Ukraine-Krieg

Macht Putin Kasse mit Nord Stream 1? Gazprom vermeldet Rekordeinnahmen

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Durch die Turbine Nord Stream 1 läuft vorübergehend wieder kein Gas.
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Trotz Energiesparen in Deutschland und Sanktionen fährt Gazprom einen Rekordgewinn ein. Größter Profiteur: Putin. Er kann weiter seinen Krieg finanzieren.

Moskau/Berlin – 41,6 Milliarden Euro Gewinn. Das ist die Summe, die das russische Gasunternehmen Gazprom nach eigenen Angaben im ersten Halbjahr 2022 erwirtschaftet haben will. Es ist Geld, das trotz westlicher Sanktionen weiter nach Russland fließt und damit wohl in Deutschland einen bitteren Nachgeschmack hinterlassen wird. Denn seit Monaten lautet das Kredo im Westen: Energie sparen, um sich aus der Abhängigkeit von Wladimir Putin zu lösen und so Russlands Invasion ausbremsen. Die Milliardengewinne auf Rekordniveau offenbaren nun, dass unter anderem die EU noch vor einem weiten Weg steht und trotz der Wirtschaftssanktionen Putins Kriegsmaschinerie weiter finanziert.

Gazprom mit Rekordgewinn: Deutschland finanziert über Nord Stream 1 Putins Ukraine-Krieg

Wladimir Putin hat Deutschland und andere Länder weiter fest in der Hand: Während der Westen seit Monaten verkündet, die Energieabhängigkeit von Russland abzubauen und verstärkt nach Alternativen sucht, reguliert der Kreml die täglichen Gaslieferungen über Nord Stream 1. Dieser Tage stehen erneut planmäßige Wartungsarbeiten an der Gaspipeline an. Verbraucher werden sich gut an die Lieferengpässe vor einigen Wochen erinnern, als die Wiederaufnahme der Gaslieferungen durch Nord Stream 1 nach Deutschland zum politischen Poker wurde.

Auch jetzt sichert Russland wieder zu, dass künftig Gas durch Nord Stream 1 fließen wird. Ob es dieses Mal ohne Probleme klappt, wird sich zeigen. Doch die erneute Unterbrechung zeigt, wie stark weiterhin der Einfluss der russischen Gaslieferungen auf Deutschland ist. Abgesehen von der Abhängigkeit wird durch den Gewinn von Gazprom auch noch ein weiteres Problem sichtbar: Das russische Gasunternehmen hat nämlich nach Informationen des Spiegels Dividendenzahlungen an die Aktionäre angekündigt und so wird der russische Staat trotz Sanktionen weiter kräftige Einnahmen aus dem Westen beziehen. Denn über 50 Prozent der Anteile des Gaskonzerns sind in staatlicher Hand.

Lieferstopp bei Nord Stream 1: Europa finanziert indirekt russische Armee weiter

Das Geld aus den Gazprom-Gewinnen kann der Kreml gut gebrauchen: Seit über sechs Monaten tobt der Krieg in der Ukraine und fordert jeden Tagen seinen finanziellen Tribut. Nach einem schnellen Vormaß in den ersten Kriegstagen hat sich der Konflikt inzwischen nämlich zu einer Materialschlacht entwickelt, die Milliarden verschlingt. Während die Ukraine weiterhin durch westliche Nationen unterstützt wird und regelmäßig Waffenlieferung ins Land kommen, steht Russland weitestgehend ohne finanzielle Unterstützer dar. Derweil sucht Deutschland etwa in Kanada einen neuen Verbündeten bei Energielieferungen.

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Das Geld, das der Staat nun als Hauptanteilseigner von Gazprom einnehmen wird, könnte daher mit großer Wahrscheinlichkeit dafür genutzt werden, um die Kosten des Ukraine-Kriegs mitzutragen. Natürlich übersteigen diese den Gewinn aus den Gaslieferungen, allerdings könnten die knapp 1,3 Billionen Rubel aus den Dividenden mögliche finanzielle Engpässe überbrücken und die westlichen Sanktionen, die darauf abzielen, Russland wirtschaftlich zu bedrängen und zum Ende des Ukraine-Kriegs zu bewegen, ausbremsen.

Sanktionen gegen Russland wohl mit wenig Wirkung

Zu Beginn des Krieges in der Ukraine schätzten Experten, dass Russland womöglich nur relativ geringe Summe benötigt, um die Kämpfe zu finanzieren. Grund hierfür war, dass Panzer, Luftwaffe oder Marine über Jahrzehnte in dem Land gefertigt wurden. Dass die europäische Gasabhängigkeit schlussendlich der russischen Regierung trotz Sanktionen und stark gestiegenen Gaspreise noch stärker in die Hände spielt, lässt sich anhand des Gazprom-Gewinns allerdings nur erahnen: Zwar verdient der russische Staat schon als Aktionär kräftig mit, allerdings zahlen die Unternehmen Gewinn- und Unternehmenssteuern, die traditionell einen großen Teil der Finanzierung des russischen Haushalts ausmachen.

Derzeit wird eine künstliche Verknappung der Gasmengen durch die russische Regierung zwar entschieden dementiert, allerdings wird es auch künftig so sein, dass Russland trotz Sanktionen und Entbehrungen im Westen durch das Gasgeschäft weiterhin sein finanzielles Polster aufbessert. Aus russischer Sicht ist zudem klar, dass die Beschränkungen gegenüber dem Kreml ihre Wirkung verfehlen werden und am Ende dem Westen mehr schaden wird als Russland.

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