Landtagswahl in Baden-Württemberg

Frohnmaier vs. Özdemir vs. Hagel – Moment mal, wer ist Hagel?

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Wer wird nach dem 8. März im Stuttgarter Landtag regieren – und wie stark wird die Opposition? Die FR stellt die Spitzenkandidaten von CDU, Grünen, AfD und SPD vor.

In den Umfragen vom 29. Januar liegt die CDU klar mit 29 Prozent vorn. Gefolgt von den Grünen (21,9) und der AfD (20,9) scheint sie bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg 2026 die langjährige Herrschaft der Ökopartei beenden zu können. Über die SPD spricht im Ländle kaum jemand, ist sie aktuell bislang nicht einmal zweistellig (9,1); interessanter ist der Wert der Linken, die mit derzeit 7,0 Prozent erstmals im Ländle eine politisch relevante Rolle spielen könnte. Die FDP muss wohl bis zum Wahltag am 8. März um 18 Uhr zittern. Die Frankfurter Rundschau von IPPEN.MEDIA stellt an dieser Stelle das Spitzenpersonal von CDU, Grünen, AfD und SPD vor.

Er will der jüngste Regierungschef in der Geschichte des Landes werden: Manuel Hagel.

Aussichtsreichster Kandidat für das Ministerpräsidentenamt ist Manuel Hagel, der jedoch jenseits von Baden-Württemberg noch nicht groß in Erscheinung getreten ist: So gaben im Januar in einer Umfrage von Infratest-Dimap 59 Prozent der Befragten an, Hagel sei für sie „kein Begriff“. Das muss nichts heißen, schließlich ist der ehemalige Filialdirektor der Sparkasse Ulm in Ehingen seit 2023 Landesvorsitzender und soll nach 15 Jahren die CDU wieder in die Regierungszentrale führen. Hagel kündigte eine Agenda 2036 für Baden-Württemberg an, die da lautet: Bekämpfung der Wirtschaftskrise, Bürokratieabbau, mehr Forschung und „Familienland Baden-Württemberg“.

Landtagswahl Baden-Württemberg 2026: CDU-Spitzenkandidat Hagel sieht in der AfD den „Hauptgegner“

In einem Interview mit n-tv gab der 37-Jährige eine weitere Richtung vor: „Wir müssen diesen grünen Kulturkampf gegen das Auto wirklich beenden.“ Im selben Gespräch behauptete er, dass trotz anderslautender Umfragewerte „das eigentliche Duell zwischen CDU und AfD“ stattfände: „Wir treten an, um die AfD zu schlagen. Das ist unser Hauptgegner.“

