VonJana Stäbenerschließen
Der Komiker nahm seine Gäste in der RBB-Sendung richtig hart ran. Manchmal sorgte das für Tränen, Wut und einmal sogar für einen richtigen Eklat.
Nach sieben Staffeln und 41 Folgen endete die preisgekrönte Talkshow „Chez Krömer“, die der Komiker Kurt Krömer von 2019 bis 2022 moderierte. Die Idee der Sendung: Ein Verhör auf kleinstem Raum, bei dem sich nicht nur Politiker:innen, sondern auch andere Prominente von A bis Z den Fragen von Krömer stellten. Immer wieder ging der Moderator dabei auch auf Konfrontationskurs – bei einigen Gästen ganz besonders.
| Künstlername | Kurt Krömer |
|---|---|
| Bürgerlicher Name | Alexander Bojcan |
| Geburtsdatum | 20. November 1974 |
| Beruf | Komiker, Schauspieler und Autor |
| Aktuelle Shows | Podcast Feelings, Last One Laughing (LOL) |
| Wohnort | Berlin Kreuzberg |
| Größe | 1,94 Meter |
| Geburtsort | Berlin Neukölln |
Gemeinsam mit Produzent Friedrich Küppersbusch und dessen Firma probono.tv hatte Krömer, der in seinem Podcast Feelings letztens über Strafen bei Kindern sprach, das RBB-Format 2019 entwickelt. Ein Jahr später erhielt er für die Show erstmals den Grimme-Preis. 2022 dann erhielten er und Torsten Sträter je einen Grimme-Preis für ihr „Chez Krömer“-Gespräch über Depressionen.
Neben seiner Offenheit beim Thema Depressionen ist Kurt Krömer auch für seine bunten Nägel bekannt. Genauso wie diese anderen männlichen Promis.
Kurt Krömer über seine Talk-Show „Chez Krömer“ – „kein Format, das ewig laufen wird“
In der letzten Sendung „Chez Krömer“ mit Comedian Faisal Kawusi im Dezember 2022 brach Krömer das Gespräch mehrere Minuten vor Ende vorzeitig ab und verließ den stilisierten Verhörraum. Anschließend sagte er vor den Kameras: „Heute ist der Tag, wo ich glaube (...), dass ich nach Hause gehe und mal gucke, ob ich das Konzept vielleicht noch mal überdenke.“ Dann stand er auf und ging.
Kurz darauf, gab der Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) das Ende von „Chez Krömer“ bekannt und zitierte Kurt Krömer mit den Worten: „Es ist für mich an der Zeit für neue künstlerische Abenteuer. Mir war klar, dass ‚Chez Krömer‘ kein Format ist, das ewig laufen wird. Dass es am Ende dann doch 41 Folgen geworden sind, hat mich selbst überrascht. Mein Bedarf an Arschlöchern ist damit gedeckt.“
Aber welche Arschlöcher meint er? BuzzFeed News Deutschland zählt acht Personen auf, bei deren „Chez Krömer“-Auftritt es so richtig heiß herging. (Anschauen kannst du die Folgen bis September 2023 in der Ard-Mediathek.)
1. Faisal Kawusi
Faisal Kawusi war Krömers letzter Talkshow-Gast und leitete das Ende von „Chez Krömer“ ein. In der Folge mit ihm gibt es einen richtigen Eklat, denn Krömer verlässt die Sendung vorzeitig. Die beiden diskutieren in der Folge unter anderem über einen Instagram-Kommentar Kawusis zum Thema K.-o.-Tropfe (hier Tipps, was du bei Verdacht auf sie tun kannst), eine rassistische Äußerung und ein Tour-Plakat des Comedians, das an die tödliche Festnahme von George Floyd 2020 erinnerte.
„Warum trittst du immer nach unten?“, fragt Krömer den Comedian in der Folge und wirft ihm seine Verwendung von Stereotypen vor. Kawusi erklärt, er sei nicht rassistisch und auch sonst niemandem gegenüber feindlich eingestellt. Das Gespräch dreht sich im Kreis und eskaliert, als Kawusi Krömer vorwirft, nicht richtig über ihn informiert zu sein. Krömer packt seine Unterlagen zusammen und geht.
2. Julian Reichelt
In der Sendung mit Ex-Bild-Chefredakteur Julian Reichelt, gegen den ein Gerichtsurteil zum Gendern fiel, geht es ebenfalls heiß her. Krömer wirft Reichelt vor, mit Inhalten seiner neuen Firma Rome Medien GmbH Applaus von Rechts zu bekommen. Er sei bei der Bild damals ja selbst Teil der „Willkommenskultur“ gewesen, rechtfertigt sich Reichelt für hetzerische Schlagzeilen gegen Geflüchtete, die bei seinen Nachrichtenseiten namens „Pleiteticker“ so umherschwirren.
