Geplatzte Richterwahl

„Haben Drohungen bekommen“ – Kampagne gegen Brosius-Gersdorf hat schwere Konsequenzen

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Nach der gescheiterten Wahl der Verfassungsrichter streitet Brosius-Gersdorf alle Vorwürfe ab. Jetzt sollen sogar Drohungen gegen die Juristin gerichtet worden sein.

Berlin – Die geplatzte Wahl der Richterinnen und Richter für das Bundesverfassungsgericht hat ein Beben durch das politische Berlin geschickt. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sprach sogar von einem Schaden für die rot-schwarze Koalition aus CDU, CSU und SPD. Bundeskanzler Friedrich Merz will dagegen Ruhe bewahren. Bei der bayerischen Kabinettssitzung auf der Zugspitze sagte der Kanzler, er wolle „in der Koalition in Ruhe“ über eine Lösung sprechen.

Aufhänger des Koalitionsstreits war die kurz vor der Wahl laut gewordene Kritik an der Juristin Frauke Brosius-Gersdorf. Sie war von der SPD als neue Verfassungsrichterin ins Rennen geschickt worden. Wegen der angeblichen Haltung von Brosius-Gersdorf zu den Themen Abtreibung und Kopftüchern forderte die Union, dass die Juristin ihre Kandidatur zurückziehen soll. Der Hauptvorwurf lautet: Sie spreche dem ungeborenen Leben die Menschenwürdegarantie ab und sei für einen Schwangerschaftsabbruch bis zur Geburt.

Minister unter Merz: Komplette Liste des Kabinetts – von Klingbeil bis zu „neuen Gesichtern“