Landtagswahl in Baden-Württemberg: Özdemir strebt Kretschmann-Nachfolge an

Landtag von Baden-Württemberg
Am 8. März wählt Baden-Württemberg einen neuen Landtag. Insgesamt treten laut Innenministerium 21 Parteien an. An erster Stelle auf den Stimmzetteln werden die Grünen stehen. Dahinter folgen CDU, SPD, FDP, AfD und die Linke. Auch die Landesliste des Bündnisses Sahra Wagenknecht (BSW) wurde für die Landtagswahl zugelassen. Wahlberechtigt sind nach Schätzung des Statistischen Landesamtes rund 7,7 Millionen Menschen.  © Christoph Schmidt/dpa
Kretschmann hält seine letzte Rede im Parlament
Wenn die Menschen in Baden-Württemberg am 8. März ihre Stimme abgeben, endet eine politische Ära im Südwesten: Winfried Kretschmann tritt nicht mehr an. Nach 15 Jahren als Ministerpräsident steht sein Name diesmal nicht mehr auf dem Stimmzettel. Die Fußstapfen sind groß, zumindest wenn man das Ansehen Kretschmanns in Politik und Volk betrachtet. © Jan-Philipp Strobel/dpa
Landesparteitag Bündnis 90/Die Grünen Baden-Württemberg
Er will Kretschmanns Erbe antreten: Cem Özdemir (hier zusammen mit dem Regierungschef beim Landesparteitag im Dezember 2025). Gerne betont Özdemir seine lange Erfahrung auf verschiedenen Ebenen der Politik. Es sei sicher kein Fehler, wenn der Ministerpräsident von Baden-Württemberg sich in Berlin, Brüssel und Washington, DC, nicht verlaufe und auch schon mal ein Ministerium von innen gesehen habe, sagte der ehemalige Bundeslandwirtschaftsminister im Wahlkampf.  © Bernd Weißbrod/dpa
Wahlkampagne der Grünen für die Landtagswahl
Die Grünen setzen bei ihrer Kampagne jedenfalls voll auf die Bekanntheit und politische Erfahrung ihres Spitzenkandidaten. Auf ihre Wahlplakate schreibt die Partei denn auch den Slogan „Özdemir – Der kann es“. Dagegen sind der Name und das Logo der Partei nicht oder nur klein zu sehen. Inhaltlich setzen die Grünen bei ihren Plakaten auf die Themen Wirtschaft, Klima und Bildung. © Marijan Murat/dpa
Landesparteitag Bündnis 90/Die Grünen Baden-Württemberg
Özdemir nennt sich selbst einen „anatolischen Schwaben“. Er wurde 1965 in Bad Urach als Sohn türkischer Gastarbeiter geboren. Inzwischen ist der gelernte Erzieher, der später Sozialpädagogik studierte und seit 1981 Mitglied der Grünen ist, Ehrenbürger seiner Heimatstadt. © Bernd Weißbrod/dpa
Cem Özdemir und Flavia Zaka
Özdemir gilt als Vertreter des pragmatischen Realo-Flügels und hatte immer wieder Konflikte mit seiner eigenen Partei, zuletzt beim Thema Migration oder beim Umgang mit dem Verbrenner-Aus. Özdemir hat mit seiner Ehefrau zwei Kinder, 2023 gab das Paar seine Trennung bekannt. Inzwischen ist er mit der kanadischen Juristin Flavia Zaka (im Bild) liiert. © Jens Kalaene/dpa
Manuel Hagel
Die CDU schickt Manuel Hagel ins Rennen. Kretschmanns Erbe werde bei den Christdemokraten in guten Händen sein, sagte Hagel schon vor langer Zeit. Es gehe um „Wirtschaft, Wirtschaft, Wirtschaft“, sagt Hagel gerne und tourt im Wahlkampf unermüdlich von einem Mittelständler zum nächsten.  © Bernd Weißbrod/dpa
Wahlkampagne der CDU für die Landtagswahl
Die CDU inszeniert ihren Spitzenkandidaten für die Landtagswahl in Baden-Württemberg als Kumpel von nebenan. „Ein Kandidat aus der Mitte des Landes. The Normal One“, sagte beispielsweise der baden-württembergische CDU-Generalsekretär Tobias Vogt bei der Vorstellung der Kampagne in Stuttgart. Die Wahlplakate konzentrieren sich vor allem auf den CDU-Landes- und Fraktionschef. Im Gegensatz zum grünen Koalitionspartner finden sich auf allen CDU-Plakaten zudem der Name der Partei in schwarzen Buchstaben und das Logo.  © Bernd Weißbrod/dpa
CDU-Spitzenkandidat Manuel Hagel bekommt „Goldene Narrenschelle“
Mitten im Wahlkampf durfte sich Hagel über die „Goldene Narrenschelle“ der Vereinigung Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte (VSAN) freuen. Die Auszeichnung hatten in den Jahren zuvor auch Winfried Kretschmann (Grüne), Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) sowie Grünen-Spitzenkandidat Cem Özdemir bekommen. Hagel ist seit Kindesbeinen als Narr der Narrenzunft Spritzenmuck in seiner Heimatstadt Ehingen aktiv. © Philipp von Ditfurth/dpa
