Drohnen machen den Unterschied

Gegenoffensive der Ukraine wirkt: Putins Truppen müssen „Feuerdoktrin“ ändern

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Die Ukraine setzt in der Gegenoffensive effektiv Drohnen ein. Dies zwingt nach neuesten Analysen Russland, sein Vorgehen anzupassen.

Kiew - Ist die Gegenoffensive der Ukraine erfolgreich oder nicht? Seitdem Kiew zum Angriff auf die Invasoren aus Russland übergegangen ist, vermelden beide Kriegsparteien unterschiedliche Ergebnisse. Die Frontlinien verschieben sich nur langsam. Während Moskau betont, dass die Offensive kaum Erfolge einbringt, scheint die Ukraine mit den Fortschritten im Krieg zufrieden. Als Beobachter ist es nicht leicht, daraus den wahren Kriegsverlauf abzulesen.

Analyse-Insitut stellt fest: Russen gezwungen, Kommandosystem zu ändern

Analysten des Institute for the Study of War (ISW) haben nun aber eine definitive Änderung im russischen Verhalten festgestellt, die darauf hindeutet, dass die ukrainische Gegenoffensive zumindest auf bestimmten Ebenen effektiv ist. Das ukrainische Vorgehen habe die Truppen von Wladimir Putin gezwungen, ihr Kommando- und Kontrollsystem zu ändern und ihre elektronischen Kriegsführungssysteme zum Schutz vor ukrainischen Drohnen anzupassen.

Ukraine-Krieg: Putins Truppen müssen wohl ihre Taktikt ändern.

„Berichten zufolge haben die russischen Streitkräfte erhebliche Änderungen an ihrem Kommando- und Kontrollsystem (C2) in der Ukraine vorgenommen, um die Kommandoinfrastruktur zu schützen und den Informationsaustausch zu verbessern, obwohl der Einsatz russischer Streitkräfte die Probleme mit der horizontalen Integration wahrscheinlich immer noch verschärft“, schreibt das ISW.

Russen müssen Hauptquartiere zum Schutz vor Ukraine-Drohnen verlegen

Wie das Center for Security and Emerging Technologies (CSET) erklärte, haben russische Truppen ihre Hauptquartiere außerhalb der Reichweite der meisten ukrainischen Angriffssysteme verlegt und vorderste Kommandoposten an gut geschützten Positionen platziert. Darüber hinaus wiesen laut dem ISW Experten darauf hin, dass die Einschränkungen der russischen Artillerie in der Ukraine das russische Militär dazu veranlassen, seine „Feuerdoktrin“ zu ändern, die die Priorität von der Angriffsmenge auf deren Genauigkeit verlagert.

