EEG-Förderung

FDP plant Großangriff auf Förderung von erneuerbaren Energien

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Die FDP will die EEG-Förderung für Fotovoltaik, Windkraft und Biomasse streichen - der Markt soll es regeln. Projekte von Bürgern sind bedroht.

Das Papier der FDP-Spitze „zur Beschleunigung der Wirtschaftswende“ hat es in sich. Zwölf Punkte sind darin aufgeführt, die den Standort „D“ ökonomisch wieder flott machen sollen. Darin finden sich FDP-Dauerbrenner: Steuerentlastungen für Reiche und Unternehmen, Bürokratieabbau, ein dreijähriger Stopp bei den Soziallleistungen – unter Punkt zehn aber auch einer, der bei der Energiewende ans Eingemachte geht.

Wer ein Windrad baut, bekommt Geld vom Staat - wenn es nach der FDP geht, aber nicht mehr lange.

Die Freidemokraten wollen die Förderung von Fotovoltaik, Windkraft und Biomasse durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) streichen. Aber wie soll es dann mit den „Freiheitsenergien“, wie FDP-Chef Lindner sie nennt, weitergehen? Droht deren Ausbau abzustürzen?

„Die Ökostrom-Förderung schnellstmöglich beenden“ - FDP nennt Kostenexplosion als Grund

Konkret heißt es in dem Papier, das beim FDP-Parteitag an diesem Wochenende im Zentrum der Debatte steht: „Wir wollen die Ökostrom-Förderung schnellstmöglich beenden. Dazu braucht es jetzt einen Plan für den Ausstieg.“ Würden jetzt keine Schritte ergriffen, drohe die EEG-Förderung schon bald auf 30 Milliarden Euro jährlich zu explodieren. Zudem sei nach über zwei Jahrzehnten Förderung ein Abbau der Subventionen auch haushaltspolitisch geboten.

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Das EEG war 2000 von der damaligen rot-grünen Bundesregierung eingeführt worden und hat zu einem starken Anstieg des Ökostrom-Anteils in Netz geführt, von damals rund drei auf heute über 50 Prozent. Mehr als zwei Jahrzehnte lang war die Erneuerbaren-Förderung per Umlage von den Stromkund:innen finanziert worden, seit 2023 wird sie aber vollständig aus dem Bundeshaushalt gezahlt. Und das ist der FDP offenbar ein Dorn im Auge.

Wenig Geld im Klimafonds - Ausbau der Erneuerbaren will FDP „stattdessen vom Markt regeln lassen“

Für die Förderung werden in diesem Jahr knapp 16 Milliarden Euro veranschlagt. Konkret kommt das Geld aus dem Transformations- und Klimafonds (KTF), der allerdings nach der verfassungsgerichtlichen Streichung von 60 Milliarden Euro finanziell ziemlich klamm ist. Gerade für Projekte der FDP-Klientel wie Förderung von E-Fuels und Wasserstoff bleibt da wenig Geld.

Der FDP-Klimaexperte Lukas Köhler sagte der FR, den Ausbau der Erneuerbaren wolle man „stattdessen vom Markt regeln lassen“. „Windkraft, Fotovoltaik und Co. werden nicht nur immer günstiger, sondern auch durch den steigenden CO2-Preis zunehmend lukrativer“, argumentierte er. Viele Fotovoltaik-Freiflächenanlagen würden bereits jetzt ohne Förderung realisiert. Dazu wolle man „weitere förderfreie Geschäftsmodelle“ etablieren, um den Ausbau der Erneuerbaren marktwirtschaftlich zu gestalten.

FDP-Parteitag in Berlin

Der FDP-Bundesparteitag findet an diesem Samstag und Sonntag in Berlin statt.

Bei der Tagung werde man zeigen, „wie es gelingen kann, in der Regierung verlässlich zu sein und sich trotzdem als eigenständige Kraft zu profilieren“, heißt es in der Ankündigung der Partei.

Führende Freidemokraten haben zuvor ihre Forderungen nach Wirtschaftsreformen bekräftigt und die Partner in der Ampel-Koalition zur Mitwirkung aufgefordert. Fraktionschef Christian Dürr zufolge sollen von dem Parteitag aber keine Signale eines Koalitionsbruchs ausgehen, falls die Forderungen nicht erfüllt werden. „Solche taktischen Spielchen sind der Situation nicht angemessen“, sagte Dürr dem „Handelsblatt“.

