- VonBettina Menzelschließen
Ein ukrainisches Spezialkommando eroberte eigenen Angaben zufolge eine wichtige Öl- und Gasplattform im Schwarzen Meer zurück. Für Russland hat das militärische Folgen.
Krim – Die Ukraine hat die strategisch wichtigen Bohrinseln, die sogenannten Boiko-Türme, in der Nähe der von Russland annektierten Halbinsel Krim zurückerobert. Das gab der ukrainische Militärgeheimdienst (HUR) am Montag (11. September) bekannt. Dass die Gas- und Öl-Plattformen im Ukraine-Krieg wieder unter der Krontrolle Kiews sind, hat nicht nur einen symbolischen Wert, sondern dient einem militärischen Zweck.
Ukrainischer Militärgeheimdienst über Boiko-Türme: „Rückeroberung der Krim viele Schritte näher“
Moskaus Truppen können die Gas- und Öl-Plattformen nun nicht mehr zu militärischen Zwecken nutzen, hieß es aus Kiew über die Bedeutung der Rückeroberung. „Russland wurde der Fähigkeit beraubt, die Gewässer des Schwarzen Meeres vollständig zu kontrollieren, und dies bringt die Ukraine einer Rückeroberung der Krim viele Schritte näher“, so der Militärgeheimdienst in der Mitteilung am Montag weiter.
Ukrainische Sondereinsatzkräfte hatten sich demzufolge von Booten aus Kämpfe mit einem russischen Su-30-Kampfjet geliefert, der aufgrund von Treffern zum Rückzug gezwungen worden war. Die Spezialkräfte seien dem Bericht zufolge auf Schlauchbooten unterwegs gewesen, wie auch in einem vom HUR geteilten Video zu sehen war.
🔥 Україна повернула під контроль т.зв. «Вишки Бойка»
— Defence intelligence of Ukraine (@DI_Ukraine) September 11, 2023
📌 «Вишки Бойка» — це бурові газо- та нафтовидобувні платформи біля берегів Криму в Чорному морі.
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Ukraine-Krieg: Kiew erbeutet offenbar auch russisches Radarsystem und Hubschrauber-Munition
Offiziell bestätigte Moskau die Meldungen der Ukraine zunächst nicht, die Angaben unabhängig zu verifizieren war nicht möglich. Seit 2015 - und damit kurz nach der völkerrechtswidrigen Annexion der Halbinsel Krim - waren die Boiko-Türme russisch kontrolliert, wie Kyiv Post berichtete.
Kurz nach Beginn des Krieges begann Russland laut dem HUR-Geheimdienst die Plattformen als Hubschrauberlandeplatz sowie zur Platzierung von Radargeräten und Überwachung zu nutzen. Bei der jetzigen mutmaßlichen Rückeroberung fiel ukrainischen Truppen eigenen Angaben zufolge ein russisches Neva-Radarsystem und Hubschrauber-Munition in die Hände.
Boiko-Türme dienten als „Stützpunkte und Standorte für Langstreckenraketensysteme“
Das britische Verteidigungsministerium bezog sich bereits Ende August auf anhaltende Kämpfe zwischen Luft- und Seestreitkräften der Ukraine und Russland um „strategisch wichtige Gas- und Ölplattformen zwischen der Krim und Odessa“, wie es im täglichen Geheimdienstbericht des Verteidigungsministeriums hieß. Diese Plattformen würden nicht nur „wertvolle Kohlenwasserstoffressourcen kontrollieren“, sondern wie die Schlangeninsel auch „als vorgeschobene Stützpunkte, Hubschrauberlandeplätze und potenzielle Standorte für Langstreckenraketensysteme dienen“, so die militärische Analyse des Geheimdienstes damals.
Nun muss Russland ohne die Boiko-Türme auskommen und verliert damit einen wichtigen Standort im Schwarzen Meer. Diese strategisch wichtige Rückeroberung der Öl- und Gasplattform reiht sich in die Liste der jüngsten Erfolge der ukrainischen Gegenoffensive ein. Der ukrainische Militärnachrichtendienst hatte am Wochenende vorhergesagt, dass Russland im Ukraine-Krieg nur noch „maximal ein Jahr“ durchhalte.
