Gegenoffensive der Ukraine wirkt: Putins Truppen müssen „Feuerdoktrin“ ändern
VonChristoph Gschoßmann
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Die Ukraine setzt in der Gegenoffensive effektiv Drohnen ein. Dies zwingt nach neuesten Analysen Russland, sein Vorgehen anzupassen.
Kiew - Ist die Gegenoffensive der Ukraine erfolgreich oder nicht? Seitdem Kiew zum Angriff auf die Invasoren aus Russland übergegangen ist, vermelden beide Kriegsparteien unterschiedliche Ergebnisse. Die Frontlinien verschieben sich nur langsam. Während Moskau betont, dass die Offensive kaum Erfolge einbringt, scheint die Ukraine mit den Fortschritten im Krieg zufrieden. Als Beobachter ist es nicht leicht, daraus den wahren Kriegsverlauf abzulesen.
Analyse-Insitut stellt fest: Russen gezwungen, Kommandosystem zu ändern
Analysten des Institute for the Study of War (ISW) haben nun aber eine definitive Änderung im russischen Verhalten festgestellt, die darauf hindeutet, dass die ukrainische Gegenoffensive zumindest auf bestimmten Ebenen effektiv ist. Das ukrainische Vorgehen habe die Truppen von Wladimir Putin gezwungen, ihr Kommando- und Kontrollsystem zu ändern und ihre elektronischen Kriegsführungssysteme zum Schutz vor ukrainischen Drohnen anzupassen.
„Berichten zufolge haben die russischen Streitkräfte erhebliche Änderungen an ihrem Kommando- und Kontrollsystem (C2) in der Ukraine vorgenommen, um die Kommandoinfrastruktur zu schützen und den Informationsaustausch zu verbessern, obwohl der Einsatz russischer Streitkräfte die Probleme mit der horizontalen Integration wahrscheinlich immer noch verschärft“, schreibt das ISW.
Russen müssen Hauptquartiere zum Schutz vor Ukraine-Drohnen verlegen
Wie das Center for Security and Emerging Technologies (CSET) erklärte, haben russische Truppen ihre Hauptquartiere außerhalb der Reichweite der meisten ukrainischen Angriffssysteme verlegt und vorderste Kommandoposten an gut geschützten Positionen platziert. Darüber hinaus wiesen laut dem ISW Experten darauf hin, dass die Einschränkungen der russischen Artillerie in der Ukraine das russische Militär dazu veranlassen, seine „Feuerdoktrin“ zu ändern, die die Priorität von der Angriffsmenge auf deren Genauigkeit verlagert.
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Laut CSET haben russische Truppen die Kommunikation zwischen Geheimdienstsystemen und Artillerieeinheiten verstärkt, um die Feuergenauigkeit zu verbessern, „da die Fähigkeit der russischen Streitkräfte, indirektes Massenfeuer zu nutzen, zunehmend eingeschränkt wird“. Laut den Analysten mangele es den Russen an Munition, um großflächiges indirektes Feuer abzufeuern. Dies liege daran, dass die Besatzer „Schwierigkeiten haben, eine große Menge Munition an die Front zu transportieren, und dass sie bei Massenangriffen eine nachlassende Wirksamkeit sehen“.
Russland versucht, sich besser vor ukrainischen Drohnen zu schützen
Laut dem Royal United Services Institute (RUSI) versuchen die russischen Besatzer zudem, die Signale durch den breiteren Einsatz von App-basierten C2-Diensten ohne spezielle Schulung zu verbessern. Ein C2-Link-Dienst ist ein Kommunikationsdienst, der für die Kontrolle und Steuerung zwischen der Drohne und der Steuereinheit verantwortlich ist. Moskau passt demnach ebenfalls den Einsatz elektronischer Kriegsführungssysteme an. Wie das RUSI erklärte, verteilen russische Streitkräfte Pole-21-Systeme und behandeln sie als Einwegsysteme für die elektronische Kriegsführung, um einen umfassenden Schutz vor ukrainischen Drohnen-Angriffen zu bieten.
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