

Menschenrechtler werfen derweil dem russischen Machtapparat Mord vor. Nawalnys Ehefrau Julia machte explizit Kremlchef Wladimir Putin für die Tötung verantwortlich – und wartete am Montag mit einer emotionalen Videobotschaft auf.

Update vom 19. Februar, 17.05 Uhr: Nach dem Tod von Kreml-Kritiker Alexej Nawalny hat Deutschland zur Aufklärung der genauen Umstände aufgerufen. Das wird von Russland nun als Einmischung in die inneren Angelegenheiten zurückgewiesen.

„Deutsche Vertreter wurden darauf hingewiesen, dass es sich bei dieser Situation um eine ausschließlich innere Angelegenheit der russischen Seite handelt, die, wie schon erklärt wurde, eine in solchen Fällen ordnungsgemäße professionelle Ermittlung durchführen wird“, schrieb die russische Botschaft in Berlin am Montag via Telegram.

Gedenken an den verstorbenen Kremlgegner Alexej Nawalny. Seine Leiche soll in das sibirische Salechard gebracht worden sein.

Zudem bestätigte die Behörde, dass Botschafter Sergej Netschajew ins deutsche Außenministerium einbestellt wurde. Im Rahmen dieses Treffens soll er die russische Sichtweise des Falls dargelegt haben. Die Botschaft behauptete dabei, dass der Westen den Tod des Oppositionspolitikers ausnutze, um antirussische Stimmungen zu schüren.

Erstmeldung vom 18. Februar: Salechard – Viele trauern um den am Freitag (16. Februar) verstorbenen russischen Regierungskritiker Alexej Nawalny. Vor wenigen Wochen wurde er in das Straflager in Charp im Norden Russlands verlegt. Der Oppositionspolitiker ist in der Polarregion gestorben, wie Nawalnys Team mittlerweile bestätigte. Nawalnys Angehörige sollen immer noch keinen Zugang zu seinen Leichnamen bekommen haben. Laut einem Medienbericht soll sich sein Körper in ein Bezirkskrankenhaus im nordsibirischen Salechard befinden. Zudem soll der Leichnam Blutergüsse und Prellungen aufweisen.

Tod von Alexej Nawalny: Leiche soll im Krankenhaus sein – Sanitäter berichtet von Prellungen

Der Leichnam Nawalnys soll nach seinem Tod in die Stadt Labytnangi gebracht worden sein, wie eine Quelle dem kremlkritischen Portal Nowaja Gaseta Europa gesagt haben soll. Später am Abend soll Nawalnys Körper in das Bezirkskrankenhaus Salechard überliefert worden sein. Allerdings konnte Nawalnys Mutter und ein Anwalt den Leichnam des Kremlkritikers im Leichenschauhaus Salechard nicht finden.

Gedenken an den verstorbenen Kremlgegner Alexej Nawalny. Seine Leiche soll in das sibirische Salechard gebracht worden sein.

Ein Sanitäter berichtete der Zeitung, dass die Überbringung von im Straflager verstorbenen Menschen in das Bezirkskrankenhaus ein ungewöhnlicher Vorgang sei. Die Toten aus der Strafkolonie würden in der Regel sofort in das Büro für gerichtsmedizinische Untersuchungen gebracht werden.

Alexej Nawalny ist tot: Obduktion des Leichnams steht weiterhin aus

„Sie brachten ihn in die Leichenhalle“, erzählte der Sanitäter. Vor der Halle sollen zwei Polizisten Wache gehalten haben. Eine Obduktion soll laut dem Bericht der Nowaja Gazeta Europa bis Samstag (17. Februar) nicht stattgefunden haben. „Einige sagten, sie hätten eine Anweisung aus Moskau erhalten, auf Spezialisten aus der Hauptstadt zu warten, während andere behaupteten, die Ärzte selbst hätten sich geweigert, eine Autopsie durchzuführen“, erzählte der Mitarbeiter des Rettungsdienstes der Zeitung.