Prigoschin stirbt bei Flugzeug-Katastrophe – Bilder vom Unglücksort

Söldnerführer Prigoschin offenbar bei Flugzeugabsturz getötet
Flüge unternahm Jewgeni Prigoschin mit seinem Privatjet. Jetzt ist er bei einem Absturz seiner Embraer Legacy 600 getötet worden. Der russische Präsident Wladimir Putin bestätigte dessen Tod. © picture alliance/dpa/Luba Ostrovskaya/AP
Das Bild stammt vom Telegram-Kanal Grey Zone, der Prigoschin nahe steht, und soll Prigoschins Privatjet zeigen, der vom Himmel fällt.
Am Mittwochabend (23. August) fiel die Maschine auf dem Weg von Moskau nach Sankt Petersburg vom Himmel. Das Bild stammt vom Telegram-Kanal Grey Zone, der Prigoschin nahesteht. © IMAGO/Gray_Zone
„Ostoroschno Nowosti“ veröffentlichte ein Bild aus einem Video, das die Absturzstelle in der Nähe des Dorfes Kuschenkino in der Region Twer zeigt.
„Ostoroschno Nowosti“ veröffentlichte ein Bild aus einem Video, das die Absturzstelle in der Nähe des Dorfes Kuschenkino in der Region Twer zeigt. © picture alliance/dpa/Ostorozhno Novosti/AP
Offenbar ist der Wagner-Chef Jewgeni Prigoschin bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommen. Es wird über einen Doppelgänger spekuliert.
Noch am Abend meldete die russische Luftfahrtbehörde, dass Prigoschin im Unglücksflieger saß. Sein Tod wurde einen Tag später bestätigt.  © Lev Borodin/IMAGO
Das Wrack, in dem zehn Menschen starben, brannte völlig aus. Die Identifizierung der Leichen ist schwierig.
Das Wrack, in dem zehn Menschen starben, brannte völlig aus. © picture alliance/dpa/Investigative Committee of Russia/XinHua | Uncredited
Die Absturzstelle gut 200 Kilometer nordwestlich von Moskau gleicht einem Trümmerfeld.
Die Absturzstelle gut 200 Kilometer nordwestlich von Moskau gleicht einem Trümmerfeld. © picture alliance/dpa/AP | Uncredited
Teile liegen verstreut nahe einem Waldgebiet.
Teile liegen verstreut nahe einem Waldgebiet. © IMAGO/SNA
Ein Trümmerteil liegt auf dem Boden.
Dass es sich einmal um ein Flugzeug handelte, ist kaum zu erkennen. © IMAGO/Vitaliy Shustrov
Russische Ermittler beginnen vor Ort mit der Untersuchung des Unglücks.
Russische Ermittler beginnen vor Ort mit der Untersuchung des Unglücks.  © picture alliance/dpa/AP | Alexander Zemlianichenko
Die Toten werden zur Untersuchung in eine Halle nach Twer gebracht.
Die Toten werden abtransportiert. © picture alliance/dpa/AP | Uncredited
In dieses Gebäude der Gerichtsmedizin wurden die Körper offenbar zur Untersuchung gebracht.
In dieses Gebäude der Gerichtsmedizin der Region Twer wurden die Körper offenbar zur Untersuchung gebracht.  © IMAGO/Petrov Sergey
Ein Mann legt Blumen in Prigoschins Geburtsstadt Sankt Petersburg nieder.
Noch am Abend des Absturzes werden in einigen Städten Russlands Gedenkstätten eingerichtet. Hier legt ein Mann Blumen in Prigoschins Geburtsstadt Sankt Petersburg nieder. © IMAGO/Alexander Galperin
Prigoschin und Kreml-Chef Putin
Prigoschin galt lange als Vertrauter Putins (r.). Bevor er den Kremlchef kennenlernte, war er ein Krimineller und verbüßte eine langjährige Haftstrafe. © Alexei Druzhinin/dpa
Prigoschin und Putin
Nach seiner Entlassung eröffnete er Restaurants in Sankt Petersburg und lernte Putin kennen, der ebenfalls aus der Stadt kommt. © Alexey Druzhinin/AFP
In der Folge erhielt Prigoschins Cateringfirma „Konkord“ viele öffentliche Aufträge, was ihm letztlich zu Reichtum verhalf.
In der Folge erhielt Prigoschins Cateringfirma „Konkord“ viele öffentliche Aufträge, was ihm letztlich zu Reichtum verhalf. © IMAGO / ITAR-TASS
Die berüchtigten Wagner-Söldnertruppen haben, im Kommando von Jewgeni Prigoschin und im Namen Russlands, sich am Ukraine-Krieg beteiligt. Den sehr wahrscheinlichen Tod von Putins Wagner-Chef nehmen in der Ukraine viele Menschen mit Freude wahr.
Ab 2013 begann Prigoschin, das private Sicherheits- und Militärunternehmen Gruppe Wagner zu formen. Die Söldnertruppe war im Auftrag der Regierung weltweit tätig und setzte russische Interessen durch. © Uncredited/Prigozhin Press Service/AP/dpa/Archiv
Kämpfer der Wagner-Gruppe, die berüchtigt für ihre brutalen Methoden sind, unterstützen russische Truppen auch im Ukraine-Krieg.
Kämpfer der Wagner-Gruppe, die berüchtigt für ihre brutalen Methoden sind, unterstützten russische Truppen auch im Ukraine-Krieg. Doch spätestens am 23. Juni 2023 war das Tischtuch zwischen Putin und Prigoschin zerschnitten.  © IMAGO/RIA Novosti
Wagner-Söldner in Rostow am Don.
Nachdem er zuvor im Ukraine-Krieg die russische Militärführung bereits mehrfach scharf kritisiert hatte, befahl Prigoschin an jenem Tag einen Aufstand gegen die russische Regierung. Wagner-Söldner marschierten Richtung Moskau. © IMAGO/Vladimir Konstantinov
Kämpfer der Wagner-Gruppe verlassen Rostow am Don.
Nur einen Tag später brach Prigoschin nach Vermittlung des belarussischen Präsidenten Alexander Lukaschenko den Aufstand wenige Hundert Kilometer vor Moskau ab. © IMAGO/Sergey Pivovarov
Prigoschin
Der Wagner-Boss ging ins Exil nach Weißrussland. Jetzt starb er im Alter von 62 Jahren. Nicht wenige vermuten, dass sich Putin für Prigoschins Illoyalität rächte. © -/AP/dpa

Laut CSET haben russische Truppen die Kommunikation zwischen Geheimdienstsystemen und Artillerieeinheiten verstärkt, um die Feuergenauigkeit zu verbessern, „da die Fähigkeit der russischen Streitkräfte, indirektes Massenfeuer zu nutzen, zunehmend eingeschränkt wird“. Laut den Analysten mangele es den Russen an Munition, um großflächiges indirektes Feuer abzufeuern. Dies liege daran, dass die Besatzer „Schwierigkeiten haben, eine große Menge Munition an die Front zu transportieren, und dass sie bei Massenangriffen eine nachlassende Wirksamkeit sehen“.

Russland versucht, sich besser vor ukrainischen Drohnen zu schützen

Laut dem Royal United Services Institute (RUSI) versuchen die russischen Besatzer zudem, die Signale durch den breiteren Einsatz von App-basierten C2-Diensten ohne spezielle Schulung zu verbessern. Ein C2-Link-Dienst ist ein Kommunikationsdienst, der für die Kontrolle und Steuerung zwischen der Drohne und der Steuereinheit verantwortlich ist. Moskau passt demnach ebenfalls den Einsatz elektronischer Kriegsführungssysteme an. Wie das RUSI erklärte, verteilen russische Streitkräfte Pole-21-Systeme und behandeln sie als Einwegsysteme für die elektronische Kriegsführung, um einen umfassenden Schutz vor ukrainischen Drohnen-Angriffen zu bieten.

Der russische General Andrej Mordwitschew prophezeit die Ausdehnung des Kriegs gegen die Ukraine – was Putin wohl gefällt. (cgsc)

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa/Ukrinform

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