VonRebecca Röhrichschließen
Putin plant offenbar eine weitere Großoffensive in der Ukraine. Sie könnte zu einer dramatischen Wende führen.
Moskau – Die Präsidentschaftswahlen in Russland rücken in wenigen Wochen näher und es wird allgemein erwartet, dass das Ergebnis keine Überraschungen bereithält. Wladimir Putin, der amtierende Präsident, wird als unangefochtener Favorit betrachtet, obwohl westliche Beobachter davon ausgehen, dass die Wahlen manipuliert werden könnten. Dennoch muss sich Putin, der als Autokrat gilt, der Realität stellen, dass die Zustimmung zum Krieg in der Ukraine unter der russischen Bevölkerung auf wackeligem Fundament steht.
Krieg in der Ukraine lässt Putins Rückhalt in Russland schrumpfen
Die Präsidentschaftswahlen in Russland rücken immer näher und es besteht kaum Zweifel daran, dass der amtierende Präsident Wladimir Putin erneut als Sieger hervorgehen wird. Trotzdem ist die Unterstützung für den Krieg in der Ukraine unter der russischen Bevölkerung nicht unumstritten. Dies liegt vor allem an der hohen Zahl an gefallenen Soldaten, die die Zustimmung in der Bevölkerung ins Wanken bringt.
Nach dem Ableben des letzten Oppositionellen, Alexej Nawalny, hat der Westen die Sanktionen gegen Russland verschärft. Putin muss daher vorsichtig agieren, um nicht das Vertrauen der Bevölkerung zu verlieren. Laut newsweek.de hat er seine größten Widersacher, Jewgeni Prigoschin und Alexej Nawalny, erfolgreich aus dem Spiel genommen.
Putin braucht militärische Siege: Seine Pläne könnten drastische Konsequenzen haben
Um seine Position zu stärken, benötigt Putin weitere militärische Siege. Die Einnahme der Stadt Awdijiwka könnte nur der Beginn einer Reihe von Erfolgen sein. Die strategisch wichtige Region Luhansk ins Visier zu nehmen, wäre der nächste logische Schritt. Vadym Skibitsky, der stellvertretende Leiter des ukrainischen Geheimdienstes (GUR), äußerte gegenüber Interfax-Ukraine: „Vor den Wahlen wollen sie zumindest die Verwaltungsgrenzen des Oblast Luhansk erreichen“. Er fügte hinzu: „Um zumindest etwas Erfolg zu haben, so etwas wie Awdijiwka, vielleicht woanders an einer anderen Front.“
Trotz der Annahme, dass die Wahlen manipuliert sein könnten, bleibt Putin der unangefochtene Favorit. Dennoch muss er sich der Realität stellen, dass die Unterstützung für den Ukraine-Krieg in der russischen Bevölkerung auf wackeligem Fundament steht.
Putins Offensive in der Ukraine könnte enorme Auswirkungen haben
Skibitskys Prognose zufolge wird Luhansk nicht das letzte Ziel bleiben. Er prognostiziert, dass die bevorstehende Offensive von Putin enorm sein wird und die Region Donezk wieder stärker ins Rampenlicht rücken wird. Darüber hinaus ist es für Putin unerlässlich, bereits eroberte Gebiete wie Cherson und Saporischschja zu sichern, da sie den Zugang zur Krim gewährleisten. „Sie brauchen ein Logistiksystem, das die Krim durchquert, um Munition, Ausrüstung und Personal in den Süden zu transportieren“, erklärte der Vertreter des GUR.
Am 29. Februar wird der Kremlchef Wladimir Putin seine Rede zur Lage der Nation halten, knapp zwei Wochen vor den Präsidentschaftswahlen. Dies wurde am Dienstag vom Kreml in Moskau angekündigt. Der 71-jährige Putin plant, die Föderale Versammlung - bestehend aus der Staatsduma und dem Föderationsrat - über seine Ziele für das kommende Jahr zu informieren.
Präsidentschaftswahl setzt Putin unter Druck
Die Präsidentschaftswahlen in Russland werfen ihre Schatten voraus, doch es bleibt ungewiss, ob Putin Einzelheiten zu seinen Plänen für die Ukraine preisgeben wird. Es wird erwartet, dass Putin bei der Wahl, die vom 15. bis 17. März stattfindet, zum fünften Mal im Amt bestätigt wird. Die Opposition ist ausgeschlossen. Putins Mitbewerber unterstützen die Politik des Kremlchefs und werden von Regierungskritikern als reine Staffage betrachtet. Es ist wahrscheinlich, dass Putin zu Beginn des dritten Jahres seines Angriffskrieges gegen die Ukraine auch auf den Verlauf der Invasion eingehen wird. Ob Putin die Befürchtungen des ukrainischen Geheimdienstes bestätigen wird, dass eine weitere Großoffensive bevorsteht, bleibt abzuwarten.
