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Quo vadis, Meyer Werft? Die Finanzierungslücke bei dem für Kreuzfahrtschiffe bekannten Unternehmen ist groß. Das bereitet auch Stephan Weil (SPD) enorme Sorgen.
Hannover/Papenburg – Noch ist die Meyer Werft nicht auf Grund gelaufen. Das traditionsreiche Schiffsbauunternehmen, das im niedersächsischen Papenburg ansässig ist, besteht bereits seit 1795 – doch wohl noch nie war die Not so groß wie derzeit. Die Werft, die sich auf Kreuzfahrtschiffe spezialisiert hat, sieht sich mit enormen Finanzierungslücken konfrontiert.
Ein Loch von 2,7 Milliarden Euro weist der Etat auf. Damit sich dem entgegengestellt werden kann, ist die Werft zwingend auf Hilfe angewiesen. Diese stellt Stephan Weil (SPD), Ministerpräsident von Niedersachsen, auch in Aussicht. Doch sind hieran bestimmte Bedingungen geknüpft.
Meyer Werft mit großem Finanzloch – doch Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil verspricht Hilfen
So pocht die Landesregierung Niedersachsens darauf, dass die Meyer Werft ihren Firmensitz aus Luxemburg zurück nach Deutschland verlegt. Ein Schritt, der unabdinglich sei, um staatliche Unterstützung zu erhalten. Schließlich gehe es auch um viel Geld, so Stephan Weil gegenüber der dpa. Die „Lage ist bedrohlich“, so der SPD-Mann.
„Dann muss man auch von den Eigentümern verlangen, dass sie auf berechtigte Anliegen der öffentlichen Hand eingehen“, heißt es vom SPD-Politiker. Der Landesvater Niedersachsens macht klar, dass die Meyer Werft sich in einer existenziellen Krise befindet. „Ohne Wenn und Aber: Das ist eine ernste Lage und die Zukunft der Meyer Werft steht auf dem Spiel“, so Weil.
„Weil wir Arbeitsplätze retten wollen“: Stephan Weil (SPD) spricht über geplante Hilfen für Meyer Werft
Anno 2015 hatte die Meyer Werft die Entscheidung für den Sitz in Luxemburg getroffen. Auf diesem Wege musste das Unternehmen keinen Aufsichtsrat einrichten. Geht es nach Weil, müsse nun die Rolle rückwärts erfolgen, um eine Havarie finanzieller Natur zu vermeiden. Schließlich sei das Land Niedersachsen gewillt, sowohl das Unternehmen als auch die damit verbundenen Arbeitsplätze zu sichern.
„Wenn wir gute Gründe dafür haben, dass das Unternehmen eine Perspektive hat, werden wir uns sehr dafür einsetzen, diese Zukunft auch möglich zu machen. Das tun wir, weil wir Arbeitsplätze retten wollen“, heißt es dann auch von Stephan Weil. Schließlich würden über die Stammbelegschaft und über Niedersachsen hinaus „etliche Tausend Arbeitsplätze“ von der Meyer Werft abhängen.
Stephan Weil nimmt Bund bei Rettung der Meyer Werft in die Pflicht – auch Banken seien gefordert
Aktuell würden bereits vertrauliche Gespräche mit dem Unternehmen und dem Bund laufen. Zudem würden Gutachten zur Zukunftsfähigkeit der Meyer Werft in Papenburg erstellt. Für Weil steht fest: „Auch der Bund muss sich engagieren, wenn die Rettung gelingen soll“. Darüber hinaus brauche es aber auch Vereinbarungen mit Banken und die Klarheit, wie denn die Kunden zu dem Unternehmen stehen.
In all diesen Bereichen würden die Gespräche „auf Hochtouren“ laufen. In Anbetracht der finanziellen Zwänge der Meyer Werft bleibe jedoch nicht mehr viel Zeit für eine Entscheidung. Oder, um es wie Ministerpräsident Weil zu sagen: „Wir müssen sehr zügig wissen, woran wir miteinander sind“.
Strahlkraft für Niedersachsen: Meyer Werft als wichtiger Wirtschaftsfaktor für ein ganzes Bundesland
Der Ministerpräsident Niedersachsens weiß natürlich nur zu gut um die Bedeutung der Meyer Werft für sein Bundesland. Das Unternehmen ist einer der weltweit führenden Hersteller von Kreuzfahrtschiffen und somit ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für Niedersachsen. Zwar heißt es, dass die Auftragsbücher der Werft voll seien. Doch muss die Werft wegen Nachwirkungen der Corona-Pandemie und Preissteigerungen infolge des Ukraine-Kriegs eine Finanzierungslücke von 2,7 Milliarden Euro schließen.
Deshalb stehe eine Erhöhung des Eigenkapitals sowie die Absicherung von Krediten mit Bürgschaften im Raum, hatte Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) unlängst erklärt. Mitunter wurden die Verträge für die Kreuzfahrtschiffe noch vor der Pandemie abgeschlossen. Dementsprechend sahen und sehen sie auch keine Anpassung an die drastisch gestiegenen Preise für Energie und Rohstoffe vor.
De facto erhält die Meyer Werft etwa 80 Prozent des Kaufpreises erst bei der Ablieferung – der Bau der Ozean-Giganten muss mit Krediten zwischenfinanziert werden. Etwa 7.000 Menschen arbeiten für die Meyer Gruppen, davon entfallen etwa 3.000 Stellen auf Papenburg. Weitere Werften stehen in Rostock sowie im finnischen Turku. (dpa/han)
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