Verfolgung von Foltergenerälen

General Hassan festgenommen: Wohl verantwortlich für Tausende Tote

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General Hassan wurde verhaftet. Ihm werden Tausende Tote vorgeworfen. Die Festnahme könnte zur Aufklärung von Assad-Verbrechen beitragen.

Washington, D.C. – Die neuen Behörden in Syrien haben einen Assad-General festgenommen durch den „tausende“ von Menschen gestorben sein sollen. Der General Mohammed Kanjo Hassan stellte Todesstrafen für Gefangene aus und bereicherte sich an seiner Machtposition. Als Teil einer größeren Verfolgung von Foltergenerälen des gestürzten Syrien-Machthabers Baschar al-Assad macht die Festnahme Hoffnung auf die Aufklärung der Gräultaten unter Assad.

Hassan wurde nach Angaben der in Großbritannien ansässigen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte in der Provinz Tartus, einer Hochburg von Assads Clan, zusammen mit 20 Gefolgsmännern festgenommen. Bilder in den sozialen Medien zeigten Hassan mit Blut im Gesicht auf der Ladefläche eines Pick-Ups. Am Vortag war der erste Versuch einer Festnahme lauf der Beobachtungsstelle gescheitert. Drei Vertreter der ehemaligen Regierung und 14 Sicherheitskräfte der neuen Regierung seien getötet worden.

