„War ein Unfall, kann passieren“: Kreml hält an seinen bizarren Reaktionen zu Nawalnys Tod fest
VonBedrettin Bölükbasi
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Russische Behörden melden den Tod von Kreml-Kritik Nawalny. Putins Umfeld macht schon den Westen verantwortlich. Auch von einem „Unfall“ ist die Rede.
Update vom 19. Februar, 17.09 Uhr: Nach dem Tod von Kreml-Kritiker Alexej Nawalny verbittet sich Russland weiterhin jegliche Einmischung des Westens. „Deutsche Vertreter wurden darauf hingewiesen, dass es sich bei dieser Situation um eine ausschließlich innere Angelegenheit der russischen Seite handelt, die, wie schon erklärt wurde, eine in solchen Fällen ordnungsgemäße professionelle Ermittlung durchführen wird“, schrieb die russische Botschaft in Berlin am Montag bei Telegram. Zuvor war Botschafter Sergej Netschajew ins deutsche Außenministerium von Annalena Baerbock (Grüne) einbestellt worden.
Die Botschaft behauptete dabei weiterhin, dass der Westen den Tod des Oppositionspolitikers ausnutze, um antirussische Stimmungen zu schüren. Am Wochenende waren Tausende Menschen in Russland zu Gedenkveranstaltungen auf die Straße gegangen – und waren teilweise dabei festgenommen worden. Nawalny war am Freitag im Alter von 47 Jahren in einem Straflager im hohen Norden Sibiriens ums Leben gekommen. Kurz danach hatte Russland Fragen nach den Todesumständen mit teils bizarren Reaktionen beantwortet.
„Für Nawalnys Tod sind Washington und Brüssel verantwortlich“, sagte etwa der Sprecher der russischen Staatsduma, Wjacheslaw Wolodin, laut der staatlichen Agentur Tass. „Der Tod Nawalnys kommt westlichen Politikern zugute, die eine Vielzahl gescheiterter Entscheidungen getroffen haben und an ihren Positionen festhalten wollen“, so Wolodin. „Ihre Namen sind bekannt, vom Nato-Generalsekretär bis zur US-Führung, zu Scholz, Sunak und Selenskjy, all das sind die Schuldigen an Nawalnys Tod“, sagte er weiter. Die Ermittlungen zu Nawalnys Todesursache würden noch laufen, ergänzte Wolodin außerdem.
Ähnlich äußerte sich die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa. Sie sprach mit Blick auf die zahlreichen und schnellen Reaktionen aus dem Westen von einer „Selbstentlarvung“. So erklärte sie laut Staatsmedien: „Es gibt noch kein Ergebnis der forensischen Untersuchung, aber die Schlussfolgerungen des Westens liegen bereits vor.“ Das russische Außenministerium rief die USA und den Westen dazu auf, „Zurückhaltung“ zu zeigen und auf offizielle Ergebnisse der Untersuchung zu warten.
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Wladimir Tschabarow, der stellvertretende Chef des Komitees für Internationale Angelegenheiten des Russischen Föderationsrates, meldete sich im Radiosender Govorit Moskva mit den Worten: „Ich denke, es war ein Unfall, sowas kann passieren.“ Der Westen werde versuchen, sich aus dem Tod von Nawalny ein Vorteil auszuarbeiten, warnte der russische Politiker.
Er sagte, Russland habe „keinen Grund“ gehabt, dem inhaftierten Oppositionspolitiker zu schaden. „Vielleicht war es ein Blutgerinnsel oder eine andere Krankheit, das kann jedem von uns in jedem Moment passieren“, so Tschabarow, der ergänzte: „Die Familie trauert, er war noch jung, aber das ist nun mal das Schicksal, das uns allen unter Gott widerfahren wird.“ Man müsse „leise sein und kein Wirbel machen“.
Sergej Mironow, Parteichef von „Ein Gerechtes Russland – für Wahrheit“, sagte laut der staatlichen Agentur Tass: „Der Tod von Alexej Nawalny, der wegen Extremismus verurteilt worden war, ist vorteilhaft für viele Feinde Russlands.“ Mironows Partei wird zwar als Opposition eingestuft, gilt jedoch als Putin-nah. (bb)