17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands.
17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands. © dpa
Fritze Merz Kabinett CDU CSU Minister
Der neue Kanzler (offiziell ab dem 6. Mai): Friedrich Merz hat sein Kabinett zusammengestellt. Der 69-Jährige hat vertraute und neue Gesichter auserkoren. In dieser Fotostrecke finden Sie alle von der CDU bestimmten Minister, auch die von der CSU und SPD sind hier zu finden.  © IMAGO/Uwe Koch
Thorsten Frei Kanzleramtsminister Merz Kabinett
Bundesminister für besondere Aufgaben und Chef des Bundeskanzleramtes: Thorsten Frei (51) ist einer der engsten Vertrauten von Friedrich Merz und in der CDU angesehen.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Johann Wadephul Außenminister Merz Kabinett
Bundesminister für Auswärtiges: Johann Wadephul (CDU) heißt der neue Außenminister.  © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Katherina Reiche Wirtschaftsministerin Merz Kabinett
Bundesministerin für Wirtschaft und Energie aus der CDU: Katherina Reiche ist 51 Jahre alt und wird die Nachfolge von Robert Habeck antreten. © IMAGO
Karin Prien Bildungsministerin FAmilie merz Kabinett
Bundesministerin für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Karin Prien von der CDU wird Bildungs- und Familienministerin, sie ist 59 Jahre alt. © IMAGO/Jens Schicke
Nina Warken Gesundheitsministerin Kabinett Merz
Bundesministerin für Gesundheit: CDU-Ministerin Nina Warken (45) soll die Nachfolge von Karl Lauterbach antreten.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Karsten Wildberger Digitalminister Merz Kabinett
Bundesminister für Digitales und Staatsmodernisierung: Karsten Wildberger ist die wohl größte Überraschung, der ehemalige MediaMarkt-Chef ist 56 Jahre alt.  © AnikkaxBauer
Wolfram Weimer Minister für Kultur
Kulturstaatsminister: Wolfram Weimer, der 60-Jährige pflegt gute Kontakte in einige Verlage.  © IMAGO/Thomas Bartilla
Schnieder Vekehrsminister CDU Kabinett Merz
Bundesminister für Verkehr: Patrick Schnieder von der CDU soll Verkehrsminister werden. © IMAGO
Dobrindt Innenminister CSU Kabinett Merz Liste
Bundesminister des Innern und für Heimat: Alexander Dobrindt. Der 54-jährige CSU-Mann ist schon zum zweiten Mal Minister. Unter Angela Merkel war er von 2013 bis 2017 Verkehrsminister © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Alois Rainer LAndwirtschaft Merz Kabinett
Landwirtschaftsminister soll der CSU-Politiker Alois Rainer werden. Der 60-Jährige ist durchaus ein überraschender Name, den Söder hier aus den CSU-Kreisen ausgewählt hat.  © IMAGO/Christian Spicker
Bär Ministerin Söder Merz KAbinett
Ministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt: Dorothee Bär (47) übernimmt das neu zusammengestellte Ministeramt. Die CSU-Politikerin galt von vorneherein als Favoritin aus Bayern.  © IMAGO/Heiko Becker
Klingbeil Kabinett Vizekanzler Finanzminister
Lars Klingbeil wird Vizekanzler und Finanzminister. Der 47-Jährige spricht über die SPD-Minister mit den Worten: „Generationswechsel“ und „neue Gesichter und erfahrene Persönlichkeiten“. Nachfolgend sind alle SPD-Ministerinnen und SPD-Minister aufgelistet.  © IMAGO/FRANK TURETZEK
Boris Pistorius Verteidigunsminister SPD Merz Klingbgeil
Verteidigungsminister bleibt Boris Pistorius, 65 Jahre alt. Er ist eines der prominentesten SPD-Mitglieder des Kabinetts. © IMAGO/Noah Wedel
Der bisherige Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) gilt im Merz-Kabinett als gesetzt, wenn es mit schwarz-rot klappt. Er könnte allerdings das Ministerium wechseln und sogar Vizekanzler werden.
Pistorius ist der einzige Minister der einstigen Ampel-Koalition unter Olaf Scholz, der auch unter dessen Nachfolger Friedrich Merz einen Platz im Kabinett gefunden hat. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Bas Ministerin Arbeit Kabinett
Bärbel Bas, die 57-Jährige wird Bundesministerin für Arbeit und Soziales. Von 2021 bis 2025 war die SPD-Politikerin Präsidentin des Deutschen Bundestags.  © IMAGO
Hubig, Justiz 56 SPD MErz Kabinett
Dr. Stefanie Hubig ist 56 Jahre alt. Sie wird Bundesministerin der Justiz und für Verbraucherschutz. DIe SPD-Politikerin ist schon in Rheinland-Pfalz Ministerin für Bildung gewesen.  © IMAGO/Jürgen Heinrich
Reem Alabali-Radovan Bundesministerin für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
Die jüngste Person aus der SPD-Riege. Reem Alabali-Radovan ist 35 Jahre alt und kümmert sich um „Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung“. © IMAGO/Jürgen Heinrich
Hubertz wohnen, Bauministerin SPD KAbinett Merz Klingbeiil
Auch nicht viel älter, auch von der SPD: Verena Hubertz, 37 Jahre, Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen.  © IMAGO
Carsten Schneider SPD Umweltminister Merz Klingbeil Kabinett
Carsten Schneider von der SPD (49), nicht zu verwechseln mit Patrick Schnieder, wird Bundesminister für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD, galt lange Zeit als aussichtsreiche Kandidatin für einen Kabinettsposten in der Regierung von Friedrich Merz. © Christophe Gateau/dpa
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 werden ihm Außenseiter-Chancen auf ein Amt unter Merz ausgerechnet.
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 galt er zumindest als Außenseiter-Kandidat für einen Posten im Kabinett von Friedrich Merz. Daraus wurde letztlich nichts. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Kultursenator Joe Chialo
Kultursenator Joe Chialo war für die Berliner CDU bei den Koalitionsverhandlungen dabei (Archivbild). Fachleute spekulierten daraufhin Chialo könnte von Friedrich Merz als Kultusminister in sein Kabinett berufen werden. Doch der Posten ging letztlich an den Merz-Vertrauten Wolfram Weimer. © Jörg Carstensen/dpa
Jens Spahn als neuer und alter Minister? Dahinter steht ein Fragezeichen, auch wenn Spahn gewiss Ambitionen hat. Der frühere Gesundheitsminister stand wegen der Maskenaffäre in der Kritik. Andererseits verfügt er über große Regierungserfahrung, die Merz selbst bekanntermaßen fehlt.
Auch Jens Spahn hatte sich Hoffnungen auf einen Kabinettsposten unter Kanzler Friedrich Merz gemacht. Der ehemalige Gesundheitsminister ging in Sachen Kabinett zwar leer aus, kann sich aber dennoch über eine Beförderung im neuen Bundestag freuen: Spahn wird die CDU-Abgeordneten im Bundestag künftig als Fraktionsvorsitzender anführen. © IMAGO/Jens Schicke