63. Landespresseball Baden-Württemberg 2025
Der gläubige Katholik will für einen modernen Konservatismus stehen. Der Vater von drei Kindern (hier im Bild mit seiner Ehefrau Franziska) machte eine Ausbildung zum Bankkaufmann, arbeitete sich dann zum Sparkassendirektor in seiner Heimat hoch. Seit 2016 sitzt Hagel im Landtag. Er hat seitdem eine steile politische Karriere hingelegt: CDU-Generalsekretär, Fraktionschef, Landesvorsitzender. Die CDU soll „politische Heimat der Fleißigen“ sein, sagt Hagel.  © Bernd Weißbrod/dpa
Landesparteitag SPD Baden-Württemberg
Bereits zum zweiten Mal führt Landes- und Fraktionschef Andreas Stoch die SPD in die Landtagswahl. Der 56 Jahre alte Rechtsanwalt (hier rechts neben Vizekanzler Lars Klingbeil) stammt aus Heidenheim und war in der grün-roten Koalition von 2013 bis 2016 Kultusminister von Baden-Württemberg. Seit 2016 führt der Vater von vier Kindern die SPD-Landtagsfraktion, zwei Jahre später wählten ihn die Genossen auch zum Landesvorsitzenden.  © Stefan Puchner/dpa
Andreas Stoch, SPD-Fraktionsvorsitzender im Landtag von Baden-Württemberg, spricht im Magirus Werk.
Der ehemalige Kultusminister macht keinen Hehl daraus, dass er seine Partei nach zehn Jahren Opposition wieder in die Regierung führen möchte. Das wäre etwa in einer Koalition aus CDU, SPD und FDP möglich, die aber nach derzeitigen Umfragen eher keine Mehrheit hätte. © Bernd Weißbrod/dpa
Markus Frohnmaier
Für die AfD tritt Markus Frohnmaier an. Geboren in Rumänien, wurde er als Säugling von einem schwäbischen Ehepaar aus dem Kinderheim adoptiert. Von der Hauptschule über ein abgebrochenes Jurastudium arbeitete sich Frohnmaier zu einem der einflussreichsten Vertreter der AfD hoch. Frohnmaier ist Mitbegründer der mittlerweile aufgelösten AfD-Nachwuchsorganisation Junge Alternative.  © Fabian Sommer/dpa
Gala New York Young Republican Club
Seit 2017 sitzt Frohnmaier für die AfD im Bundestag. Er gilt als enger Vertrauter von Parteichefin Alice Weidel. Frohnmaier pflegt gute Kontakte nach Russland – und zu Donald Trumps MAGA-Republikanern in den USA. Im Dezember 2025 war er auf der Gala des „New York Young Republican Club“ zu Gast. „In meiner Heimat, Deutschland, hat die Machtelite den Verstand verloren“, sagte Frohmaier damals. © Anna Ringle
AfD-Landesparteitag
Einer Umfrage zufolge ist jeder Zweite in Baden-Württemberg offen für eine Zusammenarbeit anderer Parteien mit der AfD. Die Hälfte der Befragten sprach sich in einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur für verschiedene Formen der Zusammenarbeit mit der AfD aus. Allerdings stehen alle relevanten Parteien im Südwesten zur Brandmauer gegenüber der AfD, die vom Landesamt für Verfassungsschutz als rechtsextremistischer Verdachtsfall eingestuft wird. Eine Zusammenarbeit mit der AfD haben sie im Vorfeld der Wahl ausgeschlossen.  © Bernd Weißbrod/dpa
Hans-Ulrich Rülke
Während die AfD bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg starke Gewinne erzielen dürfte, kämpft die FDP im Südwesten ums politische Überleben. FDP-Landeschef und Spitzenkandidat Hans-Ulrich Rülke (im Bild) spricht diesmal von der „Mutter aller Wahlen“. Sein Argument ist leicht nachzuvollziehen: Wenn seine Liberalen im historisch bedeutsamen Stammland aus dem Parlament flögen, so Rülke, dann schafften sie es nirgendwo mehr. © Bernd Weißbrod/dpa
Dreikönigstreffen der FDP
Tatsächlich gehört die FDP dem Landtag in Stuttgart seit Gründung des Landes 1952 ununterbrochen an. Damit das so bleibt, ziehen Partei und Spitzenkandidat mit rigorosen Vorschlägen in den Wahlkampf. So wirbt Rülke für einen radikalen Umbau der Verwaltung und die Abschaffung von zwei Verwaltungsebenen: die Regionalpräsidien und Regionalverbände. Die Liberalen werben zudem für das mehrgliedrige Schulsystem und den Erhalt der Werkrealschulen.  © Bernd Weißbrod/dpa
Dreikönigstreffen der FDP
Beim traditionellen Dreikönigstreffen fiel Rülke dadurch auf, dass er sich mit einem Plüschtier über Cem Özdemir lustig machte. Dieser schmücke sich aus seiner Sicht mit „fremden Federn“, sagte Rülke. So nehme der Grünen-Politiker Positionen anderer Parteien ein – teils entgegen denen seiner eigenen Partei. Rülke verglich Özdemir dabei mit einer Krähe aus einer Fabel des Dichters Äsop. In der Fabel würden der Krähe schließlich die falschen Federn wieder vom Leib gerissen. „Es bleibt der gleiche hässliche Vogel“, so Rülke. Die Krähe werde „nicht Königin, weder bei Äsop noch in Baden-Württemberg“. © Bernd Weißbrod/dpa
