„Auffälliger Anstieg“

Neue Daten zeigen: Während des Wagner-Aufstands ging ein Schock durch Russland

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Neue Daten der russischen Zentralbank zeigen, wie Russlands Bevölkerung auf den Wagner-Aufstand reagierte. Es herrschte wohl tiefe Verunsicherung.

Moskau – „Business as usual“ – das gab die russische Regierung unter Präsident Wladimir Putin nach dem Kurz-Aufstand der Wagner-Gruppe als Devise aus. Die offizielle Lesart des Kreml war: Man habe alle unter Kontrolle, Putin sei stark wie eh und je, und im Ukraine-Krieg laufe alles weiter nach Plan.

Doch in Russlands Bevölkerung schien während des Aufstands die Angst umzugehen. Nach Angaben der russischen Zentralbank haben russische Bürger während der Revolte der Wagner-Gruppe Ende Juni innerhalb von drei Tagen rund 100 Milliarden Rubel (umgerechnet knapp eine Milliarde Euro) von ihren Konten abgehoben. Das war ein Fünftel des Betrags, der im gesamten Monat Juni abgehoben wurde (500 Milliarden Rubel). Gleichzeitig seien die Flüge aus Moskau ins Ausland ausverkauft gewesen. Dies berichtet die unabhängige russische Zeitung The Moscow Times.

Putins Macht am Bröckeln? Drei Tage war Russland im Ausnahmezustand

Die drei Tage, in denen die Russinnen und Russen Unmengen an Bargeld abhoben, fielen genau in den Zeitpunkt des Wagner-Aufstands: Dieser begann am Abend des Freitags, 23. Juni. Am Samstagabend. 24. Juni, hatte Wagner-Chef Jewgeni Prigoschin dann erklärt, er werde seinen „Marsch der Gerechtigkeit“ in Richtung Kreml stoppen. Danach folgten noch Stunden und Tage der Ungewissheit – Putins Macht in Russland wirkte angekratzt. Es war fraglich, ob sein plötzlicher Erzfeind Prigoschin auch innerhalb des Kreml Verbündete hat.

Russlands Präsident Wladimir Putin am 22. Juni 2023 in Moskau - einen Tag später begann der Wagner-Aufstand.

Die russische Wirtschaftsnachrichtenagentur RBC berichtete laut The Moscow Times, dass der Geldabzug während der Wagner-Revolte „der auffälligste Anstieg der Bargeldnachfrage“ seit September 2022 war. Damals erlebte Russland ebenfalls einen Schock: Putin ordnete die Teilmobilisierung des russischen Militärs für den Ukraine-Krieg an. Kurz darauf gaben 47 Prozent der Befragten in einer Umfrage in der russischen Bevölkerung an, ihre Gefühlslage sei von „Angst, Furcht und Entsetzen“ geprägt. Viele entschieden sich damals auch, das Land zu verlassen.

Putin am Ende? Gerade junge Russen könnte dies verunsichern

Dass es kurz nach dem Wagner-Aufstand so wirkte, als sei Putins Macht am Wanken, könnte nun ebenfalls wieder viele Russinnen und Russen in tiefe Verunsicherung gestürzt haben. So sagte der Russland-Forscher Dr. Felix Krawatzek in einem Interview mit Merkur.de, dass gerade die junge Generation in Russland überhaupt keine Vorstellung davon habe, was die Alternative zu Putin sein könnte. Schließlich haben sie nie einen anderen Präsidenten gekannt.

Wagner-Gruppe marschiert in Richtung Moskau: Bilder zum Putschversuch in Russland