Alexej Nawalny ist tot: Protest, Anschläge, Gefängnis – sein Leben in Bildern

Wahlen 2012 in Russland: Nawalny protestiert gemeinsam mit Schach-Großmeister Garry Kasparow (l.) für faire Wahlen in Russland – am Ende gewann Wladimir Putin.
Wahlen 2012 in Russland: Nawalny protestiert gemeinsam mit Schach-Großmeister Garri Kasparow (l.) für faire Wahlen in Russland – am Ende gewann Wladimir Putin. © Anatoly Maltsev / dpa
Nawalny – damals bereits sozusagen der Superstar der Protestbewegung in Russland – mit seiner Ehefrau Julija, vor Gericht. Nach seinen Protesten kam er damals vorerst frei.
Nawalny – damals bereits sozusagen der Superstar der Protestbewegung in Russland – mit seiner Ehefrau Julija, vor Gericht. Nach seinen Protesten kam er damals vorerst frei. © Valentina Svistunova / dpa
Kreml-Kritiker Nawalny 2017 nach einer Farbattacke vor seinem Büro.
Kreml-Kritiker Nawalny 2017 nach einer Farbattacke vor seinem Büro. © Evgeny Feldman / dpa
2017 rief Nawalny im ganzen Land zu Protesten gegen Korruption in Russland auf – und wurde zu 15 Tagen Arrest verurteilt.
2017 rief Nawalny im ganzen Land zu Protesten gegen Korruption in Russland auf – und wurde zu 15 Tagen Arrest verurteilt.  © Str/AP/dpa | Str
2015 wird der Oppositionsführer Boris Nemzow in Russland auf offener Straße erschossen. Nawalny beteiligt sich an den Protesten – und wird immer mehr zum neuen Gesicht der Opposition.
2015 wird der Oppositionsführer Boris Nemzow in Russland auf offener Straße erschossen. Nawalny beteiligt sich an den Protesten – hier bei einer Gedenk-Demo 2018 – und wird immer mehr zum neuen Gesicht der Opposition. © Alexander Zemlianichenko / dpa
2018 plante Nawalny, als Kandidat bei der Präsidentschaftswahl gegen Wladimir Putin anzutreten. Allerdings beschloss ein Gericht vorab seinen Ausschluss von den Wahlen.
2018 plante Nawalny, als Kandidat bei der Präsidentschaftswahl gegen Wladimir Putin anzutreten. Allerdings beschloss ein Gericht vorab seinen Ausschluss von den Wahlen. © Evgeny Feldman / dpa
Nawalny vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte im Jahr 2018. Dort war Russland zuvor wegen Festnahmen des Kreml-Kritikers verurteilt worden.
Nawalny vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte im Jahr 2018. Dort war Russland zuvor wegen Festnahmen des Kreml-Kritikers verurteilt worden. © Jean-Francois Badias / dpa
Familie Nawalny: Der russische Oppositionsführer Alexej Nawalny (M), seine Frau Julija (r), seine Tochter Daria (l) und sein Sohn Sachar stehen nach der Stimmabgabe bei einer Stadtratswahl im Jahr 2019 zusammen.
Familie Nawalny: Der russische Oppositionsführer Alexej Nawalny (M), seine Frau Julija (r), seine Tochter Daria (l) und sein Sohn Sachar stehen nach der Stimmabgabe bei einer Stadtratswahl im Jahr 2019 zusammen. © Andrew Lubimov / dpa
September 2020: Nach einer Nowitschok-Vergiftung wird Nawalny in der Berliner Charité behandelt.
September 2020: Nach einer Nowitschok-Vergiftung wird Nawalny in der Berliner Charité behandelt. © Daria Nawalny / dpa
Nach seiner Genesung und Rückkehr aus Deutschland wurde Nawalny in Russland festgenommen – hier zeigt er in Handschellen das „Victory“-Zeichen, begleitet von einer Polizei-Eskorte.
Nach seiner Genesung und Rückkehr aus Deutschland wurde Nawalny in Russland festgenommen – hier zeigt er in Handschellen das „Victory“-Zeichen, begleitet von einer Polizei-Eskorte. © Sergei Bobylev / dpa
Ein großes Portrait von Alexej Nawalny mitten in St. Petersburg. Nach nur wenigen Minuten ließ man es wieder überstreichen.
Ein großes Portrait von Alexej Nawalny mitten in St. Petersburg. Nach nur wenigen Minuten ließ man es wieder überstreichen. © Alexander Demianchuk / Imago
Alexej Nawalny (r) und seine Anwälte im Moskauer Stadtgericht 2021 – ihm droht eine lange Haftstrafe.
Alexej Nawalny (r) und seine Anwälte im Moskauer Stadtgericht 2021 – ihm droht eine lange Haftstrafe. © Moscow City Court Press Service / dpa
Alexej Nawalny Anfang des Jahres 2022 hinter Gittern bei einer Anhörung bezüglich Beschwerden zu seiner Unterbringung während der 3,5-jährigen Haftstrafe.
Alexej Nawalny Anfang des Jahres 2022 hinter Gittern bei einer Anhörung bezüglich Beschwerden zu seiner Unterbringung während der 3,5-jährigen Haftstrafe. © Anna Ustinova / Imago
Kurzer Glücksmoment in schweren Zeiten: Nawalny und Ehefrau Julija Arm in Arm rund um eine weitere Anhörung des Kreml-Kritikers vor Gericht im Februar 2022.
Kurzer Glücksmoment in schweren Zeiten: Nawalny und Ehefrau Julija Arm in Arm rund um eine weitere Anhörung des Kreml-Kritikers vor Gericht im März 2022. Wegen angeblicher Veruntreuung von Spendengeldern wurden 13 weitere Jahre Haft gefordert. © Sergei Fadeichev / Imago / ITAR-TASS
Bilder wie dieses aus dem Mai 2022 von einer weiteren Anhörung schüren Sorgen um den Gesundheitszustand von Nawalny.
Bilder wie dieses aus dem Mai 2022 von einer weiteren Anhörung schüren Sorgen um den Gesundheitszustand von Nawalny. Der Kritiker trat während seiner Haftzeit immer wieder beispielsweise in Hungerstreik. Seine Haft-Unterbringung soll teils dürftig gewesen sein. © IMAGO/Sergei Karpukhin / ITAR-TASS
Nawalny wieder vor Gericht im August 2023.
Nawalny wieder vor Gericht im August 2023. Der Oppositionsführer war erneut zu 19 Jahren Haft unter anderem wegen Extremismus verurteilt worden. © IMAGO/Sofya SandurskayaITAR-TASS
Ende 2023 galt Nawalny kurz als verschwunden
Ende 2023 galt Nawalny kurz als verschwunden. Dann hieß es, er sei in ein Strafgefangenenlager nach Sibirien gebracht worden. Das Foto zeigt ihn im Januar 2024 bei einer weiteren Video-Schalte. © Alexander Zemlianichenko / dpa
Am 16. Februar 2024 kommt überraschend dann die Info aus Russland, Nawalny sei im Strafgefangenenlager gestorben
Am 16. Februar 2024 kommt überraschend dann die Info aus Russland, Nawalny sei im Strafgefangenenlager gestorben. Weltweit wird um den Kreml-Kritiker getrauert. © IMAGO/Vuk Valcic / ZUMA Wire