Nach Kritik an Brosius-Gersdorf – Verfassungsrichter-Kandidatin spricht von „Drohungen“

Brosius-Gersdorf hatte die Vorwürfe entschieden zurückgewiesen. „Die Berichterstattung über meine Position zur Reform des Schwangerschaftsabbruchs entbehrte der Tatsachengrundlage“, erklärte sie. Dass sie ungeborenem Leben die Menschenwürde abspreche oder Schwangerschaftsabbrüche bis zur Geburt befürworte, sei „unzutreffend und stellt eine Verunglimpfung dar“.

Auch beim Thema Kopftuch seien ihr falsche Argumente zugesprochen worden. Der Juristin sei es dabei um die Rechtssprechung beim Umgang mit dem Neutralitätsgebot des Staates gegangen. „Während ein Kopftuchverbot für Lehrerinnen an staatlichen Schulen verfassungsrechtlich nicht zulässig sein soll, soll ein entsprechendes Verbot für Rechtsreferendarinnen in bestimmten Situationen im Gerichtssaal zulässig sein“, schrieb sie. Darin habe sie einen „Widerspruch“ gesehen.

Brosius-Gersdorf sei allerdings nicht nur mit Kritik an ihren politischen Positionen konfrontiert worden. Laut einer Vorabmeldung der ZDF-Sendung Markus Lanz sagte sie, dass sie und ihre Mitarbeiter im Zuge der Debatte um ihre Person mit Drohungen konfrontiert worden seien. „Ja, wir haben Drohungen bekommen, ich vor allem, per E-Mail, Poststücke mit verdächtigem Inhalt, die an meinen Lehrstuhl gesendet wurden“, so die Jurstin.

Gescheiterte Verfassungsrichter-Wahl – Brosius-Gersdorf muss Arbeit wegen Drohungen niederlegen

Wegen der Drohungen hätten sie und ihre Mitarbeiter vorsorglich darum bitten müssen, nicht mehr am Lehrstuhl zu arbeiten. Die 54-Jährige arbeitet an der Universität Potsdam am Lehrstuhl für Öffentliches Recht.

Nach einer Kampagne gegen Frauke Brosius-Gersdorf sollen die Juristin und ihre Mitarbeiter bedroht worden sein. (Archivbild)

In der Sendung hat die Juristin zudem den Vorwurf zurückgewiesen, dass sie linksradikale Positionen vertrete. „Ich vertrete absolut gemäßigte Positionen aus der Mitte unserer Gesellschaft.“ Die Debatte um ihre Person halte sie für gefährlich.

Nach gescheiterter Richterwahl im Bundestag – War es eine Hetzkampagne gegen Brosius-Gersdorf?

Nach der massiven Kritik wurde schnell die Vermutung geäußert, dass Brosius-Gersdorf das Opfer einer rechten Hetzkampagne geworden war. Eine Analyse des Thinktanks Polisphere untermauert das nun. Nach der Auswertung von mehr als 40.000 Beiträgen auf der Social-Media-Plattform X erklärte Geschäftsführer Philipp Sälhoff auf Linkedin: „Was gestern im Bundestag passiert ist, war nicht nur eine Blamage für die Regierung. Es war ein schmerzhafter Sieg der rechten Netzwerke aus Alternativmedien, Influencern und ihren politischen Verbündeten der AfD“. In wenigen Tagen sei „eine Kampagne“ durchgeführt worden, „die ihren erfolgreichen Abschluss im Plenarsaal des Bundestags fand.“

Vor allem rechte Alternativmedien hätten über verschiedene Kanäle „Kritik und Diffamierungen“ gegen die Juristin verbreitet. Dabei hätten Aufrufe aus der AfD, CDU-Abgeordnete zur Nicht-Wahl von Brosius-Gersdorf aufzufordern, herausgestochen. Über Plattformen wie TikTok sollen zudem KI-generierte Inhalte verbreitet worden sein. Manche Inhalte seien sogar als Werbung geschaltet worden. Diese hätten das Narrativ des angeblichen Linksextremismus befeuert. (nhi mit Agenturen)

Rubriklistenbild: © Britta Pedersen/dpa

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