Dreikönigstreffen der FDP
Unterdessen ist FDP-Generalsekretärin Nicole Büttner vor der Wahl eine riskante Wette eingegangen. „Ich rasiere mir eine Glatze, wenn wir den Einzug in den Landtag verpassen. Alles weg. Radikal“, sagte sie der „Schwäbischen Zeitung“. Doch sie gab sich optimistisch: „Sie erleben mich am Wahlabend strahlend und mit voller Haarpracht“, lautete ihre Prognose.  © Bernd Weißbrod/dpa
Linke wählt Landesliste für Landtagswahl 2026
Sie könnte ihre Partei zum ersten Mal überhaupt in den Landtag führen: Kim Sophie Bohnen steht auf Platz eins der Landesliste der Linken. Die Heidelbergerin ist gelernte Bankkauffrau – und wählte den Weg in die Politik nach eigenen Worten nach einem Schlüsselerlebnis mit einer weinenden Rentnerin am Bankschalter, die nicht wusste, wie sie den nächsten Einkauf zahlen soll.  © Marijan Murat/dpa
Landesparteitag Die Linke Baden-Württemberg
Ihr Schwerpunktthema sind die hohen Mieten. Bohnen sitzt seit 2023 im Landesvorstand der Linken in Baden-Württemberg und ist wissenschaftliche Mitarbeiterin der Linken-Fraktion im Bundestag. Im Bild zu sehen ist das Spitzentrio zur Landtagswahl in Baden-Württemberg 2026: Mersedeh Ghazaei, Kim Sophie Bohnen und Amelie Vollmer (von links). © Bernd Weißbrod/dpa
Vorstellung des Wahl-O-Mat zur Landtagswahl
Der Wahl-O-Mat der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg hilft den Wahlberechtigten bei ihrer Entscheidung. Ob diesmal besonders viele 16- und 17-Jährige dieses Instrument nutzen werden? Immerhin wurde das Wahlalter von 18 auf 16 Jahre gesenkt. Noch bedeutsamer: Es gibt jetzt zwei Stimmen, ähnlich wie bei der Bundestagswahl. Mit der Erststimme wird ein Wahlkreiskandidat oder eine Wahlkreiskandidatin direkt gewählt. Mit der Zweitstimme wird eine Partei gewählt. Diese stellt dafür eine Landesliste auf, über die Kandidatinnen und Kandidaten in den Landtag einziehen können.  © Marijan Murat/dpa
Jahresveranstaltung Strategiedialog Automobilwirtschaft
Die Wirtschaftskrise verleiht der Wahl zusätzliche Brisanz. Baden-Württemberg ist ein industrielles Herz Deutschlands – und besonders abhängig von der Autoindustrie. Das weiß auch Winfried Kretschmann, der sich im November 2025 von Ola Källenius (Vorstandsvorsitzender Mercedes-Benz Group, rechts) ein Fahrzeug erklären ließ. Der tiefgreifende Strukturwandel schlägt im Land unbarmherziger zu als in anderen Gegenden. Tausende Arbeitsplätze stehen zur Disposition, ganze Regionen blicken mit Sorge auf die Zukunft. Im Wahlkampf geht es um Standortfragen, Jobrettung und Bürokratieabbau.  © Bernd Weißbrod/dpa
Treffen von Özdemir und Palmer in Solarthermie-Park Tübingen
Noch eine Frage treibt die Menschen in Baden-Württemberg um: Bekommt Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer (links) nach der Wahl ein Amt in Stuttgart? Darüber will Grünen-Spitzenkandidat Cem Özdemir (rechts) erst nach einem möglichen Wahlsieg entscheiden. „Das Fell des Bären wird nicht vor der Wahl verteilt“, antwortete er Ende Januar am Rande eines gemeinsamen Wahlkampfauftritts mit Palmer in Tübingen auf die Frage, ob er sich Palmer in seinem Kabinett wünschen würde. © Bernd Weißbrod/dpa
Treffen von Özdemir und Palmer in Solarthermie-Park Tübingen
Palmer selbst äußerte sich zurückhaltend zur Frage nach einem Wechsel nach Stuttgart. „Das Gerücht, dass ich jetzt auch im Winter bei offenem Fenster schlafe, um den Ruf aus Stuttgart nicht zu überhören, ist nachweislich falsch“, sagte der parteilose Oberbürgermeister von Tübingen, der früher Mitglied der Grünen war. Hintergrund der Diskussion ist eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur, wonach sich mehr als ein Drittel der Menschen im Südwesten wünscht, dass Palmer nach der Landtagswahl eine Rolle auf Landesebene spielt. 39 Prozent gaben an, Palmer solle nach der Wahl ein Amt in der Landespolitik bekommen.  © Bernd Weißbrod/dpa

