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Jewgeni Prigoschin ist offenbar nicht mehr in Belarus, sondern in Afrika. In einem Video erklärt der Wagner-Chef seine weiteren Pläne.
Frankfurt – Jewgeni Prigoschin hat knapp zwei Monate nach der von ihm befohlenen Meuterei seiner Wagner-Söldner ein Lebenszeichen von sich gegeben. Auf dem der Gruppe nahestehenden Telegram-Kanal Grey Zone zeigte sich der einstige Verbündete von Kreml-Chef Wladimir Putin in einem rund 40 Sekunden langen Video.
Darin trägt Prigoschin Tarnkleidung und hat ein Gewehr in der Hand. Seinen Angaben zufolge wurde der Clip in einem afrikanischen Land aufgenommen. Auf dem Kontinent ist Wagner in mehreren Staaten aktiv. Zuletzt hatte der 62-Jährige den Militärputsch im Niger begrüßt.
Prigoschin Afrika: „Russland auf allen Kontinenten noch größer machen“
Genauere Informationen über den Ort, an dem er sich während der Aufnahme aufhielt, wurden nicht genannt. Unabhängig überprüft werden konnte der Aufnahmeort zunächst nicht. „Wir arbeiten. Die Temperatur beträgt mehr als 50 Grad“, teilte der Warlord mit. Weiter erklärte er, dass seine Wagner-Truppe Aufklärungs- und Suchaktionen durchführen würde – und fügte hinzu: „Sie macht Russland noch größer auf allen Kontinenten. Und Afrika noch freier.“
Zudem versprach Prigoschin „Gerechtigkeit und Glück für die Menschen in Afrika“ und schimpfte auf den „Alptraum ISIS, Al-Qaida und andere Gangster“. Erst zuletzt hatte er die beiden Terrorgruppen im Vergleich zu seinen Leuten als „kleine, gehorsame, seidige Jungen“ betitelt.
Sein abschließendes Versprechen: „Lasst uns die wahren Schurken anheuern und die Aufgaben erfüllen, die uns gestellt wurden und denen wir versprochen haben, dass wir es schaffen können.“
Prigoschin und der Marsch auf Moskau: Straffreiheit bei Auswanderung nach Belarus
In den vergangenen Monaten hatte sich Prigoschin immer wieder aus der Ukraine gemeldet, wo seine Söldner an der Seite der russischen Truppen im Ukraine-Krieg kämpften. Putin hatte sogar zugegeben, dass Wagner aus Moskau finanziert wird. Ende Juni mobilisierte Prigoschin seine Männer aus Frust über die seiner Ansicht nach zu ineffektive russische Militärführung für einen Marsch auf Moskau, den er allerdings einige Stunden später nach Verhandlungen wieder stoppte.
Unter der Bedingung, ins Nachbarland Belarus auszuwandern, wurde Prigoschin vom Kreml Straffreiheit versprochen. Wenig später allerdings tauchte der 62-Jährige wieder in Russland auf – am Rande des Afrika-Gipfels in St. Petersburg Ende Juli. Dort zeigte er sich mit einem Vertreter aus der Zentralafrikanischen Republik. Sorge gab es zuletzt zudem auch darüber, dass der westafrikanische Niger nach dem kürzlichen Militärputsch nun näher an Russland rücken könnte. Das neueste Video wird da kaum für eine Beruhigung sorgen. (mg, mit dpa)
Rubriklistenbild: © Screenshot: Telegram/grey_zone

