„Unseriös und populistisch“: Pro Asyl kritisiert Linnemanns CDU-Abschiebepläne
VonJan-Frederik Wendt
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CDU-Generalsekretär Linnemann fordert eine strengere Politik gegen straffällige Asylbewerber. Pro Asyl widerspricht vehement.
Berlin - Die harten Forderungen des CDU-Generalsekretärs Carsten Linnemann gegenüber straffälligen Asylbewerbern haben heftige Kritik von der Flüchtlingsorganisation Pro Asyl hervorgerufen. Wiebke Judith, rechtspolitische Sprecherin, äußerte gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland: „Die CDU läutet den Wahlkampf mit unseriösen und populistischen Abschiebeforderungen ein“.
Linnemann hatte zuvor im Deutschlandfunk die Ansicht vertreten, dass Asylbewerber in Deutschland ihr Aufenthaltsrecht verlieren und abgeschoben werden sollten, wenn sie zweimal wegen Straftaten verurteilt werden. Er argumentierte, dass jemand, der zweimal vorsätzlich eine Straftat begeht, sich nicht an Recht und Gesetz hält. „Und er hat sein Gastrecht verwirkt“, sagte der CDU-Politiker vor der Bundestagswahl am 23. Februar.
Pro Asyl kritisiert Linnemanns CDU-Abschiebepläne für straffällige Asylbewerber
Pro Asyl hält Linnemanns Abschiebepläne für nicht vereinbar mit internationalem Recht. „Solche Forderungen passen zwar auf Wahlplakate, halten aber einer rechtlichen Prüfung nicht stand“, betonte Judith. „Gerade wenn es um Abschiebungen in Staaten geht, wo Folter oder unmenschliche Lebensbedingungen drohen, steht das internationale Recht dem klar entgegen.“
Für Linnemann sei es „unerträglich, dass es Menschen gibt, die zigfach vorbestraft sind - dies aber keinerlei Auswirkungen darauf hat, ob sie das Land verlassen müssen oder nicht.“ Nach einem „Warnschuss“ solle künftig „bei der zweiten vorsätzlichen Straftat das Aufenthaltsrecht zwingend erlöschen“, forderte der Christdemokrat in einem Bild-Interview. Laut Linnemann sollten bereits Delikte wie Diebstahl und Einbruch zur Abschiebung führen.
Trotz Kritik: Linnemann will Asylbewerber ohne Aufenthaltstitel auch in Drittstaaten abschieben
Zusätzlich plädierte Linnemann dafür, dass die Ausweisungen von Asylbewerbern ohne Aufenthaltstitel „konsequenter und schneller erfolgen“ sollten. Er forderte mehr Abschiebeabkommen mit anderen Staaten, um Straftäter auszuweisen - „wenn nötig auch in Drittstaaten“.
Syrien-Rebellen stürzen Assad: Die Bilder des Machtwechsels
Friedrich Merz (CDU) unterstrich, dass die Union trotz der unsicheren Lage in Syrien nach dem Sturz des Ex-Diktators Baschar al-Assad, an der Forderung nach Abschiebung syrischer Straftäter festhalte. „Das Land ist nach wie vor sehr instabil, das wissen wir“, sagte der Union-Kanzlerkandidat der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. „Aber wir sind in der Union ja schon seit längerer Zeit der Auffassung, dass man nach Afghanistan und Syrien grundsätzlich abschieben kann und sollte. Das würden wir machen.“ (Jan-Frederik Wendt)