Als Krömer Julian Reichelt auf seinen mutmaßlichen Machtmissbrauch anspricht, begibt sich der Journalist in eine Opferrolle und spricht von einer „abscheulichen und verleumderischen Berichterstattung als Teil einer Kampagne, die sich meines Privatlebens bemächtigt hat“. Das Compliance-Verfahren, das bei Axel Springer gegen ihn lief, sei ein „unfassbarer Einbruch in meine Privat- und Intimsphäre“ gewesen. Der Schlagabtausch zwischen den beiden hat inzwischen mehr als 2,5 Millionen Aufrufe auf YouTube.
3. Heinz-Christian Strache
Der ehemalige Vizekanzler Österreichs Heinz-Christian Strache war in der letzten Staffel zu Gast bei „Chez Krömer“ im RBB. Für besondere Unterhaltung sorgte in dieser Sendung eine Handy-Benachrichtigung des Online-Spiels „Clash of Clans“, die Strache während des Interviews mit Kurt Krömer erhielt. (Er soll früher auf Parteikosten bis zu 3.000 Euro monatlich für das Spiel ausgegeben haben.)
Kurt Krömer nennt den Ex-Kanzler in der Folge auch einen „lupenreinen Nazi, aber ohne Hakenkreuz“ und fragt ihn, ob er sich „hochgebumst habe“. Strache wirft Krömer daraufhin vor, ein Stalinist zu sein „ein humoristischer Triebtäter gegen alles, was nicht links ist“. Ein Autor beim Stern bezeichnet die Sendung als „Schlammschlacht“ und bemerkt kritisch, dass es nicht mal einen Abschied zwischen Moderator und Talkshow-Gast gegeben habe.
4. Frauke Petry
Frauke Petry, die ehemalige Bundessprecherin der AfD, stattet Kurt Krömer in der vierten Staffel einen Besuch ab und wird zu ihrer Privatinsolvenz und ihrem Misserfolg bei der Partei gelöchert. Sie sei nur hier bei „Chez Krömer“, weil die Show das Klärbecken des öffentlich-rechtlichen Rundfunks sei, sagt Krömer. „Ihr Leben ist wie die Titanic, immer wieder geht ein neues Schiff unter“, fährt er fort. Doch Petry lacht ihn für diesen Vergleich nur aus.
Als er sie auf ihren Mit-Parteigründer Bernd Lucke anspricht („Das ist ja der, den sie dann mit dem rechten Flügel abgesägt haben“) wird Petry ernst. Dieses Narrativ geistere in der Öffentlichkeit herum, sei aber falsch, sagt sie. Sie habe Björn Höcke damals eine Absage erteilt, so Petry. „Sie haben eine Partei gegründet, die ist auch abgeschmiert. Sie sehen keinerlei Parallelen?“, fragt Krömer. Daraufhin bezeichnet Petry seine Interviewführung als „Stuss“. Im Übrigen sei ihre Zeit sowieso vorbei, merkt sie an.
5. Boris Palmer
Boris Palmer, dem unser BuzzFeed-Autor nach einem Eklat um das N-Wort eine Auszeit wünscht, stellte sich Kurt Krömers Fragen in der dritten Staffel. „Wenn ich jetzt das Wort Flüchtlinge sage, fangen sie dann an, mich die ganze Zeit voll zu seifen?“, fragt Kurt Krömer den Tübinger Oberbürgermeister, dessen Amt nach einem Judensternvergleich nun auf der Kippe stehen dürfte. „Niemand mag Sie. Bei den Grünen, sind Sie das schwarze Schaf, oder?“, fragt er ihn damals.
„Warum machen Sie immer den Mund auf, wenn Sie wissen, dass es danach knallt?“, fährt er fort. Die beiden diskutieren darüber, wie sehr man „das Maul aufmachen sollte“ in einer Demokratie, wenn man wisse, dass es anstößig ist. Er zeigt Palmer ein Video von Björn Höcke, in dem dieser sich einer ähnlichen Rhetorik bedient. Am Ende thematisiert Krömer sogar den toten Vater von Palmer, der wegen Beleidigung verurteilt wurde. Er zeigt ein Video dessen Festnahme, bei dem Palmer fast die Tränen kommen.
6. Jan Fleischhauer
Der Focus-Journalist Jan Fleischhauer besucht Kurt Krömer in der fünften Folge von Staffel Drei. „Jetzt sind sie quasi Konservativer unter Konservativen?“, fragt Krömer den Redakteur, der vom Spiegel zum Focus gewechselt ist. Die beiden reden darüber, dass Jan Fleischhauer sich über Italiener lustig machte und daraufhin einen Brief vom italienischen Botschafter bekam. „Ich wusste gar nicht, dass die Italiener ein eigenes Volk sind“, sagt Fleischhauer. Bereuen würde er solche Aussagen nicht.