Sollte er scheitern, müssten sich sowohl Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) als auch Hessens Boris Rhein (CDU) umorientieren: Die hatten immerhin mit Hagel im Schlepptau die „Drei-Löwen-Allianz“ ausgerufen und die „Revitalisierung der Süd-Schiene“ (Hagel) angekündigt. Hintergrund ist der Länderfinanzausgleich, bei dem die drei Geberländer Handlungsbedarf sehen. Die Stärke der Unionslöwen steht und fällt jedoch mit Hagel: „Wenn der Wiederaufstieg Deutschlands gelingen soll, dann muss er hier im deutschen Südwesten beginnen und auch gelingen.“ 

Vor der Landtagswahl 2026 in Baden-Württemberg: Bekannter und beliebter – der Grüne Cem Özdemir

Deutlich bekannter und beliebter als sein CDU-Herausforderer Hagel ist der 1965 geborene Grünen-Kandidat Cem Özdemir. Er möchte das Grünen-Urgestein Winfried Kretschmann beerben und gilt als prominenter Vertreter des Realoflügels. Von Dezember 2021 bis Mai 2025 war der in Bad Urach geborene „anatolische Schwabe“ (Özdemir) Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft, wobei er ökologisch-ökonomische und bildungs- sowie integrationspolitische Fragen zu seinen Kernthemen zählt. Als Co-Vorsitzender führte Özdemir die Bundespartei von 2008 bis 2018 und gewann bei der Bundestagswahl 2021 erstmals das Direktmandat in seinem Stuttgarter Wahlkreis. 2025 trat er nicht mehr an, um sich auf die baden-württembergische Landtagswahl 2026 zu konzentrieren.

Der schwäbelnde Grüne, der seit seiner Jugend Vegetarier und Fan vom VfB Stuttgart ist, studierte Sozialpädagogik und trat bereits 1981 den Grünen bei. „Ich bin deutscher Staatsbürger türkischer Herkunft. Das Schwäbische ist mir noch näher als das Deutsche, und mit der türkischen Herkunft ist es ebenfalls so einfach nicht. Auch ‚Einwanderer‘ […] trifft den Kern nicht. Ich bin zwar gut zu Fuß, aber ich bin nie eingewandert, sondern hier geboren“, wurde Özdemir 1997 zitiert.

Cem Özdemir will Ministerpräsident werden. (Archivbild)

Kontroverse Haltungen scheut er nicht, etwa wenn der zweifache Vater in einem Gastbeitrag der FAZ beklagt, dass nicht nur die Schutzbedürftigen aus den Krisengebieten kämen, sondern „in ganz überwiegender Zahl die Stärkeren, das heißt junge Männer“. Da wurde ihm teils Nähe zur AfD-Sprache attestiert, genauer gesagt lässt sich eine Verwandtschaft zum Ex-Parteigenossen Boris Palmer zumindest erahnen. Palmers Auslassungen wurden des Öfteren als rassistisch eingeordnet, wobei wir bei einem von Palmers Gesprächspartnern und einem weiteren Spitzenkandidaten wären: AfD-Mann Markus Frohnmaier.

Landtagswahl Baden-Württemberg 2026: AfD-„Vetternwirtschaft“ und Markus Frohnmaier

Der baden-württembergische AfD-Kandidat für das Amt des Ministerpräsidenten stammt eigentlich aus der Kleinen Walachai im westlichen Rumänien, wurde jedoch von einem deutschen Ehepaar adoptiert. Sein Jurastudium soll der Nicht-Biodeutsche abgebrochen haben, um sich auf die politische Arbeit zu konzentrieren. Frohnmaiers enger Bezug zu Russland lässt sich kaum leugnen, soll er doch schon früh gezielt von Moskau gefördert und in den Bundestag gehievt worden sein, wie Medienrecherchen nahelegen: Demnach heißt es in einem internen Strategiepapier der Präsidialverwaltung von Kreml-Chef Wladimir Putin, dass er ein „unter absoluter Kontrolle stehender Abgeordneter“ (gewesen?) sei.