Signal des Bundesparteitages solle sein, „dass wir Deutschland wieder auf Wachstumskurs bringen wollen“, so der FDP-Fraktionschef. afp

Köhler sagte, die Ampel habe auf Betreiben der FDP bereits das historische Ende der EEG-Subventionen parallel zur Vollendung des Kohleausstiegs gesetzlich festgelegt. Man solle nun „gemeinsam überlegen, wie dieser Schritt vorgezogen werden kann“. Gesetzlich ist der Kohleausstieg auf 2038 festgelegt, die Ampel will ihn jedoch möglichst bereits 2030 durchziehen.

Subventionen weiterhin nötig - Verdreifachung der Kapazitäten „rein marktgetrieben“ nicht zu erreichen

Viele Fachleute halten eine weitere Förderung allerdings noch längere Zeit für nötig. Hintergrund ist der „Kannibalisierungseffekt“. Der führt dazu, dass Solar-und Windkraft stärker miteinander konkurrieren und so den Strompreis drücken. Das wenig ausgebaute Stromnetz und die fehlende Flexibilität der Stromverbraucher:innen tun ein Übriges.

Dieser Angebotsdruck aus den Reihen der Erneuerbaren wird mindestens bis 2035 anhalten, sagt eine aktuelle Studie des Beratungsunternehmens Aurora Energy Research voraus. In dem Zeitraum erlösen die Erneuerbaren für ihren Strom im Schnitt weniger, als dessen Erzeugung kostet. Deswegen seien die Ausbauziele – es geht schließlich um eine Verdreifachung der Erneuerbaren-Kapazitäten – „rein marktgetrieben“ nicht zu erreichen, schlussfolgern die Berater:innen von Aurora.

Bürgerenergie-Projekte könnten benachteiligt werden - große Investoren würden profitieren

Wer also wie die Bundesregierung 2035 ein klimaneutrales Stromsystem will, kommt um eine weitere Förderung nicht herum. Ein Verzicht auf die EEG-Förderung würde darüber hinaus Bürgerenergie- oder andere Projekte benachteiligen, hinter denen kein finanzkräftiger Investor steht.

Denn gegenüber den Banken sind die garantierten Einnahmen aus der EEG-Umlage das entscheidende Argument, um günstige Kredite zu bekommen. In Ländern wie Großbritannien, wo es eine vergleichbare EEG-Förderung nicht gibt, ist der Ausbau der Erneuerbaren denn auch der alleinige Tummelplatz großer Investorengruppen. Nicht auszuschließen, dass das auch eine Intention der FDP ist.