Er sei als Journalist immer dagegen, sagt Fleischhauer. Deswegen sei das auch alles okay und nicht rassistisch. Zum Schluss kommen die beiden noch auf das Thema Sexismus. Es geht um einen Text von Fleischhauer, in dem er sich über den Artikel einer Praktikantin lustig macht, die dachte, ihr Vorgesetzter wolle abends in einem Hotelzimmer noch „berufliche“ Dinge tun. „Wie naiv darf man sein?“, heißt sein Text. Sexuelle Belästigung relativiere der aber nicht, rechtfertigt er sich vor Krömer.
7. Erika Steinbach
Erika Steinbach ist Vorsitzende der Desiderius-Erasmus-Stiftung, die von der AfD gegründet wurde. Die heute 79-Jährige war von 1990 bis 2017 Mitglied des Deutschen Bundestages (CSU/CDU). Im Februar 2022 trat sie der AfD bei. Kurt Krömer spricht sie bei „Chez Krömer“ auf ihre eigene Vergangenheit als Flüchtlingskind aus Danzig-Westpreußen an und fragt, wie das mit ihren Positionen zur Flüchtlingspolitik heute zusammenpasst.
Sie wettere doch gar nicht, rechtfertigt die sich. „Die dürfen nicht mit ihrem antrainierten Antisemitismus daherkommen“, sagt Steinbach. „Wer jetzt?“, fragt Krömer. „Alle? Bei Ihnen hört sich es an, als sind es alle?“. Die beiden liefern sich zu diesem Thema ein hitziges Wortgefecht. Irgendwann fallen von Steinbach Aussagen wie „Stellen Sie sich doch nicht dümmer als Sie sind!“. Krömer platzt raus mit: „Was Sie öffentlich im Fernsehen sagen, ekelt mich an, kotzt mich an. Sie sind eine tragische Figur, sie tun mir leid.“
8. Jürgen Höller
Jürgen Höller ist Autor und Motivationstrainer. Manche würden ihn auch als „Erfolgsguru“ bezeichnen. Nach der Pleite seines Unternehmens saß Höller Anfang der 2000er Jahre wegen Insolvenzverschleppung und Veruntreuung von Firmengeldern im Gefängnis, schreibt die ARD über den Talkshow-Gast.
Bei „Chez Krömer“ redet er mit Kurt Krömer über Geld, Erfolg und Privatjets. Der Moderator zeigt im Verhör die Preise von Höllers Motivationsseminaren (bis zu 2700 Euro) und fragt, ob sich das ein „alleinerziehender Vater mit vier Kindern und Alkoholproblem“ leisten könne. „Wäre eine Therapie nicht besser?“
Später erzählt Höller, er habe rund 1,8 Millionen Menschen gecoacht. „Sagen Sie mal drei Leute, die jetzt in der Forbes-Liste stehen“, sagt Krömer. Als der einen Mann aufzählt, der Busse repariert, macht er sich lustig. „Er konnte keine Busse reparieren, ging zu Ihnen und kann es jetzt?“, fragt Krömer spöttisch. „Nennen Sie doch noch einen, damit wir mehr zu lachen haben.“
Weniger zum Lachen ist der Teil, in dem es um Höllers Insolvenz geht und sich der Motivationstrainer hinstellen muss, um sich zu entschuldigen. „Als hier stehender schuldhafter Verbrecher entschuldige ich mich“, soll er sagen. Zeit, seine Motivationsbotschaft wiederzugeben, hat er nicht mehr.
Mehr zum Thema: Kurt Krömer über Zwischenfall beim Schrankaufbau – „habe nach Mama und Papa geschrien“
(Mit Material der dpa)
Rubriklistenbild: © Screenshot von der RBB-Sendung „Chez Krömer“ aus der ARD-Mediathek







![„Es ist für manche Deutsche bis heute schmerzhaft zu akzeptieren, dass Deutschland schon immer [...] Second Rate [war]. Also imaginiert man auch eine Kolonialgeschichte, die es nie gab“, twitterte Jan Fleischhauer. „Es ist für manche Deutsche bis heute schmerzhaft zu akzeptieren, dass Deutschland schon immer [...] Second Rate [war]. Also imaginiert man auch eine Kolonialgeschichte, die es nie gab“, twitterte Jan Fleischhauer.](http://www.ippen.media/bilder/2023/06/07/92330448/30553774-jan-fleischhauer-redakteur-focus-2d2FE4VxPma7.jpg)