Syrien-Rebellen stürzen Assad: Die Bilder des Machtwechsels

Machthaber Baschar al-Assad ist gestürzt. In ganz Syrien versammeln sich Menschen, um den Sturz der syrischen Regierung zu feiern.
Machthaber Baschar al-Assad ist gestürzt und hat das Land verlassen. Der Bürgerkrieg in Syrien ist beendet. Im ganzen Land versammeln sich Menschen wie hier in der Hauptstadt Damaskus auf den Straßen. Sie feiern den Sturz der syrischen Regierung und das Ende der über 50 Jahre andauernden Herrschaft der Assad-Dynastie.  © dpa/DIA Photo/AP | Ugur Yildirim
Ein zerbrochenes Porträt des syrischen Ex-Präsidenten Hafez Assad liegt auf dem Boden. Menschen durchwühlten die Privatwohnung des geflohenen Machthabers Baschar al-Assad.
Ein zerbrochenes Porträt des syrischen Ex-Präsidenten Hafez Assad liegt auf dem Boden. Der im Jahr 2000 verstorbene Hafez Assad war der Vater Baschar al-Assads und herrschte von 1970 bis zu seinem Tod über das Land. Bürgerinnen und Bürger strömten auch in den Präsidentenpalast und in eine Privatwohnung des geflohenen Machthabers. © dpa/AP | Hussein Malla
Menschen gehen durch die Hallen des Präsidentenpalastes des syrischen Präsidenten, nach dem Sturz des bisherigen syrischen Machthabers al-Assad.
Der Präsidentenpalast wird nach dem Sturz Baschar al-Assads in Syrien zu einem Publikumsmagenten. Hunderte Menschen strömten in den Protzbau des Ex-Präsidenten und wandelten durch die Hallen. © Hussein Malla / dpa
Eine Gruppe von Menschen macht ein Familienfoto, während sie auf einer Couch in einem Saal des Präsidentenpalastes, nach dem Sturz des bisherigen syrischen Machthabers al-Assad.
Eine Gruppe von Menschen macht ein Familienfoto, während sie auf einer Couch in einem Saal des Präsidentenpalastes, nach dem Sturz des bisherigen syrischen Machthabers al-Assad. © dpa/AP | Hussein Malla
Syrische Oppositionskämpfer stehen vor dem beschädigten Eingang der iranischen Botschaft, nach dem Sturz des bisherigen syrischen Machthabers al-Assad.
Syrische Oppositionskämpfer stehen vor dem beschädigten Eingang der iranischen Botschaft, nach dem Sturz des bisherigen syrischen Machthabers al-Assad. © dpa/AP | Hussein Malla
Syrische Oppositionskämpfer entfernen eine syrische Regierungsflagge von einem offiziellen Gebäude in Salamiyah, östlich von Hama.
Syrische Oppositionskämpfer entfernen eine syrische Regierungsflagge von einem offiziellen Gebäude in Salamiyah, östlich von Hama. © dpa/AP | Ghaith Alsayed
Überall auf den Straßen feiern Menschen den Sturz Assads.
Überall auf den Straßen feiern Menschen den Sturz Assads. © dpa/AP | Emrah Gurel
Ein Satellitenbild von Maxar Technologies zeigt eine riesige Menschenansammlung in Aleppo.
Ein von Maxar zur Verfügung gestelltes Satellitenbild zeigt feiernde Menschen auf den Straßen Aleppos. © dpa/Maxar Technologies/AP | Uncredited
Rauchschwaden im Hintergrund, während Einwohner und Oppositionskämpfer auf einem zentralen Platz in Damaskus feiern.
Rauchschwaden im Hintergrund, während Einwohner und Oppositionskämpfer auf einem zentralen Platz in Damaskus feiern. © dpa/AP | Ghaith Alsayed
Menschen versammeln sich zur Feier des Sturzes der syrischen Regierung in einer Glaubensmoschee.
Menschen versammeln sich zur Feier des Sturzes der syrischen Regierung in einer Glaubensmoschee. © dpa/AP | Emrah Gurel
Rebellen-Anführer Abu Mohammed al-Dschulani spricht in der Umayyaden-Moschee nach der Machtübernahme in Syrien.
Rebellen-Anführer Abu Mohammed al-Dschulani spricht in der Umayyaden-Moschee nach der Machtübernahme in Syrien. © dpa/AP | Omar Albam
Ein Bild von Baschar al-Assad in der Stadt Hama ist durchlöchert von Kugeln.
496721846.jpg © Omar Albam / dpa
Überläufer stellen sich in einer Reihe auf, um ihre Daten bei den syrischen Aufständischen in Aleppo, Syrien, zu registrieren.
Überläufer stellen sich in einer Reihe auf, um ihre Daten bei den syrischen Aufständischen in Aleppo, Syrien, zu registrieren. © dpa/AP | Omar Albam
Nachdem syrische Rebellen Hama erob ert haben, fliehen Menschen aus der Stadt.
Nachdem syrische Rebellen Hama erobert haben, fliehen Menschen aus der Stadt. © dpa/AP | Ghaith Alsayed
Oppositionskämpfer fahren an Panzern der Regierungstruppen vorbei, die auf einer Autobahn zurückgelassen wurden, nach dem Sturz des bisherigen syrischen Machthabers al-Assad.
Oppositionskämpfer fahren an Panzern der Regierungstruppen vorbei, die auf einer Autobahn zurückgelassen wurden, nach dem Sturz des bisherigen syrischen Machthabers al-Assad. © Hussein Malla / dpa
Eine zerstörte Straße nach einem Angriff der syrischen Armee in Aleppo.
Eine zerstörte Straße nach einem Angriff der syrischen Armee in Aleppo. © Anas Alkharboutli / dpa
Ein syrischer Oppositionskämpfer hält einen Raketenwerfer vor dem Büro der Provinzregierung, an dessen Fassade ein Bild des syrischen Präsidenten Baschar Assad von Kugeln durchlöchert ist.
Ein syrischer Oppositionskämpfer hält einen Raketenwerfer vor dem Büro der Provinzregierung, an dessen Fassade ein Bild des syrischen Präsidenten Baschar Assad von Kugeln durchlöchert ist. © dpa/AP | Ghaith Alsayed
Ein Kind erklimmt eine abgerissene Statue des ehemaligen Präsidenten Hafis al-Assad. In ganz Syrien wurden derartige Statuen gestürzt.
Ein Kind erklimmt eine abgerissene Statue des ehemaligen Präsidenten Hafis al-Assad. In ganz Syrien wurden derartige Statuen gestürzt. © dpa/IMAGESLIVE via ZUMA Press Wire | Juma Mohammad
Ein im Bürgerkrieg zerstörtes Fahrzeug der syrischen Armee.
Ein im Bürgerkrieg zerstörtes Fahrzeug der syrischen Armee. © IMAGO/Rami Alsayed
Ein syrischer Oppositionskämpfer zerreißt am internationalen Flughafen von Aleppo ein großes Bild, das den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad und seinen verstorbenen Vater Hafis al-Assad zeigt.
Ein syrischer Oppositionskämpfer zerreißt am internationalen Flughafen von Aleppo ein großes Bild, das den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad und seinen verstorbenen Vater Hafis al-Assad zeigt. © dpa/AP | Omar Albam
Eine zerbrochene Büste des alten syrischen Präsidenten Hafez Assad
Eine zerbrochene Büste des alten syrischen Präsidenten Hafez Assad, Vater des jetzigen Präsidenten Baschar al-Assad, liegt auf einem von Oppositionskämpfern zerstörten Fliesenboden in Aleppo. © dpa/AP | Omar Albam
Syrische Oppositionskämpfer stehen auf einem beschlagnahmten Kampfjet auf einem Militärflughafen nahe der Stadt Hama.
Syrische Oppositionskämpfer stehen auf einem beschlagnahmten Kampfjet auf einem Militärflughafen nahe der Stadt Hama. © dpa/AP | Ghaith Alsayed
Syrer feiern die Ankunft der Rebellen in Damaskus auf einem Panzerfahrzeug.
Syrer feiern die Ankunft der Rebellen in Damaskus auf einem Panzerfahrzeug. © dpa/AP | Omar Sanadiki
Noch im Morgengrauen feierten Menschen die Ankunft der Rebellen in Damaskus. Immer wieder feuerten Syrer mit Gewehren in die Luft.
Noch im Morgengrauen feierten Menschen die Ankunft der Rebellen in Damaskus. Immer wieder feuerten Syrer mit Gewehren in die Luft. © dpa/AP | Omar Sanadiki
Auch in Deutschland feierten die Exil-Syrer die Flucht von Assad. Hier etwa in Mainz.
Auch in Deutschland feierten die Exil-Syrer die Flucht von Assad. Hier etwa in Mainz. © dpa | Andreas Arnold

