Neue Daten zeigen: Während des Wagner-Aufstands ging ein Schock durch Russland
VonStephanie Munk
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Neue Daten der russischen Zentralbank zeigen, wie Russlands Bevölkerung auf den Wagner-Aufstand reagierte. Es herrschte wohl tiefe Verunsicherung.
Moskau – „Business as usual“ – das gab die russische Regierung unter Präsident Wladimir Putin nach dem Kurz-Aufstand der Wagner-Gruppe als Devise aus. Die offizielle Lesart des Kreml war: Man habe alle unter Kontrolle, Putin sei stark wie eh und je, und im Ukraine-Krieg laufe alles weiter nach Plan.
Doch in Russlands Bevölkerung schien während des Aufstands die Angst umzugehen. Nach Angaben der russischen Zentralbank haben russische Bürger während der Revolte der Wagner-Gruppe Ende Juni innerhalb von drei Tagen rund 100 Milliarden Rubel (umgerechnet knapp eine Milliarde Euro) von ihren Konten abgehoben. Das war ein Fünftel des Betrags, der im gesamten Monat Juni abgehoben wurde (500 Milliarden Rubel). Gleichzeitig seien die Flüge aus Moskau ins Ausland ausverkauft gewesen. Dies berichtet die unabhängige russische Zeitung The Moscow Times.
Putins Macht am Bröckeln? Drei Tage war Russland im Ausnahmezustand
Die drei Tage, in denen die Russinnen und Russen Unmengen an Bargeld abhoben, fielen genau in den Zeitpunkt des Wagner-Aufstands: Dieser begann am Abend des Freitags, 23. Juni. Am Samstagabend. 24. Juni, hatte Wagner-Chef Jewgeni Prigoschin dann erklärt, er werde seinen „Marsch der Gerechtigkeit“ in Richtung Kreml stoppen. Danach folgten noch Stunden und Tage der Ungewissheit – Putins Macht in Russland wirkte angekratzt. Es war fraglich, ob sein plötzlicher Erzfeind Prigoschin auch innerhalb des Kreml Verbündete hat.
Die russische Wirtschaftsnachrichtenagentur RBC berichtete laut The Moscow Times, dass der Geldabzug während der Wagner-Revolte „der auffälligste Anstieg der Bargeldnachfrage“ seit September 2022 war. Damals erlebte Russland ebenfalls einen Schock: Putin ordnete die Teilmobilisierung des russischen Militärs für den Ukraine-Krieg an. Kurz darauf gaben 47 Prozent der Befragten in einer Umfrage in der russischen Bevölkerung an, ihre Gefühlslage sei von „Angst, Furcht und Entsetzen“ geprägt. Viele entschieden sich damals auch, das Land zu verlassen.
Putin am Ende? Gerade junge Russen könnte dies verunsichern
Dass es kurz nach dem Wagner-Aufstand so wirkte, als sei Putins Macht am Wanken, könnte nun ebenfalls wieder viele Russinnen und Russen in tiefe Verunsicherung gestürzt haben. So sagte der Russland-Forscher Dr. Felix Krawatzek in einem Interview mit Merkur.de, dass gerade die junge Generation in Russland überhaupt keine Vorstellung davon habe, was die Alternative zu Putin sein könnte. Schließlich haben sie nie einen anderen Präsidenten gekannt.
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