Nach Tod von Nawalny: Leichnamen weist Prellungen und Blutergüsse auf – Sanitäter berichtet

Dem Bericht zufolge soll Nawalnys Körper Prellungen aufgewiesen haben, die entstanden seien, als er noch lebte. Wie der Sanitäter weiter erzählte, sollen die Prellungen nicht durch Schläge, sondern durch Krämpfe hervorgerufen worden sein. Der Sanitäter wurde jedoch nur selbst über den Zustand von Nawalnys Leichnam informiert, gesehen hatte er diesen nicht. Zudem berichtete er von einem Bluterguss auf der Brust, der auf Wiederbelebungsmaßnahmen hindeutet. Er vermutet, dass versucht wurde, Nawalny nach seinem Zusammenbruch wiederzubeleben.

Weltweit trauern Menschen um das Leben des 47-Jährigen. Seine Frau postete auf Instagram ein Bild von sich und ihrem Ehemann mit der Unterschrift: „Ich liebe dich“. Noch immer ist unklar, wie es zum Tod von Wladimir Putins größten Kritiker gekommen ist. Der Kreml verbreitet derweil seine eigene Theorie und macht den Westen für Nawalnys Tod verantwortlich. (vk)

Rubriklistenbild: © --/Navalny Life/AP/dpa

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