Söldner der Wagner-Gruppe posieren in Rostow am Don vor Panzern.
Söldner der Wagner-Gruppe posieren in Rostow am Don vor Panzern. © IMAGO/Erik Romanenko
Die Stadt Rostow am Don wurde von der Wagner-Gruppe besetzt. Hier stehen zwischen den Zivillisten bewaffnete Soldaten und Panzer auf den Straßen.
Die Stadt Rostow am Don wurde von der Wagner-Gruppe besetzt. Hier stehen zwischen den Zivillisten bewaffnete Soldaten und Panzer auf den Straßen. © Sergey Pivovarov/IMAGO
Nahaufnahme der Ausrüstung. Die Soldaten in Rostow am Don sind mit kugelsicheren Westen ausgestattet.
Die Soldaten in Rostow am Don sind mit kugelsicheren Westen ausgestattet und schwer bewaffnet. © Erik Romanenko/IMAGO
Auf der schusssicheren Weste eines Soldaten in Rostow am Don steht auf einem Aufnäher: „Mama hat gesagt: Anziehen“. (Yandex Image Translator)
Auf der schusssicheren Weste eines Soldaten in Rostow am Don steht auf einem Aufnäher: „Mama hat gesagt: Anziehen“. (Yandex Image Translator) © Erik Romanenko/IMAGO
Die bewaffneten Wagner-Söldner in Rostow am Don bewachen auch mit militärischen Fahrzeugen die Stadt.
Die bewaffneten Wagner-Söldner in Rostow am Don bewachen auch mit militärischen Fahrzeugen die Stadt. © Erik Romanenko/IMAGO
Die Soldaten in Rostow am Don stehen inmitten der Bevölkerung wache und werden teilweise von Zivilisten angesprochen.
Die Soldaten in Rostow am Don stehen inmitten der Bevölkerung wache und werden teilweise von Zivilisten angesprochen. © IMAGO/Erik Romanenko
Soldaten der Wagner-Gruppe bewachen das südliche militärische Hauptquartier in Rostow am Don mit Scharfschützen.
Soldaten der Wagner-Gruppe bewachen das südliche militärische Hauptquartier in Rostow am Don mit Scharfschützen. © IMAGO/Erik Romanenko
In Moskau sind rund um den Kreml alle Straßen und Kreuzungen weiträumig abgesperrt und bewacht.
In Moskau sind rund um den Kreml alle Straßen und Kreuzungen weiträumig abgesperrt und bewacht. © Kirill Zykov/IMAGO
Das Moskauer „Grabmal des unbekannten Soldaten“ an der Mauer des Kremls. Zusätzlich zu den üblichen Wachen in prunkvoller Uniform sind hier Polizisten postiert.
Das Moskauer „Grabmal des unbekannten Soldaten“ an der Mauer des Kremls wird zusätzlich zu den üblichen Wachen von der Polizei bewacht. © Ilya Pitalev/IMAGO
Eine Polizistin in Moskau steht hinter der Absperrung des Roten Platzes neben einem Einsatzwagen. Im Hintergrund sind die farbigen Kuppeln der Basilius Kathedrale zu sehen.
Der Rote Platz in Moskau ist weiträumig abgesperrt und wird von der Polizei bewacht. © IMAGO/Ilya Pitalev
Wagner-Gebäude in mehreren russischen Städten, wie hier in St. Petersburg, werden von Polizisten bewacht.
Wagner-Gebäude in mehreren russischen Städten, wie hier in St. Petersburg, werden von Polizisten bewacht. © IMAGO/Alexander Galperin
Die russische Polizei sperrt Straßen in der Region Moskau und kontrolliert die Dokumente von Fahrzeugen, die sie passieren möchten.
Die russische Polizei sperrt Straßen in der Region Moskau und kontrolliert die Dokumente von Fahrzeugen, die sie passieren möchten. © IMAGO/Kirill Kallinikov
In der Region Moskau wird die Autobahn M2 bei Podoslk von mehreren LKW blockiert.
In der Region Moskau wird die Autobahn M2 bei Podoslk von mehreren LKW blockiert. © IMAGO/Vitaliy Belousov
Den Menschen, die in Staus auf russischen Autobahnen festsitzen, wird Trinkwasser zur Verfügung gestellt.
Den Menschen, die in Staus auf russischen Autobahnen festsitzen, wird Trinkwasser zur Verfügung gestellt. © IMAGO
In der russischen Stadt Rostow am Don stehen Soldaten in den Straßen Wache und beobachten die Lage.
Die Soldaten stehen in den Straßen Wache und beobachten die Lage. © IMAGO/Erik Romanenko

Auch der Rubel stürzte nach dem Wagner-Aufstand ab: Am 6. Juli erreichte er ein Tief, Ökonomen sehen hierfür ebenfalls die Revolte als Grund. (smu)

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