Regierung in der Haushaltskrise

3 gute Gründe, warum sich Arbeit tatsächlich lohnt

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Im Schnitt arbeitest du in deinem Leben 52.700 Stunden. Zahlt sich das wirklich aus oder lohnen sich Jobs meist gar nicht mehr?

Politiker:innen diskutieren über die für Anfang 2024 geplante Erhöhung des Bürgergelds, das Anfang 2023 eingeführt wurde. Die FDP setzt sich trotz des Neins von Sozialminister Hubertus Heil für eine Neuberechnung ein.

FDP: Wer arbeite, müsse „immer mehr Geld übrig haben als jemand, der das nicht tut“

FDP-Fraktionschef Christian Dürr sagte der Bild-Zeitung am Dienstag (5. Dezember 2023): „Ich hielte es für richtig, im Zuge der Beratungen über den Haushalt auch über die Berechnung des Bürgergelds zu sprechen. Denn die Berechnungsmethode kommt noch aus Zeiten von Hartz IV – das ist längst überholt.“ Es müsse genau geprüft werden, „ob mit der alten Berechnungsmethode das Lohnabstandsgebot gewahrt werden kann“. Wer arbeite, müsse „immer mehr Geld übrig haben als jemand, der das nicht tut“, sagte der FDP-Politiker.

Die mehr als fünf Millionen Bürgergeld-Empfänger:innen sollen zum 1. Januar 2024 im Schnitt rund zwölf Prozent mehr Geld bekommen – Alleinstehende dann 563 Euro. Union und FDP halten die deutliche Erhöhung für unangemessen. Bundesfinanzminister Christian Lindner hatte den Bereich Soziales mit dem Bürgergeld als einen Sparbereich genannt, um eine Milliardenlücke im Haushalt 2024 zu stopfen. Die Verhandlungen innerhalb der Bundesregierung dazu dauern noch an.

Die SPD kämpft für eine Erhöhung des Bürgergelds

Sozialminister Heil hatte zuletzt betont, es sei „moralisch unverantwortlich und mit der Verfassung nicht vereinbar“, den Betroffenen eine Anpassung der Regelsätze zu verwehren. Regierungssprecher Steffen Hebestreit sagte: „Ich wüsste nicht, dass es innerhalb der Bundesregierung Pläne gibt, an der gesetzlichen Grundlage etwas zu verändern.“

Katja Mast, die Parlamentarische Geschäftsführerin der SPD, zeigte sich am 4. Dezember im Gespräch mit der WELT erschreckt davon, „wie die Union über Menschen spricht, die auf Unterstützung angewiesen“ seien. „Das Bundesverfassungsgericht hat deutlich gemacht, dass es ein menschenwürdiges Existenzminimum in Deutschland braucht. Das ist das Bürgergeld. Entgegen der konservativen Angriffe auf unseren Sozialstaat steht fest: Arbeit lohnt sich.“

Lohnt sich Arbeit wirklich?

52.700 Stunden verbringen wir in unserem Leben im Schnitt mit Arbeit, wie eine Studie des Münchner Roman Herzog Institut zeigt. Viele sitzen stundenlang an ihrem Schreibtisch. Andere arbeiten in Fabriken, auf dem Bau oder in der Pflege. Sie leisten harte körperliche Arbeit. Hat die SPD recht, dass sich das lohnen kann?

Drei Gründe, warum sich Arbeit für dich auszahlt:

1. Finanzieller Vorteil

Eine einfache Rechnung zeigt, dass es sich nicht lohnt, Bürgergeld zu beziehen statt zu arbeiten. Das spricht gegen das Argument der FDP. Denn auch eine Erhöhung von zwölf Prozent würde Arbeitslosigkeit finanziell nicht attraktiv machen. Noch immer hätten Bürgergeld-Empfänger:innen weniger Geld zur Verfügung, als Menschen, die arbeiten. Im Moment kommen Bürgergeld-Empfänger:innen kaum durch den Monat, wie eine TikTokerin mit einem Experiment zeigt.

2. Arbeitslosigkeit macht unglücklich

Keine Arbeit zu haben, kann sich negativ auf das Wohlbefinden auswirken. Sogar so sehr, dass Betroffene die psychischen Narben aus dieser Zeit noch fünf Jahre später spüren, wenn sie längst wieder arbeiten. Die allgemeine Zufriedenheit ist dann immer noch niedriger, als vor der Arbeitslosigkeit. Das geht aus einer Studie der Wirtschaftssoziologen Andreas Eberl und Tobias Wolbring hervor.

3. Ein Großteil von uns ist zufrieden mit seiner Arbeit

Es ist bekannt, dass Arbeit auch schon bei jungen Menschen zu Burnout und Stresserkrankungen führen kann. Nur selten wird darüber gesprochen, dass die meisten Deutschen zufrieden mit ihrer Arbeit sind.

Arbeiten und trotzdem zufrieden sein, ist möglich.

Laut einer Studie der Personalvermittlungsfirma Avantgarde Express und dem Meinungsforschungsinstitut YouGov ist die Arbeitszufriedenheit sogar auf einem Höhepunkt. 2023 sagen 79 Prozent der Beschäftigten, dass sie „eher zufrieden“ bis „vollkommen zufrieden“ mit ihren Arbeitsbedingungen sind. 2022 waren es dagegen nur 68 Prozent.

(Mit Material der dpa)

Rubriklistenbild: ©  IMAGO / Westend61/ Collage BuzzFeed News Deutschland

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