Kreml signalisiert: Neues Abkommen im Ukraine-Krieg unter Bedingungen möglich
VonSonja Thomaser
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Babett Gumbrecht
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Lawrow strebt an, das Vorhaben von 2022, das den sicheren Versand ukrainischer Agrarprodukte per Schiff umfasst, neu zu beleben. Doch Moskau legt die Bedingungen fest.
Update vom 26. März, 14.45 Uhr: Bundesaußenministerin Annalena Baerbock (Grüne) hat Russland erneut aufgefordert, einer Waffenruhe in der Ukraine zuzustimmen, ohne diese an Bedingungen zu knüpfen. Es sei „keine Gesprächssituation, wenn ein Waffenstillstand immer wieder mit Zugeständnissen und neuen Forderungen verknüpft wird“, betonte sie.
Das Weiße Haus hatte am Dienstag erklärt, Kiew und Moskau hätten bei Gesprächen in Saudi-Arabien über eine Waffenruhe im Ukraine-Krieg unter Vermittlung der USA einen Verzicht auf Angriffe im Schwarzen Meer zugesagt. Der Kreml teilte jedoch mit, die Vereinbarung trete erst nach der Aufhebung von Agrar-Sanktionen gegen Russland in Kraft.
Waffenruhe-Verhandlungen zwischen Ukraine und Russland: Kritik aus Kiew
Vertreter der USA hatten in den vergangenen Tagen in Saudi-Arabien getrennte Gespräche mit Russland und der Ukraine über eine mögliche Feuerpause im russischen Angriffskrieg geführt. Kreml-Sprecher Dmitri Peskow sagte dazu am Mittwoch, es gebe weiterhin einen „intensiven“ Austausch zwischen Russland und den USA: „Und wir sind zufrieden damit, wie effizient es läuft.“
Indes kommt Kritik aus Kiew. Die Ukraine bemängelte, dem Abkommen fehlten entscheidende Sicherheiten, die das Land dringend benötige. Darunter beispielsweise der Schutz der Häfen vor Angriffen – „aber darüber steht kein einziges Wort in der Erklärung des Weißen Hauses“, so Serhiy Vovk, Direktor des Center for Transportation Strategies in der Ukraine laut Kyiv Independent.
Russland signalisiert: Neues Abkommen im Ukraine-Krieg unter Bedingungen möglich
Update vom 25. März, 16.33 Uhr: Die Ukraine hat sich nach Angaben des Verteidigungsministeriums in Kiew bereiterklärt, die Kämpfe im Schwarzen Meer sowie Angriffe auf russische Energie-Infrastrukturen einzustellen. Eine solche Vereinbarung könne dann auch von Drittstaaten überwacht werden, erklärt das Ministerium weiter.
Erstmeldung: Riad/Moskau – Die zweite Gesprächsrunde zwischen den USA und der Ukraine in der saudischen Hauptstadt Riad sind beendet. Während zur begrenzten russischen-ukrainischen Waffenruhe noch nichts Konkretes veröffentlicht wurde, äußerte sich Russlands Außenminister Sergej Lawrow aber zum neuen Schwarzmeer-Abkommen. Laut der Nachrichtenagentur RIA hält Lawrow dies im Ukraine-Krieg nun für möglich. Es gebe jedoch Bedingungen.
So wolle Russland eine Inspektion der Schiffe, um sicherzustellen, dass leere Schiffe nicht für Waffenlieferungen genutzt würden, sagt Lawrow. In der Vergangenheit seien zudem Hindernisse beim Export von russischem Getreide und Düngemitteln ein ernstes Problem gewesen. Russland lasse sich aber nicht aus diesen Märkten verdrängen, zitiert ihn die Nachrichtenagentur RIA.
Schwarzmeer-Abkommen im Ukraine-Krieg: Vereinbarung zu Agrarexporten
Das Schwarzmeer-Abkommen ist eine Vereinbarung aus dem Jahr 2022, die für einen sicheren Transport ukrainischer Agrarexporte über das Schwarze Meer beinhaltet. Nach Beginn des russischen Angriffskrieges war ein Abkommen zum Export ukrainischen Getreides aus blockierten Häfen über das Schwarze Meer unter Vermittlung der Türkei und der UNO ausgehandelt worden. Das Abkommen war ausgelaufen, nachdem Russland es 2023 nicht verlängert hatte. Moskau hatte dies damit begründet, dass der Westen seine Zusage zur Lockerung von Sanktionen gegen russische Agrarexporte nicht eingehalten habe.
Nun soll die Vereinbarung mitten im Ukraine-Krieg erneuert werden. Dies ist ein Vorschlag von US-Präsident Donald Trump gewesen, Russlands Präsident Wladimir Putin habe dem zugestimmt. Lawrow stellt aber auch klar: „Unsere Position ist einfach: Wir können diesem Mann nicht aufs Wort vertrauen“, sagte Lawrow mit Blick auf den ukrainischen Prsäidenten Wolodymyr Selenskyj.
Russland wünsche sich, dass der Getreide- und der Düngemittelmarkt berechenbar seien und niemand versuche, Russland von diesen Märkten auszuschließen, so der Minister. Moskau sei besorgt über die Situation der Nahrungsmittelversorgung in Afrika und anderen Ländern des Globalen Südens, die von den „Spielen des Westens“ betroffen seien, so Lawrow laut der Nachrichtenagentur Tass.
Waffenruhe-Gespräche mit USA beendet: Kreml prüft Ergebnisse im Ukraine-Krieg
Was genau zum Schwarzmeer-Abkommen bislang in Riad besprochen wurde, ist aber noch unklar. Am Dienstagmittag (25. März) sind zunächst die Waffenruhe-Gespräche zwischen den Unterhändlern der USA und der Ukraine geendet. Zu den Ergebnissen der nur kurz andauernden Verhandlungen wolle Kiew später nähere Angaben machen, hieß es am Dienstag aus der ukrainischen Delegation. Die ukrainischen Unterhändler hatten bereits am Sonntag (23. März) in Riad mit US-Vertretern über eine mögliche Feuerpause im Ukraine-Krieg gesprochen. Am Montag trafen sich dann Delegationen aus Russland und den USA.
Ukraine-Krieg: Die Ursprünge des Konflikts mit Russland
Die Ergebnisse dieses zwölfstündigen Treffens seien an den Kreml übermittelt worden und würden jetzt „analysiert“, teilte Kremlsprecher Peskow am Dienstag mit. Ein russischer Unterhändler bezeichnete das Treffen vom Montag als „nützlich“ und erklärte, Moskau wolle die Gespräche fortsetzen und die UNO künftig mit einbeziehen. „Wir haben über alles gesprochen, es war ein intensiver Dialog, nicht einfach, aber sehr nützlich für uns und die Amerikaner“, sagte Grigori Karasin der staatlichen Nachrichtenagentur Tass. „Wir werden weitermachen“, fügte er hinzu.
Es seien „viele Probleme“ diskutiert worden, betonte Karasin laut Tass. „Natürlich sind wir noch weit davon entfernt, alles geregelt und uns in allen Punkten geeinigt zu haben“. Ein konstruktiver Dialog sei jedoch „unverzichtbar“, sagte der Unterhändler (bg/dpa).