VonFabian Hartmannschließen
Infolge des iranischen Angriffs hat Israel eine Reihe von Schutzmaßnahmen ergriffen. Schulen bleiben geschlossen und größere Versammlungen verboten.
Tel Aviv/Teheran – Um 1.54 Uhr (Ortszeit) ertönte in vielen Orten des südlichen Israels Luftalarm, nachdem der Iran den jüdischen Staat im lange schwelenden Konflikt beider Länder erstmals direkt militärisch angegriffen hatte. Wenig später weitete sich der Alarm auch in die übrigen Landesteile aus. Auch in der Hauptstadt Tel Aviv waren die vom Iran abgefeuerten Militärgeschosse am Nachthimmel zu erkennen.
Medienberichten zufolge waren mehr als 300 Geschosse auf Israel abgefeuert worden – unter ihnen 185 Drohnen, 110 Boden-Boden-Raketen sowie 36 Marschflugkörper. Allerdings konnten 99 Prozent von ihnen erfolgreich abgewehrt werden, teilte der Oberbefehlshaber der israelischen Verteidigungskräfte, Daniel Hagari, der Times of Israel zufolge mit.
Zeitgleich wurde Israel auch aus dem Libanon angegriffen, dort offenbar von der Hisbollah-Miliz. Die Hisbollah ist dafür bekannt, den Iran als Teil der sogenannten Achse des Widerstands zur Seite zu stehen. Und auch aus Gebieten im Jemen, die von den dort ansässigen Huthi-Rebellen kontrolliert werden, wurde Raketenbeschuss gemeldet.
„Wie sie sehen können, ist die Stadt leer, alle rennen nach Hause“
Auch in Jerusalem zwangen die Angriffe des Irans und seiner Verbündeten Anwohnerinnen und Anwohner, in Bunkern der Stadt Schutz zu suchen. Wie die Times of Israel berichtet, waren in der ganzen Stadt zu Explosionen zu vernehmen, die die Skyline Jerusalems rot färbten.
„Wie Sie sehen können, ist die Stadt leer, alle rennen nach Hause“, sagte Eliyahu Barakat, der ein Lebensmittelgeschäft in Jerusalems Stadtteil Mamilla besitzt, am Sonntag gegenüber der Nachrichtenagentur AFP. Für gewöhnlich schließe er seinen Laden um 1 Uhr nachts, jedoch werde er ihn nun geöffnet lassen, da die Bewohnerinnen und Bewohner der Stadt in einem Ausnahmefall wie diesem auf die Notfallversorgung mit Lebensmitteln angewiesen seien.
Angesichts der Sorge vor einem iranischen Vergeltungsschlag für den Angriff auf die iranische Botschaft in Damaskus am 1. April, der Israel zugeschrieben wird, hatte die Regierung Israels bereits kurz vor Beginn des Angriffs Schutzanweisungen für seine Zivilbevölkerung veröffentlicht. IDF-Konteradmiral Hagari rief die Bevölkerung auf, sich in Sicherheit zu bringen. In einer Fernsehansprache am Samstagabend betonte Israels Ministerpräsident Netanjahu, Israel sei auf einen „direkten Angriff aus dem Iran“ vorbereitet. „Unsere Verteidigungssysteme sind einsatzbereit, wir sind auf jedes Szenario vorbereitet, sowohl in der Verteidigung als auch im Angriff.“
Schulen in Israel bleiben nach Irans Angriff geschlossen – auch Versammlungen verboten
Israels Regierung beschloss zudem eine Reihe von Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung. So bleiben in den kommenden Tagen alle Bildungseinrichtungen im Land geschlossen und alle Strände gesperrt. Auch größere Versammlungen wurden verboten. Ein Bewohner Jerusalems sagte gegenüber der AFP, er erwarte, dass der Alltag seiner Familie infolge des iranischen Militärschlags für mehrere Tage unterbrochen sein wird.
Ebenso wie Israel hatte auch das Nachbarland Jordanien seinen Luftraum am Abend geschlossen. Inzwischen habe beide Länder ihre Lufträume aber wieder geöffnet. Der deutsche Botschafter in Israel, Steffen Seibert, forderte alle Deutschen vor Ort auf, sich an die Anweisungen der Sicherheitsbehörden zu halten.
Bilder zeigen, wie der Krieg in Israel das Land verändert




Israels Sicherheitskabinett befugte laut Angaben des TV-Senders Channel 12 neben Ministerpräsident Netanjahu auch den Minister im Kriegskabinett, Benny Gantz und Verteidigungsminister Joav Galant, Entscheidungen über das weitere Vorgehen Israels bezüglich einer Reaktion auf den Angriff des Irans und seiner Verbündeten zu besprechen. Der UN-Sicherheitsrat plant eine Sondersitzung. (fh/AFP)
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