Frohnmaier vs. Özdemir vs. Hagel – Moment mal, wer ist Hagel?
VonKatja Thorwarth
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Wer wird nach dem 8. März im Stuttgarter Landtag regieren – und wie stark wird die Opposition? Die FR stellt die Spitzenkandidaten von CDU, Grünen, AfD und SPD vor.
In den Umfragen vom 29. Januar liegt die CDU klar mit 29 Prozent vorn. Gefolgt von den Grünen (21,9) und der AfD (20,9) scheint sie bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg 2026 die langjährige Herrschaft der Ökopartei beenden zu können. Über die SPD spricht im Ländle kaum jemand, ist sie aktuell bislang nicht einmal zweistellig (9,1); interessanter ist der Wert der Linken, die mit derzeit 7,0 Prozent erstmals im Ländle eine politisch relevante Rolle spielen könnte. Die FDP muss wohl bis zum Wahltag am 8. März um 18 Uhr zittern. Die Frankfurter Rundschau von IPPEN.MEDIA stellt an dieser Stelle das Spitzenpersonal von CDU, Grünen, AfD und SPD vor.
Aussichtsreichster Kandidat für das Ministerpräsidentenamt ist Manuel Hagel, der jedoch jenseits von Baden-Württemberg noch nicht groß in Erscheinung getreten ist: So gaben im Januar in einer Umfrage von Infratest-Dimap 59 Prozent der Befragten an, Hagel sei für sie „kein Begriff“. Das muss nichts heißen, schließlich ist der ehemalige Filialdirektor der Sparkasse Ulm in Ehingen seit 2023 Landesvorsitzender und soll nach 15 Jahren die CDU wieder in die Regierungszentrale führen. Hagel kündigte eine Agenda 2036 für Baden-Württemberg an, die da lautet: Bekämpfung der Wirtschaftskrise, Bürokratieabbau, mehr Forschung und „Familienland Baden-Württemberg“.
Landtagswahl Baden-Württemberg 2026: CDU-Spitzenkandidat Hagel sieht in der AfD den „Hauptgegner“
In einem Interview mit n-tv gab der 37-Jährige eine weitere Richtung vor: „Wir müssen diesen grünen Kulturkampf gegen das Auto wirklich beenden.“ Im selben Gespräch behauptete er, dass trotz anderslautender Umfragewerte „das eigentliche Duell zwischen CDU und AfD“ stattfände: „Wir treten an, um die AfD zu schlagen. Das ist unser Hauptgegner.“
Landtagswahl in Baden-Württemberg: Özdemir strebt Kretschmann-Nachfolge an
Sollte er scheitern, müssten sich sowohl Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) als auch Hessens Boris Rhein (CDU) umorientieren: Die hatten immerhin mit Hagel im Schlepptau die „Drei-Löwen-Allianz“ ausgerufen und die „Revitalisierung der Süd-Schiene“ (Hagel) angekündigt. Hintergrund ist der Länderfinanzausgleich, bei dem die drei Geberländer Handlungsbedarf sehen. Die Stärke der Unionslöwen steht und fällt jedoch mit Hagel: „Wenn der Wiederaufstieg Deutschlands gelingen soll, dann muss er hier im deutschen Südwesten beginnen und auch gelingen.“
Vor der Landtagswahl 2026 in Baden-Württemberg: Bekannter und beliebter – der Grüne Cem Özdemir
Deutlich bekannter und beliebter als sein CDU-Herausforderer Hagel ist der 1965 geborene Grünen-Kandidat Cem Özdemir. Er möchte das Grünen-Urgestein Winfried Kretschmann beerben und gilt als prominenter Vertreter des Realoflügels. Von Dezember 2021 bis Mai 2025 war der in Bad Urach geborene „anatolische Schwabe“ (Özdemir) Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft, wobei er ökologisch-ökonomische und bildungs- sowie integrationspolitische Fragen zu seinen Kernthemen zählt. Als Co-Vorsitzender führte Özdemir die Bundespartei von 2008 bis 2018 und gewann bei der Bundestagswahl 2021 erstmals das Direktmandat in seinem Stuttgarter Wahlkreis. 2025 trat er nicht mehr an, um sich auf die baden-württembergische Landtagswahl 2026 zu konzentrieren.
Der schwäbelnde Grüne, der seit seiner Jugend Vegetarier und Fan vom VfB Stuttgart ist, studierte Sozialpädagogik und trat bereits 1981 den Grünen bei. „Ich bin deutscher Staatsbürger türkischer Herkunft. Das Schwäbische ist mir noch näher als das Deutsche, und mit der türkischen Herkunft ist es ebenfalls so einfach nicht. Auch ‚Einwanderer‘ […] trifft den Kern nicht. Ich bin zwar gut zu Fuß, aber ich bin nie eingewandert, sondern hier geboren“, wurde Özdemir 1997 zitiert.