Das hat seiner AfD-Karriere nicht geschadet, denn seit 2017 ist Frohnmaier Bundestagsabgeordneter und seit 2022 Co-Vorsitzender des Landesverbandes Baden-Württemberg: „Ich sage diesen linken Gesinnungsterroristen, diesem Parteienfilz ganz klar: Wenn wir kommen, dann wird aufgeräumt, dann wird ausgemistet, dann wird wieder Politik für das Volk und nur für das Volk gemacht – denn wir sind das Volk, liebe Freunde!“, ist ein Auszug aus seiner viel zitierten Rede in Erfurt 2015. Auf dem Podiumsgespräch in Tübingen mit dem oben erwähnten Palmer vergangenen September jedoch wollte er nichts anderes sein als ein „überzeugter Demokrat“.

Markus Frohnmaier, der Spitzenkandidat der AfD für die Landtagswahl reist in die USA. (Archivbild)

In dem „Vetternwirtschaftsskandal“ 2026 fällt übrigens auch sein Name: Seine Frau Daria Frohnmaier ist seit Juli 2025 als Büroleiterin beim baden‑württembergischen AfD‑Abgeordneten Martel beschäftigt. Zuvor arbeitete sie in Russland für die regierungsnahe Tageszeitung Iswestija. Doch wie gestaltet er den „heißen“ Wahlkampf im Ländle? Vom 3. bis 5. März ist eine Reise nach Washington, D. C., geplant, wo Frohnmaier drei Tage vor den Landtagswahlen an der Veranstaltung „The Alliance of Sovereign Nations“ (Die Allianz unabhängiger Nationen) teilzunehmen gedenkt.

Landtagswahl Baden-Württemberg 2026

Alle aktuellen Umfragen zur Landtagswahl Baden-Württemberg 2026

SPD vor Landtagswahl 2026 in Baden-Württemberg chancenlos trotz Spitzenkandidat Andreas Stoch

„Andreas dreht das“: Zwei Wochen vor den Landtagswahlen hat der 1969 in Heidenheim geborene Jurist Andreas Stoch noch nicht viel gedreht. Kam die SPD in Baden-Württemberg 2021 auf elf Prozent, liegen die Sozialdemokraten aktuell bei gerade einmal neun Prozent. An ihm dürfte es gar nicht liegen, denn seit 2011 macht die SPD im Süden keinen Stich mehr: Beobachter vermuten, dass die konservativen Grünen im waldlastigen Bundesland die Mehrheitsbedürfnisse dort eher abdecken, als eine wirtschafts- und bildungsorientierte Sozialdemokratie.

Stoch, von 2013 bis 2016 baden-württembergischer Kultusminister und seit 2018 SPD-Landesvorsitzender, ist Anhänger des abstiegsbedrohten 1. FC Heidenheim. Wirtschaft, Bildung und bezahlbarer Wohnraum stehen im Mittelpunkt seines Wahlkampfs, wobei dazu passt, dass er den Beginn seiner politischen Karriere mit dem Protest gegen die erzkonservative Bildungspolitik des damaligen CDU-Kultusministers Gerhard Mayer-Vorfelder 1990 verbindet.

Der ehemalige Kultusminister Stoch macht kein Hehl daraus, dass er seine Partei nach zehn Jahren Opposition wieder in die Regierung führen möchte.

Auf seinem Blog kritisiert er übrigens den Bundesinnenminister Dobrindt (CSU): „Alexander Dobrindt sagt, er müsse sparen, und ich muss lachen. Es war die SPD, die erst im vorigen November bei der Haushaltsbereinigung dafür gesorgt hat, dass es für die Integrationskurse nicht weniger, sondern deutlich mehr Geld gibt. Alexander Dobrindt sagt nicht, dass nicht die Menschen ein Problem sind, die zu gut integriert sind – sondern die, die zu wenig integriert sind. Er sagt nicht, dass Sprachkenntnisse der allerwichtigste Schlüssel sind, um in Arbeit zu kommen. Er sagt nicht, dass gerade seine eigene Partei sich am allerlautesten darüber beschwert, wenn Geflüchtete nicht arbeiten.“ (Quellen: Landeszentrale für politische Bildung, eigene Recherche) (ktho)

Rubriklistenbild: © Kay Nietfeld/dpa

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