Das wärmste je gemessene Jahr: Der klimapolitische Jahresrückblick

Hunderte Polizistinnen und Polizisten auf dem schlammigen Gelände in Lützerath. Im Hintergrund sind Wasserwerfer im Einsatz.
Warum werden im Jahr 2023, mitten in der Klimakrise, noch Dörfer für die Kohle abgebaggert? Das fragen sich im Januar Tausende Klima-Aktivist:innen im rheinischen Lützerath. In einem Baumhauscamp hatten sie sich zum Teil schon seit Jahren in Stellung gebracht, um Polizei und private Sicherheitskräfte des Energiekonzerns RWE an der Räumung zu hindern. Als es dann soweit ist, sorgen Wind und Regen für spektakuläre Bilder. Das Medienecho und die Empörung im Schlamm von Lützerath ist groß. Am Ende hilft es alles nichts: Der kleine Weiler am Rande des Braunkohlegrube wird abgerissen. Der Kohleausstieg im Rheinischen Revier soll nach Beschluss von Wirtschaftsminister Habeck mit der NRW-Landesregierung und RWE bis 2030 erfolgen. Im Osten der Republik steht das noch aus. Auch hier soll noch ein Dorf für einen Tagebau weichen. imago images © Marc John/Imago
Dutzende junge Menschen in orangenen Warnwesten sitzen auf einer breiten Straße, im Hintergrund stehen Polizistinnen und Polizisten.
Bekannt sind die sogenannten Klima-Kleberinnen und Kleber der „Letzten Generation“ ja eigentlich für, nun ja, eben genau das: Kleben auf der Straße. Das zeigt auch diese Massenbesetzung auf der Straße des 17. Juni in Berlin, allerdings ganz ohne Klebstoff. Die Protestierenden machen 2023 erneut klar: Wir verschwinden ebenso wenig wie die Klimakrise selbst. IMAGO images © A. Friedrichs/Imago
Zwei moderne Windräder vor blauem Himmel. Im Vordergrund ist ein Sonnenblumenfeld zu sehen.
Trotz Boom bei den Erneuerbaren ist die Bundesregierung in der Klimapolitik nach wie vor weit von ihren Zielen entfernt. Die Verkehrswende lässt auf sich warten, das Heizungsgesetz reicht nicht für eine Wärmewende. Das Oberverwaltungsgericht Berlin bestätigt, dass die Regierung gegen ihr eigenes Klimaschutzgesetz verstößt. Doch nicht mehr lange, denn sie hat dieses Jahr beschlossen, es zu entkernen. IMAGO images © Imago
Solarpanels an einer Hauswand, ein Strauch mit gelben Blüten im Vordergrund.
Selbst etwas gegen die Klimakrise tun und dabei auch noch langfristig Geld sparen? Balkon-Kraftwerke erleben 2023 eine Boom - und tragen zu einem schnellen Ausbau der Erneuerbaren bei: Das Ausbauziel für Photovoltaik ist schon Ende August erreicht. Über die Hälfte des Stromverbrauchs decken im Jahr 2023 die Erneuerbaren Energien. Bis 2030 sollen es mindestens 80 Prozent werden. IMAGO images © Robert Poorten/Imago
Ein Mann mit Helm schaut auf die Ruine eines Wohnhauses, das zur Hälfte in den Abgrund gestürzt ist.
Nach starkem Regen brechen in Libyen im September zwei Dämme in sich zusammen. Das Wasser überflutet ganze Städte - tausende Menschen sterben in den Fluten. Die Klimakrise hat die Wahrscheinlichkeit eines solchen Ereignisses laut „World Weather Attribution“ um bis zu 50-fach erhöht, mit bis zu 50 Prozent mehr Regen in diesem Zeitraum. Allerdings sei das Ereignis auch im heutigen Klima äußerst ungewöhnlich. imago images © Imago
Drei Menschen betrachten den komplett ausgetrockneten Boden, der bereits große Risse zeigt.
Ein neues Jahr der Rekorde: 2023 ist das wärmste Jahr in Deutschland seit Beginn der Aufzeichnungen 1881. Davon geht der Deutsche Wetterdienst fünf Tage vor Ende des Kalenderjahres aus. 2023 ist auch global gesehen laut dem EU-Klimawandeldienst Copernicus das heißeste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen. Die große Hitze führte weltweit, wie hier in China, zur Dürre. IMAGO images © Imago
Ein Mann entreißt Klimaaktivistin Greta Thunberg (l.) im November auf einer Bühne in Amsterdam vor 85 000 Menschen das Mikrofon.
„Ich bin für eine Klimademonstration hierhergekommen, nicht, um politische Ansichten zu hören“: Ein Mann entreißt Klimaaktivistin Greta Thunberg (l.) im November auf einer Bühne in Amsterdam vor 85 000 Menschen das Mikrofon. Mit einseitig pro-palästinensischen Aussagen zum Nahostkrieg löst Thunberg eine Spaltung der Bewegung aus. Die deutsche Sektion von Fridays for Future distanziert sich vehement. IMAGO images © Imago
Sultan Al-Jaber, Vorsitzender der COP28 auf der Bühne der Konferenz.
Klimagipfel im Ölstaat: Die 28. UN-Klimakonferenz (COP28) findet ausgerechnet in Dubai in den Vereinigten Arabischen Emiraten statt. Vorsitzender Sultan Al-Jaber ist auch der Chef des staatlichen Ölkonzerns Adnoc. Dennoch überrascht das Treffen mit Ergebnissen: Der Fonds für Verluste und Schäden wird beschlossen und die Abschlusserklärung enthält erstmals die „Abkehr von fossilen Brennstoffen“. IMAGO images © Imago

Und selbst wenn die EEG-Förderung wegfiele, verschwänden ja die Kosten nicht, um ein klimaneutrales Stromsystem zu schaffen. Dieses Geld würden sich Erzeuger und Netzbetreiber dann auf anderem Weg von den Stromverbraucher:innen holen, beispielsweise über die Netzentgelte. Haushalte, die sich schon jetzt mit Solarstrom selbst versorgen und wenig Strom aus dem Netz beziehen, wären dann fein raus. Denn die steigenden Netzentgelte würden auf immer weniger Haushalte und Gewerbebetriebe umgelegt werden. Die EEG-Umlage aus dem Bundeshaushalt zu finanzieren, hat somit auch eine soziale Komponente.

Rubriklistenbild: © IMAGO/Jochen Tack

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