Kontroverse Haltungen scheut er nicht, etwa wenn der zweifache Vater in einem Gastbeitrag der FAZ beklagt, dass nicht nur die Schutzbedürftigen aus den Krisengebieten kämen, sondern „in ganz überwiegender Zahl die Stärkeren, das heißt junge Männer“. Da wurde ihm teils Nähe zur AfD-Sprache attestiert, genauer gesagt lässt sich eine Verwandtschaft zum Ex-Parteigenossen Boris Palmer zumindest erahnen. Palmers Auslassungen wurden des Öfteren als rassistisch eingeordnet, wobei wir bei einem von Palmers Gesprächspartnern und einem weiteren Spitzenkandidaten wären: AfD-Mann Markus Frohnmaier.
Landtagswahl Baden-Württemberg 2026: AfD-„Vetternwirtschaft“ und Markus Frohnmaier
Der baden-württembergische AfD-Kandidat für das Amt des Ministerpräsidenten stammt eigentlich aus der Kleinen Walachai im westlichen Rumänien, wurde jedoch von einem deutschen Ehepaar adoptiert. Sein Jurastudium soll der Nicht-Biodeutsche abgebrochen haben, um sich auf die politische Arbeit zu konzentrieren. Frohnmaiers enger Bezug zu Russland lässt sich kaum leugnen, soll er doch schon früh gezielt von Moskau gefördert und in den Bundestag gehievt worden sein, wie Medienrecherchen nahelegen: Demnach heißt es in einem internen Strategiepapier der Präsidialverwaltung von Kreml-Chef Wladimir Putin, dass er ein „unter absoluter Kontrolle stehender Abgeordneter“ (gewesen?) sei.
Das hat seiner AfD-Karriere nicht geschadet, denn seit 2017 ist Frohnmaier Bundestagsabgeordneter und seit 2022 Co-Vorsitzender des Landesverbandes Baden-Württemberg: „Ich sage diesen linken Gesinnungsterroristen, diesem Parteienfilz ganz klar: Wenn wir kommen, dann wird aufgeräumt, dann wird ausgemistet, dann wird wieder Politik für das Volk und nur für das Volk gemacht – denn wir sind das Volk, liebe Freunde!“, ist ein Auszug aus seiner viel zitierten Rede in Erfurt 2015. Auf dem Podiumsgespräch in Tübingen mit dem oben erwähnten Palmer vergangenen September jedoch wollte er nichts anderes sein als ein „überzeugter Demokrat“.
In dem „Vetternwirtschaftsskandal“ 2026 fällt übrigens auch sein Name: Seine Frau Daria Frohnmaier ist seit Juli 2025 als Büroleiterin beim baden‑württembergischen AfD‑Abgeordneten Martel beschäftigt. Zuvor arbeitete sie in Russland für die regierungsnahe Tageszeitung Iswestija. Doch wie gestaltet er den „heißen“ Wahlkampf im Ländle? Vom 3. bis 5. März ist eine Reise nach Washington, D. C., geplant, wo Frohnmaier drei Tage vor den Landtagswahlen an der Veranstaltung „The Alliance of Sovereign Nations“ (Die Allianz unabhängiger Nationen) teilzunehmen gedenkt.
SPD vor Landtagswahl 2026 in Baden-Württemberg chancenlos trotz Spitzenkandidat Andreas Stoch
„Andreas dreht das“: Zwei Wochen vor den Landtagswahlen hat der 1969 in Heidenheim geborene Jurist Andreas Stoch noch nicht viel gedreht. Kam die SPD in Baden-Württemberg 2021 auf elf Prozent, liegen die Sozialdemokraten aktuell bei gerade einmal neun Prozent. An ihm dürfte es gar nicht liegen, denn seit 2011 macht die SPD im Süden keinen Stich mehr: Beobachter vermuten, dass die konservativen Grünen im waldlastigen Bundesland die Mehrheitsbedürfnisse dort eher abdecken, als eine wirtschafts- und bildungsorientierte Sozialdemokratie.
Stoch, von 2013 bis 2016 baden-württembergischer Kultusminister und seit 2018 SPD-Landesvorsitzender, ist Anhänger des abstiegsbedrohten 1. FC Heidenheim. Wirtschaft, Bildung und bezahlbarer Wohnraum stehen im Mittelpunkt seines Wahlkampfs, wobei dazu passt, dass er den Beginn seiner politischen Karriere mit dem Protest gegen die erzkonservative Bildungspolitik des damaligen CDU-Kultusministers Gerhard Mayer-Vorfelder 1990 verbindet.
Auf seinem Blog kritisiert er übrigens den Bundesinnenminister Dobrindt (CSU): „Alexander Dobrindt sagt, er müsse sparen, und ich muss lachen. Es war die SPD, die erst im vorigen November bei der Haushaltsbereinigung dafür gesorgt hat, dass es für die Integrationskurse nicht weniger, sondern deutlich mehr Geld gibt. Alexander Dobrindt sagt nicht, dass nicht die Menschen ein Problem sind, die zu gut integriert sind – sondern die, die zu wenig integriert sind. Er sagt nicht, dass Sprachkenntnisse der allerwichtigste Schlüssel sind, um in Arbeit zu kommen. Er sagt nicht, dass gerade seine eigene Partei sich am allerlautesten darüber beschwert, wenn Geflüchtete nicht arbeiten.“ (Quellen: Landeszentrale für politische Bildung, eigene Recherche) (ktho)