Iran-Israel-Konflikt

Israel in Alarmbereitschaft: Menschen stellen sich nach Irans Angriff auf Ausnahmesituation ein

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Infolge des iranischen Angriffs hat Israel eine Reihe von Schutzmaßnahmen ergriffen. Schulen bleiben geschlossen und größere Versammlungen verboten.

Tel Aviv/Teheran – Um 1.54 Uhr (Ortszeit) ertönte in vielen Orten des südlichen Israels Luftalarm, nachdem der Iran den jüdischen Staat im lange schwelenden Konflikt beider Länder erstmals direkt militärisch angegriffen hatte. Wenig später weitete sich der Alarm auch in die übrigen Landesteile aus. Auch in der Hauptstadt Tel Aviv waren die vom Iran abgefeuerten Militärgeschosse am Nachthimmel zu erkennen.

Medienberichten zufolge waren mehr als 300 Geschosse auf Israel abgefeuert worden – unter ihnen 185 Drohnen, 110 Boden-Boden-Raketen sowie 36 Marschflugkörper. Allerdings konnten 99 Prozent von ihnen erfolgreich abgewehrt werden, teilte der Oberbefehlshaber der israelischen Verteidigungskräfte, Daniel Hagari, der Times of Israel zufolge mit. 

Zeitgleich wurde Israel auch aus dem Libanon angegriffen, dort offenbar von der Hisbollah-Miliz. Die Hisbollah ist dafür bekannt, den Iran als Teil der sogenannten Achse des Widerstands zur Seite zu stehen. Und auch aus Gebieten im Jemen, die von den dort ansässigen Huthi-Rebellen kontrolliert werden, wurde Raketenbeschuss gemeldet.

In Tel Aviv blieben die Straßen bereits am 13.04. leer

„Wie sie sehen können, ist die Stadt leer, alle rennen nach Hause“

Auch in Jerusalem zwangen die Angriffe des Irans und seiner Verbündeten Anwohnerinnen und Anwohner, in Bunkern der Stadt Schutz zu suchen. Wie die Times of Israel berichtet, waren in der ganzen Stadt zu Explosionen zu vernehmen, die die Skyline Jerusalems rot färbten. 

„Wie Sie sehen können, ist die Stadt leer, alle rennen nach Hause“, sagte Eliyahu Barakat, der ein Lebensmittelgeschäft in Jerusalems Stadtteil Mamilla besitzt, am Sonntag gegenüber der Nachrichtenagentur AFP. Für gewöhnlich schließe er seinen Laden um 1 Uhr nachts, jedoch werde er ihn nun geöffnet lassen, da die Bewohnerinnen und Bewohner der Stadt in einem Ausnahmefall wie diesem auf die Notfallversorgung mit Lebensmitteln angewiesen seien. 

Angesichts der Sorge vor einem iranischen Vergeltungsschlag für den Angriff auf die iranische Botschaft in Damaskus am 1. April, der Israel zugeschrieben wird, hatte die Regierung Israels bereits kurz vor Beginn des Angriffs Schutzanweisungen für seine Zivilbevölkerung veröffentlicht. IDF-Konteradmiral Hagari rief die Bevölkerung auf, sich in Sicherheit zu bringen. In einer Fernsehansprache am Samstagabend betonte Israels Ministerpräsident Netanjahu, Israel sei auf einen „direkten Angriff aus dem Iran“ vorbereitet. „Unsere Verteidigungssysteme sind einsatzbereit, wir sind auf jedes Szenario vorbereitet, sowohl in der Verteidigung als auch im Angriff.“

Schulen in Israel bleiben nach Irans Angriff geschlossen – auch Versammlungen verboten

Israels Regierung beschloss zudem eine Reihe von Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung. So bleiben in den kommenden Tagen alle Bildungseinrichtungen im Land geschlossen und alle Strände gesperrt. Auch größere Versammlungen wurden verboten. Ein Bewohner Jerusalems sagte gegenüber der AFP, er erwarte, dass der Alltag seiner Familie infolge des iranischen Militärschlags für mehrere Tage unterbrochen sein wird.

Ebenso wie Israel hatte auch das Nachbarland Jordanien seinen Luftraum am Abend geschlossen. Inzwischen habe beide Länder ihre Lufträume aber wieder geöffnet. Der deutsche Botschafter in Israel, Steffen Seibert, forderte alle Deutschen vor Ort auf, sich an die Anweisungen der Sicherheitsbehörden zu halten.