Folter im Assad-Regime an der Tagesordnung – General Hassan war wohl maßgeblich Teil davon

Die Nationale Koalition der syrischen Revolutions- und Oppositionskräfte, die im Exil gegründet wurde, betonte das Gewicht der Festnahme auf dem Weg zur Gerechtigkeit und der Aufklärung von Verbrechen unter der Assad-Herrschaft. Unter dem Assad-Regime war Folter an der Tagesordnung. Amnesty International sprach seit Jahren von einem „menschlichen Schlachthaus“. Besonders berüchtigt ist das Gefängnis von Saydnaya, in welchem zum Beginn des syrischen Bürgerkriegs auch Hassan tätig war.

Von 2011 bis 2014, also zum Beginn des syrischen Bürgerkriegs, war Hassan die Leitung des syrischen Militärfeldgerichts, so Diab Serrija, der Mitgründer der „Vereinigung der Häftlinge und Vermissten des Saydnaya-Gefängnisses“ (ADMSP) . Laut Amnesty seien insgesamt bis zu 13.000 Gefangene systematisch ermordet worden. Dazu kommen weitere tausende Menschen, die durch die Haftbedingungen starben: Folter, Misshandlung, Hunger, Durst und fehlende medizinische Behandlung standen an der Tagesordnung.

Bei einem Gedenkmarsch wird an Opfer der Gefängnisse im Assad-Regime erinnert.

Laut dem ADMSP seien seit 2011 etwa 30.000 Personen in die Einrichtung aufgenommen worden, während nur 6.000 wieder freigelassen wurden. Die anderen werden noch vermisst. Im Gefängnis soll Hassan laut der ADMSP potenziell 150 Millionen Dollar mit Bestechungsgeldern verdient haben. Vor allem seien diese von den Angehörigen der Gefangenen gezahlt, um Informationen über ihre Angehörigen zu bekommen.

Folter-Regime in Syrien unter Assad: Saydnaya und General Hassan sind erst der Anfang

Das Gefängnis von Saydnaya ist nur ein bekannteres Beispiel für einen ganzen Komplex von Foltergefängnissen und Ermordungen, der in Syrien vermutet wird. Auch die Taten von Hassan gingen weit über das Gefängnis hinaus: Als späterer Chef der Militärjustiz soll er laut Serrija „tausenden Menschen“ ein Todesurteil ausgesprochen haben, oft nach „Prozessen, die Minuten dauerten“ – auch weil laut der Organisation Pro Justice, die sich für die Aufarbeitung des Assad-Regimes einsetzt, viele Angeklagte gar nicht angehört wurden. Ein Bericht des Gewaltdokumentationszentrums in Syrien listete Hassan laut Pro Justice als einen der Richter auf, die als inhumansten galten.

Viele davon wurden wohl in Anlagen von Saydnaya eingesperrt, wo laut Pro Justices auch Geständnisse erzwungen wurden. Das ganze Ausmaß wird sich wohl erst in den kommenden Monaten und Jahren zeigen. Laut einer Studie des Rechtsprofessors Jeremy Sarkin galten in Syrien schätzungsweise mehr als 150.000 Menschen als verschwunden. (lismah)

Rubriklistenbild: © SHADI AL-DUBAISI/AFP

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