Bilder zeigen, wie der Krieg in Israel das Land verändert

Massive Raketenangriffe aus Gazastreifen auf Israel
Am 7. Oktober 2023 feuern militante Palästinenser aus dem Gazastreifen Raketen auf Israel ab. Die im Gazastreifen herrschende islamistische Hamas, die von Israel, der EU und den USA als Terrororganisation eingestuft wird, hatte den Beginn einer „Militäroperation“ gegen Israel verkündet. © Hatem Moussa/ dpa
Massive Raketenangriffe aus Gazastreifen auf Israel
Nach einem Raketenangriff aus dem Gazastreifen ist Rauch aus einem Wohnhaus zu sehen.  © Ilia Yefimovich/ dpa
Israelischer Soldat mit Hund im Israel Krieg
Ein israelischer Soldat geht mit seinem Hund zwischen Autos in Deckung.  © Ohad Zwigenberg/ dpa
Israelische Polizisten evakuieren Frau und Kind im Israel Krieg
Israelische Polizisten evakuieren eine Frau und ein Kind von einem Ort, der von einer aus dem Gazastreifen abgefeuerten Rakete getroffen wurde. © Tsafrir Abayov/ dpa
Militante Palästinenser fahren im Israel Krieg mit einem Pickup, auf dem womöglich eine entführte deutsch-israelische Frau zu sehen ist.
Militante Palästinenser fahren mit einem Pickup, auf dem möglicherweise eine deutsch-israelische Frau zu sehen ist, in den Gazastreifen zurück. Die islamistische Hamas hatte mitgeteilt, ihre Mitglieder hätten einige Israelis in den Gazastreifen entführt. © Ali Mahmud/ dpa
Massive Raketenangriffe aus Gazastreifen auf Israel
Angehörige der Feuerwehr versuchen, nach einem Raketenangriff aus dem Gazastreifen das Feuer auf Autos zu löschen. © Ilia Yefimovich/ dpa
Menschen suchen in Trümmern nach Überlebenden nach massive Raketenangriffen aus Gazastreifen auf Israel.
Menschen suchen zwischen den Trümmern eines bei einem israelischen Luftangriff zerstörten Hauses nach Überlebenden.  © Omar Ashtawy/ dpa
Verlassene Stätte des Festivals Supernova nach dem Angriff der Hamas
Bei dem Rave-Musikfestivals Supernova im israelischen Kibbuz Re’im sterben rund 270 Besucher:innen. So sieht die verlassene Stätte nach dem Angriff aus.  © JACK GUEZ / AFP
Feiernde Palästinenser nach Angriff der Hamas auf Israel
Palästinenserinnen und Palästinenser feiern in Nablus nach der großen Militäroperation, die die Al-Qassam-Brigaden, der militärische Flügel der Hamas, gegen Israel gestartet haben.  © Ayman Nobani/ dpa
Hamas-Großangriff auf Israel - Gaza-Stadt
Das israelische Militär entgegnete mit dem Beschuss von Zielen der Hamas im Gazastreifen. Nach einem Angriff steigen bei einem Hochhaus in Gaza Rauch und Flammen auf. © Bashar Taleb/ dpa
Mann weint in Gaza bei Israel Krieg
Ein Mann umarmt einen Familienangehörigen im palästinensischen Gebiet und weint.  © Saher Alghorra/ dpa
Israelischer Soldat im Israel Krieg steht neben Frau
Am 8. Oktober beziehen israelische Soldaten Stellung in der Nähe einer Polizeistation, die am Tag zuvor von Hamas-Kämpfern überrannt wurde. Israelische Einsatzkräfte haben dort nach einem Medienbericht bei Gefechten in der an den Gazastreifen grenzenden Stadt Sderot mehrere mutmaßliche Hamas-Angehörige getötet. © Ilan Assayag/ dpa
Nach Hamas Großangriff - Sa'ad
Israelische Streitkräfte patrouillieren in Gebieten entlang der Grenze zwischen Israel und Gaza, während die Kämpfe zwischen israelischen Truppen und islamistischen Hamas-Kämpfern weitergehen. © Ilia Yefimovich/ dpa
Palästinensisches Kind in einer Schule, die im Israel Krieg als Schutz dient
Ein palästinensisches Kind steht auf dem Balkon einer Schule, die von den Vereinten Nationen betrieben wird und während des Konfliktes als Schutzort dient.  © Mohammed Talatene/ dpa

Israels Sicherheitskabinett befugte laut Angaben des TV-Senders Channel 12 neben Ministerpräsident Netanjahu auch den Minister im Kriegskabinett, Benny Gantz und Verteidigungsminister Joav Galant, Entscheidungen über das weitere Vorgehen Israels bezüglich einer Reaktion auf den Angriff des Irans und seiner Verbündeten zu besprechen. Der UN-Sicherheitsrat plant eine Sondersitzung. (fh/AFP)

Rubriklistenbild: © IMAGO/Chen Junqing

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